Dienstag, 31. März 2015

Deutschland bläst der Wind ins Gesicht

Vielleicht sind es die Glücksgefühle, die manche haben, wenn sie an die Wiedervereinigung denken, oder an die Fussballweltmeisterschaft. Deutschland ist nach den Jahren der Not, des Aufbaus, der gewollten Bescheidenheit wieder zu einer Größe geworden, über die man nicht nur pausenlos klagen sollte. Jetzt glauben/hoffen viele, dass das Land sich endlich auf dem Weg zur Normalität befindet. Jedenfalls merkt man, dass die Welt, natürlich hauptsächlich die Europäer, mit vorgehaltener Hand oder auch lauthals, Kritik am ach so erstarkten Deutschland üben. Alle haben sie Probleme, die sie selbst meistern wollen, aber offensichtlich nicht können. Die Deutschen auch, doch bei der Suche nach etwaigen Schuldigen scheint unser Land eher auf sich selbst zu schauen, während andere uns ganz leicht alles Mögliche anhängen können. Wir haben ja so viel auf dem Kerbholz. Und Geschichte verjährt nicht.
 


Das gilt für den Holocust genau so wie für die Misere, in der sich Griechenland gerade befindet. Wer ehrlich genug ist, findet reichlich Ursachen, nicht nur für Krieg, Unterdrückung, Völkermord, sondern auch für Betrug, Korruption, Manipulation, in der ganz eigenen nationalen Geschichte. Auch von anderen Ländern weiß man, wie sie mit den Verbrechen ihrer Vergangenheit umgegangen sind oder immer noch umgehen: England, Frankreich, Italien, Belgien usw. haben als Kolonialmächte auch rücksichtslos gewütet. In manchen Geschichtsbüchern dieser Länder ist, von ein paar Lippenbekenntnissen abgesehen, nicht viel davon übriggeblieben. Doch die Deutschen haben über viele Jahre hinweg die volle Ladung an Verachtung und Schmäh mitbekommen. Neben der permanenten Holocausterinnerung wurden die Deutschen als tumbe Toren, Barbaren, Schreihälse und Rechthaber beschimpft. Das alles zurecht. Doch hat sich Deutschland auch durch positive Enwicklungen unbeliebt gemacht: politische Stabilität, Wirtschaftswunder(lichkeiten), Zuverlässigkeit, Gelehrigkeit und Wohlverhalten haben auch Neid und Ängste hervorgerufen. Jetzt glauben wir in der Mitte eines zusammenwachsenden Kontinents zu leben und ecken immer wieder neu an. In manchen Ländern, wie Griechenland, Italien, auch Frankreich findet man leicht einen Sündenbock. Er heißt großmannsüchtiges, überhebliches, hegemoniales Deutschland über alles.







Angela Merkel kann uns leid tun, wenn sie in hellenischen Medien als Adolfine Hitler abgebildet wird. Sie hat das wirklich nicht verdient. Und auch ein Herr Schäuble kann nichts dafür, dass er fast immer recht hat und dies auch laut hinausposaunt. Vielleicht wäre in der deutschen Politik die etwas duckmäuserische Höflichkeit französischer Präsidenten oder der nicht ernstgemeinte Charme eines britischen Premiers ein gutes Vorbild für den Umgang mit Kritik. Sehr viel mehr ist da auch nicht. Doch das haben wir noch nicht ganz geschafft. Wir müssen immmer recht haben, immer gewinnen, immer vorne dran sein. Vielleicht ist das unser Schicksal. Wie geht man damit um? Lächeln, verstehen, verzeihen und einfach weitermachen.

