Montag, 31. August 2015

Der Ton wird härter: Chance verpasst!

Eigentlich unvorstellbar: in Ungarn verlangen die Flüchtlinge, nach Deutschland und Österreich durchgelassen zu werden. Züge werden gestoppt, fahren weiter, Tausende hungern, dursten, sind erschöpft und wollen in eine Art Paradies. In diesem Paradies werden sie dann mit feindlicher Ablehnung empfangen. Auch das französische Calais hat ein Problem. Dort wollen die Menschen nach Großbritannien. In Wien und Salzburg kommen erste Züge aus Budapest an. Es macht alles keinen Sinn mehr, auch wenn die Kanzlerin jetzt begonnen hat, das Problem anzusprechen.


Unsere Häuser sind voll mit Unnötigem! 

Die geistlose Rechte, die nur an ihre sogenannten Besitztümer denkt, an ihre nicht vorhandenen Arbeitsplätze, an ihre geliebte Heimat, hat jetzt wieder Argumente in ihrem mageren Programm, um so richtig loszulegen. Es ist eine Schande. Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen. Wir bestimmen, wie menschlich wir mit den hilfesuchenden Menschen umgehen. Haltet einfach eure Schnauzen! Ihr habt schon immer Porzellan zerschlagen. Es ist unerträglich geworden, wie ihr bedauernswerte Menschen behandelt.

Lass uns wegfahren! 

Was ist zu tun? Natürlich hat die Politik total versagt. Die Folgen werden wir zu spüren bekommen. Probleme verschlafen, das haben alle in der EU zu verantworten. Die Menschen kommen ja auch über Griechenland und Italien. Es zeigt sich, dass Europa total unreif ist. Ein Ansturm von Hunderttausenden sollte in einer der stärksten Wirtschaftsvereinigungen mit links bewältigt werden können. Lasst uns Wege finden, schnell zu helfen. Europäische Solidarität ist jetzt gefordert. Wir können nicht mehr abwarten.


Dienstag, 25. August 2015

Wiener G'schichten: sie sind wieder da.

Wie die Krähen muten sie an, diese schwarzbekleideten Damen aus dem Orient. Man sieht sie vor allem im Wiener Zentrum, wo die teuren Läden sind. Fast nie alleine, sondern in männlicher Begleitung, oft mit Kindern. Wenn es in Abu Dabi oder Damaskus Temperaturen von über 40° gibt, kommen sie nach Wien. Damit kommen auch die begüterten Orientalen, für die Wien ein Einkaufsparadies ist. Gehen die Temperaturen in ihren Ländern wieder zurück, verschwinden die wie Nonnen ausstaffierten Frauen wieder. Man gewöhnt sich an alles. Auch Conchita Wurst fällt in der Innenstadt etwas auf, wenn sie als MannFrau über die Kärntnerstraße schlendert.

Wir fragen uns natürlich, warum Frauen ihren Körper verhüllen, wenn sie auf die Straße gehen. Es wäre zu kurz gegriffen, anzunehmen, dass ihre Männer sie dazu zwingen. Wenn eine schön ist, zeigt das der Tschador nicht. Wie schade. Der Koran scheint da keine eindeutigen Vorschriften zu machen. Allerdings gibt dieser über den Kopf gelegte und über das Gesicht gezogene bodenlange Überwurf einen gewissen Schutz und damit auch eine gewisse Autorität. Europäische Frauen sind für so etwas nicht zuhaben. Unsere Kultur in Europa neigt eher dazu, nach außen zu vermitteln was man hat.

Man müsste mal mit einer Nonne sprechen, um zu erfahren, welche Gefühle eine solche, meist schwarze, (Ver)Kleidung hervorbringt. In unseren Breiten gehört jedenfalls auch viel Mut dazu, und wohl auch Selbstbewusstsein. Müssen wir das tolerieren? Es gibt Länder, die das verbieten. Meine Meinung dazu ist nicht ganz abgeschlossen. Ich würde gerne den Koran besser verstehen, um das Tragen des Tschadors nicht zu verurteilen.

