Montag, 9. Mai 2016

Die Einsamkeit der Herzen: Tokio etc.

Der junge Mensch stellt sich das pulsierende Leben hauptsächlich in  Großstädten vor, wo inzwischen auch die meisten Menschen leben. Unvorstellbar, die Ausmaße der Metropolregionen dieser Welt: Tokio-Yokohama mit fast 40 Millionen Menschen, wird noch vom Nildelta übertroffen, in dem gute 60 Millionen wohnen. Noch vor wenigen Jahren war eine chinesische Stadt, fast ohne Gesicht, mit 32 Millionen die weltgrößte Agglomeration: Chongqing. Großstädte wie London, Berlin, Paris, Madrid kann man heute in einer solchen Rangliste fast vergessen. Warum tun die Menschen das? Ist das Überleben das alleinige Motiv? Man findet Arbeit, verdient Geld und findet leichter einen Arzt oder Apotheker. Das flache Land gilt oft schon verödet und als Ausbund der Einsamkeit. Einsamer sucht Einsame zum Einsamen? Das ist eher Großstadtrealismus.


Andererseits scheint es eher so, dass das Leben auf dem Lande mehr Nähe zum Nächsten bringt als das übereinader Gestapeltsein in anonymen Hochhäusern.  Wobei die Nähe zum Tier im Stadtleben sogar pathologische Züge annehmen kann. Wer sieht sie nicht, die Hundefreunde, die verzweifelt ihren einzigen Freund zum Wasserlassen und Koten auf die Straße führen, vor allem, wenn die Dunkelheit angebrochen ist. Katzen hingegen scheinen eher Körbchentiere zu sein. Die Liebe zum Tier ist fast wie ein Ersatz. Sie schützt heute den Menschen vor dem Alleinsein.

What's the world's loneliest city? titelte der Guardian vor ein paar Tagen. Tokio scheint einer dieser Großorte zu sein. Dort kann man sich sogar eine Umarmung mieten, aber auch in Manchester ist die  Einsamkeit ein Thema für Krankheiten geworden. Natürlich ist die Verlorenheit des Menschen nichts Neues. Vom Berlin der Zwanzigerjahre erinnert noch der Ball der einsamen Herzen, wo man zuweilen Anschluss finden konnte. Auch der Gigolo oder Eintänzer erklärt einiges: die höhere Lebenserwartung der Frau, ihre langsam größer werdende Emanzipation. Oft sieht man im Dschungel der Großstadt Frauen ohne Begleitung, in Parkanlagen, Kaufhäusern und Cafés.



Manche haben im deutschen Gigolo auch den Niedergang der Männlichkeit nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gesehen. Ausgemusterte Offiziere betätigten sich oft als Eintänzer oder Taxi-Tänzer in den Ballsälen der Großstädte. Die Einsamkeit hat schon viele Blüten hervorgebracht. Die Knuddelcafés in Tokio oder die Katzenvermietung sind der Ausdruck der Isolation des Menschen. Als Henry Miller nach 10 Jahren Aufenthalt in Paris wieder in seine Stadt New York zurückkehrte, spürte er diese Einsamkeit, die im Gegensatz zum überall sichtbaren pulsierenden Leben zu stehen scheint.

Es gibt bereits viel Literatur zum Thema Einsamkeit, doch wo sie am größten ist, kann nicht gesagt werden. Es ist wohl die gefühlte Einsamkeit, nicht die Zahl der allein lebenden Menschen, die am härtesten erscheint. An manchen Orten führt sie zu höheren Selbstmordraten, an anderen zu mehr Zwischenmenschlichkeit und Nachbarschaftspflege. Die Frage, wie einsam der I-Padnutzer oder der Smartphoneschwätzer ist, muss noch erarbeitet werden. Dass dieser Typ Mensch, der in der Straßenbahn oder U-bahn zu finden ist, nicht zu normalen Kontakten neigt, lässt sich täglich erfahren.

   

Sonntag, 8. Mai 2016

Portrait of a Naked Tramp. Sorry, Trump!

