Donnerstag, 29. März 2018

Haworth, was hab' ich damit zu tun?

Haworth ist alles andere als aufregend. Nun, was ein Donald Trump sagen mag, ist ebenfalls alles andere als aufregend. Zwei Jahre habe ich dort gelebt. Bis Ende 2017. Mit Cath, deren Mutter wir vor kurzem in Yorkshire beerdigt haben. Geografisch gesehen, liegt das alles im Norden Englands wo Adler und Springmaus sich Gutenacht sagen. Haworth ist ein mittelalterliches Etwas, das gerne alte Zeiten heraufbeschwört, zB. das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg. Leeds ist nicht weit davon, und Glasgow könnte auch noch als Nachbarstadt empfunden werden.

Jeden Donnerstag 
Dass Haworth, von dem die meisten Kontinentaleuropäer so gut wie nichts gehört haben, ein Ort höchster literarischer Präsenz ist, liegt auf der Hand. Man spricht sogar von Bronte Country, wobei auf dem 'e' von Bronte ein Trema ruht, das schwer erklärlich ist. Ja, es geht um die Bronte-Schwestern, Emily, Anne und Charlotte. Eine davon hat 'Jane Eyre' geschrieben, an die ich mich nicht so recht erinnern will. Charlotte schrieb den 'Professor'. Der ist mir im Gedächtnis geblieben. Heute eher unsensationell, doch nicht langweilig. Und Anne, weißgott was sie geschrieben hat. Drei schriftstellerische Schwestern, und auch noch talentiert, das muss man erst mal verdauen.


Auf ihrem eindrucksvollen Erinnerungsstein am Haworther Friedhof steht: "The Sting of death is the Sin. And the Strength of Sin is the Law, but Thanks be to God, which giveth us the victory through our Lord Jesus Christ...(Der Stachel des Todes ist die Sünde. Und die Kraft der Sünde ist das Gesetz, doch Dank sei Gott, der uns den Sieg gibt durch Christus unsern Herrn...). Hochtrabend? Tiefgläubig? Jedenfalls in Stein gemeiselt.



Was jede Art von Aufregung sich dämpfen lässt, ist das Yorkshire Moor, das nur Schritte von Haworth entfernt ist und zu Fuß unendliche Weiten erschließt. Wer mit seinem Leben eine schmerzliche Rechnung zu begleichen hat, der sollte - nicht ohne gutes Schuhwerk und Plastikumhang - ins Moor gehen. Und versuchen, vor Einbruch der Dunkelheit wieder herauszufinden. Ein Bier oder Gin&Tonic im Fleece, in der Mitte des Städtchens, ist dann fast unumgäglich. Und gut.

Hauptstrasse, Haworth

Wenn in Haworth etwas los ist, kommt man zu Fuß. Parkplätze gibt es dann nicht mehr. Die örtliche Zeitung hält über alles auf dem Laufenden, auch wenn sie nur donnerstags erscheint. Auch die Sendung von BBC, Fernsehen, die sich "Look North" nennt, gehört zum täglichen Ritual. Nur so ist es erklärlich, dass diese nasse Gegend zu den glücklichsten in Großbritannien gehört. Ich gehöre zu den zahlreichen Fans dieses Stückchens Erde, das durchaus etwas trockener sein könnte.




Mittwoch, 28. März 2018

Sie läuten wieder, die O'glocken.

Wer gerne stänkert, kann sich jetzt voll austoben: das Wetter ist schlecht, Osterwetter, wie man es nicht anders kennt. Die Erinnerungen an das Nest mit der grünen Papierwolle auf mittelgroßem Teller sind noch lebhaft. Ein paar bunte Eier, reichlich uninteressant, sind die Grundausrüstung. Etwas aus Schokolade, entweder ein richtiger Schokohase, oder mein Lieblingszuckerstück, der rote Hase auf dem Motorrad, sowie jede Menge kleine Bonboneier mit flüssiger Füllung. Die beste Garantie, dass Kinderherzen auch bei miesem Wetter (Nest im Kinderzimmer) höher schlagen.

Nein, ich lege keine Eier! 
Wer dann auf das Erwachsensein zugeht, bekam gerade noch einen Knirps geschenkt, den man in der Schultasche verstecken konnte. Oder ein Paar Socken. Bei weiblichen Wesen kann noch ein Flakönchen Köllnisch Wasser dazu kommen. Kurzum: Ostern ist ein Fest mit leicht hochgezogenen Augenbrauen. Neben dem kühlen Regen sind da noch die zugeparken Raststätten und die überfüllten Autobahnen.


Auch das Blumenangebot ist noch etwas dürftig, sodass man sich notgedrungen nach schokoladehaltigen Sonderangeboten umschaut. Das haben sich auch die Polen gedacht und noch schnell bei den Amerikanern Patriot-Raketen bestellt, um bessere Abwehrmöglichkeiten gegen den freundlichen russischen Nachbarn zu haben. In Zeiten wie Ostern (Karwoche inbegriffen) geht meist alles durcheinander. Kosten jetzt diese Abwehrraketen mit über 4 Mrd € mehr, oder die in Polen verfügbaren Süßwaren?

Patriot Raketen 
Wir haben Frieden. Doch das trügt. Ich glaube, das eigentliche Osterproblem ist nicht der wieder auferstandene Herr Jesus, der eigentlich nur Freude auslöst, sondern wir Osterhasen selbst, die wir mit den christlichen Begebenheiten nicht gut zurecht kommen und mit unnötigem Konsum nicht viel am Hut haben. Das rächt sich, denn das wohlmeinende Frommsein will nicht aufkommen. Wo bleibt die Osterstimmung, wenn mal hier, mal da aus reiner Langeweile der eine oder andere einfach erschossen, erdolcht oder vergiftet wird?


