Montag, 17. April 2017

Ein Machthaber mehr. Liebe zur Türkei.

Wie oft war ich in der Türkei. Beruflich und privat. Zuerst im September 1980. Man hatte mich nach Ankara geschickt, um ein internationles Programm zur Entwicklung von Fremdsprachen an Schulen zu beenden. Das Militär hatte gerade geputscht um die heftigen Kämpfe zwischen den zwei politischen Lagern zu stoppen, was auch gelang. Die Ministerien wurden durch ältere Militärs kontrolliert. Es ging, entgegen der internationalen Meinung, nur um die Beseitigung der Gewalt. Man versprach, das Land wieder in reguläre Bahnen zu lenken. Was dann auch geschah.

Am Bosporus 
Für mich tat sich eine neue Welt auf. Ich traf viele aufgeschlossene Türken, aber auch Franzosen, Deutsche und Engländer, die an dem Europaratsprogramm beteiligt waren und mich schnell überzeugten, dass die Türkei ein europäisches Land ist. Das Fremdsprachenprogramm wurde in veränderter Form wieder fortgesetzt. Meine türkischen Kollegen sind mir schnell ans Herz gewachsen. Als Pensionär bin ich heute immer noch mit Türken aus jener Zeit befreundet, zu denen noch zahlreiche türkische Freunde aus anderen Ländern hinzukamen.

Das alte Istanbul 
Jetzt haben wir einen Machthaber in Ankara, der mehrheitlich durch die weniger westlich eingestellten Provinztürken gewählt wurde und der sich anschickt, auch die Todesstrafe wieder einzuführen. Diese wurde durch den Europarat in Straßburg abgeschafft. Die letzte Todesstrafe in der Türkei fand 1984 statt. Ich kannte türkische Minister und hohe Funktionäre (auch einen Präsidenten), die im Europarat mitgewirkt haben. Was will dieser Erdogan eigentlich? Noch mehr Macht? Wozu? Ich habe ihn im Verdacht, dass er kein Freund der Türken ist. Sein frenetisches Gezeter über die Nazideutschen, während der Referendumskampagne, klang auch nicht sehr echt, obwohl er gute Gründe haben mag, die Deutschen in Bausch und Bogen zu verdammen. Sie haben sich gegenüber unseren türkischen Zuwanderern nicht immer sehr menschlich verhalten.


Wir müssen jetzt auf den türkischen Selbstheilungsprozess bauen. Diktaturen können sich in einer modernen Gesellschaft nicht halten. Der Diktator ist Egomane und sorgt nicht gerne für seinen eigenen Nachwuchs. Ist er erstmal weg vom Fenster, purzelt das Regie. Wir warten darauf. Erdogan wird sich seiner erstohlenen Macht über seine Landsleute nicht ungehemmt  erfreuen können. Die Türken sind trotz aller Warnsignale zu weit auf dem Weg zur Demokratie vorangeschritten. Die türkische Offenheit für den Fortschritt, die klassische Gastfreundschaft und die Verbundenheit mit dem "Westen" werden die Zukunft des Landes bestimmen, nicht die schreiende Machtgier eines Diktators à la Hitler.


Wir werden ja sehen, wie sich dieses schöne Land mit der faszinierenden Metropole Istanbul wieder aus dieser misslichen Lage herausarbeitet. Die vielen Freunde, die die Türkei im Ausland hat, werden dabei helfen.

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