Mittwoch, 15. Januar 2014

Eine Affaire mehr oder weniger, was solls?

Die Medien scheinen immer noch anzunehmen, die Liebesaffaire eines politischen Alphatieres enthielte den notwendigen Sprengstoff um Regierungen stürzen zu lassen oder die allzeit bereite Empörung auszulösen. Dem ist beileibe nicht so, wie wir gerade wieder  haben erleben dürfen. Der französische Präsident ist offensichtlich nicht über seine letzte große Pressekonferenz gestolpert, wo Beobachter im Vorhinein ein Massaker vermutet haben. Denn, solange ein französischer Präsident nicht Knaben schändet oder zu den Mormonen überläuft, muxen seine Wähler nicht auf, und alle internationale Mitempörung verläuft im Sande. Präsidentenaffären sind in la douce France eine Selbstverständlichkeit. Francois Hollande hat sich mit einiger Würde aus seiner Affaire gezogen.

Zum Glück, nicht alle.

In Großbritannien laufen solche Dinge anders: Hat er, oder hat er nicht? Warum der Konsument dort wissen muss, welche Farbe die Unterhose eines Liebespartners hatte, ist für die Medien wichtig zu wissen. Das Puritanische im Engländer funktioniert da noch heftig. Moralische Empörung über Fehltritte von Politikern ist garantiert, wenn überhaupt davon etwas ans Tageslicht kommt. Das tut es aber meist nicht. Bei Knabenschänderei und Ähnlichem jedoch hört der Spass auf. Da muss man jedes Detail erfahren, sonst tut die Presse nicht ihre Pflicht. Für wirtschaftliche Shortcomings etwa, ist dieses immer ein gefressenes Täuschungsmanöver. Religiös kann ein Politiker machen was er will, solange er nicht an den Teufel glaubt.

In Deutschland gehen die Uhren ganz anders. Der Puritanismus bleibt unsichtbar. Die Seehoferaffaire - wie putzig! -  wurde nicht nur weggesteckt, sondern auch vergessen und vergeben. Auch das ging eigentlich niemand etwas an. Ansonsten empört man sich über Bestechung, Lügen, Umfallen, Schweigen und Habgier. Angela Merkel eine Affaire anzuhängen, etwa mit Francois, das geht gar nicht. Auch ihr freundliches Lächeln, genau 5 cm entfernt von Obamas Gesicht, wer denkt da an Erotisches? Das geht (auch) ganz und gar nicht. Empörung über das Scheitern von No-Spy-Abkommen mit den USA, da müssen wir erst abwarten. Vielleicht spionieren sie ja nicht mehr ganz so unverschämt.

Kommen wir zu den Vereinigten Staaten: Sehr vereinigt, wenn es darum geht, Illusionen zu nähren. Wir sind immer noch die Größten. Die Mächtigsten. Die Attraktivsten. Die Reichsten. Die Klügsten? Der Rest der Welt ist unterentwickelt. Dass man sich da nicht täuscht. Europa könnte, wenn es wollte: verhandlungsmäßig die USA am verlängerten Arm zappeln lassen. Datenaustausch sollte nicht zur Einbahnstraße werden. Herumspionieren bei Freunden macht aus diesen allmählich Feinde. Am besten, denken viele, man redet nicht darüber. Zu viel Boykott kann auch den Amerikanern zu schaffen machen. Niemand braucht Cokacola, oder wie das Zeug heißt. Den Dollar eigentlich auch nicht. Die alten Straßenkreuzer haben sich auch längst selbst erledigt. Ein amerikanisches Gesundheitswesen existiert nichteinmal. Wird Amerika noch gebraucht? Und, was die Moral betrifft: Ist es schon mal jemandem aufgefallen, dass der nackte Mann im amerikanischen Film allenfalls von hinten gezeigt wird? Oder hat schon einmal jemand einen solchen im Hollywoodfilm von vorne gesehen? Das sollte uns zu denken geben!







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