Illma Gore, eine junge Künstlerin von Los Angeles malte einen nackten Donald Trump, wohl um zu zeigen, dass ein großes Maul nicht unbedingt einen großen Schniedel verschweigen muss. Wir kennen das von unseren Wutausbrüchen auf der deutschen Autobahn. Wenn ein aggressiver Überholer mit großer Limousine dahergeprescht kommt, womöglich noch lichthupt, festigt sich die Überzeugung, dass das Gemächt des Rasers im umgekehrten Verhältnis zur Mächtigkeit seines Wagens steht, oder hängt. Damit ist die Luft raus, denn eine überwältigende Persönlichkeit wird von solchen Zeitgenossen nicht erwartet.



Von Donald Trump erwartet man anderes. Macht und Mächtigkeit, denn er will Präsident der gepeinigten Staaten von Amerika werden (NSA, mitlesen, bitte!). Wie es mit Illma Gore weitergeht, wissen wir nicht. Ihre künstlerische Freiheit hat ihr neben Todesdrohungen auch einen Faustschlag aufs Auge eingebracht. Daraufhin hat sie ihr Kunstwerk den Gallerien Amerikas zum Ausstellen angeboten. Keine hat den Mut aufgebracht oder Interesse gezeigt. Dabei sieht dieser kandidierende Schreihals nicht einmal so übel aus, mit seinem blonden Toupet und der Anti-Ageing-Behandlung auf dem Gesicht. Muslime und Mexikaner kann er jedoch weiter mühelos verschrecken.



Eine von Trump angeblich autorisierte Stelle hat die Künstlerin telefonisch mit rechtlichen Schritten bedroht. Als sie eine schriftliche Bestätigung verlangte, passierte garnichts. Inzwischen zeigt eine Galerie in London das Werk. Der geschätzte Wert: 1 Million Pfund Sterling. Über 50 Millionen haben das Werk inzwischen im Facebook angeklickt. Das ist nur der Anfang. Wer will einem nackten Trump nicht auf die Eier schauen?



Der schöne David von Michelangelo in Florenz ist dagegen eine wahre Missgeburt. So was von ebenmäßig. Und sein Penis ist einfach nur anatomische Korrektheit. Da kann sich mancher männliche Konkurrent ein Beispiel nehmen. Sollte unser lauthalse Kandidat Präsident werden (armes Amerika!), dann mit der tiefen politischen Überzeugung, dass ihm zuerst jeder einmal auf den unterdimensionierten Schniedel schielt.


Samstag, 7. Mai 2016

Körpergerüche - ein letztes Tabu?

Kaum vorstellbar, welch Aufhebens manche um ihre eigenen Gerüche und die der anderen machen. Das Deodorant, kurz "Deo", hat die Welt erobert, genau wie die Waschmittel, die auch noch den letzten Geruch aus der Unterwäsche waschen, damit das Riechen zum Vergnügen wird. Aprilfrisch eben, und ganz unabhängig von der Jahreszeit.



Doch die etwas verstaubten DDR-Herren ließen sich vor ihrem Absturz schließlich noch etwas einfallen. Die Unterwäsche von Einsitzenden und Verhafteten wurde geruchsmäßig erfasst und in Einmachgläsern gespeichert, damit bei Fluchtversuchen und Ähnlichem der mutmaßliche Delinquent und Republikfeind durch Hunde leichter erschnüffelt werden konnte. Was für eine perverse Sauerei. Wie erfolgreich das war, ist schwer zu erfahren.

Dabei gibt es nichts schöneres als die Feststellung: die beiden können sich riechen. Das kann sich auch auf Hunde beziehen. Wenn Angst im Spiel ist, wird daher oft gebissen. Dreht es sich um Liebespaare, kann auch mal genüsslich am Ohr des geliebten Objektes geknabbert werden. Die Bereitschaft, eventuelle Gerüche in Kauf zu nehmen, ist dabei recht groß.

Ein gut Stück Tarnung ist also das Vernichten eventuell unangenehmer Gerüche durch Riechwässer jeglicher Art. Es fehlt dabei auch an Ehrlichkeit. Das wird wohl auch bei Margot Honecker so gewesen sein, deren Asche dieser Tage verstreut werden wird. Dear old Honni hat sicher sein teuerstes westliches Parfüm verwendet im Nahkampfeinsatz mit Margi. Im Sonderzug sozusagen nach Pankow deportiert. Es stinkt mir, dir immer das gleiche Duftwasser zu schenken, soll er einmal nicht zu ihr gesagt haben.