Donnerstag, 26. März 2015

Das Schnorcheln in der Tiefe

Oder wie soll man es nennen, wenn ganze Bevölkerungsgruppen, vor allem die ganz Jungen, mit gesenktem Kopf in einen Ozean von Hinweisen starren, die ungerufen aus der Tiefe des Internets zu kommen scheinen? Im Bus, in der U-Bahn, im Auto, überall verrenken sie sich, um ihrer Sucht (ist es etwas anderes?) Genüge zu tun. Was wollen sie alle wissen? Brauchen sie Zuwendung, die Mama ihnen nicht bieten kann? Brauchen sie Mama? Und die Älteren? Gehören sie einer unsichtbaren Selbsthilfegruppe an? Wie störrisch wirken die anderen, die, vielleicht in ein Buch oder eine Zeitung schauen oder scheinbar gedankenlos in die Luft? Das Leben ist seltsam geworden. Die einen machen Selfies mit dem Stöckchen, die anderen krümmen den Rücken. An den Ballungspunkten wird telefoniert, gechattet, Finger wundgetippt. Natürlich gibt es noch die rauchenden (Selbst)Süchtigen, die verzweifelt vor den Häusern lungern um eine abzublasen. Aber das Weichbild wird schon lange bestimmt von der anderen Unsitte, dem Handy- Computer- und Internet-Abgreifen. Wie cool. Ehrlich. Internetbeschmutzer?

 Prager Frühling

In Prag sahen wir einen jungen Mann auf einer Parkbank sitzen, in der Morgensonne, und was tat er? Der Arme, er hatte kein Smartphone, kein Mobilfon, keinen Rechner auf dem Schoß, nein, er strickte an einer Wollmütze, so ganz mit Nadeln, Wollknäuel und sichtbar ein paar Stricksachen um sich herum verteilt, die schon fertig waren. Dabei ist er elektronisch ( oder heißt es digital?) durchaus vernetzt: www.klestilknitwear.com. Dort, im Internet, kann man seine Werke betrachten. Natürlich mussten wir Krystof Klestil ansprechen. Ein freundlich lächelnder junger Mann, der völlig normal wirkte, wohl mit beiden Füßen im Leben steht, aber völlig ohne Smartphone. Vielleicht benutzt er dieses Zeug, aber er ist nicht abhängig wie von einer Droge. Das merkt man heute: die Sucht, die Gier nach Kommunikation. Überall. Und dann sitzt da noch einer ohne. Man erkennt die Pionniere unserer Zeit allein daran, dass sie nicht tun was alle machen.

Strickt und strickt und strickt.

Die Statistiken sagen schon eine Menge aus: wer im Schnitt 6 Stunden schläft, 18 Stunden für Arbeit und Sonstiges zur Verfügung hat, verbringt jetzt schon 30 bis 40 Minuten pro Tag am Gerät, um irgendwie etwas herunterzuladen. Und die klassischen 4-6 Stunden vor der Glotze? Das war einmal? Und was wird da aus unserem Fastfoodgeschlinge? Wir haben nur 24 Stunden am Tag. Wer ständig auf Display kuckt, sieht sonst nicht mehr viel: die schönen Busen und Beine, das freundliche Lächeln, die Taube im Park oder, wenn man Glück hat, unseren Krystof, der völlig unbeeindruckt von seiner Umgebung strickt.

Dienstag, 24. März 2015

Franz Kafka - das Ungeziefer.

Ich war zu jung, um zu verstehen, was Kafka wollte. Jetzt liege ich in meinem Bett, auf dem Rücken, schlaflos. Da fällt es mir wieder ein, das Buch. Die Verwandlung hieß es. Seit ich es las, lässt es mich nicht los. Ängste, Hilflosigkeit, Todesangst. Wenn man als Käfer erwacht, gelähmt, zum Zappeln verdammt. Nicht unmenschlich. Warum fühlt man sich gerade als kafkaeskes Insekt wie ein Mensch, der weggeschoben wurde? Hat es damit zu tun, dass in jedem von uns auch ein Jude steckt? Einer, der nur schwer seinen Platz findet? Oder ist es das andere Geschlecht, mit dem man nicht zu Rande kommt?

