Mittwoch, 23. November 2011

Speed Dating, Fast Food, Rating Agenturen!



Dass wir das Wort "Rating Agenturen" nicht schon durch "Rating Agencies" ersetzt haben, ist wohl der deutschen Schlampigkeit anzulasten. Geschwindigkeitsstelldichein, Schnellessen, igittigitt! Was für Wortungeheuer. Wo bleibt das geliebte Wortgut? Die Querung des Flusses? Die Findung einer Lösung? Der Abtrieb eines ungewollten Kindes, eines Babies, sozusagen? Wir nennen alles beim Namen und wissen nicht mehr, wovon wir reden.

Wir verirren uns täglich, finden uns hingegen nur noch selten. Was wir finden, ist der von Konzernen gemachte Bedarf. Er entspricht keinem Bedürfnis. Bedürfnisse sind nämlich ganz einfach zu befriedigen: selbst der Sexualtrieb macht da keine Ausnahme. Statt teurer Lederjacke: Strickjacke. Statt Straßenkreuzer: Autöchen. Statt Speed Date: liebevolles Herumsuchen nach geeigneten Partnern.

Man muss keine frische Gänseleber, gebraten, auf gedämpftem Apfelbett, mit einem Glas Champagner, täglich auf dem Tisch haben. Dieses Bedürfnis kann man vielleicht einmal im Jahr stillen. Einen Bedarf gibt es hier nicht. Das gilt auch für Hummer. Und für Luxusautos. Und für Kreuzfahrten im Allgemeinen.

Entschleunigung, Entkrampfung, Entsagung, Entrüstung, Entwarnung, Entzerrung: Was für
schöne Ent-Wörter haben wir da? Nehmen wir die noch ernst? Jetzt, vor Weihnachten, fällt mir ein, dass maschinengebackenes Gebäck auch mit Wiegroßmutteresnochmachtenamen beschissen schmeckt. Großmutter bleibt Großmutter. Ersatz gibt es dafür nicht. Weihnachtslieder, die schon im November zu dröhnen beginnen, hören sich beschissen an. Festbeleuchtung an allen Ecken bevor es losgeht, auch beschissen. Machen wir uns frei davon, damit wir uns von den Neureichen, den Habenichtsen und den Altbürgern unterscheiden können, indem wir der Entmenschlichung entgegentreten.

Weihnachtliches Entsetzen

Christkind duftet stark nach Tannen,
Nicht nur unter Achselhöhlen,
Zieht geschminkt und froh von dannen,
Weit hört man sein frommes Gröhlen.
Bodylotion, Salben, Zimtstern,
Schleppt es mit auf seinem Wege
Zu den Menschen, jeder nimmt gern
Alles für die Körperpflege.
So wird Weihnacht immer wieder
Zur privaten Katastrophe.
Und dann klingen frohe Lieder
Ganz gescheite und auch doofe.

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