Eine milde Abart von Perversität erleben wir, wenn wir einen Mann sehen, der um eine Wäscheleine herumstreicht und die Höschen von Mädchen beschnuppert. Oder - was noch anrüchiger ist - zuhause die intimen Schubladen öffnet und hineinriecht. Hunde tun so etwas auch. Aber Hunde sind Hunde. Doch auch das Überangebot an Gerüchen im Haus und am Körper ist verdächtig. Zu viele Reinigungsmittel sind für die Nase ungesund. Auch Köllnisch Wasser gehört gerne zu diesen unbeholfenen Duftattacken. Wie schön riecht da ein frisch gewaschenes Baby.

Körperschweiß dagegen ist unnötig. Doch wenn sich zwei lieben, lässt die Nase gerne Milde walten. Auch dieser Geruch kann dann zu den Beweismitteln gehören, die Zeugnis ablegen davon, dass man sich riechen kann. Was die NSA betrifft, so hat sie sofort wieder mitgeschnüffelt. Man fühlt sich geehrt, dass der amerikanische Steuerzahler so viele Dollars zur Verfügung stellt, um europäische Blogs systematisch auf Anrüchiges zu durchforsten. Ist unsere Unterwäsche so interessant?

  

Donnerstag, 5. Mai 2016

Mischung aus Trotz und Freiheit

Wenn ich an Donald Trump denke, fällt mir vieles ein. Am liebsten würde ich diesen Kerl ignorieren, aber ein befreundetes Land (I want to be proud of my country) quält sich gerade durch ein Auswahlverfahren, dessen Ergebnis mehr als demütigend sein kann. Die USA haben sich noch nie um die Meinungen dieser Welt geschert. Also gebe ich auch keine Ratschläge. Wählt wen ihr wollt. Ihr habt es euch mühsam verdient. Warum muss so einer in die Politik?  Dafür sollte es eine Zwangspensionierung geben. Eine Verrentung für immer.


Ich, zum Beispiel, bin Pensionär. Stolz auf das, was ich tun konnte. Stolz auf die Feinde, die ich mir im Leben gemacht habe, denn allzu viele können es nicht sein. Einigen hat meine Nase nicht gepasst. So, what? Einmal hat einer zu mir gesagt: tu sais, je n'aime pas les allemands. Meine schlagfertige Antwort: Il y a des grecs que je n'aime pas non plus. Damit war die Sache erledigt. Dass es Griechen in meiner Verwandtschaft gegeben hat, erfuhr er nicht. Man muss nicht alle lieben, und Hass ist reine Zeitverschwendung. Als Pensionär stellt man sich Fragen wie: wie fülle ich sinnvoll meinen Tag? Dabei kann  zuhilfe kommen, dass man vom Leben Unvorhergesehenes aufgebrummt bekommt und - wie im Berufsleben - wenig Chancen hat, das zu leben, was man eigentlich will.



Bei mir hat sich eine Leidenschaft herausgebildet, für die ich dankbar bin: neben Cath, die mich immer irgendwie auf Trapp hält, kann ich schreiben so viel ich will. Das ist der eigentliche Luxus eines Lebens ohne den Zwang, arbeiten zu müssen. Die Freiheit, selbst auszuwählen und nicht, ausgewählt zu werden. Man muss es schätzen können, sonst bleibt das Leben eine Last. Seit ich im Ruhestand bin, versuche ich, ohne das Wort "wohlverdient" zu benutzen, Ruhe einkehren zu lassen. Das ist nicht einfach. Also überlege ich mir u.a. auch, wie man einen quirligen Wahnsinnigen wie Donaldus Trampus loswerden kann. Eine Möglichkeit fällt mir ein: Totschweigen.  Damit wären die USA erst mal aus dem Schneider.

