Donnerstag, 15. September 2016

Meine Männer - Eine Alternative für Dumme?

Keineswegs. Gewöhnlich sind es die Frauen, die - nicht unstolz - von "ihren Männern" reden. Meist sind sie dann mit dem Ehegatten zufrieden und können womöglich noch eine Reihe heranwachsender Söhne und Brüder vorweisen. Wenn dieses männliche Gebilde auch noch gewaltfrei durchs Leben geht, kann sie stolz von "ihren" Männern sprechen. Dass bei Männern der totale Haarausfall oder die Geheimratsecken ein Schönheitsfehler sein sollen, ist völlig spekulativ, denn manche Frauen finden das sogar sexy.


Habe kein echtes Opafoto hier 
Als Mann (ohne Geheimratsecken, aber mit schlohweißem Haupthaar) muss ich mich rechtfertigen, wenn ich von "meinen Männern" spreche. Obwohl, heute kann es egal sein, ob man mit einem gleichgeschlechtlichen Ehewesen verwechselt wird. Es gibt (ich gönne es ihnen) schon genug dieser Zusammenschlüsse, die man natürlich ebenfalls als "Schicksalsgemeinschaft" bezeichnen kann.  meine Schicksalsgemeinschaft besteht aus einem geliebten Opa, der vor vielen Jahren mit 98 von uns gegangen ist, dem Vater, der nie zugeschlagen hat, wenn ich unartig war, zwei Söhnen und einem Enkel, der dem Mannesalter entgegenfibert und unglaublich süß ist.


Echter Enkel und Bruder. 
Man soll nicht vermuten, dass meine Welt ansonsten völlig männerlos ist. "Unsere" Frau hat zwei Brüder mit je einem Sohn. Auch ihr Vater war mir ein geliebtes Vorbild, genau wie mein verstorbener Freund Ernesto. Ja, ich habe neben meinen Frauen immer schon mit meinen Männern gelebt, von denen einige auch das gleiche Geschlecht bevorzugen. Berührungsängste à la Amerika hatte ich damit noch nie, zumal das Wort "Berührung" für mich hier nur einen emotionalen und körperfreien Stellenwert besitzt. Dennoch unterscheide ich klar: Mann ist Mann und Frau ist Frau.


Mann ist Mann und... 
Opa war ein sehr männlicher Mann. Oma war etwas klein. sie musste auf einen Schemel steigen, wenn sie ihm (beide im hohen Alter) nach dem spärlichen Haarescheiteln und Bürsten den täglichen Kuss auf die Stirn drücken wollte. Wenn ich bei den Großeltern zu Besuch sein durfte, ging Opa mit mir spazieren. Ich liebte das abgöttisch. Manchmal erzählte er mir Geschichten, nahm mich mit in ein Gasthaus. Dann gab es Limonade und eine Brezel. Er trank ein Glas Wein. Er brachte mir bei, was ein Herr ist, ein Gentleman. Nicht lügen, nicht stehlen, nicht schlagen, und das mit den Mädchen musste warten, schließlich hatte ich eine Schwester.


Schwesterchen. 
Vater - ich muss es sagen - nahm mich als Dreijährigen auf seinen Schultern sitzend mit zum Spaziergang  an einem Sonntagmorgen. Dann erzählte er mir von den Sternen und dem riesigen Weltall. In meiner kindlichen Erregung pinkelte ich ihm ins Genick. Er nahm mich herunter und lachte sich kaputt. Auch wenn ich unartig war, manche Jungs sind es oft, strafte er mich nur mit freundlichen Worten. Wie soll man da ein widersprüchliches Verhältnis zu Männern entwickeln? Also kam es wie es kommen musste: als die Zeit gekommen war, verliebte ich mich serienmäßig in das andere Geschlecht, bis der "Point of no return" erreicht war. Zu meinen Männern hatte ich mein ganzes Leben lang ein absolut freundliches bis liebevolles Verhältnis. Auch mein fast erwachsener einziger männlicher Enkel könnte nicht das Gegenteil behaupten. Und das ist für alle Beteiligten gut so.

Und Frau ist Frau. 








Mittwoch, 14. September 2016

Meine Frauen - mehr sage ich nicht!

Ich muss ein Loblied auf sie singen. Versteht das jemand? Ja, meine Frauen. Der engste Kreis: die Frau meines Lebens, die Tochter meines Lebens, die Enkelinnen meines Lebens. Die Zahl der letzteren ist noch nicht endgültig auf drei festgelegt. Meine Omas und Tanten leben nicht mehr. Sie müssen warten. Meine Frauen, nicht eigentlich im Gegengsatz zu den Männern. Nichts gegen Männer. Jedoch bin ich ein Frauenmann und kann das beweisen.  Aus meiner frühesten Kindheit sind mir nur Frauen in Erinnerung, und etwa 10jährig fragte ich mich ernsthaft, ob ich jehmals gut genug für eine "eigene" Frau sein würde. Ich hatte da Zweifel, aber auch Hoffnungen. Es kam wie es kommen musste.