Montag, 24. August 2015

Ausländer raus! Das klingt irgendwie gut.

Die Dinge spitzen sich zu: der Volksmund, der schon viel Unsinn verzapft hat, springt gerne auf jeden  Zug auf, der gerade vorbeikommt. Man denke an die AIDS-Welle. Da waren alle Erkrankten Homos. Die meisten Opfer, Kinder und Erwachsene in Afrika, haben die Seuche auf andere Weise bekommen. Auch den "Zigeunern", den klassischen Vertretern von Betrug und Diebstahl, hat der Volksmund kaum eine Chance gelassen, als ehrliche Menschen aufzutreten. Und in einem Land, in dem 30 % der Bevölkerung aus Afro-Amerikanern und Latinos bestehen, kann sich ein konservativer Möchtegernkandidat für die Präsidentschaft erlauben, potenzielle Wähler zu beleidigen und das weibliche Geschlecht mit unsinnigen Sprüchen gegen sich aufzubringen. Donald Trump wird keine Chance haben, aber wieviel Porzellan wird er noch zerdeppern, bevor die Vernünftigen ihn abservieren?

Wir sehen, dass die Dinge, manchmal von den Medien hochgeputscht, manchmal von hinterhältigen oder zögerlichen Politikern geduldet, oder wie Sigmar Gabriel es nennt, vom rechten Pack hoch- geschrien, eben diese Dinge in unverantwortlicher Weise gehandhabt werden. Auch der bayrische Löwe, der verzweifelt um Anerkennung ringt, nachdem er die Maut und anderes in den Sand gesetzt hat, dieser Seehofer, fischt schon wieder Stimmen, indem er beim Flüchtlingsproblem von Missbrauch redet, von den sicheren Herkunftsländern, und den unhaltbaren Zuständen.

Deutschland scheint mit 800 000 Flüchtlingen, das sind etwa 40% der umherirrenden Menschen in der EU, das Hauptziel dieser Völkerwanderung zu sein. Das schafft verständliche Ängste, die aber von unseren Politikern nicht gemildert werden. EU-weit ist noch lange keine Gemeinschaftslösung in Sicht. Was wir wissen, ist, dass diese Menschen vor der Not und dem Terror davonlaufen, was ihr gutes Recht ist. Dass es so viele sind, macht die Sache noch schlimmer. Was wir nicht wissen, ist, ob und wie wir helfen können. Natürlich sind Grenzen gesetzt. Diese müssen von den Hilfe suchenden Menschen selbst gefunden werden. Wir in Deutschland haben nach dem 2. Weltkrieg eine ungeheure Flüchtlingswelle verkraften müssen. Die bösen Kommunisten und die ehemaligen Kriegsgegner haben diese Menschen einfach verjagt. Es gab Jahre des Aufbaus, die heute fast vergessen sind.


Heute scheint alles komplizierter, und die Politiker schielen nach ihrer nächsten Wiederwahl. Also kann von denen nichts erwartet werden. Wir Bürger sind es, die die Dinge in die Hand nehmen müssen. Auch hier kann man von Reichen keine Wunder erwarten. Selten erinnern sie sich an ihre eigene Not. Dabei ist alles ganz einfach: statt sich zu ängstigen, muss man akzeptieren, dass die Welt sich ohnehin ständig verändert. Wer anderen hilft, auch in bescheidenem Maße, kann mitreden. Ja, es ist eine Art menschlicher Zunami in Bewegung und das in Richtung auf die wohlhabenden Länder. Noch müssen wir unsere überquellenden Museen nicht öffnen, die teilweise unermessliche Schätze aus den armen Ländern hüten. Also seien wir so großzügig wie möglich und hören wir nicht auf das jammernde Geschwätz der Katastrophenheinis, denen jedes Mittel recht ist, eigene Süppchen zu kochen. Siegen wird entweder die Menschlichkeit, oder die kleinkarierte Raffsucht, der wir täglich ausgesetzt sind.