Sigmund Freud, auch ein Jude, doch nicht nur, musste auch Ängste verarbeiten. Auch er muss das Heraufziehen des Totalitarismus gespürt haben. Seine Selbstanalysen erinnern irgendwie an Kafka. Er musste aus dem naziverseuchten Deutschösterreich weg. Ein Leben war das nicht mehr. Wo blieben all die Identitäten? Nach Israel sind die wenigsten ausgewandert. Richtig glücklich wurden die wenigsten, bis auf manche Künstler. Die konnten ihr Ding machen und es der Welt schenken. Jehudi Menuhin, Leonard Bernstein. Seine West Side Story, oh Gott, wie schön! Die unsichtbaren Sehnsüchte Kafkas in Musik umgeschlagen. Seine ungelebte Liebe in musikalische Explosion geformt. Jugendliche Agressivität, nicht wie bei Franz Kafka, passiv, unartikuliert und hoffnungslos. Eben die fröhlich-kreative Seite (jüdischen?) Lebens.

Gustav Mahler, der lange an der Metropolitan in New York arbeitete, ein Spätromantiker und Moderner, ein Jude, der zum Katholizismus wechselte, hatte ähnliche Einflüsse auf mich. Ich konnte seine Kindertotenlieder nie vergessen. Wie stark sie mich beeinflusst haben. Meine Identität geprägt, die andererseits auch immer multikulturell und gleichzeitig einschichtig war. Kafka steht für die bürokratisch-existenziellen Ängste, die mich überkommen, wenn ich schlaflos auf dem Rücken liege. Sigmund Freud erinnert mich daran, dass wir in einem kollektiven Käfig des Unterbewussten sitzen, aus dem wir nur mit Schuldgefühlen ausbrechen. Gustav Mahler, das begabte Menschenkind, ständig verliebt, wunderbare Kompositionen, oft total schwermütig. Er ist ein ewiger Freund. Leonard Bernstein, der heitere Blick auf die dynamische Seite des Lebens, sehr romantisch angehaucht. Kosmopolitisch. Was ist so falsch daran, dass man sich auch mal wie ein Insekt fühlt, hilflos, antriebslos, hoffnungslos? Franz Kafka hat es uns vorgemacht. Die Verwandlung kann ja auch Metamorphose bedeuten. Umwandlung, statt Stagnation.

Montag, 23. März 2015

Franz Kafka and Krystof the knitter

One has to come to lovely Prague, the exciting Capital of the lovely Czech Republic. We did it, Cath and I, a few days ago. The weather was great. We felt like coming home to some part of Mitteleuropa as known during the pre Second World War period. Walking past the Old Jewish Cemetery we found the Old-New Synagogue, a place where you breathe history, and also visited the Spanish Synagogue, all quite near the ancient centre of Prague.

In the Synagogue
The synagogues tell the story of Jewish live, the history and assimilation process of the Jews from Bohemia and Moravia. The Old-New Synagogue is a particularly precious piece of architecture, dating from 1270 or so. The style is early Gothic, a really beautiful place of worship visited by numerous people who may find reminders of the shoah.

Kafkaesque, isn't it?

But Prague is of course also a rather cosmopolitan place, the Czech culture being the outcome of various influences. Jiddish was and is one of the languages practised besides Chech. The Slovac part has moved away after the separation of Slovakia from Chechoslovakia. German also was a widely spoken language, practised by Jewish authors like Franz Kafka or his friend Max Brod. I may have been too young when my father gave me Kafka's The Castle to read. I was fascinated by his style, a sort of anguish, shy but very precise German one couldn't forget again. Absurdity and alienation was what made me addicted to Kafka. That he was Czech I learned much later. What a modern piece of literature  his Metamorphosis is. It went around the World, making him famous posthumously. Our stroll brought us also to his monument, a rather abstract, somewhat kafkaesque piece of art.

Krystof the Knitter
So, Prague is good for all sorts of surprises. Whereas Franz Kafka mainly lived during the Austria-Hungarian Empire period of Prague, Krystof Klestil who is a young Czech from Prague lives on a park bench not far from the Old-New Synagogue. To be precise, he spends sunny moments on that bench, knitting gloves and caps and other things. He reminded us of a new concept of life in a modern World, where you have to find your own way. And Prague can help you to find it. Just try.


NPD - das rechte Herz am rechten Fleck?