Bei der Geburt meiner einzigen Tochter war ich selbstverständlich anwesend. Die Schweizer Privatklinik erlaubte es mir. Dann habe ich ihr Leben so oft erzählt, von der Geburt bis zu ihrer Mutterwerdung, dass ich das jetzt nicht mehr darf. Mit 5 sagte sie, Papa, im Kühlschrank ist immer Winter. Schon damals musste ich ihr recht geben. Die erste (und letzte) tätliche Auseinandersetzung traf sie mit etwa 15. Ich war väterlich eifersüchtig und beunruhigt. Ein Jüngling hatte sich ihr genähert und ihre - sagen wir mal - Sympathie gewonnen. Es gibt immer noch keine Gebrauchsanweisungen für solchermaßen verwirrte Väter. Ich reagierte wie ein hirnloser Macho: Schwupp, hatte sie einen kleinen Backenstreich, unmittelbar gefolgt von meinem entsetzten Stammeln einer Entschuldigung. Damit hatte ich von der väterlichen Gewalt für immer Abschied genommen.


Es gibt nichts schöneres als Frauen (und Töchter) 
Meine Enkelinnen sind tief in meine großväterliche Seele eingedrungen. Nur die erste von ihnen soll erwähnt werden, denn sie stürzte mich, nur ein paar Tage alt, in einen Horrortraum, aus dem ich schweißgebadet erwachte. Sie wurde in einem winzigen Bach zu einem Gulli hin gespült. Meine neue Opapflicht war es, zu verhindern, dass sie den Gulli hinunter gespült wurde. Sie rutschte in den Gulli. Ich war zu klobig, um da hineinzukommen. Mein Entsetzen war so groß, dass ich nicht zu Ende träumen konnte. Eine Warnung für alle Zeiten. Mit den nachfolgenden Enkelinnen ging dann alles mehr oder weniger problemlos.

Jetzt kommt das delikate Kapitel: Wann und mit wem habe ich zum erstenmal? Ehrlich, in einer Zeit, da die sexuelle Revolution noch nicht stattgefunden hatte, schwebte der interessierte Mann in einer ständigen Angst, vorzeitig und ungewollt Vater zu werden. Kondome wurden als Pariser bezeichnet und waren eher verpönt. Mir gefiel das nicht. Das Herumspielen im verliebten Dauerzustand, wer wollte das nicht? Sicher ist, dass die wenigsten Jünglinge unter 18-20 damit anfingen. Das strenge Auge der Familie war überall, und Mobiltelefone gab es auch nicht, um der Mutter zu sagen, ich sei in einen Mofastau geraten, oder habe den Anschluss an die letzte Straßenbahn verpasst. Mit wem habe ich zum erstenmal? Meine Erinnerungen bleiben etwas vage aber nicht unschön.


Das ist es! 
Komisch, manche Wörter wie Ausschweifungen, Herumhuren, den Hof machen, jemandem Augen machen, scheinen aus dem Sprachgebrauch verschwunden zu sein. Sicher kann man heute viel lockerer über alles reden, aber, tut man das auch? Ein Techtelmechtel, eine Liebelei, eine Schwärmerei, das war einmal. Da gab es noch Backfische. Die fingen an, hysterisch zu kreischen, wenn die Beatles oder ähnliche singende Größen in die Nähe kamen. Das machte uns "Männer" zu uninteressanten Buben, die nur an Format gewinnen konnten, wenn sie ein Motorrad oder einen Roller besaßen. Heute hat man einen Rechner, und man macht sich im Internet an. Fotos und Videos vom feinsten werden verschickt. Die Seelenverwandtschaft wird herbeigeklickt. Das muss nicht falsch sein, aber das zärtliche Erröten geht halt nur, wenn man sich physisch näher kommt, miteinander spricht und einen ersten Kuss riskiert. Solchen Risiken bin ich nie aus dem Weg gegangen.






Dienstag, 13. September 2016

Erich Kästner - der Unterleib

Treffende Sprüche findet man bei Erich Kästner so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Satiriker, Dichter und Schriftsteller aus Dresden fehlt uns heute. Für die rechtsgerichteten Besserwisser von heute hätte er einen Spruch nach dem anderen auf Lager. Ich würde Fräulein Petry von der Alternative für Deutschland vorschlagen: Es gibt nichts Gutes, außer, man tut es. Das sitzt und reimt sich während man sich auf AfD keinen Reim machen kann.


Erich Käsdner war Dräsdner 
Für alle, die Probleme mit gleichgeschlechtlichen, andersgeschlechtlichen oder ungeschlechtlichen Neigungen haben, hätte Kästner schon vor der sexuellen Revolution (was ist das???) ausgerufen: Das Leben ist ein Zeitvertreib. Man nimmt dazu den Unterleib. Wie poetisch er das formuliert hat. Ich könnte ihn dafür küssen. Den geborenen Putzteufeln unserer Welt, ich füge hinzu, mit Blick auf die klassische schwäbische Hausfrau, sagt Kästner mit männlicher Weisheit: Das meiste auf der Welt geht nicht durch Gebrauch kaputt, sondern durch Putzen. Ist das nicht schön? Man geht kaputt durch Putzen.


