Mittwoch, 16. September 2015

Wiener G'schichten - Sie sind überall!

Der Gang zum Wiener Hauptbahnhof war voller Rätsel: die vielen Menschen, die da auf dem Boden saßen. Wo kommen sie her, wo gehen sie hin? Sie sahen aus als hätten sie das Schlimmste gerade hinter sich. Keine glücklichen Gesichter, aber eine gewisse Zuversicht, vor allem bei den Kindern strahlen  sie aus. Man versteht es nicht ganz: Auf Englisch und Arabisch wird provisorisch mitgeteilt, dass heute keine Züge nach Deutschland fahren und von Deutschland kommen. Man scheint abzuwarten und zeigt sich geduldig. Die vielen Helfer sind durch Anstecker gekennzeichnet. Die Flut der Flüchtlinge erinnert an die Sturzbäche im Frühling.

Es wirkt wie ein Schub der Menschlichkeit nach vorne, der Zwischenmenschlichkeit. Was einerseits ein unerhörtes Unglück ist, für Millionen von Menschen auf der Flucht, gibt uns, den reichen, wohlgenährten Einwohnern in Österreich und in Deutschland, eine Chance, die Kälte und Ungastlichkeit an die wir uns gewöhnt haben, zu überwinden. Das Bessere in uns hervorzuholen. Und das, gegen die immer einsamer werdenden Stimmen des Unverstandes, der Ablehnung.


Diese Menschen werden nicht mehr in ihre Heimat zurück kehren. Sie haben meist schon längst damit abgeschlossen. Jetzt müssen wir, die Älteren, uns an die Zeit des Kriegsendes erinnern als die halbe Welt unterwegs war. Millionen von Flüchtlingen wurden damals bei uns zwangseinquartiert. Meist ging es sogar ganz gut. Nach einigen Jahren war es durchgestanden.


Was wir jetzt noch lernen müssen, ist das bewusste Herbeiführen von Nähe zu diesen Menschen. Gehen wir auf sie zu. Das ist ein logischer nächster Schritt. Außer den Geld- und Sachspenden, dem Lächeln des Willkommens, muss es jetzt entschiedene Berührung geben, sonst bleiben unsere neuen Nachbarn uns fremd. Oder wollen wir weiter zusehen, wie vereinsamte Menschen in ihren winterfesten Behausungen einfach so dahindämmern und auch unbemerkt sterben, wie wir es immer wieder über einsame Rentner erfahren müssen, weil wir uns nicht darum kümmern. Jetzt können wir helfen und gleichzeitig zufriedene Gesichter bekommen, wie man sie auf den Wiener Bahnhöfen zur Zeit sehen kann. 

Montag, 14. September 2015

Petra László - Brutalität hat wieder ein Gesicht.

Diese ungarische TV-Dame wird gefilmt wie sie einem Flüchtlingsvater mit Kind das Bein stellt. Das Kind wird von ihr getreten. Vater und Kind stürzen zu Boden. Ihr Sender, N1, der dieser rechtsextremen Jobbit-Partei nahesteht, soll sie gefeuert haben. Ob das eine ehrliche Reaktion war, darf bezweifelt werden. Wann darf sie im Innendienst wieder beginnen? Diese Laszlo hat der menschlichen Brutalität und den ungarischen Polizeihandlangern noch einen draufgesetzt. Und die ganze Menschheit hat es gesehen. Bravo! Ein neuer Schlampenstar am Himmel. Soweit ist es gekommen: Hauptsache, man fällt auf. Auch als weiblicher Dreckskerl. Eklig.


Wisst Ihr was? Ich habe keine Lust mehr, meine tippenden Finger weiter zu bemühen, um so eine Sauerei auch noch zu beschreiben. Ungarn, Ihr könnt auf die da stolz sein!

Sonntag, 13. September 2015

Die Internationalen und das Geld der Steuerzahler.