Tee trinken und abwarten: die Königin

Es ist nicht leicht, über etwas zu berichten, das man täglich serviert bekommt, ohne die wahren Gründe zu kennen. Jeder hier in Großbritannien - wage ich mal zu behaupten - hat sich damit abgefunden, dass der tägliche Teegenuss als britische Leidenschaft bezeichnet wird. In keinem anderen Land wird schon frühmorgens damit angefangen: "Here is your tea", heißt es dann auch am späten Abend. In einem Land, in dem man schon im mittleren 19. Jahrhundert die Sklaverei abschaffte, gehört es auch heute noch zu den Grundaufgaben dienender Geister (es darf auch der Ehemann sein), so gut wie ungefragt das Teewasser aufzustellen und scheinbar liebevoll das Aufgussgetränk in möglichst viele "mugs" zu verteilen. Die vornehm-friesische Teetasse mit dem feinen Porzellan kommt dabei so gut wie nie zum Einsatz. Es muss ein klobiger Krug sein.


Bei den Royals ist es vermutlich anders: Morning Tea, yes, but not in an ordinary mug. Vielleicht ein Darjeeling, Earl Grey oder Lapsang Souchong? Wer weiß?  Was auch täglich serviert wird, sind die Hofberichte in den Gefälligkeitsmedien, die keine der hochgestellten  Häupter, gekrönt oder ungekrönt, auslassen. Der Klatsch über normale Skandalnudeln im Land ist dabei weniger sexy als das Geflüster über die vielen Royals, die im Blätterwald herumgeistern. Vielleicht ist hier mein republikanisches Herz ein wenig mit mir durchgegangen. Vor allem in Bayern, im Ruhr- und im Einzugsgebiet  der BILD-Zeitung würde ich mich nicht trauen, so respektlos über das deutsche Sehnsuchtsthema der Königshäuser herzuziehen.


Wie dem auch sei: der SPIEGEL hat der neunzigjährigen Dame mit dem diamantenen und gusseisernen Lächeln im April eine ganze Extranummer gewidmet. Neben der wohlverdienten Hochachtung gegenüber ihrer Majestät, liest man da auch manches Süffisante, was die Lektüre angenehm macht. Was hier im Lande keine Rolle zu spielen scheint, ist das fortgeschrittene Alter der Monarchin. Eisern und unermüdlich scheint sie ihre öffentlichen Verpflichtungen zu absolvieren. Doch Neunzig ist kein Pappenstiel, und am Horizont lauern mehrere Möglichkeiten, die im Königreich kaum angesprochen werden. Neben Charles mit seiner Camilla gibt es noch ein hochaktuelles Liebespaar, das manche Briten nach Elizabeth gerne auf dem Thron sähen. Enkel William mit Kate. Doch die Pietät vor der Majestät lässt solche Spekulationen zur Zeit noch nicht zu.  Und das ist gut so.

Was den Tee anbelangt, so hat sich das Abwarten immer gelohnt. Das wird auch bei den Royals so sein.   

Mittwoch, 4. Mai 2016

Yorkshire Tagebuch - 7 - The Cloud Appreciation Society

Man glaubt es kaum. Jeden Tag starren sie in den Himmel, um den Bestand an Wolken zu sichten. Kein Wunder, denn der Himmel auf der britischen Insel bietet ungeahnte Schauspiele. Echt!


Was wie eine typische britische Verrücktheit anmutet, ist eiskalte Realität. Ja, es gibt die "Cloud Appreciation Society", ein Verein, der die Schönheit der Wolken verehrt. Per Video hat mich der Gründer mit der Gründungsnummer 001, Gavin Pretor-Pinney, bereits eingeladen, Mitglied zu werden. Obwohl ich aus dem Schwarzwald einige Fotos mit schönen Wolken mitgebracht hatte, fühle ich mich noch recht unsicher, wenn ich die sensationellen Gebilde sehe, die hier in Yorkshire am Himmel herumwolken. Werden die Wolkenverehrer mich für gut genug befinden, der seltsamen aber sehr noblen Gesellschaft beizutreten? Wir werden sehen.



Der goldene Pferdehuf (The Golden Horseshoe) ist die Wolke des Monates Mai 2016. Ein weißes gebogenes Gebilde am Himmel von Wales, das einem Huf ähnelt. Allerdings hat mich der Huf weniger beeindruckt als die tieffliegenden Ungeheuer aus der Meeresnähe. Sie können dem Himmel ihre Bedingungen geradezu diktieren. Manchmal tauchen sie unverhofft auf, bringen Regen oder Schnee, manchmal schweben sie vorbei wie kleine Sahnehäubchen. Da soll man sich nicht freuen!




