Freitag, 12. September 2014

Mentale Fitness, Emotionale Fitness, Mental and Emotional Togetherness.

Die Zeit wird kommen, wenn die 20 Jahre Altersunterschied voll zu Buche schlagen. Die Haut des einen Partners wird faltig, die des anderen ist noch glatt. Liebe, ein leeres Wort? Mitnichten! Denn ein großer Altersunterschied in einer Beziehung ist immer und ständig den Belastungen ausgesetzt, die die Außenwelt an sie heranträgt. Wie werde ich gesehen, wenn ich als Frau mit einem 10 Jahre Jüngeren Arm in Arm über den Marktplatz gehe? Muss ich mich darum kümmern, wenn andere meine Beziehung zu missbilligen scheinen? Oder, was denkt der Nachbar, wenn ich mit meiner 20 Jahre jüngeren, blonden und hübschen Frau die Treppe herunter komme? Dass ich mir als (vielleicht betuchter) alter Lüstling eine mittellose Blondine gegriffen habe, die mich zu Tode pflegt und dann beerbt? Der Klischees gibt es viele. Manche stimmen, andere eben nicht.


Ich sah den Film "Harold and Maude" von 1971, mit den Songs von Cat Stevens und war von Anfang an begeistert. Kritiker sagten, es handele sich um eine Grenzüberschreitung, einen Tabubruch. Eine 79jährige und ein 18jähriger verfallen in eine Freundschaft, die im Buch noch eine Sexszene vorsieht, die im Film aber gestrichen wurde. Wegen der Bedenken. Ich finde diesen Film auch heute noch wunderbar, denn er setzt sich über die doofsten Generationenklischees hinweg, die man sich vorstellen kann. Von einem schönen Frauenliebling, O.W. Fischer, einem recht guten Schauspieler aus Österreich, munkelte man damals, er habe eine Frau, die kränklich sei, und mehr als 10 Jahre älter als er. Man sah nie ein Foto von ihr. Seine Filmpartnerinnen waren dagegen alle sehr attraktive Frauen wie Maria Schell und Ruth Leuwerik. Die Medien haben O.W. Fischer wegen seiner älteren Frau immer wie einen komischen Sonderling behandelt.

Was ist eigentlich los, wenn ein Paar mit sehr unterschiedlichem Alter glücklich zusammenlebt? Gar nichts, würde ich sagen. Wenn die offensichtlichen Kriterien stimmen, Liebe, Verständnis, Toleranz, geteilter Geschmack, gegenseitige Achtung, dann kann auch der Altersunterschied groß sein. Die Liebe sollte es möglich machen. Nach außen hin ergeben sich zuweilen Spannungen. Man mag die Dinge eben wie man sie gewohnt ist: der Mann ein paar Jahre älter, dann kann sie auch die Hosen anhaben. Ist die Frau älter als er, dann haben wir ein Problem? Mitnichten! Ich kannte in Paris eine Frau, Renée. Sie war 50, als sie Jacky heiratete, der so alt war wie ich: 35. Ich hatte bis zu ihrem Tod mit über 80 immer wieder Nachrichten von den beiden. Es war und blieb eine perfekte Ehe.


Natürlich macht das Älterwerden beiden zu schaffen. Das ist doch bei allen so. Man kommt von dem Gedanken nur schwer los, der andere müsse viel früher sterben. Oder, der andere würde sich abwenden, weil der Sex nicht mehr stimmt oder die Senilität auf der anderen Seite überhand genommen hat. Andererseits ist die gegenseitige "Befruchtung" bei einem altersunterschiedlichen Paar auch eine Bereicherung. Mehr sogar, sie gleitet oft über die Generationenkluft hinweg und harmonisiert eine gewisse mentale und emotionale Etwicklung. Wenn dann die Stärke der Beziehung auf solider Liebe (das muss schon sein) beruht, könnte es sich um eine "mental and emotional togetherness" handeln. Diesen etwas dämlichen Ausdruck habe ich selbst erfunden, denn ich möchte verstehen, warum bei mir und Cath die 20 Jahre Unterschied so gut wie nie eine Rolle spielen. Harold und Maude geht auch anders herum. Fit bleiben ist wichtig, zuhören und sich lieben. Dann darf auch mal etwas schief gehen. Und sich über jeden neuen Tag freuen. Ich halte unsere Beziehung sogar für einen Glücksfall, für den man sich nicht rechtfertigen muss.








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