Sonntag, 13. August 2017

He is a real Trumpelton, dieser Luftie.

Es macht einfach Spass, sich über einen lustig zu machen, der sich selbst pausenlos auf  die Schippe nimmt, ohne es zu wollen. Das gabs noch nie. Aber man hat ihn zum Präsidenten gewählt. Jetzt kann er mit seinen Fingerchen am größten Atombombenarsenal der Welt herumspielen und damit unseren Kim Jong un veräppeln, weil er ja sonst nichts zu tun hat.


Trump Trumpelton, lese ich da, drop the hammer. Dabei war ich so stolz, diesen Begriff selbst gefunden zu haben, denn, als ich frühmorgens erwachte und meine englischsprachige Cath fragte, ob es etwas Neues zum Thema Trumpelton gäbe, weil sie als allererstes auf ihrem Dingens die Weltnachrichten abhört, brach sie in schallendes Gelächter aus. Das Wort Trumpelton, das mir gerade eingefallen war, kannte sie nicht. Dabei weiß sie sicher mehr über diesen erfolgreichen amerikanischen Schwadroneur, als ich.

Bevor ich mich daran machte, mir weltweit das Copyright sichern zu lassen, ging ich zu meinem alten Freund Google, um das Wort nachzuschauen. Zu meinem Erstaunen: Treffer. Es scheint also einen Trump Trumpelton zu geben. Doch bevor ich in die Fußstapfen eines CSU-Freundes namens Guttenberg trete, der unberechtigterweise abgeschrieben hat, trete ich von meinem Copyright-Anspruch zurück, rede aber natürlich weiterhin von Trumpelton. Ich (er)finde eben manchmal Wörter, die meinem Dafürhalten eher entsprechen.

Nazirotzlöffel 
Also, dieser Donald (Duck) Kim Jong un macht es unserem Trumpelton wirklich nicht leicht. Beide sitzen am Hebel und fucken damit rum. Da beide mal eine Mutter hatten, fällt einem das Wort Motherfucker ein, eine Bezeichnung, die in unserem liberalen Vokabularmischmasch heute durchaus Anwendung findet. Atombomben sind ja auch kein Pappenstiel.  Achtung vor der Mutter? Dagegen hat ja keiner was. Die deutsche Fassung von Motherfucker verkneife ich mir, damit keiner aus derselben gerät.


Kehren wir zum Instinktivbereich dieser beiden Rotzlöffel zurück. Sie grunzen sich gegenseitig an und  schämen sich nicht, vor aller Welt ihre Müskelchen zu zeigen. Wer hat den Größeren, fragt sich der Karikaturist. Bevor ich diese beiden als "Herren" bezeichne, und nicht als Rotzlöffel, muss noch viel Wasser die Ouse hinunter fließen. Die Ouse ist ein Fluss, der hier in Yorkshire in die Ostsee fließt. Aber nicht nur: es gibt auch eine Ouse, die sich in den Atlantik ergießt. Und dann noch eine Ouse ganz im Norden. Meine Einsicht: wenn man sich in England nicht mal über die verschiedenen Ouses einig ist, wie sollen dann unreife Atomliebhaber sich über den Erstschlag einigen können? Trumpelton oder Kim Bim, wo ist da ein Unterschied?

Samstag, 12. August 2017

Nestlébeschmutzung, Trumpschelte.

Donnie und Nesti haben etwas gemeinsam: der eine macht Profit und der andere auch. Beiden geht es darum, immer mehr Gewinn zu machen und den Rest der Menschheit weiter zu verarschen. Nestlé ist diskret, vor allem was die Beherrschung unserer Trinkwasservorräte betrifft. Trump weiß nicht was Diskretion ist. Nestlé nennt es Mineral- und Heilwasser, also aufgearbeitetes Quellwasser, das in Flaschen abgefüllt, für ein Vielfaches des eigentlichen Wertes verkauft wird. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern (Schweiz) handelt natürlich nicht nur mit Wasser, sondern macht mit vielen Produkten Gewinn, wobei allmählich die Grenzen des noch "anständigen" Geldverdienens überschritten sind. Die Schamlosigkeit des Geldmachens wird heute dadurch gedeckt, dass Instanzen wie die Kirchen, Behörden, europäische und andere internationale Einrichtungen nicht die Autorität besitzen, das Gemeinwohl durchzusetzen, auch wenn es ihre Hauptaufgabe sein sollte.