Die österliche Unschuld von einst, wir haben sie längst verloren. Der Herr am Kreuze hat es gut mit uns gemeint und durch seinen Tod alle Schuld auf sich genommen. Doch warum ziert sich die Waffenindustie, klare Worte zu sprechen? Die Von der Leien, die sich sportlich militärisch vor die Soldaten stellt und Unsinn redet. "Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir", so oder ähnlich hat sie jetzt vor Ostern noch zum Heer gesprochen. Was wollte sie damit sagen? Ich glaube, sie übt Kanzlernachfolge. Ich glaube, das Osterwetter ist wirklich nicht das beste.


Dienstag, 27. März 2018

Essensreste - Soappasta.

Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam. Cath war fünf Tage weg, (vielleicht, um sich von mir zu erholen???) und ich saß alleine vor dem Fernseher und langweilte mich. Das geschieht nicht oft, denn ich habe mir wieder einen Vorrat an Büchern gekauft, darunter zwei Krimis, die sich selbst als Thriller bezeichnen.

Wege zum Glück?
Meine Neugier auf deutsches Fernsehen war jedoch groß, hatte ich doch seit Jahren mehr BBC gesehen, als wir in Yorkshire waren, und gelegentlich ORF, während unseres dreijährigen Aufenthaltes in Wien. Ich hatte also etwa 30 Jahre lang nicht mehr regelmäßig "deutsch" geglotzt. Meine Entfremdung vom deutschen Soapwesen war entsprechend total. Jetzt bin ich zurück und - wie gesagt - 5 Tage ohne Cath, deren Muttersprache die von Theresa May und Boris Johnson ist.


Jetzt glotze ich nicht nur deutsch, sondern urdeutsch. Die 2888ste Sendung von Wege zum Glück, oder war es Sturm der Liebe? Ich erkannte Gesichter, nach vielen Jahren und fühlte mich zuhause. Hildegard und Alfons, eine Art Hausmeisterpaar. Sehr populär und fast nicht gealtert. Ein dümmlich arroganter Herr Saalfeld, als Hotelbesitzer (?) und ein David, der nach Jahren der Verschollenheit wieder auftauchte (?) und Tina (?) wieder den Hof machte. Ist er ein Betrüger, oder hat sich sein Gesicht so verändert, dass Tina ihn nicht wieder erkennt? Ja, es ist Sturm der Liebe und der Ort nennt sich Fürstenhof. Mehr konnte ich nicht erraten.

Das ist Tina 
Es ging irgendwie um Leihmutterschaft. Das Paar mit dem Kinderwunsch war mir noch bekannt. Die einzige Tochter, ein Pflegekind, war schon eifersüchtig als sie vom Wunsch der Eltern erfuhr. Das Ganze spielte irgendwo in einer alpenartigen, bayrisch-tirolerischen Umgebung, (vielleicht auch gegnerischen Umnachtung?). Es machte auf alle Fälle Spass, nach Jahren diese - zugegebenermaßen - grenzwertigen Seifenstücke wiederzusehen.

Wege zum Glück, eben. 
Rätselhaft, wie sich alles weiter entwickelt hat. Doch der Fürstenhof scheint geblieben zu sein. Also haben wir hier immer noch die ganze Mischung, die uns so mundet: Liebe und Scheinliebe. Intrige und haarscharf am Verbrechen. Vereinfachte Illusionen, fromme Momente, die man sich aussuchen kann. Kulinarische Fantasien. Man schrammt an allem vorbei. Vor allem, am Echten. Das wäre ja noch schöner: talentierte Schauspieler und dann wahrhafte Geschichten. Es muss alles etwas kitschig daherkommen. Das gefällt uns. Dass der gute Geschmack auf der Strecke bleibt, ist im Preis inbegriffen.








Sonntag, 25. März 2018

Schaffenspause.

Selbst Donald Trump, der blödeste Präsident aller Zeiten, benötigt gelegentlich eine Verschnaufpause. Oder etwa nicht? Das eklärt, dass man von Leuten wie Angela Merkel nicht jeden Tag von ihr zu hören bekommt. Sie legt in letzter Zeit beunruhigend oft Pausen ein, wo nichts über ihre Lippen zu gehen scheint. Selbst eine vor selbstrühmendem Ego strotzende Alice Weidel knickt immer häufiger ein. Auf diese Weise ist man schneller weg vom Fenster als man sich träumen lässt. Die Dr. Weidel ist fast wieder verschwunden.

Spitzenwahrsagerinnen. 
Besteht die Welt hauptsächlich aus müden Aussteigern, die sich nach einer mühsam ergatterten  Internetpräsenz erholen müssen? Damit geben sie auch anderen die Möglichkeit, vorzupreschen. Bei Facebook gibt es einen Fuzzi, der mir systematisch ins Auge springt. Er sieht relativ gut aus, scheint eine "Message" zu haben, denn er quasselt ununterbrochen. Und man hört ihm schon aus Gründen des Widerstandes keineswegs zu. Nie! Also, warum tun die das? Kleinvieh macht auch Mist?

Bei Adolf Hitler war das ewas anders. Er hatte die Sache mit den Autobahnen entdeckt. Das war ein (Auto)Renner. Selbst der Führer musste sich durch solches Unterfangen irgendwie geadelt fühlen. Die paar Toten in den Konzentrationslagern (und  nicht nur) waren ein unvermeidliches Must. Wahrscheinlich waren die anderen daran schuld. Autobahnen waren die verheißene Mobilität, wobei fast keiner ein Auto hatte. Der Führer spekulierte also auf die deutsche Zukunft.


Die war bald vorbei, doch die ersten Autobahnen blieben. Sozusagen als Beweis und furchterregende Rennstrecke für jeden. Dass wir heute noch nicht zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung gekommen sind, erklärt die vielen Extratoten auf der Autobahn. Man hofft immer noch, das Anstandsgefühl des Autofahrers hätte hier etwas bewirkt. Mitnichten. Wir wissen, dass es der Schnelligkeitswahn ist, der uns beflügelt. Das Elektroauto, wenn es kommt, wird daran nichts ändern.