Yorkshire Wolkenhimmel

Andererseits lässt unser Garten nur noch wenig zu wünschen übrig. Die Roten Tulpen sind endlich erblüht. Ich werde hier  jedoch keine Tulpen zeigen. 
Am Radio werden neue Theorien über den britischen EU-Austritt bekannt gegeben. Im Juni soll sich alles entscheiden. Es scheint sich der Gedanke breit zu machen, dass der Brexit - wie so alle  Neuerungen - eher ein bisschen mehr Geld kosten wird. Davor hat der gepeinigte Engländer wohl Angst. Also wird der EU-Abschied nicht so heiß gegessen werden wie er im Augenblick am Kochen ist. Man weiß jedoch nie.....



                            












Dienstag, 3. Mai 2016

Alles Kokolores? - Die AfD im Aufwind?

Es ist schon seltsam, wie in der politischen Diskussion die Sachlichkeit hopps geht. Dabei ist es sooo einfach, genau hinzuhören. Was die leugnungsfrohe Rechte so meint, wenn sie etwas meint, kann lustlos aber überdeutlich aus den Redebeiträgen herausgefiltert werden. Der Parteitag der AfD in Stuttgart hat es auf den fraglichen Punkt gebracht: sie wollen ein besseres Deutschland. Deutschland den Deutschen. Ausländer raus, es sei denn, sie können einen vorhandenen Arbeitsplatz bescheiden ausfüllen. Aber, Finger weg von unseren Frauen! Und Minarette gehen nur in Reiseprospekten.  Ein bisschen Romantik darf ja schon sein.



Das Tragen von Burkas ist eine ungeheure Provokation. Diese arroganten muslimischen Frauen, vor denen wir unsere Männer in Sicherheit bringen müssen. Oder habe ich da wieder etwas falsch verstanden? Es wäre natürlich schon schön, wenn die Verschleierung privat und zuhause stattfinden würde, allenfalls beim Karneval. Natürlich ist Karneval eine Frechheit. Zum Lachen ist das nicht. Ich könnte mir denken, dass bayrische Lederhosen mit grünem Jankerl auch nicht überall gern gesehen sind. Ganz zu schweigen von katholischen Nonnen mit ihren aggressiven Trachten. Da hilft nur ein wenig Duldsamkeit. Das sollte auch den Burkadamen zugute kommen. Im übrigen habe ich noch nie von einer verschleierten Muslimin gehört, dass sie öffentlich gegen unsere Kultur gehetzt hätte. Also, liebe AfD: Leben und leben lassen.


Dresden 

Wer fühlt sich denn bedroht? Und wodurch? Ängstlichkeit kann auch banale Feigheit sein. Angst machen ist die Methode des Kinderschrecks. Als Auslöser kommt man dann großzügig zu Hilfe. Das ist der Trick. Und schon hat man sich eine Machtposition gesichert. Donald Trump will nichts anderes. Und dann, nichts wie auf die verkommene Demokratie eindreschen. Sie hat es verdient. Unsere parteihörigen Politikmacher haben diese Demokratie bis zum Unwohlsein auf Seiten der Wähler ausgereizt. Warum nehmen wir den grundguten Gedanken der Demokratie nicht selbst auf und interpretieren ihn ohne "politische" Anleitung? Mündige Bürger würde ich das nennen. Eine AfD wird dabei beileibe nicht benötigt.


Montag, 2. Mai 2016

Ramiro Santisteban - er hat es überlebt.


Ramiro Santisteban: KZ in Mauthausen.

Du bist jetzt über 9o Jahre alt. Deine geliebte Frau Nini ist es auch. Welch eine Gnade für Euch und uns alle, dass Ihr alles überlebt habt. Paris ist schon lange Eure Heimat, wo auch Patrick, Euer einziger Sohn lebt. Auch er trägt eine spanisch-französische Seele im Leib. Bevor uns allen die Zeit davon läuft, möchte ich auf etwas zurückkommen, das nie vergessen werden darf.