Von einigen Einrichtungen wissen wir, wie sie mit dem Geld der Steuerzahler umgehen. Man möchte erröten, wenn man etwa an Geheimdienste wie BND oder NSA denkt oder an Waffenkäufe, Bauprojekte, Prestigeobjekte. Da wird oft sinnlos im Geld der Bürger gewühlt. Der Steuerzahler ist der letzte, der über den Verbleib seiner Abgaben ausreichend informiert wird. Wahrscheinlich müssen wir das meiste auf diesem Gebiet einfach abschreiben, weil wir es ohnehin nicht ändern können.


Über internationale Organisationen, zwischenstaatliche oder nichtstaatliche, erfährt man oft recht viel. Sie sind gegründet worden, um einem Zweck zu dienen. Sei es, die Menschenrechte zu verteidigen, die Zusammenarbeit auf allen möglichen Gebieten voranzubringen. Einige haben mit den Jahren vieles erreicht. Amnesty International, EU, NASA und Europäische Raumfahrtorganisation, Vereinte Nationen und viele, viele mehr. Meist schwimmen sie nicht im Geld, denn die Mitgliedsländer sind knausrig, versuchen sogar zu sparen, wo größere Einsätze nützlich und notwendig wären. Die einen machen mehr oder weniger diskret ihre Arbeit, die anderen nutzen die Aktualität der Stunde, um ihren Auftrag zu erfüllen. Die OSZE mit ihren 57 Mitgliedsländern, der Europarat mit 47, sie alle sind sehr fleißig, doch der große endgültige Erfolg ist nicht zu erwarten.

Was selten nach außen dringt, sind die Eigengesetzlichkeiten, denen internationale Organisationen oft unterliegen. Man will sie unter Kontrolle halten. Sie dürfen nicht allzu viel Aufsehen erregen. Publikationen, die oft sehr interessant sind, werden fast vergessen. Es fehlt der Geschäftssinn. Vermarktung findet kaum statt. Die Konstruktion einer Organisation lässt oft eigene Initiativen nicht zu. Auch das Ausbremsen durch Gründer-Staaten geschieht immer wieder. Wer mehr als 10 Mitgliedsländer hat, muss mit endlosen Wahlperioden rechnen, die alle Arten von Initiativen lähmen. So kommen Reformen nur langsam voran.

Auch interne Probleme,  die von außen kaum sichtbar sind, können eine Organisation in eine Art Koma versetzen. Die Sprachenregelung kann manchmal alles hemmen, wenn Dokumente in zig Sprachen übersetzt werden müssen. Die Motivation des Personals kann mit den Jahren auch abhanden kommen. Der mangelnde Enthusiasmus der Führungskräfte kann ein Problem sein. Mangelnde Kompetenz in der Vermarktung des eigenen Tuns. Oft hat der Außenstehende keine Ahnung mehr, was die Ziele einer Organisation sind. Was eigentlich getrieben wird. Viel Platz wird auch dem Konkurrenzgehabe einzelner Nationalitäten zugeschrieben.

Die Arbeit mit den Medien, die eine Aufgabe verdeutlichen soll, wird oft unterschätzt oder nicht fachmännisch genug betrieben.  Dann wird Kritik geäußert, zurecht oder nicht, eine nicht gewollte Schieflache wird sichtbar, doch scheint es unmöglich, eine einmal aufgebaute internationale Struktur wieder zum Verschwinden zu bringen. Die Führungskräfte, die Generalsekretäre, Präsidenten und Geschäftsführer sind dann oft nicht mehr die erste Wahl. Der unspektakuläre Alltag setzt ein, der einer Organisation die Dynamik rauben kann. Man beobachtet immer wieder gutgemeinte Belebungsprozesse, die nicht lange anhalten.

Wenn man von den wenigen Institutionen absieht, die im Geld zu schwimmen scheinen (Geheimdienste, Verteidigungsministerien, Industrieverbände etc.), fristen die meisten internationalen  Organisationen ein prekäres Dasein, das sie für ihre eigentlichen Aufgaben oft unbrauchbar macht. Es wäre nicht gut, konkrete Beispiele zu nennen. Doch die allzu langsamen Entwicklungen auf allen Gebieten sind sicher dem Umstand zu verdanken, dass die Auftraggeber (meist die Regierungen) bremsen so gut sie können. Dann wird eine internationale Einrichtung zu einem bloßen Alibi für die Untätigkeit, die wir von den Regierungen kennen.







