Mittwoch, 17. September 2014

Wiener G'schichten: Sex, die schönste Sache der Welt???

Gut, ich gebe zu, das Schielen nach dem anderen Geschlecht beginnt schon früh im Leben. Auch Gleichgeschlechtliches ist heute fast normal. Ungeschlechtliches kommt auch immer wieder vor. Auch mein Vater, der sicher kein Chorknabe war, muss das alles interessant gefunden haben, aber zu seinen Kindern: kein sterbens Wörtchen über Sex. Ich glaube, dass weite Kreise der Gesellschaft den Umgang mit dem Geschlechtlichen für etwas Schmutziges hielten. Dabei kann Sex sooooo schön sein.

Ich hatte geglaubt, man könne heute, ohne zu erröten, die meisten heißen Themen kühl abhaken. Die Namensgebung für Geschlechtsteile und sonstige erotischen Stellen sei abgeschlossen und in jedermanns Wortschatz. Die Machtergreifung durch die Frauen, ein beliebtes Thema, sie hat Fortschritte gemacht. Männer trauen sich nicht mehr, laut den Macho rauszuhängen. Frauenquote ist angesagt. Dass Alice Schwarzer, die Führerin in Deutschland, den Fiskus behumpst haben soll, zeugt von dem wachsenden Selbstbewusstsein des nicht mehr ganz schwachen Geschlechts. Auch in der Pubertät geht es zuweilen hoch her. Ja, schon davor. Sonst hätte mich mein 10jähriger Sohn, als ich ihm sanft übers Haar streicheln wollte, als schwule Sau bezeichnet. Dieser Ausfall hat bei Vater und Sohn jedoch keine Spuren hinterlassen.

Kann es sein, dass diese Umkehr der Machtverhältnisse zu einem Defizit an männlichem Gehabe, weltweit, geführt hat? Das Wiener Gratisblättchen "heute" könnte dafür ein Seismograph sein, feinfühlig wie es gewöhnlich ist. Da ist die Titelgeschichte, mit Großfoto, "Mein ganzer Stolz". Abgebildet ist ein Mann, vor seinem Autokennzeichen kauernd. Das Kennzeichen: PE -Art Wappen - NIS 20. Auf Seite acht dann die Information: "Elektriker René (der fehlende Akzent wurde vom Autor dazu gemogelt) fährt mit "PE-NIS 20 auf Aufriss. Recht unbedeutend, wie solche Schmuckstücke sein können, ist auch der Artikel.

What a Man!

Es kommt noch männlicher. Auf Seite 29 das Foto eines Machos, der sich genüsslich in den Schritt fasst (Sperre für Baseball-Star in USA). Dies ist besonders heikel, da in amerikanischen Filmen jede Andeutung von nacktem Gemächt schamhaft unterdrückt wird. Wobei die amerikanische Pornoindustrie normalerweise vor nichts zurückschreckt. Die unverblümte Übermacht des Männlichen in unserer leicht geschädigten Gesellschaft bricht jedoch klar zutage auf der Seite drei, wo ein halbnackter Kerl für seine eigenen Unterhosen (weiß) werben darf. "Das heißeste Männermodel designt jetzt heiße Höschen" und darf sie bei Marks & Spencer in England selbst vorführen. Dass es in "heute" vor männlicher Erotik geradezu knistert, haben die Macher das gemerkt? Dieses Blatt überlässt nichts dem Zufall. Also kurz: die Männer kommen zurück und schämen sich nicht einmal.




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