Ramiro hat es überlebt. Es war die Kraft seiner 18 Jahre, der Glaube an die Liebe, an seine Familie, an die Vergänglichkeit eines Regimes, das Millionen Menschen das Leben kostete. Das Nazi-Reich in Deutschland und dem angeschlossenen Österreich, aber auch der Faschismus unter Franco in Spanien, hatten nicht nur die vielen Toten zu verantworten, auch die vielen Flüchtlinge gehen auf ihr Konto, die fern ihrer Heimat überlebten. Spanier flohen oft nach Frankreich, Deutsche gingen nach Amerika, Großbritannien, Frankreich, um der Allmacht des Terrors zu entkommen. 

Als Deutscher der Kriegsgeneration hatte ich meine Lektion gelernt: der Hitlerfaschismus hatte 12 Jahre lang das Land fest im Griff. Auch Österreich gehörte damals dazu. Teils gewollt, teils ungewollt. Die Schuld lag bei einem pervertierten Deutschland, das in die verbrecherischen Hände der Nazis geraten war. Erst gegen Ende des 2. Weltkrieges kam die volle Wahrheit ans Licht: Millionen waren es, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen, oder unter dem Terror leiden mussten und unter katastrophalen Bedingungen sozusagen als Überlebende neu wieder beginnen konnten. Dieser Teil unserer Vergangenheit ist voller Ereignisse, die allmählich dem Vergessen anheimfallen, obwohl Historiker, Lehrer und Betroffene noch dagegen ankämpfen. Die ehemaligen Konzentrationslager in Polen, Österreich, Deutschland, Frankreich und in der Tschechischen Republik sind heute Warnzeichen gegen das Vergessen.

Ich hatte großes Glück: mit 15 Jahren verliebte ich mich an meinem Gymnasium in ein Mädchen, das gerade aus der Champagne nach Deutschland gekommen war, um Deutsch zu lernen. Nicht gerade ein klassischer Fall von Schüleraustausch. Mir half es, verliebt und hochmotiviert wie ich war, in kurzer Zeit Französisch zu lernen und - nicht allzu lange, 1958, - in das befreite Frankreich zu gelangen und das Land so zu sehen wie es war. Unter dem Einfluss des damaligen Präsidenten Charles de Gaulle, wurde eine freundschaftliche Beziehung zwischen Frankreich und Westdeutschland aufgebaut. Francoise und ich verloren uns leider mit der Zeit aus den Augen. Was aber blieb, war meine Begeisterung für das Nachbarland, in dem ich dann über 30 Jahre arbeitete, allerdings in internationalen Organisationen in Paris und Straßburg.



Die Zeit in Paris in den Siebzigerjahren war bestimmt durch den Umgang mit lieben Freunden, Maman Guibert, ihrer Tochter GéGé und deren Wohnungsnachbarn, den Santistebans. Ramiro und Nini, deren Sohn Patrick ganz in der Nähe wohnte, luden uns oft zum Essen ein oder sie kamen zu GéGé. Ich war sehr oft dabei. Als Maman Guibert und GéGé starben, konnte ich noch nach Paris fliegen, zum letzten Gruß. Dann brach der Kontakt auch zu Ramiro und Nini ab. Patrick, der noch meine Adresse hatte, schickte mir eines Tages einen dreiseitigen maschinengeschriebenen Text auf Deutsch, mit der Bitte, diesen für seinen Vater ins Französische zu übersetzen. Es muss einige Wochen gedauert haben, bis ich die Übersetzung nach Paris schicken konnte.



Ramiro, Nini, Patrick 
Durch frühere Andeutungen wusste ich, dass Ramiro irgendwo in „Deutschland“ einige Jahre in einem Lager verbracht und überlebt hatte. Nie wurde darüber in meiner Anwesenheit gesprochen. Der dreiseitige Text hingegen war ein Auszug eines Berichtes, den ein spanischer KZ-Häftling   auf Deutsch aufgeschrieben hatte. Der Verfasser erzählte darin den Alltag spanischer Häftlinge im österreichischen Mauthausen. Die Gefangenen - wenn ich mich richtig erinnere - wurden täglich unter Aufsicht zweier Wachhabender kilometerweit zu einem Steinbruch zur Arbeit geführt. Sie kamen dabei an Häusern vorbei, von wo aus sie beobachtet wurden. Eine junge Frau wird im Text erwähnt, die den Gefangenen manchmal etwas zusteckte, vor allem, wenn der weniger strenge der beiden Bewacher am hinteren Ende des Trupps ging. Die Frau flüsterte den Gefangenen Nachrichten der BBC auf Deutsch zu, damit sie über den Verlauf des Krieges informiert waren. KZ-Gefangene waren von allen Nachrichten von außen abgeschnitten. Sie hatten keine Ahnung, wie die Kriegsfronten verliefen. Die Frau am Fenster sagte ihnen, dass der Krieg zu Ende gehe, die gegnerischen Fronten sich schon in Preußen und im französischen Westen befanden. Wie ich später erfuhr, haben der Verfasser und die Frau am Fenster geheiratet. Der spanische Häftling, der die Geschichte auf Deutsch aufgeschrieben hat, blieb nach der Befreiung in Österreich.

