Sonntag, 24. November 2013

Wien, warum willst du hoch hinaus?

Wien will hoch hinaus, wie jede Stadt, die etwas auf sich hält. Jetzt ist der größte und höchste Klotz Österreichs fertig geworden. Die Superlative in Wiens DC Tower 1 bringen die Stadtplaner bereits auf den Geschmack der Wolkenkratzerei. Es darf befürchtet werden, dass schon der nächste DC Tower in den Startlöchern liegt. In der Tat: der nächste Turm soll nicht ganz so hoch werden (nur 160 Meter), aber ebenfalls im Vienna DC "gelocated" sein. Wir stumbeln also von einem building event zum anderen und merken vor lauter Englischgestottere kaum, was hier vor sich geht. Eine Stadt verändert ihre Identität. Dabei hat sie eine so schöne: der Stephansdom, das Riesenrad, die blaue Donau und der süße Johann Strauss im Stadtpark. Was will man mehr?

Neues Wahrzeichen?


 



Das Manhattan von Mitteleuropa? Der neue Bau hat ein Gesamtgewicht von 250 000 Tonnen  und ganze 110 000 Kubikmeter Beton verschlungen. Kosten: gute 2 Milliarden Euro, für die 60 Stockwerke. Was heißt hier eigentlich DC? Dem Besucher Wiens sagt das nichts. Es heißt Donau City, denn diese City liegt an der Donau und ist als neues Stadtzentrum geplant, mit der nötigen Infrastruktur natürlich. Das erinnert mich stark an die Pläne der Pariser Stadtväter, mit dem Stadtviertel "La Défense" im Nordwesten ein neues Zentrum zu schaffen. Was daraus geworden ist: eine tote Stadt mit Banken und Büros, natürlich auch Essecken und Supermärkten und der üblichen Leerung am Wochenende, wo kein Schwein dort leben möchte. Eine Fehlinvestition ohne Seele, eine achitektonische Aufforderung zur Depression. Während meiner Pariser Zeit hat es mich ein einziges Mal dorthin verschlagen. Uninteressant! 


Wien, du schönes Wien, warum setzt du deine ganze Zukunft nicht auf dein Jahrhunderte altes  Zentrum um den Steffel, den Graben und die Oper? Manhattan, wir müssen das so krass sagen, ist auch heute noch eine Ansammlung von Beton und Stahl, und voller Menschen, die von dort in ihre ärmlichen Viertel fliehen, sobald sie ihren Job beendet haben. Nur die Chinatown an der Südspitze zieht Menschen an. Der Rest wirkt wie eine eindrucksvolle glitzernde Tote. Die zahllosen Wolkenkratzerstädte in der Welt haben es selten geschafft, nach Ladenschluss noch etwas Attraktivität aufzubringen. Urbanität hat vor allem mit Menschen zu tun, obwohl der Erste Bezirk in Wien manchmal schon einem Ameisenhaufen ähnelt. Überlasst die Donau City den Diplomaten und Geschäftsleuten. Dort können sie falsch parken, wenn sie wollen, aber sonst keinen Schaden anrichten. Die Musik spielt um den Steffel.





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