Genau das teilen sich Milliardäre mit den Großkonzernen: sie fühlen sich berechtigt, einfach weiter zu scheffeln, egal welche Konsequenzen das haben kann. Etwa steigende Preise für Lebensmittel und Wasser obwohl hier menschliche Grundrechte berührt und verletzt werden. Wer im Internet unterwegs ist, stellt inzwischen fest, dass Reichtum alles möglich macht. Man kann sogar Präsident einer Wirtschaftsmacht werden und ein hirnloser Idiot sein. Die Allmacht des Geldes leistet diesen Spagat und vieles mehr. Der Vergleich zwischen den Trumps und den Nestlés ist also voll gerechtfertigt. Der wachsende Skandal besteht darin, dass die zynische Realität wie selbstverständlich  hingenommen wird.


Kommen wir zur zeitgemäßen Auslegung eines der Bestandteile unserer Demokratie: die Wahl. Wenn ich genug Geld besitze, kann ich mir ein Familienleben leisten und darüberhinaus alle Exzesse, die dieses Leben zerstören. Eine solche Wahl hat jeder Einzelne, wenn er es sich leisten kann. Verhält der Mensch sich moralisch, wählt er manche Dinge selbstverständlich ab. Die bestehenden Gesetze, wenn sie beachtet werden, helfen dabei. Doch was geschieht mit der fragwürdigen Geldmaschine, die einfach weitermacht? Sie baut einen Trumptower nach dem anderen. Dass Trump gerade jetzt als Modell herhalten muss, hat er sich selbst zuzuschreiben: wie oft hat er schon getönt, er sei der Größte?

Lieben wir Lebensmittel? 
Das soll nicht bedeuten, dass die diskreteren unter den Geldmachern nicht noch viel gefährlicher sind, als die Schreihälse. Es ist die Gegenwehr, die zu organisieren ist, die mögliche Abwahl und der Boykott dessen, was moralisch verwerflich ist. Wir haben diese Möglichkeit und müssen sie nutzen. Es ist nicht das Wissen, das uns fehlt, es ist die Mitverantwortung für Unseresgleichen. Was die gegenwärtige Zerstörung unserer Welt betrifft, werden wir zu Mitwissern, wenn wir untätig zusehen. Merkel muss weg ist als Option zu kurz gesprungen. Nestlé muss weg, ebenfalls. Wir können den Überblick bekommen, wenn wir nicht auf Werbung hören (die Verarsche Nummer 1), nicht auf die Platitüden der Politik (Abwahl, bitte!) und nicht auf das moralische Gesäusel der Geldmaschinen, sobald die Gesellschaft eine Augenbraue hebt. Wir lieben Lebensmittel, heißt es dann. Wir tun etwas für unsere Umwelt. Wir sorgen für die Zukunft unserer Kinder. Wir sind gegen den Erwerb von Waffen. Wir wollen den Klimawandel nicht.

Klimawandel? Nein! 
 Ein hervorragendes Beispiel für den Kampf ums Überleben ist unser Freund Donald Trump. Er kümmert sich einen Dreck um das alles, und er hat auch noch die Stirn, sich für einen erfolgreichen Politiker und Geschäftsmann zu halten. Nestlé seinerseits geht, wie alle anderen gewinnorientierten Unternehmungen jeder Konfrontation aus dem Weg. Als Internetnutzer haben wir die Möglichkeit, zu reagieren. Wie wurde schon früher gesagt? Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Ich fürchte, die Zeit ist gekommen, zu definieren, wer wir sind, und entsprechend zu handeln.






Dienstag, 8. August 2017

Das Grauen kam in der Nacht.

Kann man sich einen idyllischeren Abend vorstellen, als Cath, gegen 23 Uhr europäischer Zeit, hier in Yorkshire war es 10, im Bett sitzend und genüsslich in ihrem Krimi ("I want you dead") schmökernd, und ich, der Langsame, gerade beim Zähneputzen, und bettfertig beim Einsteigen auf meiner Seite? Der Satz begann mit "Kann man sich einen idyllischeren???" Man kann nicht.