Die Frage ist nicht so sehr, ob diese Partei der Ewiggestrigen endlich verboten werden soll, sondern, was machen wir mit dem Haufen rechtslastiger Verschwörer, die glauben, bald wieder das Sagen zu haben? NSU war/ist schlimm genug. Dieser Prozess in München ist ein einziges Beispiel für die Hilflosigkeit der deutschen Justiz, die sich vorführen lässt.

Dass diese Partei kaum noch Wähler oder Mitglieder hat, ist typisch für die Situation: der Rechtsdenkende ist im Prinzip feige, kein Einzelkämpfer, sondern ein polemisches Werkzeug, das sich nur in der Horde stark fühlt. Deshalb müssen sich immer ein paar Wirrköpfe nach vorne wagen, damit das Rechtspotenzial eine unmissverständliche Anlaufstelle zu wittern bekommt. Dann kommen die rasierten Schädel aus ihren Löchern, rutschfeste Stiefel kommen zum Einsatz, und, weil man sonst nichts zu sagen hat, fühlt man sich stark. Zu nützlichen Veränderungen in unserer geldgeilen Gesellschaft führt das nicht.

Das rechte Spektrum?  
Zur Zeit versuchen Rechtsparteien wie die NPD in Sankt Petersburg einen Schulterschluss mit Ihresgleichen aus anderen Ländern. Viel Glück! Bei euren  notorischen  Sprachkenntnissen kann doch nur das berühmte "Ausländerraus" gestottert aber sonst kein klarer Gedanke gefasst werden, der nach einer nationalsozialistischen Internationale aussähe. Jeder will ja doch nur seinen eigenen Salat. Wir können uns also getrost  zurücklehnen, wenn es um die Zukunft dieser Genossenschaft geht. Diese Art von Rechtsextremismus basiert auf der Angst der anderen. Doch die Feigheit dieser Genossen, sofern sie keinen neuen Schreihals wie Adolf Hitler an die Seite bekommen, ist nicht zu übersehen. Damit können sie geschlagen werden. hre Sprache ist durchsichtig, kreidefresserisch. Als Eintagsfliegen gehören sie zu den Auslaufmodellen. Das muss nicht heißen, dass man ihnen nicht regelmäßig mit staatlichen Springerstiefeln in den Hintern treten sollte.  

Donnerstag, 19. März 2015

Aber bitte mit Sahne!

Jeder Mann ist auch Sohn und damit der hoffentlich liebevoll zum täglichen Essensgeschäft hingeführte Nachkömmling einer Mutter. Ich muss die Debatte etwas verengen, damit ich leichter zum Ziel komme: was isst der Mensch heute, wenn er in Deutschland wohnt? Pizza? Kebab? Burger? Letzteres will ich aus der Liste der essbaren Zumutungen streichen, obwohl mich Meldungen erreichen, dass dieses Zeug manchmal sogar essbar ist, vor allem, wenn der Hunger nagt.

Es soll ja auch Mütter geben, die behaupten, der Appetit käme mit dem Essen. Dem möchte ich entschieden widersprechen. Essen ist keine Verrichtung einer Notdurft! Obwohl! Wer weiß? Wichtig ist, dass nicht vergessen wird, welches Vergnügen gutes Essen bereiten kann. Deshalb müssen Fachleute an das Problem gelassen werden. Dazu gehören immer noch einige Mütter, ein paar Väter und die vielen selbsternannten Kochlöffel schwingenden Experten. Das sind nicht so sehr die Dreisterneköche, die lieber an ihrem eigenen Mythos arbeiten, sondern die liebenden Väter und Mütter, die das Glück der Essenden an deren Gesichtern ablesen möchten. Wenn Magenfreuden zufriedenes Lächeln auf die Gesichter zaubern können, dann scheint die Welt in Ordnung. Die geschickten Fotografen und Grafiker, die auf die Packungen ihre Werbung hindrapieren, können ebenfalls vergessen werden. So gut wie die Idealzeichnungen auf der Auslegeware in den Supermärkten aussehen, kann kein Essen werden, auch wenn Doktor Oetker selbst seine Hand im Spiel hat.