Bücherverbrennung: gedruckter Unflat
Ich habe diesen Dresdner immer verehrt und geliebt. Sonst hätte ich ihn auch nicht sofort erkannt, als er in den späten Fünfzigerjahren einmal (wie ich) über die Reeperbahn schlenderte. Wer Emil und die Detektive schrieb, oder das Doppelte Lottchen, oder Pünktchen und Anton, göttliche Kinderliteratur, kann kein bierernster Dichter und Denker gewesen sein. Ich liebte immer seine präzise Diktion, die nicht vorgab, allumfassend und endgültig zu sein. Aber auch Münchhausen mit Hans Albers war und ist ein großes Werk. Das fliegende Klassenzimmer, wer erinnert sich nicht?

Obwohl offensichtlich kein jüdisches Blut in seinen Adern floss, wurde er von den Nazis wie ein Staatsfeind behandelt. Seine Bücher wurden am 10. Mai 1933, kurz nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler, am Berliner Opernplatz zusammen mit anderer "entarteter" Literatur verbrannt. Nicht nur der Propagandaminister Joseph Goebbels war dazu erschienen, sondern unter den 40 000 Zuschauern war auch Erich Kästner, der es sich nicht verkneifen konnte, seine Bücher brennen zu sehen.  Während Goebbels in der bekannten Manier herumbrüllte, war Kästner stiller Zeuge einer ungeheuerlichen Barbarei.


Reichsschreihals Goebbels: wider den undeutschen Geist 
Die Nazis konnten künstlerische Leichtigkeit, vor allem Satire, Ironie und Kabarett nie ertragen. Der Roman Fabian hatte es ihnen besonders angetan. Er wurde als Schmutz bezeichnet. Eine leicht biografische Beschreibung ausschweifigen Lebens mit viel Sex aller Art, inklusive der lesbischen Variante und der Prostitution, hatte - wie konnte es anders sein - das Reinheitsgebot der Naziseele flagrant verletzt. Man fragt sich, was die "Rechts"-geleerten unserer Zeit, die AfDler, dazu sagen würden. Dann noch Schmuddelliteratur von Erich Kästner, einem echten Dresdner!


Hallo, Mama! 
Er wurde von der Gestapo verhört, saß ein, doch er verließ sein Land während dieser 1000jährigen Episode der deutschen Geschichte nicht. Und bezahlte seinen Preis dafür. Was mich fast zutode rührt und aufwühlt: Erich schrieb über 30 Jahre hinweg seiner Mutter täglich einen Brief. Das ist auch eine Lebenseistung der alleredelsten Art. Er konnte von ihr kein reiches Erbe erwarten. Es war Liebe und Seelenverwandtschaft zugleich.









Montag, 12. September 2016

Die Beatles - Würmer für das Ohr.

Eigentlich war ich schon heraus aus dem Alter. Es machte mich wahnsinnig zu hören, wie kleine Mädchen hysterisch wurden, wenn sie die Beatles zu Gesicht bekamen. Dabei hätte ich sie hautnah erleben können, damals in Hamburg, als sie im Star Club auftraten. Doch die Reeperbahn hatte noch ganz andere Attraktionen zu bieten. Mit meinem Freund Gerhard war ich aus Süddeutschland angereist, um die letzten Reste unserer Pubertät abzustreifen, die eigentlich schon längst der Vergangenheit angehören sollte.


Ihr erster Auftritt 
Doch, so ist es mit der Pubertät, vor allem bei Jungs. Sie zieht sich hin und ist erst am Verenden, wenn die erste feste Freundin um die Ecke kommt. Dann werden die Haare gebürstet, die Gesichter gewaschen und das Rasieren beginnt. Damals war es noch nicht so wichtig, lange Hosen zu tragen, und Mobiltelefone für Fünfjährige gab es auch noch nicht. Und die Mädchen lebten noch von uns getrennt auf einem anderen Kontinent.


Das muss nicht heißen, dass man als Jungmann nicht wusste was man wollte. Wir, Gerhard und ich, schlenderten über die Reeperbahn, wollten einen Auftritt von Fatty George erleben und endlich diese nackten Nutten sehen, die dort - das muss man sich mal vorstellen - in Schaufenstern sitzend begutachtet werden konnten. Für uns absolutes Neuland. Genauso wie das Pornokino, das für 8 DM einen Schmutzfilm und eine Coke anbot. Die Beatles rissen uns nicht von Stuhl, wir kannten sie nicht einmal, doch unsere solide Erziehung erlaubte uns immerhin, Erich Kästner (Emil und die Detektive) beim Flanieren über die Reeperbahn zu erkennen, begleitet von einer Dame, die sicher einen Kopf größer war als er. Von ihm ist bekannt, doch nicht nur: Es gibt nichts Gutes, außer, man tut es.

