Mittwoch, 28. November 2012

Apotheken: lesen was krank macht?

"Lesen, was gesund macht", der eingängige Slogan der Pharmaindustrie, der bei Einfältigen fast religiöse Gefühle weckt. Man könnte die selbstverständlich kostenlose Apothekenrundschau bei dieser Millionenauflage auch ein Massenmanipulationsmittel ersten Ranges nennen.  Wir werden dieses Erzeugnis wohl nie mehr loswerden und müssen damit leben oder sterben.

Platz für eine neue Apotheke?

Gerade verlasse ich eine Apotheke und bin etwas perplex: das freundliche Mädchen (zu jung um eine gestandene Apothekerin zu sein) sagte mir, dass sie eines der Medikamente in der gewünschten Marke nicht habe, aber einen Ersatz. Etwas misstrauisch, weil oft ein teureres Medikament untergejubelt wird, frage ich nach dem Preis. Es soll die genaue Zusammensetzung haben, aber erheblich billiger sein, weil von einem anderen Hersteller. Wem ist das nicht schon passiert? Ich frage noch schüchtern, ob die Nebenwirkungen dieselben seien und mir nicht etwa die Haare ausgingen? Die Anwort war klar und fröhlich. Also benutze ich jetzt eine ähnliche aber auch mir unbekannte Medizin. Ich nehme das hin und sage mir: Nimm, was gesund macht. Meine Krankenkasse zahlt es ja und gibt die Gewinne gerne weiter.

Als ich vor Wochen in meiner alten Heimatstadt eintraf, um alte Schulfreunde zu treffen, ging ich durch die Innenstadt: die beiden Kinos waren verschwunden, statt dessen fiel mir auf, dass eine ganze Reihe Apotheken zu finden waren. Was hat sich da verändert? Nehmen wir mehr von diesem ärztlich verschriebenen Zeug? Brauchen wir es womöglich? Meine Mutter schickte mich immer in die Einhornapotheke, weil da Frau Stiegler bediente. Sie war eine alte Freundin meiner Oma und bediente mich immer mit großer Freundlichkeit. Allerdings war ich an Dorle (oder hieß sie Bärbel?) interessiert. Sie war, wie ich, in der ersten Gymnasialklasse und gleichzeitig das blondbezopfte Töchterlein des Apothekers. Sie war so klein, dass ich ihr Lächeln hinter dem Tresen (bzw. der (Apo)Theke) nur an ihren Kulleraugen ablesen konnte, mit denen sie mich gnädigst anschaute. Den Rest des Gesichtes konnte ich zu meinem Bedauern nur erahnen. Das waren noch Zeiten. Dafür roch es in den Apotheken noch ein wenig nach essigsaurer Tonerde oder nach Vaseline. Jetzt duftet es nach Kosmetika und Bonbons. Da der Apotheker selbst für jedes Exemplar "Rundschau" etwas bezahlen muss, wird dieses Blatt nur auf Verlangen verteilt. Ein Grund mehr, etwas anderes zu lesen.






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