Also hat Trump wieder einmal recht: Keine Veränderungen, die fast kostenlos sind. Keine Strafen für Verstöße, die ein Land großmachen. Wir haben Anspruch darauf, groß rauszukommen. Also kann die mexikanische Wand noch ein bisschen warten. Schließlich kann man auch vollen Herzens gegen etwas anderes fahren. Nicht die Weidel ist von Interesse, sondern die Dame, die sich im Internet als Trumpgespielin geoutet hat. Sie hat es mit ihm getrieben, und heute ist er Präsident. Eine schöne Geschichte?


Dienstag, 20. März 2018

Wie kommt man da wieder raus?

Judith Schalansky ist die Autorin. Ihren Taschenatlas der Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde, habe ich lange in meinem chaotischen Büchersammelsurium gesucht, weil ich mich mal wieder in eine ihrer Inseln vertiefen wollte. Man stelle sich vor: Fangataufa, Tristan da Cunha, oder Napuka. Das sind alles Eilande, von Menschen in grauer Vorzeit einmal entdeckt, vielleicht gar erobert und womöglich nie bewohnt. Es gibt alles.


Eine ganze Insel ist keine Halbinsel, vielleicht ist sie sogar ein Atoll, ein Korallenriff oder eine Trauminsel. Eine Insel kann also so definiert werden: Ein von Wasser umschlossenes Stück Land. Wäre sie von Verkehr umgeben, wäre sie eine Verkehrsinsel. In England fährt man verkehrt herum um die Verkehrsinseln. In Europa anders herum. Dem Auto ist es egal.

Atompilz 
Also Fangataufa muss im Zusammenhang mit Moruroa genannt werden, denn beide Atolle liegen nur 40 km auseinander, im Stillen Ozean, und beide dienten den Franzosen als Versuchsinseln für ihre  Wasserstoffbomben. Fangataufa ähnelt einem rechteckigen Ring mit einer Lagune im Innern. Dorthin musste zuerst ein Zugang gesprengt werden, damit man mit dem Schiff in die etwa 5 Quadratkilometer große Lagune gelangen konnte. Bewohnt war das Atoll nicht. Nach der Wasserstoffbombenexplosion konnte es 6 Jahre lang nicht betreten werden. Niemandsland, mit verseuchtem Wasser gefüllt. Frankreich ist also Atommacht, genau wie Russland, Amerika und Nordkorea. So, what?

Atombauch 
Mir waren Atombusen immer lieber. Gina Lollobrigida und Sophia Loren waren die herausragenden Busenträgerinnen der Fünfziger Jahre. Wer hat da nicht gerne hingeschielt? Da diese Spektakulärdamen älter sind als ich, ist es nicht ratsam, irgendwo hinzuschielen, auch wenn eventuell bei diesen Damen richtige Fantombusen entstanden sein sollten.




Donnerstag, 15. März 2018

Hurra, es ist soweit.

Ich kann es noch nicht glauben, er ist "überglücklich" weil er als Bürgermeister eines netten Doppelstädtchen (mit dem Schmucktitel "Bad") wieder gewählt wurde. Dazu muss ich noch was sagen, aber später. In der deutschen Provinz war es üblich, sich moralisch und auch anders, das Maul zu zerreißen, wenn es frivole Neuigkeiten gab. Wenn der falsche Mann die falsche Frau im falschen Augenblick geküsst hat. Oder der Dorfpriester betrunken im Nachbardorf gesehen wurde.

Die Liste der Entgleisungen könnte ins Unendliche fortgesetzt werden. In meiner Jugend wurde ein mir bekannter Erwachsener als "vom andern Ufer" bezeichnet. Lange habe ich mein erwachendes Köpfchen bemüht, um herauszufinden was das bedeutete. Ich ahnte, dass es etwas Unkeusches sein musste, denn, wenn Menschen über das andere Ufer sprachen, senkten sie die Stimme. Ich habe es nie herausgefunden, wenigstens solange ich noch nicht 30 war. Allerdings verkehrte ich auch nicht in den Kreisen, die ausschließlich gleichgeschlechtlich miteinander umgingen.


Da ich schon berufsmäßig gezwungen war, täglich Zeitungen verschiedener Länder zu lesen, The Guardian, die Süddeutsche, le Monde, Il Corriere della Sera, El País und den SPIEGEL (als "mein" Wochenmagazin), war ich immer über alle Atrozitäten dieser Welt bestens informiert. Dabei ist mir immer aufgefallen, dass mein eigenes Land etwas provinziell hinterher hinkte, wenn es darum ging, einen Trend zu akzeptieren. Vielleicht hat dieser Krieg mit den verrückt gewordenen Nazis im Nachhinein für allgemeines Zögern auf diesem Gebiet gesorgt. Sogar die Zeugen Jehovas galten lange als etwas "Unnormales", dem Alltag Enthobenes.

Also hat man neben den Geburten und Todesfällen auch gierig nach Sensationen anderer Art geschaut. Eineiige Zwillinge. Oder gar siamesische Zwillinge. Oder die Kuh mit zwei Eutern. Solches kam selten vor, weil die Nachrichtenepidemie den Weltkreis noch nicht komplett im Griff hatte. Andererseits gerieten solche Meldungen oft ins Stocken, weil der Chefredakteur sagte: wir sind ein seriöses Blatt, oder: wir haben heute schon genug Mist auf unseren Seiten.

Was lese ich da? In einem als Werbeblatt selbst finanziertes Magazin, kostenlos an alle Haushalte verteilt, auf der Titelseite: Überglücklich über seine erste Wiederwahl als Bürgermeister. Amtsinhaber
mit 92% wiedergewählt. Abgebildet: das Foto des Paares mit Blumen. Unterschrift: Der strahlende Sieger mit Ehemann. Kein Maulzerreißen, keine Häme. Es gehört  also heute schon zum guten Ton, als Mann mit Mann verheiratet (oder auch nicht) zu sein. Obwohl ich als Verfasser dieses Blogs ein leidenschaftlicher Hetero bin, gefällt es mir, wenn möglichst viele Menschen auf jede Art und Weise aus der Reihe tanzen.








