Mittwoch, 4. April 2012

Baden, wir lieben dich!

Nun, so einfach ist es nicht. Erst müssen wir bestimmte Badens aussortieren, Baden bei Wien, Baden in der Schweiz. Baden-Baden, die Bäderstadt in Baden. Alle sind sie schön. Und vornehm. Sicher gibt es in Amerika, wie wir den Laden kennen, auch noch dutzende Badens. Die sogenannten Caracässler, die sich in Venezuela niedergelassen haben, weil sie im Kaiserstuhl ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten, sollen einmal nicht mitgezählt werden. Aber, wir müssen uns fragen, warum 1849 so viele Badener meist nach Amerika auswanderten.




Doch zunächst fragen wir uns, was ist ein Badener? Einer, der schon 70 Jahre in Berlin Charlottenburg lebt und, wie meine verstorbene Tante einen badisch-berlinerischen Zungenschlag entwickelt hat, sodass sie gerne gefragt wurde: sind sie Badenser? Diese Frage bringt jeden Badener auf die Palme. Wütend wird er jedoch, wenn er mit Schwaben gleichgesetzt wird. Amadeus Siebenpunkt ("Deutschland, deine Badener") brachte es einmal so auf den Punkt: Jemand, der nördlich des Mains für einen Schwaben gehalten wird, ist ein Badener. Für mich kommt jedoch eher eine gastronomische Komponente hinzu: Wer badische Schneckensuppe isst, etwas von der badischen Dampfnudel versteht, und den badischen Sauerbraten nicht verschmäht, der ist im Badischen zuhause, egal, ob er echt oder unecht ist.




Das Naturell des Badeners ist sehr unterschiedlich: aufbrausend, bis zur Bereitschaft, eine Revolution auszulösen, milde und gesprächig bis zur Selbstaufgabe. Die im Odenwald und in der Kurpfalz fallen durch große Menschenfreundlichkeit auf. Sie sind gesellig und lieben alle Arten von Festen. Die aus dem Hotzenwald können störrisch und abweisend sein. Man muss ihnen mit Vorsicht, jedoch ohne Angst begegnen. Allen ist gemeinsam, dass sie Omas Küche schätzen, und bei Kirschplotzer oder Schwarzwälder Kirschtorte ausrasten, vor Wohlbefinden. Den Spargel, der zu frühsommerlichen Orgien führen kann, haben wir noch nicht erwähnt. Wie so vieles, haben wir den Wein ursprünglich von den Römern, von denen auch die attraktiven badischen Frauen abstammen, die, leicht aber angenehm mollig, mit großen dunklen Augen ein Feuer andeuten, das sie unter Umständen dann gar nicht haben. Badisch sein, grenzt nicht aus, sondern lädt ein. Zum Essen und Trinken. Der Elsässer, und im weiteren Sinne, der Franzose, hält sich gerne an der badischen Küche schadlos, die auch noch etwas preiswerter ist. Das wissen auch viele Württemberger, die in Scharen ins Ländle einfallen um sich zu laben.



Der badische Hitzkopf. Fast hätte er Deutschland für immer in Aufruhr versetzt. Der Markgraf von Baden, der einer Seitenlinie der Herzöge von Zähringen entstammt, hat das "Mark" einfach der italienischen Mark Verona entnommen, die damals von den Zähringern regiert wurde. Der Markgraf von Baden ist also nur ein Graf von Baden. Das moderne Baden entstand unter Napoleon, Anfang des 19. Jahrhunderts, denn es wurde napoleonisches Protektorat. Der Vorteil war, dass Baden erhebliche Gebietserweiterungen verzeichnete, links- und rechtsrheinisch. Es wuchs auf ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe. Auch der schöne Breisgau (noch zu Vorderösterreich gehörend) ging 1805 beim Frieden von Pressburg an Baden. Unschön war, dass bei der Völkerschlacht bei Leipzig Baden an der Seite Napoleons kämpfen musste.





Im übrigen ist die badische Geschichte ein einziges Chaos. Historiker und Märchenerzähler sollen sich damit herumschlagen. Hier geht es darum, wie es dazu kam, dass Baden Republik wurde, Monarchie war und dann Anhängsel eines Bundesstaates namens Baden-Württemberg wurde. Dabei sind wir auch heute noch mit Rheinland-Pfalz echt befreundet, ohne den dortigen Saumagen über den grünen Klee loben zu müssen. Wie gerne hätten wir uns mit Rheinland-Pfalz vereint. Baden wurde ein modernes Land, als es den Rhein schiffbar gemacht bekam. Das war ab 1815, Vater Tulla. Dann wurde in den Vierziger Jahren die Eisenbahn gebaut. Baden erwachte. Ein erster republikanischer Umsturzversuch, durch Friedrich Hecker, Gustav Struve und Georg Herwegh angezettelt, wurde durch Bundestruppen, ein zweiter Versuch, etwas später, durch preußisches und württembergisches Militär niedergeschlagen. Die Badische Revolution von 1948 machte Baden faktisch zur Republik. Es gab Verhaftungen und Erschießungen, standrechtlich, wie es sich gehörte, 23 an der Zahl. Dann wanderten etwa
5% der Bevölkerung, über 80000 Badener, nach Amerika und in andere Regionen aus. Im Dritten Reich haben nur wenige Schwarzwälder mit "Heil Hitler" gegrüßt. Grüß Gott sagte man lieber.

Es steht unserem Ländle also gut zu Gesicht, wenn es gelegentlich etwas aufmüpfig ist. Wer weiß, vielleicht wird auch einmal wegen der unverschämt hohen Benzinpreise über Ostern der badische Volkszorn ausbrechen. Der erste bundesdeutsche Grüne als Ministerpräsident könnte da ja mit gutem Beispiel vorangehen. Es lebe die Badische Revolution.

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