Wieder vergingen viele Jahre. Meine Frau und ich lebten drei Jahre in Wien (von Anfang 2013 bis Ende 2015). Das Facebook hat die Welt schon lange enger zusammenrücken lassen. Ich entdecke  dort eine Nachricht von einem Patrick Santisteban. Ich reagiere, und die Antwort kommt prompt: ja, ich bin es, und ich war mit meinen Eltern auf Einladung der österreichischen Regierung in Mauthausen und in Wien. Natürlich wusste er nicht, dass wir in Wien wohnten. Und wir wussten nicht, dass Ramiro und Nini hochbetagt noch in derselben Straße wohnten, wo auch ich vor über 40 Jahren gewohnt hatte. In der Rue Marius Aufan in Levallois, dem Pariser Norden. Vor kurzem waren Cath und ich in Paris. Cath war beruflich dort, doch unser wichtigstes Ziel war die Rue Marius Aufan.  Dort trafen wir Ramiro, Nini, Patrick und seine Frau. Es flossen Tränen der Freude, nach so vielen Jahren. 
Als wir Abschied nahmen, überreichte mir Ramiro ein Buch: „Amanece en París“. Hier beschreibt Paloma Sánz, eine spanische Journalistin und Autorin, die 5 Jahre, die der junge Ramiro im Vernichtungslager Mauthausen verbrachte. Schreckliche Erlebnisse, die heute kaum jemand für möglich halten möchte. Wie Ramiro die Quälereien und Demütigungen dieser fünf Jahre als heiler Mensch überstanden hat, geht aus der Schilderung seines Lebens hervor. Was ihn zu einem glücklichen und zufriedenen Mann und Vater gemacht hat, ist seine einzige große Liebe, Nini, die auch heute noch seine Gedanken an seinen Augen abliest. „Amanece en París" ist eine Lebensgeschichte, die zeigt, wie stark der Mensch sein kann, wenn er sich dem Bösen widersetzt. Ramiro steht im Mittelpunkt dieser schrecklichen Schilderung. 

Ediciones  Planeta Madrid S.A. 2010. www.temasdehoy.es    Der Autor dieser Zeilen wünschte sich neben der guten aber etwas schwierigen spanischen Fassung auch eine deutsche, englische, französische. Sein Spanisch ist kläglich, sodass er noch einige Zeit benötigen wird, das Buch zu lesen und zu verstehen. Vergessen kann er es nicht. 













Sonntag, 1. Mai 2016

Da lachen die Hühner.

Jawoll, es kann nicht immer geleugnet werden, dass es den Weltlachtag gibt. Es ist der erste Sonntag im Mai. Also, worauf warten wir noch? Die Yoga Bewegung hat das ganze 1998 ins Leben gelacht, weil es so gesund ist. Jährlich prusten die nationalen Lachclubs los. Die Schweiz leistet sich sogar einen kollektiven Lacher rund um die Welt. Mehrere hundert Lacher in Zürich bringen dies zustande. Dass dieser lauthalse Atemausstoß gesund ist, haben wahrscheinlich mehrere Aufgeweckte über die Jahrhunderte hinweg herausgefunden.



Ein stilles, womöglich versonnenes Lächeln ist jetzt nicht gefragt, eher das wiehernde Gelächter, das Menschen fröhlich macht und gleichzeitig an der Förderung des Friedens mitarbeitet. Als Kind erfuhr ich grausam, was Lachzwang ist. Immer, wenn ich an einer  Bestattung teilnahm, wo es ungehörig ist, zu lachen, überkam es mich, und ich schämte mich dann für meine kindlichen Ausrutscher, hoffend, dass mich niemand dabei beobachtete.

