Dienstag, 16. Mai 2017

In London, aber noch nicht ganz.

Wenn einer Mohamed heißt, kann er auch Taxifahrer sein, und zwar ein netter, der uns von Haworth an den Bahnhof nach Keighley bringt. Man sitzt dann im Zug und verschnauft erst einmal. Draußen ziehen Wolkenformationen vorbei, die es nur in Yorkshire gibt und die dem Bahnfahrer den Atem verschlagen. Samstags sind die Züge meist voll. Der nach Leeds, wo wir umsteigen müssen, besonders. Schnell teilen sich die Fahrgäste in junge hübsche Mädchen, die sofort ihren Lippenstift zücken, um ihr Aussehen zu optimieren, dicke Frauen, die sich kaum um etwas scheren und Männer, die schwer einzuodnen sind. Nach wenigen Augenblicken haben alle etwas Elektronisches vor der Nase, I-Pods, I-Phones oder Minirechner, mit dem Zugang zur ganzen Welt. Das Gefummel erweckt den Eindruck der totalen Konzentration. Kommunikation nur noch übers Internet.

Die Gurke von London 
Vor allem die Kinnis scheinen voll absorbiert. Noch versuchen einige Mütter, ihre Kleinen zum Blick aus dem Fenster zu überreden. Dann kommt er. Es geht kaum freundlicher, wenn er mit einem mysteriösen Suchgerät die Gültigkeit der Tickets absucht. Der Fahrkartenkontrolleur hat eigentlich nicht mehr viel zu tun. Schwarzfahrer scheint es nicht mehr zu geben. Dafür trudeln wir in Leeds ein, wo wir Zeit für eine Milch mit Croissant haben, bevor der Zug uns Richtung London mitnimmt. Das fummelnde Schweigen, teils mit Kabeln die in Handtaschen verschwinden, um Energie zu laden, hat wieder begonnen. Die üppigen Frauen und meisten anderen Fahrgäste, haben inzwischen ihre Plätze gefunden. Eine Mutter mit ihrer Tochter, uns gegenüber, futterte ohne Unterlass etwas aus einer knisternden Tüte. Leider kann mich so ewas entsetzlich aufregen. Cath in ihrer gewohnten Art, begann ein Gespräch, sodass wir innerhalb weniger Minuten mit den Knisterinnen eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut hatten.


Zum erstenmal wurde mir bewusst, dass in Zügen höchstens noch eine Zeitung gelesen wird, keinewegs jedoch ein Buch. Die Zeiten haben sich eben geändert. Ich mache meine Sudokus, die von der schwierigen Sorte, die 16er Quadrate haben. Es macht mich fast stolz, mein Mobilfon vergessen zu haben. Wir kommen am Kings Cross Bahnhof an und müssen hinüber zur U-Bahn. Jetzt hat die riesige Stadt uns wieder in ihren Fängen. Bettler, Musikanten, Polizistinnen, Bankmenschen. Viele machen Mittagspause und drücken belegte Brote in sich hinein. Manche UBahnstationen haben aus Altersgründen immer noch keine Rolltreppen.

Die Scherbe, Londons ganzer Stolz. 
Wir steigen 2mal um und kommen dann im Süden der Stadt an. Die Bahnstation, die uns zu unseren Freunden bringt, heißt Ladywell. Julio und Kate warten mit ihrem knuffigen vierjährigen Söhnchen Ethan auf uns. Ethan war mit seinen Eltern bei uns im Schwarzwald. Er ist ein Globetrotter, der mit Julio und Kate gerade aus Singapur zurückgekommn ist. Wir freuen uns auf diesen Besuch bei ihnen. Ethan wird uns viel zu erzählen haben.

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