Wir müssen versuchen, uns zu erinnern. Königsberger Klopse haben mich nicht kirre gemacht. Auch der Rheinische Sauerbraten war nie mein Ding. Und Toast Hawaii hielt ich immer für eine recht interessante Notlösung. Doch es gibt so vieles, an das sich der Magen erinnern möchte. Eines von vielen Beispielen (nein, die Pizza vergessen wir jetzt mal): Vorspeise, eine klare Fleischbrühe mit Markklößchen. Den Schnittlauch und die Muskatnuss nicht vergessen! Danach: von Mama eingemachtes Kalbfleisch, nicht ohne dass das Lorbeerblatt durchschmeckt. Oder: saure Nierchen mit Schupfnudeln an einer dünnen Soße. Es darf auch nicht ein Salätchen fehlen: Tomaten aus dem Garten mit viel Dill, oder Gurken (nicht aus Holland oder Spanien) mit Dill oder Gurkenkraut. Kräuteressig mit Olivenöl wäre die richtige Mischung. Nachtisch: Vanille-Eis mit Sauerkirschkompott. Ich würde hierfür keineswegs  die Bezeichnung "lecker" verwenden. Das tut man nicht. Aber "saugut" darf man schon sagen. Es kommt auf die Liebe der Zubereitung an, sonst auf gar nichts. Neben diesen Beispielen gibt es noch viele andere.

 Exotisch

Der heutige Hang zum Exotischen ist natürlich bedingt durch die Reisefreudigkeit der Deutschen und das eifrige Studieren von Kochsendungen im Fernsehen. Zum traditionellen Bratwurstessen, das vor allem die Engländer und Amerikaner liebhaben, sind auswärtige Gerichte wie Suki Yaki, Chicken Tikka Masala oder Döner Kebab äußerst willkommene Ergänzungen. Vorsicht mit den deutschen Bratwürsten in Frankreich. Ein höflich-herablassendes Naserümpfen kann die Antwort sein. Wir essen heute chinesisch, thailändisch, indisch, türkisch und spanisch und das ist gut so. Essen sollte eine Bereicherung sein, kein nationales Anliegen. Wer sich Leckerbissen entgehen lässt, ist selbst schuld.

Dennoch gibt es nichts Schöneres, als ein kulinarisches Gedächtnis zu bewahren, wo es gerechtfertigt ist. In Deutschland ist dies schwierig, weil wir keine nationale Küche kennen, nur regionale Leckereien. Bei den Österreichern ist es etwas besser. Die Küche ist da etwas zentraler organisiert: das Schnitzel, der Tafelspitz, der Apfelstrudel. Das alles klingt sehr österreichisch. Picken wir uns doch heute aus jedem nationalen Angebot das heraus, was uns am meisten zusagt und entwickeln wir uns das einfach weiter. Schließlich geht der Magen durch die Liebe. Und die Liebe ist eine Himmelsmacht. Und im Himmel hört man gerne die Engel singen. Was will man mehr? Happy Noodles, wie sie in der Kärntnerstraße in Wien angeboten werden?













Dienstag, 17. März 2015

Der griechische Stinkfinger

Es ist schon erfrischend, ins Internet zu gehen und die vielen schönen Stinkefinger zu betrachten, die dort gelagert sind. Sie sind sicher keine Erfindung eines griechischen Politikers. Aber die alten Griechen (und Römer) haben mit diesem Finger schon ganz öbszön herumhantiert. Er sollte eine Art erigierten Penis darstellen, als sexuelle Drohung. Auch die Deutschen nehmen den Stinkfinger ziehmlich ernst. Bis 2007 konnte man dafür im Sraßenverkehr zwischen 5 und 7 Punkte in Flensburg abgenommen bekommen. Und im normalen Geschlechtsverkehr hat man wahrlich Wichtigeres zu tun als den Mittelfinger abzuspreizen. Wer jedoch diesen Schmäh einem Ordnungshüter antut, erfüllt den Tatbestand der Beleidigung, frei nach § 185 des Strafgesetzbuches. In Österreich spricht man von Anstandsverletzung, was ebenfalls eine Bestrafung rechtfertig.


