Sonntag, 1. September 2013

Island, die Wikinger und die Neue Welt.

In der Alten Welt haben sie Furore gemacht. Räuberische Unruhegeister waren sie. Sie haben bis nach Konstantinopel und in die Weiten Russlands die Herrscher in Angst und Schrecken versetzt. In West- und Südeuropa kannte man sie als Nordmannen. Die Normandie trägt heute noch den Namen. Wilhelm, der Eroberer hat mit seinen Normannen von dort aus England erobert. Das war 1066, wie wir alle wissen. Die Handelswege in Nord, Ost und West wurden von ihnen beherrscht, da sie mit ihren Wikingerschiffen auf den Meeren und Flüssen sehr geschickt waren. Ursprünglich kamen sie wohl aus dem heutigen Norwegen/Schweden. Einer der wichtigsten Handelsplätze war Haithabu oder Hedeby, eine Wikingerstadt an der Grenze zum Fränkischen Reich, ganz nahe der Stadt Schleswig an der Schlei, das nach der Zertsörung Haithabus als eine Art Nachfolgesiedlung gilt.


Unruhig und mobil wie sie waren, fand man sie überall, als Landnehmer und Kaufleute. Schon gegen Ende des 8. Jahrhunderts führte sie ein Raubzug auf die Britischen Inseln und 1013 eroberten sie England. Gegen 870 ließen sie sich in Island nieder und 982 entdeckte Erich der Rote Grönland. Andere Eroberungstouren wollen wir hier weglassen, denn sonst würde eine vielseitige Studie entstehen. Vieles ist im Unbekannten geblieben. Deshalb ist ein ungeheurer Mythos um die Wikinger entstanden und eine ihrer Hauptstädte, Haithabu, wurde im selben Jahr von den Wenden zerstört, in dem England erobert wurde: 1066. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird in Haithabu gegraben. Eines von mehreren Wikingerschiffen wurde auch dort geborgen. Es gibt Zeugnis von der perfekten Schiffsbaukunst, die die Wikinger zu Beherrschern des Atlantiks und des Nordmeeres machten.


Was sie antrieb? Wie immer bei Eroberern und Entdeckern ist es die Suche nach Reichtum, Land und Ruhm. Die Goten, Wandalen, Lombarden und Burgunder waren Nordmänner, die neue Lebensräume erschlossen. Oft war es der jüngere Wikingersohn, der das väterliche Erbe nicht antreten konnte, weil der Älteste das Recht auf das Erben hatte. Also rüstete man eine Gefolgschaft aus, mit der man in die Welt hinaus ging. Das meiste dieser Raub- und Wanderzüge ist natürlich nicht mehr bekannt oder muss mühsam aus allerhand Schriften und Sagas erschlossen werden. Selbst Kolumbus, der sein Leben lang glaubte, Indien entdeckt zu haben, ist heute noch berühmter als der eigentliche Entdecker Amerikas, der aus Island kam. Leif Eriksson war es, der um das Jahr 1000 Nordamerika entdeckte.

Leif Eriksson

Island ist also ein Land der Barbaren, wie die europäische Klassik es gerne so sah. Das Hellenentum hatte die Kultur und Zivilisation vertreten, worauf heute noch viele stolz sind. Das Römerreich, das von Barbaren zerstört wurde, hatte den Kulturhochmut der Antike übernommen und der germanische Norden Europas wurde zum Barbarenland herabgestuft. Dieses "Rating" stimmt jedoch schon lange nicht mehr. Leider war Wikingerland über die halbe Welt zerstreut und hat es versäumt, einen Wikingernationalismus hervorzubringen. Aber große, mutige Entdecker und Eroberer waren sie, die Wikinger.



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