Samstag, 1. August 2015

Wiener G'schichten: Eveline Kremsers Geschäft

Durch Zufall geriet ich in ihren Laden, ein Elektro-Geschäft, ganz in der Nähe des Zentrums von Wien. Die Schultergasse ist relativ ruhig, doch der Verkehr brandet überall, wo Boutiken, Salons, Luxusgeschäfte sind. Massen von Menschen drängeln sich durch die engen Gassen. Viele Japaner sind darunter. Man sieht, dass das alte Wien schon längst der Modernisierung gewichen ist. Vor kurzem ist wieder ein kleines Geschäft in der Wallnerstraße dem permanenten Umbau gewichen. Die Trafik, mit Zeitungen und Zigaretten, ist nicht mehr da. Es dauerte ein paar Wochen, dann war die Veredelung in ein angrenzendes Modegebäude vollzogen. Der Lauf der Zeit.


Ein Gruß aus Wiens alten Tagen 

Frau Kremser führt noch ihr Geschäft. Als Neuankömmling in Wien fand ich bei ihr, was ich suchte. Es waren ein paar kleine Artikel, die man sonst in der Innenstadt nicht mehr findet. Seitdem nehmen wir uns die Zeit, ab und zu miteinander zu reden. Sie weiß viel über das alte Wien. Auch über Politik wird gesprochen und die allgegenwärtige Flut von Flüchtlingen, die von überall her zu kommen scheinen.

Wie war es früher? Was passiert heute? Viele Landwirte haben aufgeben müssen. Auch kleinere und mittlere Unternehmen. Es wird alles von den Größeren geschluckt. Eveline Kremser kann das täglich beobachten. Wie eine einsame Insel ragt ihr Geschäft in eine Welt hinein, die nicht mehr die unsrige zu sein  scheint. Alles ist größer, wuchtiger, protziger als früher. Damit müssen wir leben.


Dennoch ist Frau Kremser in ihrer Welt glücklich. Sie benötigt keine auffälligen Auslagen in ihrem Schaufenster. Wer etwas sucht, findet bei ihr etwas, vielleicht auch nur ein freundliches Wort. In den anderen Läden im Zentrum wird der Besucher darauf hin abgesucht, ob er ein potenzieller Käufer ist, bereit, satte Beträge hinzulegen. Bei Frau Kremser ist man ganz einfach willkommen.








Rassismus, wie schön, dass es den noch gibt!

Es gab eine Zeit, da war es schick, an die germanische Rasse zu glauben: der Mann, ein hünenähnlicher Schönling, wenn es ging, total blond, mit kurzem Haar. Die Frau, hinreissend germanisch, vielleicht mit Dirndl, doch sie durfte in der Öffentlichkeit nicht rauchen. Außerdem: eine deutsche Frau schminkt sich nicht, hieß es. Bei der Österreicherin wird es ähnlich gewesen sein.


Was ist daran Dritte Welt? 

Ich glaube mich zu erinnern, dass es zur Zeit des Dritten Reiches noch nicht sehr üblich war, den IQ eines Menschen zu testen. Was hätte man da entdeckt, was den gemeinen Rassismus betrifft? Eine Unterdosis? Wertlose Intelligenz? Das Dümmliche am Rassismus ist ja, dass man sich selbst für überlegen hält. Das gibt ein gutes Gefühl. Untermenschen sind die anderen, die leider nicht in unser Klischee passen. Obwohl, der Führer hätte rein vom Äußeren her auch ein Untermensch sein können. Aber lassen wir das.

In den Vereinigten Staaten steht gerade einer vor Gericht, ein Weißer natürlich, wahrscheinlich übergewichtig, der einen Schwarzen erschossen haben soll, der versuchte, davon zu rennen. Der arme Weiße hat Notwehr angemeldet. Kann sein, dass ihm das Gefühl für das Recht auf das Leben der anderen fehlt. Wer kann das verstehen? Das Leben ist das höchste Gut, heißt es irgendwo. Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Müssen solche Banalitäten heute laut verkündet werden?

Rassismus ist, wenn man nicht so viel fressen kann wie man kotzen möchte. 