Mein größter unerlaubter Lacher geschah mir, als ich meinem Chef in seinem Büro gegenüber saß und er mir etwas zumutete, was ich nicht tun wollte. Es war in der Informationsabteilung einer internationalen Institution. Zu meinen Aufgaben gehörte es, Journalisten zu bestimmten Ereignissen einzuladen. Auf Kosten der Organisation. Mein Chef: Spanier mit Wurzeln in Rumänien, korpulent, Jude und Genießer. Ich: jünger, deutsch, ohne die übliche Scham derer, die eine nazibestimmte Vergangenheit haben. Und prinzipienstur. Er hatte mich gebeten einen alten Journalistenfreund aus seiner Brüsseler Zeit einzuladen, was ich tat, denn er war ein renommierter Journalist. Dann überlegte er es sich anders. Ich wurde gebeten, die Einladung zurück zu ziehen.  Ich sagte nein. Da überkam ihn eine erklärliche Wut. Er nahm die noch nicht angezündete Havana-Zigarre (eine teure Monte Christo) aus dem Mund, riss sie mit beiden Händen auseinander und warf die Stücke auf den Schreibtisch. Die Komik dieser Szene war umwerfend. Ich lachte schallend.


Lachen mit intelligenten Menschen ist ein besonderes Vergnügen. Mein damaliger Chef hatte seine kleinen Fehler. Er war unglaublich feige, konspirierte gerne und war ein verschwenderischer Feinschmecker. Wir konnten heftig miteinander streiten und dann bei einem atemberaubend guten Essen alles beiseiteschieben und uns über komische Dinge totlachen. Er Jude, ich deutscher Nichtjude, es spielte keine Rolle. Ich hoffe, ich blieb taktvoll, wenn jüdische Witze gemacht wurden. Andererseits kursierten oft auch verletzende Äußerungen über die Deutschen. Auch ich konnte darüber herzlich lachen, wenn keine beleidigende Grundnote mitschwang. Gegenseitige Achtung kann hier immer für friedliches Zusammenleben sorgen. Doch beim Lachen schwingt immer etwas Ungezähmtes mit. Auslachen und Anlachen muss ebenfalls gelernt sein. Lachen will immer Mitlacher überzeugen. Obwohl: ich lache auch gerne in mich hinein.






She is Ninety and we are back.

There is not much in common between the Queen heading courageously towards a lifetime of a century and an exhausted couple just coming back from a short stay in their Black Forest house. The one smiles a nice but cool birthday smile, having reached the age where others don't want to be filmed any more. There is the well known sunshine on her royal face carefully looked after by some cosmetic aide de camp.  The others left the Black Forest when winter had just come back unexpectedly, covering cherry trees and tulips in blossom with nasty white snow bonnets.  Just before the first of May one seems to have a right to expect a little more than a birthday celebrating country. Namely an orgasmic demonstration of spring with warm spells of sunshine and daffodils exploding with joy. What was waiting for us, Yorkshire under a hopeless layer of snow and somehow stricken by icy winds. Yorkshire, we are disappointed.

Our cherry tree
It is not the Queen's fault. Being back is a good thing. But having to read that the former Mayor of London is accused of antisemitism, sounds a bit exaggerated. A crucial election, in a week or so, may explain the anger of those who are looking for opportunities to bite the political enemy. Ken Livingstone did certainly not try to make Adolf Hitler somehow acceptable as a historical figure. He was an angry racist and murderer and deserves no excuses. But election campaigns are slippery ground as we know.


And the contrary of it. 
On the other hand it must be said, that the snow has melted within hours and the sun has come out again. It is like in real life: there are potholes left and right. Sometimes it is impossible to avoid them. Then, one realizes that there is also the opposite of potholes. One does not always see them but they exist. What is the truth then? Potholes or no potholes? Are the Palestineans always innocent when they get angry and nasty? Is Netanyahu a peaceful democrat? The answer is definitely NO. But as long as there are election campaigns with vested interests behind, there will be no peace and a lot of exaggeration. Let us wait until the elections are over.

Happy Birthday, Your Majesty. Let us enjoy the sunshine and.........the contrary of it.