Nachdem wir den letzten Teil einer erschütternden Krimisoap angesehen hatten, freuten wir uns auf den wohligen Schlaf der Gerechten. Doch der Serienkiller hatte ganze Arbeit geleistet, wobei eine blonde Zweimeterpolizeifrau nicht mehr aus dem Koma erwachte. Ich persönlich hatte große Hoffnungen in sie gesetzt, obwohl sie nur eine Nebenrolle hatte. Doch bei so viel menschlicher Bosheit hätte ich mir am Ende einen überzeugenderen Sieg des Guten gewünscht. Ich weiß nicht was die Krimifritzen geritten hat, der englische Sechsteiler war durch und durch bösartig und gab Anlass zu großem Pessimismus. Das war insofern günstig, als wir mit gutem Gewissen vor dem Bettgang noch einen kräftigen Gin'n'Tonic zu uns nehmen durften.


Danach, wie gesagt, noch etwas Bettlektüre, die sich bis etwa 2 Uhr nachts hinzog. Draußen prasselte der Regen nieder, ein Gefühl von Geborgenheit und Heimeligkeit vermittelnd. Ich war gerade an einer Stelle in meinem ValMcDermid-Krimi angekommen, wo der Mörder zum dritten Mal ein Opfer an einen Tisch fesselt und ihm (für mich fast unverständlich) mit einem Skalpell das Schamhaar entfernt. Das Einschlafen wollte nicht gelingen.


Cath sagte plötzlich, ich höre Geräusche, unten in der Küche. Mutig wie man sein möchte, hechteten wir im Dunkeln die Treppe hinunter, unbewaffnet natürlich. Aus fünf verschiedenen Quellen sahen wir es von der Decke heruntersprudeln, das Wasser, das in wenigen Minuten, Tisch, Kleidung, Glasvitrine und soweiter überschwemmt hatte. Das Suchen und Aufstellen von Bottichen, Wassereimern und Schüsseln war eine erste Reaktion, die zweite, das Aufsuchen der möglichen Quelle, wobei das Dach gottseidank ausgeschlossen werden konnte. Es war der Boiler, upstairs, im Gästezimmer. Die vollgesaugten Handtücher und Decken waren schnell ausgetauscht. Das Ende der Katastrophe sichtbar.


Ein Unglück, sagten unsere Altvorderen schon, kommt selten allein. Ich erinnere, es war ungefähr 2 Uhr morgens oder nächtens. Nach der Gussorgie vermuteten wir eine kleine Pause. Diese wurde uns vermiest durch den plötzlichen Ausbruch der Alarmanlage, die mein verstorbener Schwiegervater vor Jahren hatte anbringen lassen. Diese schrillte ganz fürchterlich. Trotz einer kleinen Anzeige mit Zahlenkombination und trotz des Elefantengedächtnisses seiner Tochter, passierte nichts. Die Zahlenkombination brachte kein Ergebnis. Erst als wir eine verdächtige Leitung durchschnitten hatten, hörte das Schrillen im Hause auf.


Dann erst vernahmen wir das Schrillen an der Hauswand zur Straße hin. Dabei leuchtete ein blaues Licht gefährlich auf. Die Nachbarn, dachten wir. Zwei Uhr in der Nacht, dachten wir. Dann rief Cath die Polizei und hatte ein längeres Gespräch. Ergebnis: netter Beamter im Dienst, der nicht wusste, was tun. Also ließen wir es weiter schrillen. Doch den Hammer, um die Anlage eventuell zu zerstören, hatte ich bereits in der Hand, als nach der vorgeschriebenen halben Stunde die Alarmanlage ihren Geist aufgab. Davor hatte ich keine Ahnung, dass eine Alarmanlage einen Geist hat, den sie gelegentlich freiwillig aufgibt.








Sonntag, 6. August 2017

Auf Leben und Tod.

Außer Jesus, dem Nazarener, hat meines Wissens kaum jemand die Erfahrung des Todes gemacht und darüber sprechen können. Das liegt in der Natur der Sache, wobei der Tod eine ganz schlimme Sache sein kann. Sterbehilfe oder so ist nicht jedem gegeben. Auch der Tod als Erlösung muss nicht natürlich sein. Er ist aber immer ein Endpunkt, über den man nicht streiten kann. Ich bin tot, also bin ich, passt nicht so richtig in die Landschaft. Auch Humor ist beim Ableben eher selten. Statt nur so von Tod strotzen, geht gar nicht. Aber von Leben: ja!