Wir haben in England bereits erlebt, dass dank des gewollten Zuzugs von Unmassen von Menschen aus der Dritten Welt, den ehemaligen Kolonien, keiner mehr dem Idealbild des Germanen entspricht. Wenn doch, erscheint es gerade noch wie eine Laune der Natur. Diese unsere "Rasse" ist immer schon eine verschwindende Minderheit gewesen. Sie wird es immer mehr. Dunkelhaarige Menschen hat es immer schon gegeben. Sie sind die Mehrheit und können auch nichts dafür. Also, worauf gründet dieses Gefühl einiger unbegabter, gewaltbereiter Unholde in unserer Gesellschaft, die alles so haben wollen wie es nicht einmal früher war? Dem lauten Geschrei muss etwas entgegengesetzt werden. Wir, die Blonden, Weißen, Schwarzen, Dicken, Dünnen, Kahlen, Besonnenen müssen uns bewegen, sonst holt uns dieser Terror ein. Amerika ist hier so wenig ein Vorbild, wie jedes andere Land. Die Armen dieser Welt verdienen es, an unserer sehr mageren Gerechtigkeit teilzuhaben. Leider sehen die meisten nicht so aus wie wir: siehe oben!







Donnerstag, 30. Juli 2015

Das Bloggen macht uns frei. Vogelfrei?

Es kommt kaum vor, dass ein Mensch, Mann oder Frau, sich schon als Jugendlicher vornimmt, Schriftsteller zu werden. Die Chancen auf Erfolg sind gering, die Liebe zur eigenen Sprache kann jedoch enorm sein und zu frühen Bemühungen führen.

Ich habe meiner lokalen Zeitung ungefragt einen Artikel über eine internationale Bauausstellung in Berlin geschickt, mit Fotos, natürlich, und erhielt vom Chefredakteur eine freundliche Absage, denn das Blatt hatte schon darüber berichtet. Ich muss 18 gewesen sein. Keineswegs entmutigt, schrieb ich etwas später eine Reihe von Kurzgeschichten, die ich einem "Freund" anvertraute, der sie an Illustrierte weitergeben wollte. Ich sah damals schon meine Zukunft als Schriftsteller am Horizont aufziehen. Der Bekannte verschwand mit den Artikeln auf Nimmerwiedersehen. Dann kamen die gelegentlichen Artikel, Beiträge, Essays, alles irgendwie beruflich bedingt. Ich wusste, dass mir das Schreiben Spaß machte. Dann hoffte ich, dass ich eines Tages genug Zeit finden würde, zu schreiben was ich wollte, ohne dem Druck eines Verlegers weichen zu müssen.


Verschiedene Texte, die ich in meinem Rückzugsgebiet in Zypern verfasste, blieben unveröffentlicht. Einige hundert Seiten. Dann kam der Durchbruch: ich fing an, unter dem Zeichen wolfgangundsoweiter zu schreiben. Fast jeden Tag, ungefähr eine Seite, wohluntermauert mit Bildern. Seit fünf Jahren schreibe ich für mich. Helles Entsetzen packte mich, als die Maschine mir sagte, dass ich über 266 Tausend Male aufgerufen wurde. Alle möglichen Länder sind dabei. Eigentlich habe ich nur von Nordkorea noch keinen Klick bekommen. Sei's drum.


Schönes Zypern 

Was schreibe ich? Vergangenes ist manchmal Gegenstand meines Tuns. Nicht jedoch Mittelpunkt, obwohl ich gar vieles hinter mir habe. Auch künftige Entwicklungen interessieren mich. Man kann so vieles voraussehen. Oder ahnen. Bleibt die Gegenwart. Sie ist wohl kaum interessanter als das Gewesene. Doch von der Vergangenheit her erklärbar. Das versuche ich zu tun. Dabei kann schon mal Unsinn herauskommen. Oder Ungereimtheiten. Der tägliche, amtlich zugelassene Betrug in allen Bereichen. Der Missbrauch, nicht nur sexuell. Die öffentliche und private Lüge. Das Unabänderliche. Der unerträgliche Lärm, Gestank, die Aggressivität. Man kann es nicht gutheißen. Das Sichgewöhnen an alles. Die Omnipräsenz des Geldes und derer die es haben wollen. Doch auch die Klimaanlage bei über 30 Grad im Schatten.