Donnerstag, 10. September 2015

Die Veränderungen anhand der Queen

Ein etwas rätselhafter Titel. Die englische Königin hat jetzt solange regiert wie ihre Ururgroßmutter Victoria, also 63 Jahre und einige Monate. Als Elisabeth II den Thron bestieg, nein, es war kurz danach, besuchte sie die Pottery Region in Stoke-on-Trent. Dort wurde noch in den Fünfzigerjahren das berühmte Porzellangeschirr hergestellt, aus dem man selbstverständlich aß, natürlich auch die Krönungsgäste. Wedgwood ist immer noch ein Begriff. Zu jener Zeit hatte die Hälfte der britischen Bevölkerung noch nie einen Schwarzen gesehen, und kaum einen Asiaten. In einer Kleiderfabrik in Leicester waren noch 1958 alle Arbeiterinnen weiß. In Nottingham gingen 4000 Briten auf die Straße, um gegen etwas Unerhörtes zu protestieren: in einem Pub wurde ein Schwarzer aus Westindien gesehen wie er mit einer weißen Frau flirtete. Solche Dinge vollziehen sich nie reibungslos.

Dieser Teller kam aus Stoke-on-Trent über Zypern, Frankreich, Deutschland nach Österreich. 

Es ging alles Schlag auf Schlag. Menschen in ehemaligen Kolonien erhielten die britische Staatsbürgerschaft. Viele kamen aus allen Ländern und ließen sich für immer im Reich nieder. Heute ist die Gesellschaft in Großbritannien ein ethnischer Schmelztiegel. Die Sprache ist nicht das vielgerühmte Oxford Englisch. Das Englisch auf den Straßen hat ebensoviele Klangfarben wie Gesichtszüge. Keiner scheint darüber traurig zu sein. Man regt sich eher über unkorrekte Geschäftsgebaren auf oder über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im großen Stil, als über Verfremdung. Dann eher über die in Brüssel, die alles besser wissen wollen.

Was Deutschland und Österreich betrifft, wo gerade viele Fremde ankommen, die nicht mehr in ihre Länder zurückkehren werden, so muss eine solche ethnische Veränderung niemanden beunruhigen. Die Flüchtlinge werden sich anpassen (helfen wir ihnen!) und unsere Gesellschaft zu einer bunteren machen. In Wien und anderen europäischen Städten kann man es täglich sehen: im Zentrum ist fast jeder ein sogenannter Ausländer. Man hört es an den Sprachen und Akzenten. Wenn wir freundlich helfen, klappt es mit der Integration besser und schneller.


Ausländer, wohin das Auge reicht. 

Die englische Königin kann ein Gradmesser für all diese Veränderungen sein. Sie hat in den fast 90 Jahren ihres königlichen Daseins alles erlebt und auch das Gegenteil. Krieg und Frieden, Schwarz und Weiß, Hunger und Völlerei, Anstand und Frömmelei, Betrug und Ehrlichkeit. Jede Gesellschaft sucht sich ihr Mitte aus und bestimmt, welche Werte ihr am wichtigsten sind. Auch Deutschland und Österreich zeigen gerade, auf welche Werte man nicht verzichten mag. Das wird auch in Zukunft unsere Gesellschaft bestimmen. Freuen wir uns darauf.









Mittwoch, 9. September 2015

Elisabeth II. ist jetzt die dienstälteste Königin.

Man kann über die Monarchen sagen was man will, aber auf ihre Herkunft lassen sie nicht so schnell was kommen. Obwohl: in welcher Familie hat es keine Skandale gegeben? Erbstreitigkeiten? Bruderkriege? Auf und Abs, teilweise mit hoffnungslosem Ausgang. Da ich Hofberichterstattung und jegliche Art von Hudeleien energisch ablehne, behaupte ich, so gut wie nichts über die britische Monarchie zu wissen.