Was Fatty George betrifft, den österreichischen Jazzmusiker und Dixielandspezialisten, so verpassten wir ihn auch. Franz Georg Pressler, so hieß Fatty, war wieder nach Wien zurückgekehrt, wo es heute ein Fatty-George-Museum gibt. Immerhin hatte der begabte Klarinettist auch Jazzgrößen wie Lionel Hampton, Art Blakey und Ella Fitzgerald nach Wien gebracht. Verpasste Gelegenheiten, wohin man schaut. Doch die Beatlemusik begann damals, in aller Menschen Ohr zu hausen.


Beatlemuseum um die Ecke. 
Deshalb wurde gerade nachgeholt, was unbedingt wichtig ist, wenn man einen Besuch in Liverpool macht. Cath und ich waren dort. Es war nur ein Sprung mit der Bahn von Haworth bei Leeds an die atlantische Westküste. Neben den anderen Sehenswürdigkeiten wurde also auch das Beatle-Museum besichtigt. Als Mann, der sich seiner pubertären Zeit noch lebhaft bewusst ist, bekommt man richtig brüderliche Gefühle, wenn man den Werdegang dieser vier Beatles, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr an sich vorbeiziehen lässt.


John Lennon, das große Vorbild 
Die Musik der Beatles hatte mich erst erreicht, als ich mit Elvis Presley schon lange fertig war. Sie kroch mir ins Ohr, wie die meisten Titel der Beatles es machten. Unglaublich, wie zart und genial manche Melodien waren, die man auch heute noch parat hat, wie "Yesterday" oder "Yellow Submarine". I said something wrong, erinnere ich mich, deshalb ging sie. Jetzt sehne ich mich nach Gestern. Wem ist solch trauriger Abschied nicht passiert?


Seine Muse. 
Der Siegeszug der Beatles um die Welt, als erwachsen werdende Jünglinge, mit ihren genialen Songs, das hat es nie vorher gegeben. Auch keine andere Band hat jeh so etwas geschafft. Kein Wunder, dass die Band sich wieder auflöste, als es an der Zeit war. John Lennon hat dies in zahlreichen Interviews klar gesagt. Sein kurzes Leben mit Yoko Ono war der Ausklang. Jetzt wünschen wir uns manchmal "Yesterday".






Sonntag, 11. September 2016

Näher mein Gott zu Dir - Die Titanic

Die RMS Titanic war mal das größte Passagierschiff der Welt. Nicht das allerschnellste, und sie war auch nicht scharf darauf, das Blaue Band  der Europa-Amerikaroute zu erobern. Was ich als Kind in der Schule erfuhr, war, dass die Titanic riesig war, die Menschen an Bord hochmütig waren und, dass eine Kapelle das Lied spielte: Näher mein Gott zu Dir, während das Schiff langsam unterging, wobei viele nicht mehr den Sprung in die Rettungsboote geschafft hatten. Die Titanic raste am 14. April 1912 in einen riesigen Eisberg, eine Art Strafe Gottes für den Stolz der Menschen, die alles zu können glaubten.

Die Wirklichkeit sah etwas anders aus, und die Gründe für den Untergang konnten nie eindeutig definiert werden, denn es gab mehrere Ursachen. Vieles an diesem Schiff erinnerte an Deutschland, nicht nur das Lied. Auch einer der Werftbetreiber in Belfast (Harland & Wolff) war ursprünglich Deutscher: Gustav Wilhelm Wolff aus Hamburg, kam aber schon mit 14 nach England. Viele Passagiere waren aus Deutschland. Vielleicht war es auch kein Zufall, dass Leonardo DiCaprio mit Kate Winslet 1997 die Hauptrolle im Oscar-prämierten Film, einer von vielen Titanic-Verfilmungen, spielte. Seine von ihm abgöttisch verehrte Mutter Irmin stammt ebenfalls aus Hamburg. Das Schicksal der Titanic hat die ganze Welt erschüttert. Unter den 1370 Passagieren, von denen nur 500 gerettet werden konnten, waren auch viele Deutsche.


Heute werden bis zu 3600 Reisende in die Riesenkreuzfahrtschiffe gepresst, dazu noch bis zu 1000  Personal, doch der Komfort ist eher kleiner geworden. Die Titanic hatte ein Deck, auf dem nur die erste Klasse promenieren und wohnen durfte. Tiefer unten wohnten die zweite und die dritte Klasse. Die Rauchersalons und sonstigen Gesellschaftsräume waren ungeheuer groß und luxuriös. Alles erinnerte an ein Hotel der Edelklasse.


Treppenaufgang auf der Titanic 
Auf der RMS Titanic gab es auch einen Postdienst, der ständig geöffnet war. Das Royal Mail Ship (RMS) war eine Neuerung für die internationale Schifffahrt. Bei der Ankunft sollte alle Post sofort erledigt werden. Dazu kam es, wie man weiß, nicht mehr. Bei der Indienstnahme der Titanic waren alle überzeugt, dass das Schiff unsinkbar war, deshalb fehlten ausreichende Rettungsboote. Das Sinken des Schiffes dauerte 2 Stunden und 40 Minuten, genug Zeit, um alle zu retten.