Die Dinge ordnen.

Wer unheilbar krank ist, weiß sicher ganz gut, was er zu tun hat. Man richtet sich darauf ein, bald nicht mehr zu sein. Aber wie verabschiedet man sich aus dem Leben? Kitsch und Penetranz sind nicht die richtigen Ansprechpartner. Man möchte in Würde, vielleicht ein wenig heroisch, jedoch ohne Selbstmitleid in eine Art ewiger Jagdgrund hinüberwechseln. Gewöhnlich hat man keine Erfahrung damit. All die Menschen, die man ein Leben lang geliebt hat. Wie sagt man ihnen Adieu?
Und all die Dinge, auf die man so großen Wert legte? Sie verlieren ihre Bedeutung. Auch die Erinnerungen. Wo sind sie? Wird man sie mitnehmen können? Mit wem kann man sie teilen?

Es läuft alles darauf hinaus, dass nichts mehr so wichtig ist. Oder ist noch was wichtig? Man selbst zu sein? Nahestehende Menschen sind schon längst ins Vergessen geraten. Zufällige Begegnungen erscheinen irreal. Man ist nicht mehr davon berührt. Wer das Alter erreicht hat, bei dem sich die körperlichen Gebrechen durchgesetzt haben, wird sich vielleicht besser auf den Rest einstellen können. Dennoch, man möchte nicht aufgeben. Leben ist eine Gabe, eine Bürde zuweilen, doch es ist das, was man persönlich aufgetragen bekommen hat. Wie kommt man da heraus, ohne einfach wegzutreten wie eine nummerierte Causa? Es geht nicht darum, große Spuren zu hinterlassen.

Dennoch möchte man in liebendem Gedächtnis bleiben. Wie die Eltern, deren Grab man nach Jahren besuchen will, weil man in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet hat, und das man nicht mehr findet, weil es nach 25 Jahren einfach eingeebnet wurde. Ein Schock, festzustellen, dass die lieben, lieben Eltern keine Grabstätte mehr haben. Ausgelöscht.

Vielleicht schaffe ich es noch, die letzten Behausungen in der exakten Reihenfolge aufzuzählen. Fribourg/Schweiz. Paris. Straßburg. Kehl. Bellapais/Zypern. Wien. Haworth/Yorkshire. Tiergarten/Schwarzwald. Endstation? Es steckt noch ein gutes Maß Leben in mir. Aber, bin ich es noch? Muss ich es sein? Bin ich bei der Resteverwertung meiner eigenen Existenz? Kehre ich zu meinen Ursprüngen zurück? Welches Glück, sich noch ganz gesund zu fühlen.

Meine Lieben, ich möchte sie alle nocheinmal sehen, bevor ich gehe. Dazu brauche ich Zeit. Gebt sie mir, bitte. Ich werde dann auch alle meine Angelegenheiten ordnen. Falls das überhaupt gewünscht
wird. Wer aus dem Chaos gerissen wird, hat es vielleicht besser. Wer sagt denn, dass am Anfang alles pikobello war? Wenn ich diese Welt verlassen muss, dann zu meinen eigenen Bedingungen, please. In der Unordnung, die ich als Baby angetroffen habe und gewohnt bin. Und in dem Chaos, das mich nie besonders störte, und das jetzt weitgehend hinter mir liegt.

Mein Führerschein ist ein gerade noch leserlicher Fetzen. Er fällt in Stücke. Dreimal oder so, musste ich ihn vorweisen. Das ist wenig. Der Polizist in Frankreich wollte, dass ich eine internationale Version davon machen lasse. Ich sagte "ja" und vergaß es wieder. Die Zahl meiner Autounfälle: 0,0. Mein Impfschein: uralt und unverständlich. Kaum Eintragungen. Meine Mitgliedschaft beim Roten Kreuz: uralt. Militärdienst: Keiner.
     








Montag, 12. März 2018

Meine erste Schwangerschaft.

Er war gerade von einem Kurzurlaub in der deutschen Heimat an die russische Front zurückgekehrt, als die schockierende Nachricht kam, dass der Vater meines besten Freundes gefallen war. Wir waren sechs/sieben Jahre alt. Die Mutter war eine hübsche junge Frau gewesen. Jetzt trug sie nur noch schwarz. Damals gab es viele Witwen, wie man als Kind leicht an der Trauerkleidung erkennen konnte. Auch Großmütter und Tanten trugen dann schwarz. Wenn ich mich recht erinnere wurde es in den Kriegszeiten immer schwieriger, an angemessene Kleidung zu kommen. Für die wenigen Männer, die damals nicht an der Front waren, konnte leichter eine Lösung gefunden werden. Die schwarze Armbinde und eventuell noch eine schwarze Krawatte. Alles andere konnte "normale" Kleidung sein.


Männer, meist im hohen Alter, oder wegen einer Behinderung nicht beim Militär, kleideten sich wie üblich in gedeckten Farben. Auffallen wollte keiner. Oder, sie waren Mitglieder in der NSDAP und trugen Uniform. Dann kam es immer auf den Rang an und die entsprechenden Hoheitsabzeichen: Schulterklappen mit bis zu drei Sternen, Verdienstzeichen erster und zweiter Klasse, Streifen an den Hosen. Diese Verkleidung ließ manche Männer furchterregend und manchmal grotesk erscheinen. Doch Krieg ist Krieg, wie man damals scherzte.