Albrecht Dürer, Selbstbildnis mit 28. 
Wenden wir uns also dem Strotzen zu. Manchmal kann es nicht gelingen, weil zu viele Warnsignale aufgestellt sind. Gar manche/r wirft sein/ihr Leben einfach weg. Dann ist es als Konzept gescheitert. Wir haben genug traurige Beispiele. Doch bei Adolf Hitler und Hermann Göring hätte der Augenblick des Selbstmordes viel früher eintreten sollen. Vieleicht nicht gerade bei Neonazis, die sich eine Verlängerung unappetitlicher Faschozeiten durchaus vorstellen können. Wir sind den Unwegsamkeiten des Lebens eben ausgesetzt, ob wir wollen oder nicht. Und viele liebe Menschen mussten wir mit den Jahren ziehen lassen.


Maler haben gerne Männer und Frauen im prallen Leben dargestellt. Ich denke jetzt nicht an Abrecht Dürers Ritter, Tod und Teufel. Eher an Donald Trump, der von (noch-)Vitalität nur so strotzt. Wer reich ist, lebt halt länger. Es sei ihm gegönnt. Aber Präsident des mächtigsten Landes der Welt hätte er nicht werden müssen. Er scheint der einzige Machthaber zu sein, der nur so strotzt. Wovon? Wer weiß! Kim Jong un schafft es nicht so richtig. Sein spitzbubenhaftes Grinsen steht ihm im Weg. Alle anderen haben wichtigeres zu tun.

Grins, grins. 
Du musst dein Ändern leben scheint mir hautnaher als umgekehrt. Während du auf deine Träume wartest, lebst du. Wie du es hindrehst, das Leben macht was es will. Was du damit machst, ist nicht immer deine Sache. Statt Elefantenspuren zu hinterlassen, backen realistische Lebenskünstler gerne auch kleine Brötchen und kommen damit ganz groß heraus. Was ist richtig und was ist falsch? Am besten, man hört in sich hinein bevor man auf andere hört. Und vergisst nie, zu leben. Es muss nicht immer gestrotzt werden.






Samstag, 5. August 2017

Schlechte Nachrichten? So, what?

Es ist historisch belegt, dass der Überbringer der schlechten Nachricht auch schon mal mit dem Tode bestraft wurde. Wer eine solche Meldung erhält, ist nicht immer im besten Zustand. Vor allem die Leser bestimmter Zeitungen, die aus Niedertracht, Sensationsgier oder einfach Gier das Widerliche mögen, wenn sie nicht selbst davon betroffen sind. Das Unappetitliche wird oft bewusst nicht vom bloß Kuriosen getrennt. Beispiele: Thomas Beatie, erste Mannmutter der Welt, oder erster schwangerer Mann, hat nach drei Geburten wieder Testosteron eingenommen und (sichtbar) Muskeln zugelegt (Daily Mail). Die historische Leistung von Thomas, seine Schwangerschaft ging in Form eines entblößten Bauches schnell um die Welt. Jetzt sind seine Muskeln dran. Noch ein Beispiel von Daily Mail: Lesbe muss ihr T-shirt mit dem Aufdruck "Ehe ist so schwul" umdrehen, um bei einer Veranstaltung seriöse Familien nicht zu schocken.


Wir sehen, dass es nicht mehr nur Millionen sind, die da zuschauen, wie etwa bei der armen auflagenschwachen BILD, sondern, bei lohnenden Objekten, satte Milliarden. Und der weltgrößte Fotomogul, Getty Images, verdient sich dabei dumm und dusselig. Immerhin hat er gerade (aus schlechtem Gewissen?) 35 Millionen Fotos freigegeben. Man wirft dem neugierigen Moloch Leser also ein paar Krümel in den Rachen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Wir dürfen also auch Getty-Bilder zeigen, wenn es uns nicht ums Geldverdienen geht.


Ich denke immer noch, dass die weltweite Entwicklung der männlichen Schwangerschaft ungeheuer interessant ist. Vielleicht hat es das schon früher gegeben, trotz der Unwahrscheinlichkeit medizinischer Begebenheiten. Man muss unwillkürlich an die erste Päpstin denken, die es gegeben haben soll (auch noch eine Deutsche!), ein Kind geboren haben soll und in den Annalen der Kirche verschwunden sein soll. Hexenverbrennungen waren der Ausdruck christlicher Gradlinigkeit. Männliche Schwangerschaft kennt man nur von Seepferdchen, was mir relativ unwichtig scheint.