Im englischen Sprachraum bedeutet der Streckfinger so etwas wie "Fuck you". Das versteht heute jeder, was nicht daran hindert, dass manche Beherrscher dieser schönen Sprache auch noch andere Möglichkeiten nutzen, ihre Verachtung zu äußern. Im Vereinigten Königreich und in Australien ist es üblich, das Victory-Zeichen umzudrehen, sodass das V nach hinten zeigt, mit dem Handballen nach innen. Das bedeutet dann eine schwere Beleidigung. Man stelle sich vor, man will im Pub zwei neue Biere bestellen, indem man dieses Zeichen macht und bekommt, unschuldig wie man ist, eine gelangt.

Andererseits wurde der Stinkefinger schon in grauer Vorzeit als Ausdrucksmittel von Diplomaten, Beamten und Kirchenoberen geächtet, weil man annehmen durfte, dass Kriege, auch Religionkriege, mit anderen Mitteln geführt werden können. So ist der Stinkefinger nur als Instrument der Aufmüpfigkeit bei Halbwüchsigen erhalten geblieben, wenn man von ganz wenigen Ausnahmen absieht. Der Griechenfinger ist so eine wohlgemeinte Ausnahme, von der man noch nicht weiß, ob und wann er (der Finger) nach hinten losgeht.







Montag, 16. März 2015

Internet: alle sind empört.

Da schaut man gerne zweimal hin. Alle empört? Das möchte man genauer wissen. In der Zeitung steht: Ratten-Kunstprojekt empört das Internet. Oft kann man sich über ähnliche Behauptungen  wundern. Wenn gar ein "shitstorm" ausbricht, das ist auf Deutsch gar nicht mehr zu sagen, dann schlagen unsichtbare Wellen über den Köpfen der User zusammen. Was passiert dann? Ein Künstler aus Deutschland - es könnte jedes andere Land sein - will auf ein lebendes Tier schießen lassen, um auf Drohnen aufmerksam zu machen, also zu protestieren. Recht hat er, sich über die zunehmende Überwachung und die gezielten Tötungen durch Drohnen aufzuregen. Wie es im Einzelnen gehen soll, ist noch nicht hundertprozentig sicher: Man muss sich einloggen, dann könnte man mit einem Klick einen Schuss auslösen, der mithilfe einer Kamera, die auf eine Ratte gerichtet ist, abgefeuert wird.
Sehr elektronisch, alles.  

Was auch immer der Künstler damit meint, interessant ist die Frage allemal. Wir können anonym aus der Ferne töten, wie es das amerikanische Militär bereits tut. Man benötigt nur eine Genehmigung, sozusagen eine Rechtfertigung und eine ferngesteuerte Drohne, dann klappt das schon. Bei gewissen Diktatoren (nein, ich habe jetzt nicht Putin gemeint!) wie Adolf Hitler, Stalin, Mussolini, wäre der Fall gegeben gewesen. Aber darf man das? Manche fänden das eher grenzwertig. Wie etwa das Ausschnüffeln unserer E-Mails und anderer elektronischer Produkte durch die Geheimdienste NSA, CIA etc. Juristen würden zurecht mehr als ein Haar in dieser Suppe finden. Aber im Notfall werden Juristen ebensowenig nach ihrer Meinung gefragt wie alle anderen, die gerne den gesunden Menschenverstand walten lassen.


Wir müssen also versuchen, uns in dieser neuen Welt zurechzufinden. Gibt es überhaupt so etwas wie den Cyberspace? Bilden wir uns das alles nur ein? Wir können in Sekundenschnelle die Anzahl der Kinder von Wolfgang Amadeus Mozart ergoogeln, oder den Sinn von Testosteron erarbeiten, aber müssen wir deshalb dem Ganzen trauen? Das allgegenwärtige Wissen ist sicher ein Vorteil des Internets. Anstatt veraltete Lexika wälzen zu müssen, genügt ein Knopfdruck und wir sind bedient. Dennoch verlässt uns selten das Gefühl, dass wir irgendwo unerlaubt naschen, anstatt uns etwas mühsam zu erarbeiten. Und was machen wir mit unserem Wissen, wenn jeder andere es auch haben kann? Ist es da oft nicht besser, mühsam zusammengeklaubtes Halbwissen zu besitzen und in der Lage zu sein, sich selbst ein Urteil zu bilden? Wir müssen noch ein wenig warten, um die Folgen dieser völlig unkonkreten Cyberwelt besser sehen zu können. Für mich ist alles noch ein wenig grenzwertig.