Mein Freund G., der auch schon ganz gut Klavier spielen konnte, versuchte, wie wir alle, den Fliegerangriffen, dem Bombenhagel und den Luftlagemeldungen das beste abzugewinnen. Zum Glück wohnten wir auf dem Lande. Der Feind schien weiter entfernt als in der Großstadt, wo fast jede Nacht Bombenalarm war. Was auch wir Kinder bald ahnen konnten, war, dass auch wir vom Krieg nicht verschont wurden. Bald sah ich meinen ersten Toten. Es war ein Soldat. Und niemand (außer meiner Mutter) nahm Anstoß daran, dass ein sechjähriger Käsehoch mit Erwachsenen auf eine gefährlich hohe Leiter kletterte um beim Dachdecken zu helfen. Zerstörte Dächer gab es zuhauf. Wenn irgendwo eine Luftmine niedergegangen war, waren gleich Dutzende Dächer abgedeckt.


Die Mutter meines Freundes trug ein Trauerkleid, das bald nach Papas Besuch ein Umstandskleid wurde. Da nichts mehr im Leben normal war, wurde gemunkelt, dass Gs Mutter ein Kind erwartete, obwohl der Vater schon tot war. So ist das, wenn Krieg ist. Der Tod kehrt ein, wo er will, und neues Leben entsteht fast unbemerkt. Für G und mich enstand eine aufregende Zeit. Gespannt verfolgten wir, was mit Gs Mutter geschah: sie wurde immer runder. Bald würde sie ein Kind bekommen. Niemand sprach darüber, doch für G und mich war es "unser" Kind, das da in ihrem Bauch heranwuchs. Trauer und Freude in einem Körper. Als es soweit war, konnten wir nur warten: es war ein Brüderchen und wurde wie der gefallene Vater genannt: Fritz. Von den Geburtsfeierlichkeiten wurden wir abgeschirmt.

Man stelle sich vor: zwei kleine Jungs, enge Freunde, bekommen ein Kind. Bald war auch das Jahr der Trauer um, und Gs Mutter erlaubte sich etwas hellere Farben zu tragen. Das Leben musste weitergehen. Als die Zeit unserer knabenhaften Erregung sich gelegt hatte, wuchs der kleine Fritz heran. Alle mussten sich zusammnreißen, um dem Kleinen nicht die Aufmerksamkeit eines reinen Wunschkindes angedeihen zu lassen. Wir anderen waren beruhigt, dass er wenigstens die letzten Jahre des Krieges nicht bewusst erleben musste. Mein Freund G starb mit 40. Wie gut, dass es dann noch den kleinen Fritz gab. Er war die erste Schwangerschaft in meinem Leben.















Samstag, 10. März 2018

Mal sehen, wie wir das hinkriegen.

Wenn mir keine Gedanken mehr kommen, bin ich nicht mehr da. Solange mich pünktlich zur Frühjahrswende der Heuschnupfen plagt, ist alles in Ordnung. Es gab eine Zeit, da fielen mir Dinge ein, die ich zu Geld hätte machen können.  Erfindungen sind irgendwie Verbesserungen unseres schäbigen Lebens. Bei tüftelnden Schwaben, des schwäbischen Lebens. Wenn sie das Licht der Welt erblicken, die Erfindungen, müssen sie sichtbar und nutzbar gemacht werden. Insofern war Angela Merkels Spruch "Wir schaffen das" richtig genial-dusselig. Dabei hatte er auch etwas Gutes.


Das "Kopf hoch" ermuntert ebenfalls. Es hat bis jetzt vielen nicht-Deutschen geholfen, über den schrecklichen Verlust ihrer Heimat erst einmal hinweg zu kommen. Sich ein gänzlich neues Leben erfinden zu müssen, ist dann eine ganz andere Sache. Mir tun die vielen leid, die von zuhause wegmussten. Irgendwo neu anfangen, obwohl sie noch gar nicht richtig gelebt haben.


Uralte Träume und Lebenskonzepte streiten sich dann regelmäßig mit neuen Ideen. Wenn aus denen etwas werden soll, muss man sich zusammenreißen. Das erkennt man leicht an den Sprüchen eines Donald Trump, die weit hergeholt scheinen und keinen konkreten Bezug zur Wirklichkeit haben. Deshalb rennen ihm auch die besseren unter seinen Mitstreitern, einer nach dem andern, davon. Keiner kann und will die Gelegenheit ergreifen, etwas umzusetzen.  Dabei hat gerade Amerika einen gewaltigen Erneuerungsstoß nötig. Genau wie Deutschland. "Wir schaffen das" bleibt eine bedeutungsschwangere Worthülse.


In die Politik gehen heißt etwas erreichen wollen. Nicht die Macht ist es, auch nicht die Ohnmacht, sondern die Veränderung zum Besseren hin, die erreicht weden will. Also, zuerst eine Vision, etwa, die Schere zwischen arm und reich enger werden zu lassen. Oder nach endlosem Geschwätz über Gleichstellung von Mann und Frau endlich ein gerechteres Verhältnis zwischen ihnen zu schaffen. Frau Müller kann alles, muss aber nicht alles. Die Freiheit, sich das Ziel selbst auszusuchen, muss die ständige Richtlinie für diese Gleichstellung sein. Ein Männergremium besteht aus Männern und bleibt ewig ein Männergremium. Die Frau wird da nicht heimisch, weil sie sofort wieder unter- und eingeordnet wird. Es ist wie beim Rassismus. Man soll nicht auf die Unterschiede starren, die es gibt, sondern diese ohne Vorurteil akzeptieren. Die Vielfalt ist das Prinzip.

Erfindungen sind deshalb so wichtig, weil sie neue Wege erschließen. Ausgetretene Pfade können verlassen werden. Aber, woher nehmen wir den Mut dazu? Manche sind selbst nicht mal stark genug, die dämlichen Herausforderungen einer AfD zu erkennen und diese zum Teufel zu jagen. Migranten, die uns angeblich uns entfremden, gibt es überall und hat es immer und überall gegeben. Man kann Fremde doch nur kameradschaftlich aufnehmen, oder garnicht. Sie fressen uns nichts weg, sondern helfen uns, den eigenen Überfluss in Würde zu bewältigen. Die Weiße Rasse war immer ein Missverständnis. Es sollte uns Weiße eigentlich nicht geben. Es wäre dann alles besser. Also, lasst uns in den kommenden Generationen uns dafür schämen, bis wir es kapiert haben. Das Minderwertige, sollte es das geben, liegt in uns selbst, nicht in den anderen. Woher sonst nehmen wir diese Arroganz des Besseren und Stärkeren? Ein Mangel an Intelligenz?