Ururgroßmutter als Briefmarke. 

Obwohl es historisch nicht stimmt, scheint alles mit der ganz schön pummeligen Viktoria begonnen zu haben. Die Erbschwierigkeiten lassen wir einmal weg. Die Bedeutung der Herkunft kann bei Royalen nie geleugnet werden. Sie wurde 1819 geboren. Ihre Mutter war eine Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Sie war von 1837 bis zu ihren Ableben, 1901, Königin des Vereinigten Königreiches von England (usw.) und ab 1877 auch Kaiserin von Indien. Pro forma war sie die Herrscherin über ein Drittel der damaligen Menschheit und mehr als einem Fünftel der zivilisierten und unzivilisierten Welt. Old Vickie war gleichzeitig - das zergeht auf der Zunge - Ururgroßmutter der heutigen Königin Elisabeth und des Gemahls, Prinz Philip. Royale Ururoma. Sie hat eindrucksvoll regiert, und zwar, 63 Jahre und 7 Monate lang. Die Zahl ihrer Nachkommen war groß, ja, sie wurde als Großmutter Europas bezeichnet. Dies wäre nicht möglich gewesen, jedenfalls so nicht, hätte sie sich nicht, siebzehnjährig, in einen Cousin mütterlicherseits verliebt, der ihr 4 Tage nach einem Besuch einen Heiratsantrag machte. Sie heiratete den Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und eröffnete damit weltweit die Eigenart, nur noch im weißen Brautkleid vor den Altar zu treten. Deutscher kann es gar nicht mehr gehen.

She looks gorgeous

Und jetzt zu unserer immer etwas gebrechlich wirkenden Elisabeth: Prinz Philip, der auch deutsch bewurzelt ist, soll sie "my sausage" nennen, wenn er ganz zärtlich sein will, was man sich nur schwer vorstellen kann. Fast unauffällig, hat Elisabeth II. jetzt ihre Ururgroßmutter als Regentin überholt. Irgendwann im September 2015, ist es so weit: Uns' Elly ist die längste Königin in Großbritannien. Wer will da nicht gratulieren! Neben den vielen Eröffnungen und Händeschütteleien, Staatsbesuchen und sonstigen Dienstleistungen einer Königin, hat sie auch eine eigene Technik entwickelt, aus einer Sache wieder herauszukommen, wenn sie genug hat: Sie stellt ihr Handtäschchen diskret und senkrecht auf den Tisch. Das Personal weiß dann, dass die Königin gehen möchte.

Die deutschen Boulevardblätter haben die immer freundliche Elisabeth von Anfang an zur Königin  auch der Deutschen gemacht. So soll es von jetzt an bleiben. 

Montag, 7. September 2015

Was denn nun: You Tube, Netflix, TV, Radio, sonstnochwas?

Wir haben die Entwicklung der Medien begleitet. Als es nur Rundfunk war, durften wir Angehörige einer hörenden Gemeinde sein. Alles in der Landessprache. Die Hörspiele waren gut. Musik aufregend, wenn auch technisch unreif. Die Schallplatte machte es schon besser. Adolf Hitler und andere haben den gläubigen Zuhörern oft den Kopf verdreht. Was im Radio gesagt wurde, galt meist als wahr. Eine historische Dimension kam hinzu, aber man konnte leider nicht sehen von wo und wie der Ton ankam. Einige Künstler erlangten durch den Funk Weltruhm.


Meine Insel 

Das Fernsehen aber änderte wirklich das Leben. Zuerst in Schwarz/Weiß. Kurz nach dem Ereignis (die englische Königin heiratete vor Millionen Zuschauern, oder war es die Krönung in den Fünfzigerjahren?), konnte man die Bilder sehen. Statt ins Theater oder in die Oper zu gehen, fläzte man sich in einen gemütlichen Sessel, knabberte Salzstangen und und holte sich ein Bier, wann immer man das wollte. Dabei konnte man die besten Aufführungen des Landes sehen. Die Farbe machte das alles zu einem noch größeren Genuss für das Auge. Die künstlerische Kreativität wanderte eindeutig ins Fernsehen ab. Dann kamen die Privaten und Satellitengesteuerten. Grenzüberschreitend. Da fing der Blödsinn an. Zu viele Programme von zweifelhafter Natur. Auch viel Nacktes und Pornografisches. Und das berühmte Wort zum Sonntag.