Der Nächste, bitte. 
Irgendwo hieß es, es gäbe in Australien schon über 50 Männermütter, in Israel, in England und in       Deutschland eine. Schwer zu glauben. Die Medien rudern da noch. Der Mittelweg zwischen Tabubruch, Skandal, Fake und moralischer Empörung scheint da noch nicht gefunden. Und wir Männer, die wir Kinder lieben, sind hin- und hergerissen. Wollen wir das? Es ist aufregend genug wenn eine Frau zur Mutter wird. Andererseits ist die Menschheit immer in der Lage gewesen, Neuland zu betreten. Eines Tages werden wir wie selbstverständlich auf dem Mars herumspazieren und dort vielleicht eine Gedenktafel für den ersten Trans-Mann errichten, der ein menschliches Kind geboren hat.      







Freitag, 4. August 2017

Sie dreht sich einfach weiter.

Es ist uns klar, dass die Erde bald Veränderungen aufweisen wird, an denen wir nicht unschuldig sind. Dass der amerikanische Präsident den kommenden Klimawandel ignorieren möchte, kann ich verstehen. Als nicht gerade mit Intelligenz ausgestatteter Milliardär kann er es sich leisten. Und er ist nicht allein. Andere Milliardäre leisten sich darüber hinaus hübsche Frauen als Gespielinnen oder Lustknaben um sich abzulenken. Wenn sonst nichts auf ihrer Wunschliste steht, dann eben die immer frische Gänseleber mit dem Glas Champagner (Millésimé), aber, Vorsicht, nicht jeder verträgt das. Die medizinisch motivierte Verlängerung ihres Lebens wurde eine Selbstverständlichkeit.

Wertegemeinschaft. 
Merkel hat mal gesagt, wir seien eine christlich-jüdische Wertegemeinschaft. Als sie noch lebte, war die Inquisition mit ihren Hexenverbrennungen längst vorbei. Auch Adolf Hitler und Karl Marx lebten  schon lange nicht mehr. Was Merkel damit meinte, wissen wir nicht. Damals gab es schon mehrere Millionen muslimischer Menschen im Land. Aber eine Wertegemeinschaft? Doch die englische Königin war uns lange erhalten geblieben, hinterließ jedoch nur schwache Spuren in unserem fehlerhaften Geschichtsbuch. Sie musste noch mit ansehen, wie ihr geliebtes Land Europa verließ.

Wertegemeinschaft. 
Wertegemeinschaft, da schau einer her: Angela hat zu vielem nichts gesagt, aber Wertegemeinschaft war ihr wichtig. Nachdem unsere Gesellschaft das mit dem Klima dank mächtiger Reicher glimpflich überstanden hatte, gewöhnte man sich an die häufigen Regengüsse und das Wegbrechen der Friesischen Inseln. Dafür wurde Bayern eine glühende Wüste, in der sich die Beduinen unter den Zugewanderten endlich wohlfühlen konnten. Christlich nannte man das Zeitalter, bis es nicht mehr ging. Die ersten Kardinälinnen waren aufgetaucht, eine war sogar schwanger als sie ihr Amt antrat. Konrad Adenauer kam aus den Rotationen im Grab nicht mehr heraus.

Wertegemeinschaft. 
 Da hält ein 170jähriger Donald Trump unvermutet eine Rede. "Das mit dem Klimawandel habe ich immer noch nicht begriffen, aber wir haben Amerika wieder groß gemacht. Zu meinen historischen Leistungen gehört, dass ich der mächtigsten Frau der damaligen Welt nicht die Hände geschüttelt habe. Den Premierminister eines winzigen europäischen Landes habe ich einfach beiseite geschoben. Ich habe ein paar Frauen gebumst ohne zu bezahlen. Ihnen an die Scham gelangt. Dann wurde die mexikanische Mauer gebaut. Ein großer historischer Erfolg. Frau Merkels Flüchtlinge durften im Land bleiben. Sie machten daraus die bunteste Heimat, die man sich vorstellen kann. Great. Und was tut die Erde? Sie dreht sich einfach weiter".











Donnerstag, 3. August 2017

The Curious Incident (2003) - Theatergeschichte.

Heute ist Mittwoch, der 2. August 2017. Cath schleppte mich nach Bradford ins Theater. Der seltsame Vorfall mit dem Hund zur Nachtzeit. Originaltitel: "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time". Das Alhambra ist ein bekanntes Theater in Bradford. Es wird gerne als das Kronjuwel der Stadt bezeichnet, wobei für mich "Little Germany", ein ehemals deutsches Stadtviertel,  ebenso fasziniert. Das Theater wurde 1914 als Variététheater in Betrieb genommen. Plätze gibt es für 1400 Besucher. Diese waren alle besetzt.