Mittwoch, 7. März 2018

Russland, gerade jetzt.

Nach Frankreich gehen manche, um gestopfte Gänseleber zu essen. Oder "des galettes de pommes de terre"(Kartoffelpuffer). Andere lieben den grandiosen Anblick der Champs Elysées und geraten ins Träumen. Nach Bella Italia, weil dort das Wetter so schön ist, und nach Deutschland, weil man da überall auch an Untaten erinnert wird, nicht nur an Heldentaten. Aber Russland, das muss man sich gut überlegen.


Ein Riesenreich, für das wir Verachtung und, nicht nur wegen Kathrina der Großen, auch ehrliche Freundschaftsgefühle hatten. Dann kamen die Weltkriege. Beim Ersten ging die russische Monarchie flöten. Unendliche Armut trat zutage. Beim Zweiten Weltkrieg bebte die Erde. Und der Kommunismus wurde als politisches System weltweit hoffähig, ohne, dass das rechte Gedankengut verschwunden wäre. Väterchen Stalin, der eigentlich Georgier war, errichtete seine Terrorherrschaft, und das Bild, das man sich vom Riesenreich machte, war eher entsetzlich.


Heute scheint ein Herr Wladimir Putin zu herrschen, eine Art Diktator, der sich bemüht, den matten Glanz der Weltmacht immer wieder durchscheinen zu lassen. Viele schreckliche Erinnerungen all derer, die aus der Sowjetunion flohen, sind geblieben. Bilder des Grauens. Doch die russische Seele ist nicht ganz verschwunden. Groß ist der vielfältige musikalische Ausdruck, der sich über die Welt gebreitet hat. Bolschoi, Tschaikowsky, Schwanensee. Ist das trotz allem nicht stärker, präsenter als alle Schauer-Errinnerungen an den Totalitarismus?


Ich versuche, Russland, das sich unberechenbar und willkürlich gibt, das Positive abzugewinnen. Es dauert immer zu lange, bis die Menschen für ein Umdenken bereit sind. Dann kommt ein Eistanzpärchen oder ein begnadeter Sänger und stellt alles auf den Kopf. Das Leben - das gilt auch für die Putins und Trumps dieser Welt - ist viel zu wichtig, um es den Egomanen zu überlassen. Meine Bewunderung für Russland hat nichts mit dem System zu tun, sondern mit den Menschen. Worauf hoffen sie, von was träumen sie? Das wäre für mich das Gemeinsame, das uns vereint.


Versuchen wir, auf allen Seiten unsere Altlasten abzuwerfen. Mit den Amerikanern kann man sich schwer tun. Was will dieser Trump? Was denkt der Ami von der Straße? Müssen sie so sein wie die Europäer? Haben wir genug Toleranzpotenzial, um dem klischeebehafteten Trottel in unseren Reihen Paroli bieten zu können? Eine gute Übung zur Überwindung von Vorurteilen ist die kühle Betrachtung, nicht das ängstliche Wegschauen. Wer mehr sieht, versteht auch mehr. Das ist seltsamerweise gerade bei Kleinkindern so.










Dienstag, 6. März 2018

Alte Freunde anrufen...

Ich habe zwei beidseitig beschriebene Zettel, auf denen etwa 100 Telefonnummern aufgeschrieben sind. Natürlich besitze ich einen Rechner, dem ich kinderleicht diese Telefonnummern, auch noch alphabethisch, oder nach Ländern geordnet, anvertrauen könnte. Tu ich aber nicht. Mein vorgerücktes Alter erlaubt mir, auch Nummern stehen zu lassen, deren Besitzer das Zeitliche gesegnet haben. Dann kommt gelegentlich der Moment, wo ich beschließe, zu telefonieren.


Erste Priorität: Geburtstage. Es hat wenig Sinn, zu warten, bis ein Geburtstag vorbei ist. Nächste Priorität: eine geliebte Telefonnummer befindet sich im Krankenhaus und hat gerade die Intensivstation verlassen. Dann kommt das Handy voll zum Einsatz. Es tut, und der Angeklingelte antwortet freudig, als hätte er/sie darauf gewartet.


Sollte man im Lotto gewonnen haben und einem Freund schon seit Jahren 1000 € schulden, ist überhaupt keine Eile geboten. Entweder hat er die Leihgabe längst vergessen, oder du hast seine Nummer verlegt. Priorität: keine. Und überhaupt: gute Freunde wissen was sie zu tun haben. Und beim Gelde hört die Freundschaft NICHT auf, wie man so schön sagt. Eines Tages bat mich ein solcher Freund um einen hohen Betrag. Es war dringend. Ich glaube, es ging um 25.000.- französische Francs. Ich hatte es geschafft, Freund zu bleiben und diese auch für mich recht hohe Summe irgendwie innerlich abzuschreiben.


Die Freundschaft war jedoch eine echte. Deshalb nahm ich seine Einladung zum Mittagessen in einem bescheidenen Lokal an. Wie plauderten, aßen und tranken. Als es ans Zahlen ging, nahm mein Freund die Rechnung und bezahlte sie. Dann sagte er zu mir: Ich habe nur einen Grund, dich heute einzuladen und reichte mir einen gefüllten Umschlag. Tut mir leid, dass du so lange warten musstest, sagte er noch. Ich steckte das Geld ein und dachte nicht einmal daran, nachzuzählen. Bei dieser Freundschaft stimmte alles. Deshalb gibt es sie heute noch.

Montag, 5. März 2018

Badisches Tagebuch. März 2018.