Ich schreibe für mich, zu meinem eigenen Vergnügen. Nur mir bin ich verantwortlich. Auch bei etwaigen Dummheiten. Meine Leser üben wohlwollendes Schweigen. Nur wenige Kommentare zeigen, dass auch Interesse besteht. Es ist die Freiheit des Tagträumers, die ich nutze. Das kann auch mal ins Erotische abgleiten. Oder ins Esoterische. Warum nicht? Oder ins Transzendentale. Alles ist Teil der menschlichen Existenz. Nur das extrem Rechtskonservative verachte ich zutiefst. Wer in solchen Bahnen denkt, denkt nicht, sondern vegetiert. Das ist intellektuelles Aaß, denn es stinkt sofort zum Himmel.


Wiener Blutgasse 

Wie schön, dass man die Gegenwart trotz allem noch lieben kann. Sie ist das nicht Aufgegessene der Vergangenheit. Am besten, man findet einen harmonischen Mittelweg zwischen "Gefällt mir" und "Gefällt mir nicht".









Montag, 20. Juli 2015

Ihr hirnlosen Idioten!

Glaubt Ihr denn, Ihr würdet Euren Wohlstand einfach so bekommen, weil Ihr ein Recht darauf habt? Weil Ihr so hart darum gekämpft habt? Das möchte man denen an den Kopf werfen, die ohne Nachdenken auf die Flüchtlinge schimpfen, die in Massen in unsere Länder kommen. Wir fressen weiterhin unsere Mangos, Papayas, Avocados und beklagen uns, wenn die Supermärkte uns verscheißern mit ihren Sonderangeboten. Dann machen wir Ferien in den Billigländern und kommen gebräunt zurück. Das darf ohne Umschweife hirnlos genannt werden, es sei denn, wir hätten Verständnis für leidende Menschen, die nicht zu unserem "Kulturkreis" gehören.


Wir brauchen den Süden und lieben ihn.

Großbritannien gibt ein weitgehend gutes Beispiel. Den karikaturgeplagten Engländer (mit Regenschirm, Teetasse in der Hand und Golfschläger) gibt es kaum mehr. Das Land ist so durchfiltert mit Menschen aus den ehemaligen Kolonien, denen man einst großzügig die Staatsbürgerschaft gab, dass es England im eigentlichen Sinne nicht mehr gibt. Es gibt ein englischsprachiges Völkergemisch, das kaum noch jemanden juckt. Ewiggestrige vielleicht, die mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Der normale Engländer ist über solche fremdenfeindliche Hirngespinste längst hinaus.

Deutschland und Österreich haben gerade mal vor 70 Jahren den absurdesten Rassenwahn erlebt (nein, ich bin kein Jude, gehöre aber auch sonst keiner Rasse, Religion oder rechtsorientierten Bewegung an). Dann kamen die Flüchtlinge, hauptsächlich nach Westdeutschland. Ca. 20 Millionen oder so, in kürzester Zeit. Sie sprachen oft deutsch mit Akzent. Die mussten integriert werden. Eine andere Wahl gab es nicht. Die Eingeborenen, die noch eine Wohnung oder ein Haus hatten, das nicht zerstört war, mussten teilen, auch wenn es ihnen oft nicht passte. Aber die meisten kannten selbst die Not und waren bereit zu helfen.

Wovor habt Ihr Angst? Dass man Euch etwas wegfrisst? Dass man Euch die Arbeitsplätze stiehlt? Dass man Euch zwingt, Muslime zu werden? Angst ist immer schlecht. Das wisst Ihr genau. Deshalb haltet Ihr Euch immer an die noch Schwächeren. Das ist primitiv und ungerecht. Da wir zu dicke Bäuche haben, zu viel Alkohol trinken und zu lange auf den Sofas herumlungern, um mieses Fernsehen anzuglotzen, machen wir weniger Kinder und sterben wohl bald aus. Ist das Eure Angst? Arbeitsplätze haben diejenigen, die am lautesten schreien, selbst auch nicht. Und die Fremden kommen nicht um etwas wegzunehmen, sondern um zu überleben.


Der kalte Norden 

Wer lesen und schreiben kann, sollte die armen der Ärmsten verstehen. Mit ihnen solidarisch sein. Denn sie werden von einem länderübergreifenden, geldgierigen und scheinheiligen System genauso ausgebeutet wie Ihr. Also, anstatt armselige Unterkünfte anzuzünden, anonym natürlich, gebt diesen verzweifelten Menschen ein verständnisvolles Lächeln. Ihr müsst von Eurem Taschengeld nichts opfern. Lasst das die Begüterten tun. Eure Kameradschaft kann die Besitzenden eher einschüchtern. Und Gastfreundschaft, auch ohne Spendenbereitschaft, schafft Dankbarkeit. Die Flüchtlinge haben meist Entsetzliches Leid erfahren, oft kaum überlebt und ihre Heimat und Familie verloren. Wie primitiv ist diese Fremdenfeindlichkeit.

Ich möchte mich für meinen Zorn bei all denen entschuldigen, die ohnehin wissen, wovon die Rede ist. Wir müssen gerade jetzt den Mut haben, laut unser Verständnis für die Flüchtlinge zu äußern. Nur so kann sich etwas ändern. Die Politik ist nur ein kleines Rädchen, das auf die nächsten Wahlen schielt. Und, warum die Angst?: die Welt, und auch unsere Länder und "Heimaten" ändern sich ständig, und wir vollziehen das mit. So ist die Welt. Deutschland, Österreich, die anderen, sind schon lange nicht mehr das, was sie vorgeben. Wir lieben unsere Heimat und dürfen uns nicht wundern, dass andere sie auch lieben. Vielleicht steigen irgendwann auch wieder die Geburtenraten. Und wir werden wieder zufriedener, weil wir teilen.

Bitte, Obiges verbreiten so gut es geht.
















Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Badische Dampfnudel im Sinkflug

Es gab eine Zeit in Baden, da wusste jeder, was eine Dampfnudel ist. Der Österreicher kennt sie unter dem recht technischen Begriff "Germknödel" oder so. Die Dampfnudel schien auch in Ostpreußen unter dem Namen "Hefekloß" eine diskrete Existenz geführt zu haben. Durch die Wirren des Krieges hat diese östliche Nudel nie den Ruf einer gastronomischen Sensation erworben, während man von der Badischen Dampfnudel weiß, dass ganze Generationen von Kindern in Baden in Verzückung gerieten, wenn Mama oder Oma, meist am Freitag, die Dampfnudel ankündigte. Diese Dampfnudel war ein Kindertraum, der in den Augen, auch von Erwachsenen, einen festlichen Glanz verursachen konnte.

Die Jahre vergingen, MacDonald machte sich breit, und auch die italienische Pizza eroberte sich ein Stück der kindlichen Herzen. Mit anderen Worten, das hochkomplizierte Hefegebäck, die Dampfnudel, geriet allmählich in Vergessenheit. Nicht zuletzt, weil die ungeübte Hausfrau zwar eine Steinofenpizza von einem Pilzrisotto unterscheiden konnte, aber in badischen Landen nicht mehr über die Technologie verfügte, eine Dampfnudel fachgerecht zu erstellen. Das Glänzen in den Augen der Kinder konnte nicht mehr durch einen Dampfnudelschock ausgelöst werden.

Die Lebensmittelindustrie versuchte immer wieder, hefegeeichte, kindgerechte Teigballen herzustellen, die der klassischen Dampfnudel nahe kamen. Ergebnis: null, denn in der Endphase des Garens darf diese nicht versagen. Sie muss, hefemäßig aufgegangen wie ein draller Busenersatz, in der traditionellen ovalen Gänsepfanne  aus Gusseisen, in einem leicht gesalzenen Sud von Wasser und Gänsefett bei geschlossenem Deckel hörbar bruzeln. Dann entsteht das badische Meisterwerk, das vor allem Kinder in die höheren Regionen der gastronomischen Verzückung hinaufhebt. Die untere Kruste muss dabei bräunlich bis dunkelbräunlich sein (keinesfalls schwarz).