Man vermutet auch, dass die an Bord befindlichen Ferngläser nicht geeignet waren, rechtzeitig bei Nacht die drohende Annäherung von Eisbergen zu erkennen. Der Untergang der Titanic galt als größte Schiffskatastrophe aller Zeiten. Solange es noch Überlebende gab, die von dem Unglück berichten konnten, hat jedes Kind davon gewusst. Heute könnte es anders sein.


Die Wilhelm Gustloff 
Doch für viele Deutsche ist es der Untergang der Wilhelm Gustloff, der grausige Ernnerungen heute noch wachhält. Von einem russischen U-boot versenkt, war die Gustloff auf der Flucht vor den Russen mit über 10 000 Flüchtigen an Bord. Fast alle kamen um. Die Wilhelm Gustloff war das Herzeige-Kreuzfahrtschiff der Naziorganisation Kraft durch Freude gewesen. Ihre letzte Fahrt auf der Ostsee führte bei eisigem Wetter am 30. Januar 1945 in den sicheren Tod für über 9000 Menschen. Damit wurde die Katastrophe der Titanic um vieles übertroffen.








  

Freitag, 9. September 2016

Wolkenkratzerkuckucksheim.

Also ganz oben, was man nie zu fassen kriegt und was die Gedanken leichtfüßig herumtrödeln lässt: der Wolkenhimmel. Bevor wir uns in West-Yorkshire niederließen, gab es für uns nur den Abendhimmel, der gelegentlich ein paar Zirrhuswölkchen rosarot einfärbte und eine friedliche Stimmung verbreitete.


Oder es sah nach himmlischer Bedrohung aus: schwarze Kumulusknäuel wollten ihre massigen Ladungen ausschütten. Da halfen alle Schirme nichts. Da wollte man zuhause bleiben. Auch der sagenhafte Hund kam da nicht mehr hinter dem Ofen vor.


Jetzt bin ich Mitglied und Kunde bei der Cloud Appreciation Society. Und ich weiß, warum. Die Gesellschaft für die Wertschätzung der Wolke hat eigentlich schon alles abgegrast. Keine Wolkenformierung dieser Welt ist noch vorstellbar, ohne dass diese ehrenwerte Gesellschaft sie nicht schon einmal vorgeführt hätte. Ich bin hingerissen, darf aber die Wolke des Tages, oder die Wolke des Monates nicht nutzen, nur bewundern. Dafür kann man sich täglich an neuen, nie dagewesenen Gebilden ergötzen.



Selbstverständlich dachte ich mir, dass so ein Wolkenhimmel seine Grenzen haben muss. Im Internet, das ja weltweit grassiert, gibt es wolkenmäßig kein Ende. Auch Langeweile kommt da nicht auf. Ich schaue mir den Himmel an, vergesse die Tage, wo gerade nicht viel los ist oder wo das Firmament einfach grau oder milchig weiß dahindämmert.


Das kennt man schon. Doch ein rein blauer Himmel, sozusagen ein wolkenloser, so selten wir das hier haben, wird von uns Wolkenbewunderern emotional abgelehnt. Viel schöner und aufregender sind die Himmel, wenn da etwas vorbeizieht. Wenn die Abendsonne rötliche Fetzen über die Hügel jagt, oder die Schwarzwolke für Minuten die Form eines Elefanten annimmt, ja vielleicht sogar ein Pferd imitiert. Lass dann noch bei Dunkelheit ein paar Sterne aufblitzen, und der Abend ist gerettet.


Nein, ein spannendes Fernsehprogramm kann da nicht mithalten. Vielleicht gerade noch ein schaurig-schöner Mond, der auch für vieles verantwortlich ist, was die Menschen so anstellen.



Jetzt sage ich Gute Nacht. Wer Himmelskörper liebt, schätzt auch ihre himmlischen Garderoben mit den herrlichen Verkleidungen. Wie gesagt, es gibt da immer etwas nie vorher Gesehenes zu entdecken.








Liverpool - on ne crache pas dessus!

Es gibt Städte, da fragt man sich, was die eigentlich so treiben. Gut, wir wissen, dass die Beatles aus Liverpool stammen. Dass es hier das älteste China-Viertel Europas gibt und dass die RMS Titanic, damals  eines der größten Passagierschiffe der Welt der Liverpooler Reederei Harland & Wolff, in  Belfast gebaut wurde. Da der Hafen in Liverpool nicht geeignet war, wurde allerdings die katastrophale Titanic-Fahrt nach Amerika von Southampton aus gestartet.


Liverpool hat große Zeiten gesehen, als das Vereinigte Königreich noch mächtig war: Industrie, Welthandel, Schiffbau, Architektur. Aber auch die Erinnerung daran ist noch zu sehen. Industriebauten, die vergeblich zum Kauf oder zur Miete angeboten werden. Geschäfte, die geschlossen sind, Sträucher, die auf Dächern wachsen.