Mein Zuhause 

Jetzt versuchen sich immer mehr Junge bei You Tube, die individuelle Gestaltung des bewegten Bildes. Selbermachen. Banale Inhalte, meist von Lieschen Müller. Die echten Talente bleiben auf der Strecke. TV-Ersatz? Nur die besten bringen es ein wenig voran. Auf das Fernsehen verzichten jetzt schon alle, die sich mit Netflix vergnügen: ein unbegrenztes Spielfilmprogramm, das TV weitgehend überflüssig macht. Radio hat immerhin heute den Vorzug, dass auf dem Klo, in der U-Bahn und im Bett per Ohr zu jeder Zeit die letzten Nachrichten abgefragt werden können.

Natürlich gibt es noch andere Netzwerke zur individuellen Nutzung. Ich für meinen Teil habe das Bloggen entdeckt, das ich seit Jahren betreibe. Achthundert davon habe ich in die Welt gesetzt. Alle Themen nach meinem eigenen Geschmack. Von erotisch bis historisch. Unterhaltsam und schockierend. Politisch und exotisch. Beobachtend. Ich tu es nur für mich, mit dem Angebot, auch andere daran teilhaben zu lassen. Über 275 000 haben schon bei mir hereingeschaut. wolfgangundsoweiter.blogspot.com







Friedensnobelpreis für Deutschland und Österreich?

Wir wissen natürlich, warum. Und wir wissen natürlich auch, warum nicht! Trotz mies gesinnter Protestler werden Tausende Menschen freundlich in unseren Ländern aufgenommen. Die Hilfsbereitschaft der Österreicher und der Deutschen hat dieser Tage epidemische Ausmaße angenommen. Kaum hat sich die quälende Hitze in Eiseskälte verwandelt, tragen die Ankömmlinge Winterkleidung, gespendet von den vielen, die helfen wollen. Das mit dem Nobelpreis ist selbstverständlich ein Scherz. Dennoch: Ganze Länder haben gezwungenermaßen ihr Großherzigkeit entdeckt.

Wenn man daran denkt, was unsere ehemals faschistischen Länder auf dem Kerbholz haben. Wenn man sieht, wie knallhart unsere Welt geworden ist, muss man sich wundern, dass da irgendwo bei uns ein weicher Kern freigelegt wird. Obwohl Hilfe für die Notleidenden eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist man überrascht, über diese Offenheit. Während die einen sich ganz sicher für das rüde Verhalten ihrer Regierung schämen, können die anderen ein wenig stolz sein. Man konnte spontanes Helfen für veraltet halten. Dennoch macht es stolz, ein wenig dabei zu sein, wenn sie ankommen. Unsere Gaben bestanden in großen Mengen an Datteln, Rosinen, Feigen und Cashew-Nüssen, denn das ist das, was vor allem Kinder bei dieser unendlichen Flucht entbehren könnten. Anderes kam in großen Massen wie von selbst an: Trinkwasser, Obst, Unterwäsche, Schuhe usw.


Man stelle sich vor, ein Land würde für solch nobles Verhalten einen Nobelpreis erhalten. Die Zahl der Neider, Feinde und Nörgler würde ins Unermessliche steigen. Vielleicht zurecht. Andererseits könnte man sich unsere politischen Vertreter als begabte Sprecher einer guten Sache vorstellen. Angela Merkel, bei der Entgegennahme des Preises hätte sie kleine Flügelchen umgeschnallt. Himmlisch! Oder der süße österreichische Außenminister Kurz, mit einem adeligen Häubchen geschmückt. Diese Welt hätte sich dann entschieden verändert. Das tut sie übrigens zur Zeit ohnehin. Freuen wir uns darauf!

