Donnerstag, 15. Februar 2018

Schießerei auf dem Capitol.

Etwas verstehe ich nicht: der Präsident ist auf dem Weg, Amerika wieder (ganz) groß zu machen, viele freuen sich schon darauf, und die Produktion von Waffen ist auch nicht geringer geworden, wobei jeder US-Bürger statistisch mehrere davon im Schrank hat. Das macht stolz und selbstbewusst.


Die Zeiten, wo jeder im Mannesalter einen Colt an sich herunterhängen hat, sind zwar fast vorbei, doch man versteht, dass eine so mächtige Nation wie die USA, trotz eindrucksvoller militärischer Ausstattung, darauf bedacht sein muss, allzeit bereit zu sein. Pearl Harbour als Langzeitwarnung und Schreckgespenst. Dennoch biegen sich meine Augenbrauen leicht nach oben, wenn ich mir vorstelle, dass - bei dem durchschnittlichen Intelligenzaufkommen der Nation - jeder eine Knarre bedienen darf, wenn er sich bedroht fühlt. Zum Glück schießen die meisten daneben, doch auch blinde Wut erzielt gelegentlich einen Treffer. Also, das Tragen von Waffen, ohne einen Waffenschein zu besitzen,  scheint mir höchst gefährlich. Was hat das mit Freiheit zu tun?


Fast jeden Tag liest man von Massakern, Morden und Erschießungen unschuldiger Menschen, ohne dass die Motive mitgeliefert werden können: Hass, Eifersucht, Gier, Missgunst, Boshaftigkeit etc. Jedesmal  fragt man sich, warum es geschah. Man wird den Vedacht nicht los, dass es nur deshalb so viele Tote durch Schusswaffen gibt, weil diese in Millionenauflage und überall verfügbar sind. Warum also nicht ein allgemeines Waffenverbot? Ist die Waffenlobby zu mächtig? Ist die Angst vor der unbekannten Bedrohung so groß? Wer sich fürchtet, sich im Halbdunkel einer fremden Garagentür zu nähern, oder in Anwesenheit eines Polizisten eine Hand in seine Tasche zu führen, der hat verstanden.


Dazu kommen die Urängste, die mit der rassistischen Vergangenheit des Landes zu tun haben. Schwarze und Weiße scheinen noch lange nicht der selben Gesellschaft anzugehören. Der Schock, als ein weißer Polizist einen schwarzen Jungen erschoss, weil er sich von ihm angeblich bedroht fühlte, sitzt noch tief. Auch, dass er dann freigesprochen wurde. Doch kann das die lasche Einstellung zum Waffengebrauch erklären? Bei dem immer häufigeren Auftreten solcher Schießorgien scheint es geraten, endlich mit diesem Waffenkult schluss zu machen. Mir scheint es höchste Zeit, über diesen traurigen Tatbestand mehr zu verlieren als nur ein paar bedauerliche Worte.


Das scheinbar unmotivierte Killen von Menschen scheint mir wie eine Epidemie, die um sich greift. Rein statistisch sind diese Attacken in den letzten Jahren immer zahlreicher geworden. Hoffentlich überkommt das Land nicht eine Serie der Gewalt. Wir wissen, dass Gewalt sich fortpflanzt, wenn sie nicht selbst gewaltsam unterdrückt wird. Ob unser Freund, der sich sofort mit dem nuklearen Nordkorea angelegt hat, der Richtige ist, diesen Wahnsinn wieder zu beenden? Für den Augenblick müssen wir ihn im Auftrag seines Landes ganz groß machen lassen.










Dienstag, 13. Februar 2018

Wenn ich amerikanischer.....

Präsident wäre, würde ich auch eine Mauer nach Mexiko hin bauen lassen. Erstens ist so etwas sauteuer, wird jedoch vom Steuerzahler übernommen. Zweitens schafft dies Tausende von Arbeitsplätzen, wohl auch für Mexikaner. Drittens grenzt eine Mauer eher ab, als dass sie verbindet. Wer will denn schon, dass Millionen US-Amerikaner in das billigere Latino-Land hineinströmen und es mit unnötigen Ami-Produkten vollstopfen. Und an die gewünschten Drogen kommt ein ordentlicher Amerikaner allemal kinderleicht heran. Auch ohne Mexiko.

Auf nach Mexiko! 
Für mich waren Mexiko-Western immer die besseren. Weniger klischeehaft als die US-amerikanischen. Mit einem guten Schuss Madonnenverehrung. Einfach katholischer. Viele spielten in den geheimnisumwobenen Pueblos. Auch die Musik war eine andere: Por los camínos de Mejico voy.  Tierra de tantas ilusiones, donde io nací. Das hatte Hand und Fuß. Der gefühlte Unterschied zu den USA: der Westernheld schoss, der Mexikaner ritt. Und am Ende war immer irgendwo eine Wasserstelle für das Pferd.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die USA von englischsprachigen Landnehmern (Sunflower und so) und anderen Einwanderern, meist mit miesen Sprachkenntnissen, überrollt wurde, während Mexiko mehr spanisch-iberisch erobert wurde, was auch religiöse Streitereien nicht ausschloss. Jedenfalls war der große Zampano kein richtiger Held mit der entsprechenden Verehrung, sondern eher ein Prahlhans aus dem italienischen Fellini-Film La Strada. Lieber bringt man ihn mit Mexiko in Verbindung, als ihm eine angelsächsische Abkunft anzudichten.