Was ist eine Völkergemeinschaft?

Die alten Griechen haben sich die Köpfe eingeschlagen, bis sie - nach vielen Jahrhunderten - auf die Idee kamen, sich für die Wiege der Demokratie zu halten. Die anderen wurden zu Barbaren. Diese haben viel später allerdings, schwer gekämpft, um demokratische Spielregeln zu entwickeln und diese auch teilweise durchzusetzen. Die barbarischen Weltkriege haben wenigstens dazu beigetragen, die Bereitschaft der Völker zum Frieden - wir sprechen über Europa - zu stärken und die Menschen als gleichwertige Bürger anzusehen. Es gab auch Visionäre, die den Weg wiesen: Victor Hugo war einer von ihnen. Er träumte schon im 19. Jahrhundert von einem vereinten Europa, und er war Philhelene (Griechenliebhaber) wie viele Deutsche: Goethe, König Ludwig I von Bayern. Hugo war nicht nur politisch begabt, er war auch als Literat ein Romantiker und Realist, wie viele Deutsche. Keiner liest jedoch heute noch seine Gedanken zu Europa.

Trümmer haben wir schon genug!

Ein anderer Visionär, der seine Schlüsse aus dem Völkergemetzel gezogen hatte, war Winston Churchill, der bristische Premierminister. In einer berühmt gewordenen Rede vor Studenten in Zürich, 1948, schlug er vor, eine Art Europarat zu gründen, um das Gemeinsame der Europäer hervorzuheben und die Zusammenarbeit zwischen ehemaligen Feinden zu gestalten. 1949 wurde dann dieser Europarat gegründet und symbolisch für das Verhältnis der ehemaligen Kriegsgegner Frankreich und Deutschland in Straßburg angesiedelt, wo er mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit echten Kompetenzen ausgestattet ist.

Diese Visionen wurden dann weiter entwickelt: die Europäische Union war die Folge. Was man vergessen hat, ist, dass Griechenland wegen Verletzungen der Menschenrechte aus dem Europarat hinausgeworfen wurde als eine Militärjunta in Athen die Macht übernommen hatte. Genauer: Griechenland trat aus, bevor der Ausschluss vom Komitee der Außenminister beschlossen wurde. Auch später gab es klare Drohungen des Hinauswurfes, als das Land als Wiedermitglied des Europarates weiterhin massiv gegen die Regeln verstieß. Vom Beitritt dieses Landes zur Europäischen Gemeinschaft weiß man, dass Erpressung und Falschinformationen am Anfang standen.


Nach einer europäischen Karriere eines solchen Mitgliedslandes darf nicht viel erwartet werden. Es wäre besser gewesen, die Barabaren wären unter sich geblieben, denn die Mitarbeit in einer Völkergemeinschaft wird in Athen offensichtlich immer noch als ein Besuch im Selbstbedienungsladen angesehen. Sowohl unter einem romantischen Europakonzept ("wir lieben die Griechen und ihre Sonne") als auch unter mehr realistischen Aspekten ist die Mitarbeit an einem gemeinsamen Europa nur auf gleicher Augenhöhe möglich. Der Stinkefinger eines griechischen Finanzministers, auf die verhassten Deutschen gerichtet, ist eher kindisch und harmlos. Aber er irritiert. Solche Art Frechheit gegen ein redlich bemühtes Deutschland kann nur schwer einem pubertären Dreikäsehoch vergeben werden. Die Masche mit der allgemeinen Verhasstheit der Deutschen scheint auch bei den anderen nicht mehr zu funktionieren.