Sonntag, 6. September 2015

Hans-Dietrich Genscher: Jetzt ist die Gelegenheit!

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Besonders bei Politikern muss man vorsichtig sein. Viele verbrennen nur Strohfeuer und erwarten dann auch noch die üblichen Ehrungen, bis hin zum Friedensnobelpreis. Bei Hans-Dietrich Genscher möchte und muss man nicht warten bis die Nachrufe anstehen. Er stand im Zentrum historisch-politischer Entwicklungen, die geteilte Heimat betreffend, und der größte menschliche Triumph seines Lebens, der halbe Fenstersatz in der Prager Botschaft, den er vor lauter Jubel nicht zu Ende sagen konnte, verdient liebendes Gedenken. Es war im Oktober 1989. Viele DDR-Deutsche waren in die Tschechoslowakei gekommen, weil die Einreise in dieses sozialistische Land damals möglich war. Dann flohen sie in die west-deutsche Vertretung und warteten auf die Befreiung. Genscher war an so vielem beteiligt, dass es schwerfällt, das alles zusammenzufassen.


Vielen hat sein "Verrat" an der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt weh getan. Es war schwer, ihm das zu verzeihen. Seine Karriere als bundesdeutscher Außenminister litt darunter jedoch kaum. Es kam zur Koalition mit der CDU/CSU und zur Kanzlerschaft unter Helmuth Kohl, die auch mit Genschers tatkräftigem Wirken zur Wiedervereinigung führte. Sein Verhandlunggeschick, etwa bei der Schlussakte von Helsinki, heute durch die KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) fortgesetzt, erreichte internationale Dimensionen und überbrückte den Ost-West-Konflikt. Lasst ihn uns nicht so schnell vergessen.

Auch nicht seinen gelben Pulli, der sein Markenzeichen war. Man sagt, er habe mehrere davon getragen. Alle gingen irgendwie bei Auktionen in den Besitz seiner Fans über. Der höchste erzielte Betrag waren über 7000 DM. Das soll ihm ein anderer Außenminister erst einmal nachmachen. Also, wie gesagt, keine abschließende Ehrung für diesen großen Politiker, sondern nur ein ehrender Zwischenruf zu einer Zeit, da viele tausende Flüchtlinge zu uns kommen, die vor unmöglichen Regimen davonlaufen. Sollten wir da Genschers Tat in der Botschaft der BRD in Prag vergessen können, die nach leidvoller Trennung in Ost und West Millionen Menschen zusammengebracht hat?

Lasst uns ab und zu ein wenig geschichtlich denken, bzw. dankbar herumgenschern.





Samstag, 5. September 2015

Er hieß Manfred und hatte Polio

Seltsam, er war behindert, war mein Freund, und wir machten Ausflüge in die Natur. Kinderlähmung hatte er und es fiel ihm oft schwer, mir nachzukommen. Manfred war ein kluges Kerlchen, seine kleinere Schwester kletterte gerne auf Bäume und trug gerne Lederhosen. Eines Tages - wir könnten um die 6 - 7 Jahre alt gewesen sein - fanden wir im Wald ein Versteck. Eine Laubhütte mit einer Art Sitzecke und einem alten Ofen, dessen Rohr einfach irgendwie ins Freie führte. Der Besitzer oder Erbauer dieser Hütte, ein großer Junge namens Alex, entdeckte uns und forderte uns auf, nach Hause zu gehen und Zündhölzer zu holen, damit wir ein Feuer machen könnten.


Manfred und ich gingen nach Hause. Unterwegs berieten wir uns. Beide kamen wir überein, dass wir das mit den Zündhölzern lieber nicht tun sollten. Manfred humpelte neben mir her und sagte, wir machen kein Feuer im Wald. Kurze Zeit später brannte der Wald lichterloh, denn Alex hatte irgendwo Feuer gefunden. Unsere Eltern waren froh, als wir unsere Unschuld beteuerten, denn man hatte uns aus dem Wald kommen sehen und Schlimmes befürchtet.

