Sonntag, 12. Januar 2014

Wiener G'schichten - Schönheit hat ihren Preis.

Es ist zweifelhaft, ob Schönheit erkauft werden kann. "Ach, ist die schön!" , zieht immer. Hässliche Menschen gibt es nur wenige. Bei den meisten kann man nachhelfen. Mit allerhand Tricks. Also gehe ich am Wochendende in der Kärntnerstrasse in einen Schönheitssalon von der bekannteren Art. Meine ganz gute Hälfte ist auch dabei, denn sie will mehr Schönheit erstehen. Es kann auch sein, dass sie einen dieser Rabattgutscheine ergattert hat: 20% auf alles, wenn sie zwischen dem 10. und 25. vorbeikommen.
Auch ganz schön

Die großen Schöheitsmarken sind hier alle vertreten. Man trifft sich in einer majestätischen Halle, wo diese Firmen ihre Stände haben: Chloé, Estée Lauder, YvesSaintLaurent, Dior, Kanebo, Clinique, Molti Brown und Bobbi Brown. Ich komme gerne mit, weil es da so gut riecht und weil unsichtbar umsatzfördernde Musik aus mysteriösen Quellen ertönt. Ich als Mann habe hier wenig am Hut. Obwohl, die Brown Brüder machen für den Mann die Body-Pflege ganz schön attraktiv. Für Lippenstifte und Hautcremes, sowie für Duftwässer und Unterdergürtellinieprodukte sind eher die anderen zuständig. Hauptsächlich Frauen bedienen hier, aber auch einige Männer tun als kosmetische Zuhälter ihr Bestes. Eine Athmosphäre, die in Trance versetzen kann.

Ich warte auf meine Süße, die sich in einer Nische die Augenbrauen verschönern lässt. Das geht gefühlte 20 Minuten, während ich in dem bequemsten Sessel der gesamten Anlage sitze und einige Aufmerksamkeit auf mich lenke. Schon kommt eine äußerst Hübsche und fragt mich, ob ich etwas trinken wolle. Ich verneine dämlicherweise. Dann schwebt die nächste an mir vorbei - sie tragen alle eine dunkle Art Uniform - und grüßt mich freundlich.

Inzwischen beobachte ich die durch den Eingang hereinschwebenden Kundinnen. Da ist eine, die ihre Massen durch dunkle Kleidung geschickt zu verbergen versteht. Dann sehe ich eine, die eher verwohnt als verwöhnt ausschaut und jetzt kommt eine Dame, deren hochmodische Stöckelabsätze das Gruseln lehren. Wie kann man, und warum muss man, auf solchen Absätzen daherkommen? Wird die Männerwelt ihr es jeh danken? Die Augenbrauen von Cath sind tatsächlich durch eine niedliche und total hübsche Türkin nach 20 Minuten zu Hochform aufgelaufen.

Hier gibt es nichts zu verbessern.

Die wenigen Männer, die hier Schönheitsdienste leisten, sind ausgesprochen "goodlooking". Sie müssen ja das Verkäufercasting erfolgreich überstanden haben. Wie kleine Hähne im Korb hasten sie elegant durch die Halle. Das zieht bei Frauen. Was sie verkaufen, hat sich mir noch nicht erschlossen. Burkaträgerinnen, so sagt man mir, kommen ganz scheu eher gegen Abend. Was man an ihrer unsichtbaren Schönheit noch verbessern kann, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ihre Männer werden wissen, wofür sie ihr Geld hinlegen.

Noch etwas: am Graben (oder war es am Stephansplatz?) steckt mir jemand einen recht religiösen Flyer auf Deutsch, Englisch und Französisch zu. Ich lese (viel zu spät für meine Begriffe): "8.12. Maria Immaculata. Die kath. Kirche feiert heute das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria". Ich bin gerührt und stelle mir vor: Maria kehrt bei Dior oder Estée Lauder ein und lässt sich in Sachen Lippenstift beraten. Dabei findet sie auch ein passendes Haargel für den Joseph und eine Bodylotion für den lütten Jesus. Haben wir es nicht sehr weit gebracht? Wir können über unsere eigene Schönheit bestimmen. Das hat uns noch gefehlt.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen