Dienstag, 2. Juli 2013

Die täglichen Seifen - Opern wie sie im Buch stehen

Ich bewundere Menschen, die nie Werbung glotzen und auch keine Seifenopern sehen. Ich würde gerne zu jenen gehören, wurde aber schon bei der ältesten Soap schwach, die das britische Fernsehen seit endlosen Jahren ausstrahlt: Coronation Street. Doch auch die deutschen Soaps haben es in sich. Diese Endlosdramen, von denen manche schon die tausendste Episode überschritten haben, wirken wie ein Suchtmittel. Man möchte wissen, wie es weitergeht. Die Cliffhangermethode ist dabei das Spannende: gerade möchte man noch erfahren, ob er sie umbringt, oder sie ihn küsst, schon kommt der Abgesang und man wird auf den nächsten Tag vertröstet.

Wege zum Glück?

Wer auf sich hält, schaut diesen Quatsch natürlich nicht an. Was aber tun, wenn die Zeit vorhanden und die Neugier groß ist? Da das alles sehr einfach gestrickt ist, kann man zu jeder Zeit wieder auf den Zug springen. Nur wundert man sich nach ein paar Wochen Abstinenz, dass der Hauptübeltäter inzwischen in eine andere Serie abgedriftet ist. Oder das hübsche, talentierte Mädchen wurde von einer anderen Produktionsfirma übernommen. So kann nach einer gewissen Zeit das gesamte ursprüngliche Team verschwunden sein. Nur die Oma (die nicht so flexibel ist und das ältere Publikum anlockt) bleibt als ruhender Pol in der Serie.

Wir reden von "Wege zum Glück", "Sturm der Liebe" oder "Rote Rosen". Ich bin besonders fasziniert, wie dämlich die Handlung sein kann. Wie auch bitterböse Gestalten ihr Tun in die Länge ziehen können. Beispiel: Anabel aus  "Wege zum Glück". Sie spielt hervorragend die abgefeimte Mörderin. Oder diese rassige Argentinierin mit den Zwillingen. Auch sie mordet, glaubt aber innbrünstig an die Heilige Jungfrau. Ihre beiden Söhne, zweieiige Zwillinge kommen in "Strum der Liebe" so einfältig daher, dass es erbarmt. Rote Rosen hingegen, werden von einem italienischen Gangsterpärchen (Lorenzo und Benita) drangsaliert, dem ein grottennaiver Hotelbesitzer zum Opfer fällt. Auch der Rest ist nicht ohne.

Zwischenschnitt

Die Ingredienzien sind immer gleich: eine Art Liebe, Lüge und Verrat, Mord und Totschlag in kleinen Dosen, Trendgesülze, Säuselmusik, wenns erotisch wird, Humor in kleinen Portionen. Der Faden wird am Laufen gehalten, indem sich ständig eine Tür öffnet und jemand hereinkommt. Endlose Telefoniererei und "ich möchte mich entschuldigen"-Gebrabbel. Heimliches Zuhören bei vertraulichen Gesprächen. Oft unmotiviert: die Zwischenschnitte als Schmiermittel für den Übergang in eine neue Szene.

Dass es noch Autoren gibt, die Theaterstücke schreiben, ist schwer zu glauben. Was haben sich Shakespeare oder Schiller gedacht, als sie ihre Liebesdramen und Schurkenstücke verfassten? Millionen Zuschauer an Werbung binden? Das ist es doch, was Seifenopern bezwecken. Doch muss gesagt werden, dass die Schauspieler in der Regel viel besser sind, als die Handlungen, in die sie sich verstricken.




















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