Die Liverpool Cathedral ist ein besonderes Stück Architektur. Zwischen 1904 und 1978 im neugotischen Stil erbaut, verfügt die Kirche über den höchsten Glockenturm der Welt. Sie ist die größte Kirche Englands, die fünftgrößte der Welt.  Die einzige Kathedrale, in der man nicht nur Hunde als Besucher antrifft, sondern auch ein Restaurant findet, ein Café, Toiletten für Besucher, eine rote Telefonzelle und noch vieles andere von der weltlichen Art. Dazu intensive Aufforderungen zur Spende.


Obwohl die etablierten Kirchen die Hände über ihren Köpfen zusammenschlagen würden, gibt es in dieser riesigen Anlage für Frommes auch eine Abteilung, die dem Gottesdienst reserviert ist. Diese prächtige, spätgotische Riesenanlage ist mit dem Kölner Dom verschwistert, ohne selbst katholisch zu sein. Die riesigen Glasfenster sind eindrucksvoll bemalt. Sie allein rechtfertigen jede Art von Partnerschaft mit anderen Kirchen.


Unser Hotel lag ganz in der Nähe, mit einem Restaurant, dem The London Carriage Works, in dem wir aus Neugier aßen und das uns wie ein großer gastronomischer Tempel vorkam. Die Speisekarte gab sich salbungsvoll und barock, doch die dann auf dem Teller liegenden Spezialitäten waren etwas missraten. Der Hauch des Schweigens weht über dieser einmaligen Gelegenheit, die durch ein sehr gutes Essen in der China Town wettgemacht wurde.


Liverpool ist und bleibt eine urbane Diva, bei der das Klimakterium interessante Auswirkungen hatte.  Der Besuch bei den Beatles steht bei den Besuchern aus aller Welt fest auf dem Programm.

Mittwoch, 7. September 2016

Sklaverei - die Schande der Neuzeit

Bücher über die Sklaverei gibt es wohl viele. Aber in Liverpool steht das wahrscheinlich einzige Museum zu diesem Thema. Aus gutem Grund, denn das Vereinigte Königreich war maßgeblich am Sklavenhandel beteiligt und hat sich daran über Jahrhunderte hinweg zu einem der reichsten Länder der Welt gesund gestoßen. Andere Länder waren ebenfalls am Sklavenhandel beteiligt. Sklaven konnte man kaufen, vererben, vermieten, verleihen, verpfänden und sexuell missbrauchen. Rechte hatten sie keine. Noch in der heutigen Zeit wird geschätzt, dass weltweit 35,8 Millionen Menschen als Sklaven ihr Leben fristen. Wir wissen immer noch nicht vieles darüber. Es gibt noch zahlreiche Länder, in denen sklavenähnliche Verhältnisse herrschen, und wir Europäer haben genug damit zu tun, unsere Sklavenzeit zu überwinden. Dabei haben wir die internationale Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und auch die Europäische Menschenrechskonvention


mit Gerichtshof des Europarates, in dessen 47 Mitgliedstaaten jede Art von Sklaverei (Artikel 4) verboten ist.


Natürlich ist bei 7,5 Milliarden Menschen nicht daran zu denken, überall deren Grundrechte zu überwachen und vor allem die sklavenähnlichen Verhältnisse einfach abzuschaffen. Millionenfach geht die Versklavung von Männern, Frauen und Kindern weiter. Ich sah Frauen in Indien, die im Straßenbau Steine klopften. Kinder, die für ihr Alter schwere Arbeit leisteten. Von Prostituierten zu schweigen, die oft aus fernen Ländern kommen (oder Osteuropa) und für keinsten Lohn ausgebeutet werden. Blut und Tränen, wenn man genau hinschaut.


Hunderttausende sterben schon beim Transport 
Eine Art Schuldknechtschaft und Freiheitsberaubung am Arbeitsplatz sind die Gesichter der modernen Sklaverei in Brasilien. In Haiti werden Kinder als Haussklaven gehalten. Sie werden von armen Eltern an besser gestellte Familien abgegeben. Auch im Sudan besteht die Sklaverei fort. An der Elfenbeinküste arbeiten etwa 200 000 Kindersklaven in der Landwirtschaft. In Nepal ist die Leibeigenschaft noch allgegenwärtig. Kinder zwischen 4 und 15 Jahren werden als Sklaven an Wohlhabende verschachert. Und das Perverseste berichtet man von Afghanistan, wo Knaben, sogenannte Tanzjungen, als Frau verkleidet vor Männern auftreten müssen und dann missbraucht werden.    Wenn sie beim ersten Bartwuchs ihren Reiz verloren haben, werden sie verstoßen, oder mit einer Witwe zwangsverheiratet und oft auch getötet.