Ich hatte eine schwere Nacht. Zurück in Baden, das heißt etwas. Heute scheint die Sonne zum erstenmal in diesem Jahr, als wolle sie die Kälte endlich vertreiben. Die wintergeplagten Kirschbäume tun so, als stünden sie kurz vor dem Ausschlagen. Ich traue diesem Frühlingsgetue überhaupt nicht. Doch die Aufbruchstimmung lasse ich wehrlos in mir aufkommen. Auch wenn es Rückschläge geben sollte, nach jeder Nacht mit schweren Träumen breche ich hoffnungsfroh in einen zögerlichen Frühlingswahn auf. Er kommt, auch in Baden. Der Frühling.

Bisschen zu dick? 
Man bemüht sich, was die Kuchen betrifft, im Badischen nichts ins Kraut schießen zu lassen. Einmal die Woche, Linzertorte, oder Käsekuchen, für den Kirschplotzer ist es noch zu früh. Ich durfte als Kind noch die Haselnüsse oder Mandeln mahlen. Die Himbeermermelade war im Überfluss vorhanden. Die Teigstreifen, die das Linzerhafte am Kuchen deutlich unterstreichen, mussten mit dem Radel gerädelt und über Kreuz auf den Kuchen verlegt werden. Irgendwie kam dann noch Zimt über alles.

Schwer zu erkennen, aber gut. 
Eine Mutter wird schon deshalb geliebt, weil sie Linzertorte macht. Manchmal wird diese wegen der langen Haltbarkeit wochenlang irgendwo versteckt, bis die Backmeisterin sie freigibt. Fast würde man sagen, je älter desto besser. Linzertorten leiden ohnehin nicht darunter, dass sie alt werden. Väter und Söhne sind die Hauptesser. In Baden hat die Linzertorte, die über die Habsburger nach Westen ausgewandert ist, schon vor Jahrhunderten Fuß gefasst. Deshalb darf sie auch badische Grundnahrung genannt werden, vor allem, wenn sie liebevoll mit Puderzucker bestäubt wurde.

Mutters Stolz.
Seltsamerweise ist der Käskuchen im badischen Sinne etwas viel Kniffligeres. Er darf nicht zu dick sein, etwa 4-6cm. Die Oberfläche sollte leicht bräunliche Backspuren aufweisen, und der Puderzucker muss jenen sagenhaften Karamellüberzug haben, der auch fantasielose Kuchenesser in gastronomische Höhen hinauf schleudert. Eine Mutter, die diesen Käskuchen zustande bringt, muss sich über fehlende Lobpreisungen ihrer Kinder nie mehr Sorgen machen.


Mit einem solchen Stück Kuchen im Magen, bleiben schwere Nächte undenkbar. Gedanken an solche Köstlichkeiten lassen jede Erwähnung dieses ungenießbaren amerikanischen Meisterjodlers - ihr wisst schon, wen ich meine - der jetzt als Präsident fungiert, im Nichts verschwinden. Linzertorte oder Käskuchen, wenn badisch, dann OK.




Sonntag, 4. März 2018

Warte, warte nur ein Weilchen...

Bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen macht er Schabefleisch aus dir... Das Lied hat uns Kindern Gruseln beigebracht, obwohl der Schlächter von Hannover schon längst tot war. Der Serienmörder Fritz Haarmann war weltberühmt geworden, weil er seine Opfer auch noch zu Fleisch und Wurst verarbeitet hatte. Wohl um die 30 junge Männer und Knaben fielen in den 20er Jahren dieser Bestie zum Opfer. Ganze Generationen von Psychotherapeuten und Sexforschern haben versucht, die Motive für diese Morde zu erforschen.

Fritz Haarmann, 30 Jungen und Jungmänner 
Auch bei Jürgen Bartsch, der vielen noch in Erinnerung sein dürfte, war im Leben einiges schiefgelaufen. Von Pflegeeltern kühl behandelt, mit einer pädo-und sado-Veranlagung hat er seine vier Opfer grausam zerstückelt. Jahrelang wurde er als Kind isoliert in Kellerräumen gehalten. Dann  von einem katholischen Priester vergewaltigt. Kein Wunder, dass er seine Opfer in einer Höhle versteckte. Das Böse vertuschte. Ein zerstörtes Leben, das selbst Leben zerstörte.

Jürgen Bartsch, vier Opfer zerstückelt. 
Was in Gesellschaften der vorindustriellen Zeit an sexuell motivierten Grausamkeiten geschah,  kann nur geahnt werden. Doch das Industriezeitalter hat in vielen Ländern einschlägige Serienmorde zuhauf bekannt werden lassen. Es muss einen Drang geben, in der modernen Gesellschaft Gewalt auszuüben. Will man damit Aufmerksamkeit auf sich lenken? Ist es der verzweifelte Versuch, aus der Anonymität der Masse auszubrechen? Oder ist diese Gewalt einfach ein uraltes Ding, das in einem modernen Kleid daherkommt?

Fritz Honka, 4 Frauen zersägt 
Viele der Täter lassen sich nach ihren Verbrechen psychiatrisch nicht durchschauen, obwohl sie oft selbst nach Erklärungen suchen. Man ist auf Spekulationen angewiesen. Ist Fritz Honka ein Sonderfall? Er ermordete vier Prostituierte in St. Pauli. Er zersägte sie und ließ die Leichenteile in seiner Wohnung verwesen. Das wurde 1975 bekannt. Viel mehr weiß man nicht. Es macht wenig Sinn, diese "Einzelfälle" mit den bekannten Grausamkeiten unserer Zeit zu vergleichen. Wieviele wurden in Syrien hingerichtet? Was geschah in den USA? Wieviele sind es in Afrika? Was ist mit China? Man kommt mit dem Nachrechnen nicht mehr mit. Wir haben die Welt zu unseren Füßen liegen und wissen doch nur wenig.

Hackebeilchen 





Samstag, 3. März 2018

Die Dinge des Lebens.

