Freitag, 21. November 2014

Der (Wiener) Kongress tanzt. Zu welcher Pfeife?

Das war schon vor genau 200 Jahren die Frage. Alle haben es versucht. Jeder der damals 200 "Staaten" hoffte auf Veränderungen, nachdem (zunächst) Napoleon besiegt war und der Wiener Kongress eine neue Ordnung schaffen sollte. Der Großmeister dieses Monsterkongresses war der österreichische Außenminister,  Fürst Klemens Wenzel von Metternich. Der Tagungsort war das Palais am Ballhausplatz, im Wiener Regierungsviertel. Kein Wunder, dass am Rande dieses Diplomaten- und Potentatengipfels ausgiebig getanzt wurde.

 Fleckerlteppich Europa

Das Ergebnis war alles andere als eindeutig und definitiv, obwohl so vieles davon ausging, dass man sich wünschte, ein neuer Wiener Kongress - warum nicht unter der Führung der OSZE, die auch ihren Sitz in Wien hat? - fände heute statt. Um zwischen einigen Ländern eine neue Ordnung zu schaffen, damit zum Beispiel der Machthunger Russlands gezügelt werden kann, Länder wie die Türkei einbezogen werden können und das ewig mit Europa unzufriedene Großbritannien Ruhe findet. Und vieles andere mehr.
Am Ballhausplatz in Wien

Natürlich hat der Wiener Kongress auch den Vesuch gemacht, die aufkommende Demokratisierung der Länder zu beschwichtigen und die altehrwürdigen Monarchien zu erhalten. Allein 41 deutsche Staaten und freie Städte gab es. Der Deutsche Bund wurde gegründet, ein schöner Versuch, alles Deutsche zusammenzufassen. Österreich galt als Präsidialmacht, doch dieses gesegnete Land und Preußen, die beiden mächtigsten Teilnehmer blieben ohne eigene geschriebene Verfassung. Die anderen hatten ihre Aufgaben gemacht und solche Verfassungen je nach Land verabschiedet.

Die Schweiz erhielt als Ergebnis des Kongresses ihre immerwährende Neutralität, die auch heute noch, vor allem für die Banken, sehr nützlich ist. Belgien und Luxemburg entstanden, Helgoland blieb bei England, das im Übrigen damals schon für die Abschaffung des Sklavenhandels eintrat.
Das sogenannte Metternichsystem wurde mit dem aufkommenden Nationalismus allmählich aufgeweicht, wozu auch die deutschen Burschenschaften beitrugen. Ihre Märzrevolution von 1848 trug wesentlich dazu bei. Heute gehören diese revolutionären Herrschaften in Deutschland und in Österreich eher zu den Konservativen, um nicht zu sagen, zu den Rechten.

 Metternich, der Meister

So vieles ist durch den Wiener Kongress damals geschehen. Es wäre gut, sich daran zu erinnern. Vor allem die diplomatische Einteilung der Länder ist geblieben. Beim internationalen Gerangel der Vetreter hat derjenige den Vorrang, der am jeweiligen Ort am längsten akkreditiert ist bzw. der dienstälteste ist. Wir reden vornehm vom Doyen d'Age. Diese Herren haben den Gang der Dinge jahrzehntelang mitbestimmt, ohne Kriege verhindern zu können. Aber ihre Rolle, und die ihrer Gattinnen war nicht unerheblich. Es ging nicht nur darum, das Champagnerglas richtig zu halten, sondern auch gute Kenntnis des Gastlandes nach Hause zu vermitteln. Schon lange haben auch Frauen diese begehrten Posten erobert. Wohl zum Vorteil von internationalen Verhandlungen. Das alles verdanken wir dem Wiener Kongress und den Tanzkünsten seiner Teilnehmer.



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