Später hatte Manfred Glück bei den Mädchen, studierte Jura und fuhr mit Wonne einen alten 200er Mercedes. Unsere Wege trennten sich. Von Manfreds Schwester erfuhr ich dann nach Jahren, dass er noch sehr jung verstorben ist. Kinderlähmung - eine Geisel der Menschheit. Wieviele Menschen mussten ihr Leben mit dieser schrecklichen Krankheit beginnen und damit leben. Andere starben.
In Europa und den USA war das Virus Polio in den Achtzigerjahren fast ausgerottet, aber in der Dritten Welt starben trotz Schluckimpfung noch viele. Indien scheint heute von Polio endlich ganz befreit und weltweit werden nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria Fälle von Kinderlähmung gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation sieht für das Jahr 2018 die endgültige Ausrottung dieser Krankheit vor. Oft denke ich an meinen lebenslustigen Freund Manfred, der sich nicht unterkriegen ließ. Doch über diese Kinderlähmung haben wir nie gesprochen.

Freitag, 4. September 2015

Veganisch, vegetarisch und karnivor.

Gut, es ist ein bisschen unfair, das Wort "karnivor" in einem Atemzug mit "veganisch" in den Mund zu nehmen. Die Natur hat es aber so gewollt, dass einige unserer liebsten Pflanzen als Fleischfresser gelten. Pflanzen, die auf stickstoffarmen Böden wachsen und mit Vorrichtungen wie Klebdrüsen, Klappfallen, Fangblasen und Fallgruben ihre Opfer fangen, um sie dann zu verzehren, gibt es auch. Die Natur hat sie so gemacht. Auch Menschen können des Guten zuviel tun und unglaubliche Mengen an Fleisch, Wurst und sonstigen Tierprodukten wegputzen. Die Lust, zu essen, führt oft sogar zu körperlichen Übermaßen, die jedoch auch von exzessiven Sofaaufenthalten herrühren können. Soviel zur menschlichen Natur.

Seit das Bewusstsein für Bio-Esswaren ins Groteske gestiegen ist, wird es offensichtlich immer  gefährlicher, gesundheitlich traditionell zu leben. Was Bio ist, weiß jedoch niemand mehr so recht. Es steht einfach drauf. Basta. Es könnte auch Bio-Schuhe geben. Das würde niemand wundern.

Nichts gegen vegetarische Küche. Obwohl, als es begann, etwa mit Grünkernbratlingen, war noch großes Verbesserungspotenzial vorhanden. Inzwischen haben sich allerdings auch die anderen geoutet, die mehr Glutenfreiheit anstreben und bei denen alles lactosefrei sein muss. Von Weizenunverträglichkeit ganz zu schweigen. Das alles kann sogar ganz gut schmecken.


Wahrscheinlich hat auch die Riege der Geschmacksverstärker versagt. Die unzähligen Nahrungszusätze haben den Verbraucher müde gemacht. In den USA werden über 50 Umschreibungen auf Produkten benutzt, die verhindern wollen, dass das Wort "Zucker" auftaucht. Bei einer derartigen Ernährungshysterie, darf man sich nicht wundern, wenn der essende Mensch das Vertrauen in die Leberwurst endgültig verloren hat und vegan wird.

Ich lebe mit einer ernährungsbewussten Frau zusammen, die Weizenprodukte nicht verträgt. Das ist schwierig genug. Ich selbst bin in der glücklichen Lage, alles essen zu können, obwohl mir nicht alles schmeckt. Also passen wir unsere Essgewohnheiten den neuesten Entwicklungen ein wenig an: ein schöner Apfel muss nicht bio sein, und ein Stück Tofu-Ente beim Vietnamesen kann köstlich schmecken. Aber das ständige Erörtern der letzten Erkenntnisse auf diesem so wichtigen Gebiet stinkt manchmal gewaltig. Dann werfen wir alles über Bord und essen einfach.