Bradford, Alhambra 
Eigentlich bin ich kein Theaterkritiker, und ich scheue mich ein wenig, wegen eines typischen Klassikers noch ins Theater zu gehen. Also nix: Die Räuber oder Des Meeres und der Liebe Wellen. Außerdem regnete es mal wieder, und wir mussten unser Yorkshire Ölzeug anlegen um nicht völlig durchnässt in der 2. Reihe sitzen zu müssen.

"The Curious Incident" begann mit einem Donnerschlag. Der fünfzehnjährige Christopher, von wem gespielt, ist mir unklar, brüllt wie wahnsinnig. Er stellt sich als eine Art Autist heraus, der nicht berührt werden darf, aber mit seinem Talent für Mathematik überaus begabt ist. Der Hund Wellington, der anfangs tot auf der Bühne liegt, wurde nicht von ihm getötet, sondern von seinem Vater, wie sich später herausstellt. Seine Mutter ist nicht tot, wie der Vater behauptet. Sie lebt in London, Christopher bei seinem Vater in Swindon. Bevor ich noch mehr konfuse Angaben mache, hier mein Eindruck: Es ist fast unmöglich, einen Weg durch das Stück zu finden. Vielleicht genügt es, einfach dem Jungen zu folgen, mit ihm zu leiden und zu protestieren?

Ich hatte schon lange das Gefühl, dass das moderne Theater seit "Warten auf Godot" nichts mehr zu bieten hätte. Das von einem Roman von Mark Haddon adaptierte Stück wühlt auf, erschüttert, weckt Angst und Mitleid, zweieinhalb Stunden lang. Das hat ein mir bisher unbekannter Steve Klover zustandegebracht, der die Ichform des Romans in ein Theaterstück umsetzte. Eine radikale Einführung in die sozial unvertägliche Welt eines heranwachsenden Autisten, dessen Existenz den meisten verschlossen bleibt. Zum Glück taucht am Ende ein kleiner junger Hund auf, der das pralle Leben verkörpert und Christopher sofort in die Arme springt. Auch das ungewöhnlich: ein lebender Welpe auf der Bühne.

Warten auf Godot 
Es ist mir klar geworden, dass ich nicht in der Lage bin, über dieses Stück klar und ausführlich zu schreiben. Es handelt sich sicherlich um Theater im wahrsten Sinn des Wortes. Es entführt dich und macht aus dir einen anderen Menschen. Vielleicht mit unendlich mehr Verständnis für alle, die nicht aus sich heraus können. Großartig.









Mittwoch, 2. August 2017

Yorkshire Tagebuch - 22 - Sie hat in die Ecke gepinkelt.

Doch davon später. Das Wetter ist wie es ist. Man resigniert ein wenig und wartet auf die unerwartete Wende: den Ausbruch von Sonne. Heute ist wieder so ein Tag: ich brauche die Pianomusik von Erik Satie. Wer ihn kennt, weiß wovon ich rede. Satie ist der verrückteste aller Neuzeitlichen. Ein äußerst reizbarer Franzose, der mal ins Gefängnis musste, weil er einem Musikkritiker gegenüber ausfällig geworden war. Man sagte, er habe "akrobatischen" Sex betrieben. Seine einzige Freundin entwich in einen Zirkus. Auch seine Esslust machte von sich reden: ein Omlett mit 30 Eiern und eine Mahlzeit mit 150 Austern. Da soll noch einer komponieren können. Er konnte. Als Komponist wurde er erst am Ende seines kurzen Lebens bekannt und berühmt. Debussy, Ravel und Poulenc waren  seine befreundeten Zeitgenossen. Ich verehre ihn als einen der ganz Großen. Nicht nur wegen seiner: Gymnopédie No. 1.

Erik Satie 
Donald Trump hat wieder etwas losgelassen: Er hat einen pensionierten General zum Chef  seines Personals gemacht. John Kelly, wegen dem der seltsame Anthony Scaramucci gehen musste. Donnie lobte ihn im Voraus mit den Worten: one of the great ever. John Kelly wird von Trump mit beunruhigenden Vorschusslorbeeren bedacht. Mit insgesamt 8 Sternen (4 auf jeder Seite) und 6 Reihen bunter Auszeichnungen auf der Brust, ein wahrlich hochdekorierter Exmilitär. Das Trumpgeschwafel lässt Schreckliches ahnen. Wir werden sehen.