Ich erinnere mich an das aufrüttelnde Buch Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher-Stowe (1852), woran auch die Berliner U-Bahnstation gleichen Namens in Berlin-Zehlendorf erinnert. Der Kampf gegen die Sklaverei ist noch nicht beendet. Es gab immer wieder Rückschläge und neue Gesetze gegen den Handel mit Menschen und deren Versklavung. Noch in den Siebzigerjahren hörte ich einen protestantischen Missionar im Fernsehen sagen, dass die Europäer noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts der Meinung waren, Afrikaner seien keine richtigen Menschen. Erst dann hätte man begriffen, dass es sich um gleichwertige Wesen handelt.


Gegen die Abschaffung der Sklaverei: der Ku Klux Klan 
Schreiendes Unrecht ist diesen Menschen geschehen. Und jetzt, wo die Sklaverei wenigstens auf dem Papier abgeschafft zu sein scheint, kommen einige Amateurpolitiker in Deutschland daher und schüren Hass gegen die aus aller Welt geflohenen Menschen, die in Europa eine neue Heimat suchen. Kleinlichkeit, Nationalismus, Habsucht und Hass spricht aus diesem Verhalten von AfD, PEGIDA etc. Dabei sind die größten unter diesen Schreihälsen wohl auch nur Nachfahren von Untertanen, die noch von ihren Herren gedemütigt und ausgebeutet wurden.  Stolz besuchen sie ihre Museen, in denen sich die geraubten Schätze der Länder befinden, aus denen unsere Flüchtlinge kommen.





Daniel Glattauer - Geschenkt ist geschenkt

Du kannst dir ruhig mal anhören, was ich dir zu sagen habe. Ehrlich, ich will dich nicht drängen, aber freuen würde ich mich saumäßig, wenn du mal was anderes tätest als Bestseller schreiben. Darauf komme ich noch. Wir haben einiges gemeinsam: gerade habe ich drei Jahre in Wien verbracht, bevor es mich/uns nach Yorkshire verschlagen hat. Auch ich bin Brillenträger und etwas faul, obwohl man einen Verlierer wie mich gelegentlich auch in Bewegung setzen kann. Was dabei herauskommt, kann sich vielleicht sehen lassen. Will das jemand sehen? Aber egal.


Ich habe mich in dich verliebt. Das ist ungewöhnlich für einen 80jährigen, der zwar intensiven Umgang mit Frauen, aber noch nie mit Männern gehabt hat. Und auch noch nicht in einen verliebt war. Wo ist dabei der Haken? Es gibt keinen. Schon deine Erstlingswerke haben bei mir freudige Augenbrauen in die Höhe gezogen. Hoppla, sagte ich mir, der kann schreiben. Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen, die E-Mail-Sachen von dir, haben mich damals ganz schön betört. Ich brauchte damals keine sieben Minuten, um ins Jubilieren zu geraten ob dieser Art zu schreiben.


Mit Karl May war ich schon lange fertig. Ich hatte alle 64 Bände gelesen und kannte den Namen des orientalischen Freundes von Kara Ben Nemsi auswendig. Willst du ihn hören? Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Davud Al Gosara. Aber egal. Meine Neugier trieb mich, als ich 20 war, nocheinmal einen Band dieser Knabenliteratur in die Hand zu nehmen. Es war dann wie ein Austritt aus der katholischen Kirche. Nach ein paar Zeilen konnte ich nicht mehr und sagte Old Shatterhand für immer Good bye.

Dann wurde ich unheimlich selektiv. Jane Austen, Dostojewsky, Shaw, Blechtrommel und Mein Kampf, den ich vom Hörensagen kannte und erst in der Uni-Bibliothek von Freiburg im Lesesaal wie eine Salami (mit Nachgeschmack) stückchenweise zu lesen bekam. Die hatten nur ein Exemplar. Adolf hätte sich im Grab herumgedreht, wenn er eines gehabt hätte. Der Stil? Ganz schlecht.


Bildung, Einbildung, Ausbildung, Umbildung, diese vier Bildungen haben auch mich dazu gebracht, zu schreiben: Ein kleines Buch von nur 126 Seiten. Etwa tausend Blogs über fast alles (vielleicht 2000 Seiten). Viele Artikel, Beiträge, auch Poesie (schätzungsweise 200 gereimte Sachen). Oft habe ich mir sagen lassen, meine Schreibe sei ganz ordentlich, aber dann dachte ich an alle jene, die richtig schreiben konnten. Ihre gute Feder lieferte mir den Vorwand, die notwendige Disziplin nicht aufzubringen, morgens um sieben damit anzufangen, meine Geliebte zu vernachlässigen, oder das Frühstück, nur um ein ständig gedrängter Angestellter bei Kiepenheuer & Witsch, Fischer oder Goldmann zu werden. Und mir sagen zu lassen, was gute Literatur sei. Aber egal.