Mutter, Oma und Tanten waren zu dieser Hochleistung der Kochkunst selbstverständlich in der Lage. Väter spielten dabei keine Rolle, es sei denn, sie lieferten den Vorwand für die Zubereitung einer köstlichen Weißweinsoße, die Männer so liebten und an der auch Kinder manchmal naschen durften. Neben der Weinsoße gab es noch eine kindgerechte Soße aus Dörrobst oder eine köstliche Vanillesoße. Kann man sich vorstellen, was in einem Erwachsenen abgeht, wenn er nach Jahren der verlorenen Kindheit in einem Strandcafé unvermutet auf die verschollene Dampfnudel stößt? Er muss sie haben.

Dampfnudel adieu! 

Leider sind die Augen oft größer als das Misstrauen gegenüber einer eventuell industriell hergestellten Mampfnudel, die wie eine Fata Morgana vor den magensaftgefüllten Innereien des entwöhnten Dampfnudelessers schwebt. Die Dampfnudel kam, zusammen mit drei Löffeln. Der Anblick war schön. Leider schmeckte die Nudel wie ein vorprogrammiertes Industrieprodukt. Die Vanillesoße war unter aller Kanone. In meiner dampfnudelverzauberten Kindheit schmeckte eine Dampfnudel einfach fabelhaft. Die Qualität war immer auf gleicher Höhe. Mit dieser obigen Nudel habe ich für immer von meinem Kindheitstraum Abschied genommen. Besser keine Nudel als eine solche.










Sonntag, 12. Juli 2015

Zasiusbande: die wundersame Vermehrung

Zuerst sah es so aus, als würde das Häuflein der ehemaligen Ulrich-Zasius-Haus-Freunde im Hofgut Himmelreich bei Freiburg die kritische Masse von 5 kaum erreichen, was als untrügliches Zeichen für Willensschwäche und schlechtes Management ausgelegt hätte werden müssen, oder so. Tomo kam nicht aus Zagreb. Pit nicht aus Balingen, Klaus nicht aus Hannover, Waltraut nicht, und Cath, Wolfgangs blonder Schatten grüßte aus Helsinki. Die Beckers schafften es nicht, und das Treffen kündigte sich an wie der berüchtigte Schwanengesang, bei dem der Letzte das Licht auszumachen hatte. Ja, es wurde auch ein wenig gesungen.


Die Jugend von heute. 

Doch dann kam der Umschwung: Heinrich und Angela, die ewig Junggebliebenen, Christian und Christel mit Sohn Martin, der im offenen BMW-Flitzer unverhofft angerollt kam, Lucile und Rüdiger aus dem schönen Ibach,  Winfried und Maria, Marianne, erfreulich drahtig und fit, schließlich Wolfgang, der als erster eingetroffen war und sich sofort schlafen gelegt hatte. Sein Sohn Hase (Johannes) mit Frau Bettina und Marlene aus Offenburg tauchten dann verspätet auch noch auf. Alles in allem, ein gelungenes Wiedersehen das am Verzehr an Bier, Wein und Mineralwasser abgelesen werden konnte.

Die teilweise leicht betagten Herrschaften konnten den berüchtigten Gang nach Freiburg unternehmen. Münster, Bertoldbrunnen, Rathaus und ähnliches wurden mit wachem Auge  wahrgenommen. So manche Erinnerung an frühere Tage konnte an frohen Gesichtern abgelesen werden. Zusammenstöße mit der lokalen Bevölkerung gab es nicht, obwohl der Zugang zum vielbesichtigten Münster wie immer hart umkämpft war.


Die abendlichen Mahlzeiten im Hotel Himmelreich erfuhren bedenkliche Höhepunkte, waren doch die Beschränkungen für Alkoholgenuss so gut wie aufgehoben worden, was dann auch die Wellen gerne höher schlagen ließ. Das wärmliche Sommerklima, die vertraute Umsorgung durch Max und die anderen und die Freude des Wiedersehens machten aus dem diesjährigen Treffen der Zasiusbande ein erinnerungswürdiges Ereignis, das ohne Skandale, Gewalt und Auseinandersetzungen abgewickelt wurde. Lediglich einige Berner Sennenhunde waren mit ihrem Los etwas unzufrieden und bellten gelegentlich lauthals, was dieser Rasse von äußerst friedlichen und stillen Tieren überhaupt nicht entsprach.