Sonntag, 15. März 2015

Osama bin Laden: es lachen die Hühner!

Dieser Kerl, der nicht nur das Selbstbewusstsein eines Milliardärs hatte, sondern sogar einer war, hatte es geschafft, auf einmal die Welt zu terrorisieren. Er ist schuld an der Zerstörung des World Trade Centers in New York und an manch anderen Terrorakten überall auf dem Globus. Dass er durch die Amerikaner in seinem Versteck in Pakistan hingerichtet wurde, ist die normalste Sache der Welt. Es hätte schon viel früher geschehen sollen. Geboren als 7. von 50 Kindern in Saudi Arabien, durch die 10. Frau seines Vaters, Aliah Ghanem. Wie wahnwitzig ist denn das? Im Jahr 1979 besetzten sowjetische Truppen Afghanistan. 1989 verließen sie das Land wieder.


Es muss in dieser Zeit geschehen sein, dass Osama bin Laden's Leben eine Hinwendung vom gläubigen Muslim zum gewaltbereiten Terroristen erlebte. Ursprünglich mag ja etwas Idealismus vorhanden gewesen sein, hatte er es doch verstanden, sich ein internationales Netz von Helfern und Anhängern zu schaffen. Für die USA und den Rest der Welt damals etwas gänzlich Neues, dem die internationale Gesellschaft bis heute noch nicht gewachsen ist. Der Kampf gegen die zunehmenden Terrorakte wird immer verbitterter. Es gibt immer mehr Unverständnis gegenüber der Art des Terrors: Einzelakte oder kollektiv gesteuerte Gewalt? Wer steckt wirklich dahinter? Was sind die Ziele? Der Eiffelturm, Big Ben? Rom, Madrid, Brüssel? Das alles wirkt kopflos, undurchdacht, unsystematisch. Was geschieht mit denen, die (noch) nicht bedroht werden? Folgen diese Ziele später?

Es sieht so aus, als würde die Welt allmählich in Panik versinken. Dabei muss ein totales Missverhältnis bestehen zwischen den idiotischen Zielen von ein paar Erleuchteten und den 7 Milliarden Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen müssen und nicht davon träumen können, Milliardäre zu werden. Wir müssen dem Bierernst dieser Wenigen endlich die Luft rauslassen. Indem wir sie lächerlich machen? Dazu benötigen wir jedoch nicht ein Satireblatt wie Charlie Hebdo, sondern den Zusammenhalt der Muslime, die noch alle Tassen im Schrank haben, plus all der anderen, die schon lange aufgehört haben, dem ganzen Spuk Verständnis entgegenzubringen.

Politik versagt oft und gerne

Es ist alles so disproportioniert. Die Angst, der Ärger, das Entsetzen. Die Medien (wer sonst?) quasseln den Menschen diese Panik auf. Die Politik ist hilflos. Die Philosophie des menschlichen Lebens hat jedoch eine entwaffnende Seite parat, die wir nicht mehr richtig nutzen: den ganzen Zinnober unseriös finden, aber dennoch wachsam bleiben. Über den Bierernst der Fanatiker sich totlachen. Ihr Getue lächerlich machen. To take the piss out of it, würde der Anglophone sagen. Es gibt Humor über den man kaum lachen kann, weil er unecht ist. Aber, in der Not hilft das befreiende Lachen. Gibt es etwas blöderes als Bomben platzen zu lassen und allen Ernstes zu glauben, dass die siebzig Jungfrauen im Paradies auf das warten, was bei einer Explosion noch übrig bleibt? Auch Testosteron ist in der Überdosis schädlich. Osama bin Ladens Vater hat 50 Kinder gezeugt. Es ist üblich, nur die Söhne zu zählen, sodass es sogar noch viel mehr Kinder sein können. Was soll man an einer solchen Hengstkultur noch bewundern? Oder glauben diese Spinner, außer an ihr eigenes Ego an sonst noch etwas? Keiner ist gegen den Islam oder die katholische Kirche. Ob dieses missverständlichen Wahnwitzes können nur noch die Hühner lachen.