John Kelly, Trumps Neuer 
Das mit der Dame, die beim Pinkeln fotografiert wurde, ist eher peinlich. Es soll auf einem Golfplatz von Trump geschehen sein. Das Foto soll widerrechtlich aber dennoch geschossen worden sein. Wird es jemals gezeigt weden? Der Name der Dame, die einem sehr menschlichen Bedürfnis in Gottes freier Natur nachgegangen sein soll, ist bereits bekannt. Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden Journalisten, die heuchlerisches Licht in die Affäre bringen. Wir warten.

Schnell, schnell: Yorkshire Sonne! 
Es regnet immer noch. Ich kehre zu Erik Satie zurück und höre mir seine ---- ach, egal, ich mag fast alles von ihm. Vielleicht bin ich auch etwas verrückt.


Dienstag, 1. August 2017

Werbung für Essen ist meist Betrug.

Ich weiß nicht, ob ich recht habe. Wenn irgend ein Futter, Schinken oder Käse oder Streuselkuchen,  Premium genannt wird, gleicht es meist dem warum auch immer zweimal gefeierten Geburtstag der englischen Königin. Eine maßlose Übertreibung, wenn man schon 92 ist. Käse kann ja ganz gut sein, aber premium ist er auf keinen Fall. Wir nehmen solchen Quatsch hin, als ob wir Herr unserer Geschmacksnerven wären. Bei blinden Verkostungen kommt selten ein einziges Ergebnis heraus. Deshalb muss nicht gestritten werden.

Idealmaß Giacometti? 
Wenn Hunger der beste Koch ist, kann seine Stillung nur von der Premiumart sein, egal was eingenommen wird. Schon mal die Fressgier eines Hundes beobachtet, der ausgehungert vor seiner vollen Schüssel steht? Deshalb sollte man nicht mit leerem Magen in ein Dreisterne Gasthaus gehen. Sichtbarer Hunger ist kein schöner Anblick.

Premiumfraß?


Man muss sich jedoch fragen, warum  heute so viele Menchen so langsam gehen? Es könnte mit den zuvielen Kilos auf der Rippe zu tun haben. Ärzte warnen gerne, verdienen jedoch auch ganz gut an der Adipositas, die sie als eine Krankheit diagnostizieren. Fettleibigkeit mit einem Body Mass Index von über 30 scheint normal. Kann man etwas dagegen tun? Schneller gehen, weniger essen, weniger von diesem vorgekochten Zeug aus dem Supermarkt kaufen. Abgesehen davon, dass es höchstwahrscheinlich als Premium daherkommt, suggeriert es auch noch unterschwellig Gesundheit und ein langes Leben.


Glückliche Kühe, wie sie hier in Yorkshire zu Hauf herumstehen, wirken nur bei oberflächlichem Hinschauen dick und vollgefressen. Sie hören mit dem Fressen auf, sobald sie genug haben. Dann legen sie sich hin und schauen ein wenig unintelligent in die Gegend. Selten nur sieht man sie beim Arzt. Das sind meine Erfahrungen, wenn ich hinter unserem Haus bergan blicke, wo sie zu Dutzenden herumliegen. Glückliche Kühe eben. Obwohl unsere körperliche Idealästhetik sich langsam den Verhältnissen (Kilowandel, statt Klimawandel) anzupassen scheint, schaffen es manche dann doch, durch schnelles gehen, Gartenarbeit und sportlichen Ehrgeiz, unter 30 zu bleiben?

Meine Dawn. 
Was machen wir dann mit Dawn French, einem weiblichen Dickie von äußerster Anmut, die aus dem Lachen nicht herauskommt, wenn sie auf ihre Kilos angesprochen wird? Ein herrliches Weib, das zu ihren Rundungen steht, wie Angela Merkel zu ihren  Flüchtlingen. Deshalb fällt es mir leicht, beidem etwas abzugewinnen. Wenn Flüchtlinge satt werden und etwas Glück empfinden können, kann ich mit mehr als Sympathie auf Dawn starren und sie zu ihrem Körperumfang beglückwünschen. Und, ja, ich weiß, dass sie über dreißig Kilo abgenommen hat. Ich hoffe nur, sie tat es für eine neue Filmrolle, denn mit so etwas spaßt man nicht.

