Mittwoch, 28. September 2011

Das Prinzip Hoffnung - Erkältung im Anzug



Man sollte über seine Gebrechen möglichst wenig sprechen. Niemand hört so richtig zu. Doch wenn die herbstliche Erkältungswelle anrollt, haben wir das Gefühl, alle in einem Boot zu sitzen. Keiner entgeht dieser jährlich wiederkehrenden Tortur. Zuerst ein leicht zu übersehender Schnupfen. Man denkt nicht mal dran, sich einen Vorrat an Papiertaschentüchern zuzulegen. Dann kommt ein zunächst leichter Husten auf, begleitet von einer fieberähnlichen Temperatursteigerung. Die allumfassende Mattigkeit gibt dann die Gewissheit, dass die Erkältung da ist. Manche laufen zum Arzt, schon, um eine Krankschreibung zu erwirken und die neuesten Mittelchen ausprobieren zu können, was dann wiederum die Pharmaindustrie sich gesund stoßen lässt. Andere, dazu gehöre ich, versuchen das Ganze zu ignorieren und die Erschöpfung einem natürlichen Ende entgegen ziehen zu lassen. Der Versuch, der Krankheit mit einem kräftigen Grog beizukommen, muss fehlschlagen, denn ein Zusammenhang mit einer schnellen Gesundung konnte noch nicht nachgewiesen werden. Der Verzicht auf Medikamente (außer Aspirin, vielleicht) macht die Sache nicht wirklich zum Renner. Es dauert, wie man sagt, auf alle Fälle entweder zwei Wochen, oder vierzehn Tage, bis man dieses Problem wieder los ist.

Schön ist es deshalb, wenn die bessere Hälfte sich zur gleichen Zeit einmal als weniger "besser" bezeichnet und, umweltbedingt (wir leben ja schließlich eng zusammen) und nicht aus bloßer Sympathie, Anzeichen von Kopfschmerzen, Gliederzerren und Ähnlichem aufweist. Es hat uns dann wieder einmal gemeinsam erwischt. Problematisch sind dabei nur die frischen Brötchen, die einer holen muss. Das bin meist ich. So sind die Rollen verteilt.

Worauf ich hinaus möchte? So eine Erkältung kann auch ihren Reiz haben. Man hustet im Gleichtakt, und man bedauert sich gegenseitig. Bei Schüttelfrost rückt man eben enger zusammen und freut sich auf das gemeinsame Ende (dieser jährlich wiederkehrenden Erkältung). Wie schön, wenn alles wieder vorbei ist.

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