Langsam entdecke ich, wie wichtig alles ist. Ich lese den Guardian, weil er eine der wenigen Zeitungen ist, die ihren Instinkt als Gazette, als Nachrichtenverkünder nicht ganz verloren haben. Das Geschlechtliche hat dabei immer Vorrang, weil wir alle irgendwie daran beteiligt sind. Nachrichten von verstorbenen Zelebritäten sind dann doch nicht so attraktiv. Vor nicht langer Zeit hatte dort eine Autorin über eine Studie berichtet, in der die Unterschiedlichkeiten der männlichen Geschlechtsteile hundertfach beschrieben und mit einem Foto auch hundertfach belegt wurden. Das rang mir Achtung ab. Ein Gebiet, von einer Zeitung aufgegriffen, das nicht den Anschein des Alltäglichen wiederspiegelte. Ich hatte noch nie ein ganzseitiges Foto mit hundert Penissen gesehen.


Überhaupt helfen die Zeitungen mit der Vorführung von Dingen, denen man nicht einfach so über den Weg läuft. Der Absturz eines Flugzeuges, wenn zufälligt jemand auf den Knopf gedrückt hat. Oder, das Kleid der Marylin Monroe, das von unten einen Windstoß erhält und sich in die Lüfte erhebt, als gerade jemand am Knipsen ist. Die Monroe wurde weltberühmt. Der Fotograf nicht.


Welche Bedeutung kann da noch eine schnoddrig gemachte Bemerkung eines Donald Trump haben, der Import von Motorrädern in die USA (oder umgekehrt) könne mit soundsoviel % Zoll belegt werden? Die wahren Dinge des Lebens prallen an solchem Gebrabbel ab, auch wenn sie aus dem Munde eines gestörten Präsidenten kommen. Was soll daran wichtig sein?


Dass sich über Nacht eine erkleckliche Schneedecke über unser Land legte, obwohl keiner mehr damit rechnen konnte, ist natürlich eine Überraschung, die heute schon zahlreiche Zeitungen würdigten. Dennoch, die Neuigkeiten übertreffen sich manchmal: In Großbritannien legte es über Nacht einen solchen Schnee hin, dass seit Menschengedenken niemand mehr dazu etwas sagen kann. Die Geschichtsschreiber hatten jegliche Erwähnung der Schneehöhe geflissentlich unterlassen.

Die Dinge des Lebens 
Doch hören wir immer wieder gern von den Dingen des Lebens. Und mir wird gesagt, dass es wieder an der Zeit sei, mir die Haare schneiden zu lassen. Also habe ich wieder etwas zu tun. Jaja, die Dinge des Lebens. Wie wichtig sie sind, hängt ganz von uns selbst ab.


Freitag, 2. März 2018

Als Enkelin nicht schlecht.

Sie ist erwachsen, hübsch und intelligent. Wer so seine nicht einzige Enkelin beschreibt, ist bescheuert. Dass sie mit drei Jahren mit mir durch den Wald stiefelte und ein Hexenhäuschen besuchte, gehört zu den Leistungen eines dynamisch-gütigen Opas. Dass sie dann ausrief: Der Wind, der Wind, das schimmelige Kind, bleibt unvergesslich. Auch: Knusper Knusper Knäuschen, wer knabbert an meinem Häuschen, war ihr ureigenster Beitrag zur Verschönerung dieses Märchens von Hänsel und Gretel.

Der Oktober ist wie der April: er macht was er will. 
Ihr Drang zum künstlerischen Tun richtete sich damals auf die Illustration eines Kalenders, der für Opa bestimmt war: Für jeden Monat gab es die Zeichnung einer üppigen Frau. Von ihr gemalt.
Der Monat Dezember war dann der Höhepunkt. Warum ich annahm, sie sei erwachsen, hübsch und auch intelligent? Weil sie schon früh ahnte, dass ihr  Opa ein Frauenverehrer war. Nie hätte ich ein Mädchen geschlagen. Wie so oft, gehen Lügen seelenruhig neben der Wahrheit einher. Einmal schlug ich zu: Es war mein Töchterchen. Ich wischte ihr eine, wobei meine Reue zu gleicher Zeit mit meiner Hand auf ihrer Wange landete.

 Nicht runterfallen, bitte!
Wer alle Tassen im Schrank hat, wendet keine Gewalt bei Kindern an. Die Zeiten sind vorbei. wo man als Vater der strafende Herr war, der alle in Angst und Schrecken versetzte, ist man heute der verständnisvolle Mentor. Meine Enkel(innen), die schon ihren Vätern vertrauen konnten, halten den Opa für eine Festung des Guten und Oma für eine Komplizin in allen Lebenslagen. Ich glaube, die Generationen rücken zusammen. Und Opas verdienen das volle Vertrauen der Nachkommenschaft.

Zeit, zu gehen 
Hat sie deshalb für ihren Opa diese üppigen Frauen auf ihren Kalender gemalt? Ich traue mich nicht, sie dazu zu befragen. Obwohl, mit Appetit hat es zu tun. Sie liebt das gute Essen und ich den Genuss. Wer Frauen liebt, versteht sich mit der Enkelin, weil sie auch als weibliches Wesen ihre Welt verunsichert. Auf ihrem Kalender, den ich wie meinen Augapfel hüte, geht sie pünktlich am 31. Dezember aus dem Bild. Deshalb behaupte ich, sie sei erwachsen, hübsch und intelligent.


Enkelin 
Noch etwas: Selbstbewusst hat mein Enkelmädel ihre Autorenschaft auf ihren Zeichnungen für Opa festgehalten. Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: 1. Ich besitze die Rechte und kann ihre Werke nach freier Lust verkaufen. Der Gewinn würde jedoch an alle meine Enkel gehen, wenn ich die Wupper von der anderen Seite am Betrachten bin. 2. Ich handle in ihrem Auftrag. Sie sagt aber: Opa, das ist Kinderkram. Dann bleibe ich auf meinen Rechten sitzen. Hier sitze ich also, und beschaue die Werke einer gewissen Maite, die hoffentlich fühlt, dass sie meine Enkelin ist.