Vieles konnte in kleinen Grüppchen besprochen werden. Der Frohsinn stand auf den Gesichtern geschrieben, und manches Tränchen brachte gar manches Auge zum Glänzen. Dann wurde die Hoffnung laut, man möge doch dieses Treffen keinesfalls das letzte sein lassen. Frau Stuzmann, es wird gehofft, dass Sie sich auch im kommenden Jahr zur prophylaktischen Reservierung von Doppel- und Einzelzimmern hinreißen lassen, sodass Ihnen die Abwesenheit wegen verdientem Urlaub verziehen werden kann. Der heimlich hinter Bäumen abgestellte Polizeiwagen wurde ganz unauffällig abgezogen. Er kam diesmal nicht mehr zum Einsatz.






Dienstag, 7. Juli 2015

Zasiusbande: es ist still um sie geworden.

Man soll eine leicht überalterte Gangsterbande nicht unterschätzen. Natürlich hat ihre Schlagkraft nachgelassen. Beim jährlichen Treffen im malerischen Himmelreich/Schwarzwald, das für die kommenden Tage geplant ist, werden einige namhafte Akteure nicht antreten: Klaus B. erholt sich gerade von einer Hüftoperation, Familie Becker ist gesundheitlich nicht auf der Höhe, und aus dem fernen Zagreb meldete sich Tomo (Martinovic) und bedauerte seine Abwesenheit. Auch Waltraut, völlig erschöpft gerade aus Kanada zurückgekommen, hat abgesagt. Und Pit wird nicht kommen, weil er anderweitige Zusagen hat machen müssen.


Die Zasiusbande hat jedoch immer schon gewusst, wie man ein ruhiges Hotel (das Hotel Himmelreich bei Freiburg) aufmischt, wenn die Wellen der Wiedersehensfreude hochschlagen. Da fliegt dann schon mal eine Rehkeule oder ein Weinglas durch den Raum. Am gefährlichsten waren immer Ereignisse wie Fussballweltmeisterschaften oder Trinkwettkämpfe, für die die Zasiusbande schon früher berühmt war. Als der Freundeskreis noch geschlossen in jenem Studentenheim untergebracht war, ging es meist darum, weibliche Besucher unauffällig aus dem Hause zu schmuggeln, wenn die 10. Stunde geschlagen hatte. Viel böses Blut ist damals in den Adern der Heimleitung geflossen, während der Kreis der jungen Herren vom 7. Stock eher zusammengeschweißt wurde.


Jetzt scheint die Riege für das diesjährige Himmelreichtreffen festzustehen: Christian und Christel, Heinrich und Angela, Lucile und Rüdiger, Winfried und Maria, Marianne und Wolfgang. Der erste Abend, wenn man sich warmdiskutiert, steht unter dem Zeichen der totalen Alkoholabstinenz. Lediglich ein paar Aperitifs können gereicht werden. Damit soll sichergestellt werden, dass das Mobiliar des Hotels unbeschädigt bleibt. Ein Einsatzwagen der Freiburger Polizei soll unauffällig hinter Bäumen aufgestellt werden. Es wird also davon ausgegangen, dass die Teilnehmer dieses Mal friedlich miteinander zurechtkommen werden. Aus Vorsicht wurden die Gesprächsthemen im Voraus festgelegt: Gesundheitsfragen, Enkel und Urenkel, Griechenland, Damenfussball. In eingeschränkter Weise auch: Politik. Gartenfragen und Finanzwesen wurden ausdrücklich aus dem Themenkatalog genommen, weil sie Zündstoff enthalten könnten. Es wäre jedoch erstaunlich, wenn es bei diesem Treffen nicht zu Handgreiflichkeiten in Form von Umarmungen käme.