Montag, 31. Juli 2017

Kann mir jemand sagen, wer ich bin?

Ich lebe im Yorkshire Moor. Da regnet es viel. Seit Tagen habe ich mich nicht ins Freie getraut. Auch jetzt sieht der Himmel bedrohlich aus. Graue Wolkenfetzen streiten sich mit schwarzen Wolkenelefanten, die winzige Stücke blauen Himmels an sich reißen. Gleich wird es wieder regnen. Eine entsprechende Kleidung habe ich willentlich nicht angelegt, als ich das Haus verließ, um die Anhöhe hinauf zu gehen und mich in Gedanken zu verlieren.


Gewiss habe ich genügend Jahre auf dem Buckel, um zu wissen,  wer ich bin. Die Frage ist doch: bin ich zu dem geworden, der ich sein wollte? Als kleiner Junge: ein Brückenbauer.  Einen Führer hatten wir schon, den meine Oma als einen Teufel bezeichnete. Meine Oma war eine meiner Richtschnüre im Leben: nicht lügen, nicht stehlen, keine Gewalt, und immer fromm. Das Letztere habe ich mir früh  als etwas Nutzloses abgewöhnt. Geprügelt habe ich mich öfter, doch nur einmal habe ich zuerst zugeschlagen. Das war notwendig und für meine Selbstachtung wichtig.


Ich beobachte misstrauisch den Himmel. Es geht leicht bergauf. Wettererfahrene Mitmenschen scheint es heute nicht zu geben. Schwer erkennbar kommt mir doch jemand entgegen. Eine dunkle Gestalt, die sich als junges Mädchen herausstellt. Gerne weiche ich aus, denn der Pfad ist eng. Lächelnd bedankt sie sich. Ich bin meinen Gedanken wieder ausgesetzt. Was tu ich, wenn es plötzlich regnet? Ich lenke mich ab und prüfe den Stand der Wolken. Ich sehe schwarz. Es wird nicht mehr lange dauern bis ich wieder einmal völlig durchnässt sein werde.



In der Pubertät musste ich kaum leiden. Meine Umwelt (Vater, Mutter Großeltern) war mir wohl gesonnen. Papa sprach zu mir wie zu einem Freund, wenn ich meine jugendliche Empörung über das Schlechte in der Welt wütend zum Ausdruck brachte. Das Gefühl, ein wertloser Dummkopf zu sein, hatte ich nicht. Als ich zum erstenmal wegen eines Mädchens einen roten Kopf bekam, wusste ich noch nichts über das Schwulsein, was mir immer fremd aber nicht feindlich war. Klar, Mädchen waren meine Sache. Von Sex verstand ich nichts. Doch ich wollte ein guter Junge sein. Und beim anderen Geschlecht schrillten meine Alarmglocken. Wenn sich eine Schöne meiner Pickelexistenz erbarmte, war ich glücklich. Glücklich machen war mir jedoch wichtiger als der pure Sex. Deshalb hätte ich auch nie jemand betatschen können, ohne eine lächelnde Zustimmung zu erhalten.


Zu dieser Zeit muss ich den Humor entdeckt haben, der mir im Umgang mit den Frauen, aber auch Männern, eine stetige Anregung war. Der Mensch fühlt sich total anders an, wenn er herzlich lachen kann. Nur einmal geschah es, dass ich ausgelacht wurde. Sie kam aus Hamburg, studierte Psychologie. Sie hatte sich mir angenähert, um ihre Studien an mir zu absolvieren. Dann merkte ich, dass ich verlacht wurde. Das war mir zuviel.


Ich kehre um, denn der Himmel ist schwarz. Der Wind bläst kalt. Noch 20 Minuten habe ich zu gehen bis zur Haustür. Werde ich rennen müssen? Doch das Yorkshire Wetter hält eine Wende bereit. Blitzschnell verschwanden die Wolken auf die Seite, in die der Wind blies. Ich glaube man nennt es luv. Oder ist die dem Wind abgekehrte Seite, das Lee? Es geht bergab. Ich denke an meine Gedanken. Die Jahre haben mich reifen lassen, doch der Reifeprozess ist nicht abgeschlossen. Ich werde an mir weiterarbeiten müssen, bis ich zufrieden bin. Vielleicht gelingt mir das. Jetzt trifft mich ein Sonnenstrahl.