La settima onda 
Genau genommen habe ich mich in deine Literatur verliebt. Ich stelle fest, dass ich abschweife, und nur zögerlich zum Punkt komme. Daniel Glattauer: mit der Erfindung von Manuel und der ganzen durchgeknallten Fleckerlfamilie hast du uns auf den Boden der wohltemperierten Realität gesetzt. Ein herrlich leichter Stil ist das. Geschenkt, aber egal. Du schreibst: Immer wenn ich Angst habe, bin ich ein offenes Buch. Zuerst bist du also ein offenes Buch. Dann brauchst du 333 + 1/2 Seiten, um Vater zu werden, der du schon warst, dann kann man das Buch wieder zuschlagen. Der Lieschen Müller Kitsch ist ausgeblieben. Was geht statt dessen im Kopf herum? Lauter schöne Sachen, die Daniel niedergeschrieben hat. Tagelang geht man damit um. Aber egal. Du musst weiterschreiben! Für die Faulen, die Aufgeweckten, die Entdecker und für deine Leser.













Samstag, 3. September 2016

Unerreichbar schön, diese Stars.


Helmut Berger, einst der Schönste der Welt 

Draußen regnet es. Mal wieder. Wir sind in Haworth in West-Yorkshire. Da nimmt man das Wetter wie es kommt. Ich habe Brigitte Bardot einmal gesehen. Sie kam nach Straßburg, um vor dem Europarat für die Rettung der Jungrobben einzutreten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Blüte ihrer weiblichen Reize schon etwas ins Welken geraten war. So spielt das Leben. Auch dem begnadeten spanischen Sänger Julio Iglesias durfte ich begegnen. Er war fast schüchtern, doch seine Stimme war mir zu schmalzig. Leider.


Der Zahn der Zeit... 
Was ist bloß aus unseren Stars geworden? Bevor sie berühmt wurden, waren sie ganz normal. Dann treten sie ins Rampenlicht der Welt und sind plötzlich eine Ikone. Oft auch nur das Produkt einer Vermarktungsprozedur. Sie werden zu dem, was sich andere unter ihnen vorstellen. Dann, mit den Jahren, beginnt der Kampf um die Erhaltung dessen, was vom Zahn der Zeit weggenagt wurde. Wie schön ist es da, zu sehen, dass sich einige ganz tapfer schlagen und im Alter wieder zu dem werden, was sie einmal waren. Heute ist ein Star allenfalls so etwas wie ein fotografischer Imbiss.


Die Bardot: Gesicht mit Mut. 
Wie schön, wenn wir das Glück haben, elegant zu altern. Gut, Anti-Ageing muss nicht gänzlich verdammt werden, doch wer seine Krampfadern geschickt versteckt, seine Falten mit Würde trägt und auch sonst der bleibt, der er einmal war, hat bestimmt mehr vom Leben. Auch wer nicht zu viel Zeit damit verplempert, den Zerfall seiner menschlichen Baustelle aufzuhalten, kann noch vieles unternehmen, auch wenn die Zahl der Jahre schon bedenklich gestiegen ist. Ein schönes altes Gesicht verrät heute Mut und Ehrlichkeit, vielleicht sogar etwas Trotz. Man trotzt damit dem Älterwerden am besten.

Liz als Kleopatra 
Klassische Schönheiten wie unsere antike Kleopatra gibt es wohl nicht mehr. Alles ist reine Geschmacksache geworden, und jeder kann heute wie Kleopatra aussehen, wenn er das will. Als Frau natürlich. Bei Männern fällt mir gerade nichts Vergleichbares ein. Ein antiker Schönling, dem man gerne nacheifern würde? Vielleicht Apollo? Eher nicht. In der Neuzeit: James Dean? Der hat ein gutes männliches Gesicht, kommt jedoch für die gängige Verehrerin nicht so richtig infrage, denn erstens war er Raucher mit einem Hang zu Porsche Carrera und anderen Männern. Das törnt ein wenig ab.

Mit 24 nicht mehr am Leben 
Unter den Männern gibt es genug stattliche Beispiele, die man als Frau heranziehen könnte: Richard Gere, Alain Delon, Helmut Berger, Sean Connery, Robert Redford, Richard Burton. Doch, wo ist da der Wurm nicht drin? Der eine zu macho, der andere so gutaussehend, dass es der Frau den Atem verschlägt. Und, sie halten sich im Allgemeinen nicht sehr lange. Frauen haben da längere Attraktivitätsspannen.

Unsere traurige Sissi. 
Wenn man bedenkt, wie lange sich Kleopatra in Personaleinheit mit Liz Taylor gehalten hat. Sechs oder sieben Ehen, und dann noch zweimal mit demselben, der allerdings ziemlich viel trinken konnte. Es ist also im Leben besser, sich mit der Metzgerstochter oder dem Handballspieler aus der Umgebung anzufreunden, als auf die Traumgestalt zu warten, die dann auch noch mehrmals vergeben ist. Oder, man besitzt die Fähigkeit, sich in die Auserwählten voll einzuträumen und gelegentlich eine Fünf eine gerade sein zu lassen. Was man hat, das hat man. Doch das Wetter könnte heute ruhig etwas besser sein.