Dienstag, 15. November 2016

Yorkshire Tagebuch - 15 - Süßer Terror.

Das Wetter ist wie es ist. Cath wachte auf und verdächtigte sich, am Blinddarm erkrankt zu sein. Bevor wir zur Ärztin gehen, schauen wir uns die Mondbilder von gestern Abend an. Hier in Yorkshire hatten wir eine geschlossene Wolkendecke zu beklagen. Die großartigen Mondbilder kamen vom Schwarzwald. Beim Gang zur Ärztin scheiden sich die Geister. Ich gehe die paar Schritte die Main Street hinunter, um bei Simon und seinem Schoko-Laden reinzuschauen. Simon verkauft hauptsächlich belgische Schokolade, heute sogar eine Art Griotte mit Stilen und Kirschsteinen. Natürlich muss in England vor Stil und Stein gewarnt werden. Es könnte sich jemand schadensersatzpflichtig verletzen. Auch die 4,6 % Alkohol müssen erwähnt werden. Simons Laden heißt ...and Chocolate, für Liebhaber ein Juwel, das man aufsuchen muss. Die Schoko ist einfach köstlich.

Bei Simon: Schokokirschen aus Belgien 
Der Weg die Main Street hinauf hinauf zu Cobbles and Clay ist kurz und mühsam: das mittelalterliche Pflaster ist nicht umzubringen. Bei Regen oder Glatteis ein unmögliches Unterfangen. Dann sitze ich im Cobbles and Clay, wo ich auf Cath warte und einen Cappucino bekomme. Gelangweilt (mein Guardian blieb im Auto liegen) betrachte ich die schwarze Tafel, auf der - recht unordentlich - 2 Dutzend Angebote aufgemalt sind. Kaffees: Americano, Cappucino, Latte, Mocha. Bei Mocha wird man stutzig. Es scheint sich um ein Schoko-Kaffee-Getränk zu handeln. Alles über Fairtrade erhältlich. Auch der Raspberry shake. Statt Milch kann auch Sojamilch bestellt werden. Alles hat eine vegetarische Variante. Das meiste vergisst man sofort wieder.

 
Cath bestätigt, dass ein Blinddarminfekt im Spiel sein könnte. Also werden wir Morgen einen Bluttest machen, um das hoffentlich (appendix virus?) auszuschließen. Auf dem Weg nach Hause, gegen 16 Uhr, stellen wir fest, dass es schon wieder dunkel wird. Ich muss noch schnell den Gehsteig vom Laub reinigen. Was passiert, sollte jemand auf dem feuchten Laub ausrutschen und sich ein Bein brechen? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Wohin mit den Laubmassen? Auf die Seite, wo noch Platz ist. Auch bei Schneefall kümmert sich niemand ums Aufräumen und Schneewegkratzen. Andererseits wird ständig und überall vor etwas gewarnt. Mind the gap. Slow down now. Ich verstehe das nicht.


Eine Frohnatur am Radio erzählt gerade, dass der längste Schnauzbart der Welt (in Indien?) die Länge von 14 Fuß erreicht. Egal, wieviele Meter, es scheint mir recht viel. So ist das Land: kaum will man sich über das Wetter beklagen, kommt einer daher und verkündet, dass Nigel Farage ein Kind bekommt oder Angela Merkel in Alaska ihren Onkel besucht. Lasst uns nie vergessen: das Wetter ist wie es ist. Und auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen