Donnerstag, 11. Oktober 2012

Journalistischer Dünnpfiff - Zypern geht baden

Reif für die Insel?

Es gibt Vertreter, Experten, Verbandsmitglieder und Beobachter jeder Art. Gelegentlich auch Kritiker, Nestbeschmutzer oder Lobhudeler. Den richtigen journalistischen Weg zu finden, wenn man Vertreter oder Mitglied einer Partei, eines Verbandes oder einer Interessengruppe ist, kann ganz schön beschwerlich sein. Da gehört man - sagen wir mal - einer durchaus nützlichen Einrichtung wie der Europa-Union an und möchte mitgestalten. Das geschieht vor allem den Jüngeren, die noch nicht so lange dabei sind. Sie wollen etwas bewegen. Das stößt oft auf eine Riege von geübten Bremsern, denen jede Veränderung zuwider ist. Solches kann man leicht jeder Verbandszeitschrift entnehmen, auch dem Europa-Unionsblatt "Europa aktiv".

Irgendwo in Nikosia

Dieses habe ich mal wieder vor mir liegen. Meine angeborene Gewissenhaftigkeit sagt mir, dieses alle zwei Monate(?) erscheinende Blatt nicht ungeöffnet wegzulegen, sondern, hoffnungsfroh, immer wieder mal auszuloten, was da drinsteht. Da ich mich nicht zum Nestbeschmutzer eigne - immerhin bin ich passives Mitglied dieser Union, frage ich mich, was die Verfasser bewegt, wenn sie Themen anpacken, wie "Sorge über Zustand der Demokratie in Südosteuropa", oder "Europa - auf dem rechten Auge blind?" Oder, wenn in den Berichten aus den Landesverbänden unter Hamburg (Reif für die Insel?), und in Rheinland-Pfalz (Mainz-Bingen: Zypern kennengelernt) durchaus heiße Themen angesprochen werden (sollten). Da Zypern gerade die EU-Ratspräsidentschaft innehat und ich 20 Jahre lang regelmäßig auf diese Insel kam, interessiert mich alles brennend, was die zyprische Teilung betrifft. Da erfährt man nur, wer die beschriebene Veranstaltung besucht hat, und dass Fragen gestellt werden konnten. Es waren auch Experten da, doch die Zusammenfassung auf einer halben Seite (inkl. Foto) ergab nichts, rein gar nichts. Dabei weiß man nicht, warum seit der Kofi-Annan-Intiative auf Zypern nicht viel geschehen ist. Die Besitzverhältnisse sind nicht geklärt, die Landverteilung hat sich nicht bewegt, der Alleinvertretungsanspruch der griechischen Seite scheint jeden pragmatischen Fortschritt zu behindern, usw. Nichts wurde dazu gesagt. Ein "informativer und genussvoller Abend" in einem Staatsweingut, mit einem Zypernkenner, förderte immerhin zutage, dass deutsche Fernsehprogramme in Zypern nicht empfangen werden können und dass der Anteil der Menschen mit Hochschulabschluss in Zypern mit 45% deutlich über dem EU-Durchschnitt liege, wobei Deutschland mit 29% klar darunter bleibe. Ich will dann nicht mehr weiterlesen, weil solche Gefälligkeits-Informationen so unsäglich banal sind, und andererseits die Internetspezialisten heute jede journalistische Fliege zum Elefanten aufmotzen können. Wie soll man da den Mittelweg zwischen guter Information und langweiliger Berichterstattung finden? Verbandsblätter aller Länder, vereinigt euch und tut was gegen Langeweile und Dünnpfiff!


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