Der Große Zampano! 
Wenn man an Amerika denkt, ist das Einordnen unserer Welt der Helden und Bösewichte immer schon schwer gewesen. Die Neue Welt hat ihre eigenen Idole und ihre eigene Wahrheit, wer weiß, woher? Pinocchio aus der Alten Welt, hat eine lange Nase. Warum? Weil Lügen kurze Beine haben? Warum können sich dann manche Politiker so lange halten? Man denke an Helmut Kohl, dessen Lügen lange nach seinem Tod ans Tageslicht kamen. Oder ist es das Internet-kontrollierte Flunkern, an das sich jeder gewöhnt hat? Angela Merkel, Beatrix von Storch, Boris Johnson, wo ist da jetzt der Unterschied?

Kurze Beinchen? 
Das "Hugh, ich habe gesprochen" des alten Indianers reichte meist, um die notwendige Glaubwürdigkeit herzustellen. Heute kann man die Wahrheit oft nicht einmal erkennen. Man muss sie hinnehmen wie sie daherkommt. Der Mond ist rund, aber wen interessiert das? Die Englische Königin sagt nichts. Ist das der Grund, warum sie nicht lügt? Wenn ich amerikanischer Präsident wäre, würde ich das Blaue vom Himmel lügen. Es kümmert sich eh keine Sau darum. Und das mit der Mauer kann ja noch warten.












Sonntag, 11. Februar 2018

Schlunz und Schamhaar.

Neinneinnein! Für die siebenbändige Kinderbuchreihe "Schlunz" bin ich schon viel zu alt. Der kleine Schlunz hat das Licht der Welt wohl um das Jahr 2010 erblickt und, ab etwa 8 Jahren, gar manches Kind mit religiös verzierter Prosa verzückt. Auch die chemischen Rückstände in Glasbehältern, auch Schlunz oder Schlonz genannt, kommen nicht in Betracht. Warum ich Schlunz Schlunz nenne, hängt mit meiner studentischen Vergangenheit zusammen. Im Studentenheim, mit einer Küche auf jedem Stockwerk, gab es immer Gelegenheit, mit Freunden gemeinsam zu kochen. Für den kochenden Studenten, der von Mutters häuslichen Kochkünsten alles andere als gesegnet war, gab es nichts köstlicheres als ein von ihm selbst ausgeführter Schmaus. Meine schwäbischen Freunde nannten das Ergebnis wegen der undurchsichtigen Beschaffenheit manchmal Schlunz. Eine Mischung aus großzügiger Verachtung und still eingestandener Verehrung für etwas Undefinierbares. Schlunz, eben.

Mein Schlunz 
Dabei muss das Festessen entstanden sein, das ich heute noch liebevoll Schlunz nenne: Billig, süß und farbenprächtig. Eine besorgte, liebende Mutter würde auf eine solche Idee einfach nicht kommen. Aber ehemalige Knaben lieben diesen Schlunz bis ins hohe Alter. Deshalb habe ich mir gerade eben mal wieder einen Schlunz, den man gewöhnlich ohne Zeugen verzehrt. Gesundheitliche Schäden scheinen bei mir bis heute noch nicht aufgetreten zu sein. Obwohl, die beunruhigende Häufigkeit des Verzehrs, meinerseits, sie wirft Fragen über Fragen auf. Zuviel Alkohol, der Genuss von Tabak, der ästhetische Farbenmix können den Konsumenten so recht verunsichern. Es wird immer wieder vor Exzessen gewarnt. Dabei wird jedoch der Genuss von Schlunz nicht einmal erwähnt. Es gibt also Menschen, die klammheimlich schlunzen.

Schüssel voll 
Die Kurve, hinüber zum Schamhaar, hat mit Eselsbrücke nichts zu tun. Sie ergibt sich, wenn man, wie ich, gerade einen Krimi liest, der in Island spielt und aus dem Isländischen übersetzt ist. Abgesehen davon, dass zwar ein Mord geschehen sein muss, die Leiche des jungen Mannes unauffindbar ist, wird berichtet, dass dieser sich vor seinem Tod noch ein Schamhaar ausgezupft haben soll. Warum, wird nicht ersichtlich. Skarphéssinn Walgardsson ist das Opfer. Die Anzahl der unaussprechlichen Namen ist eine sportliche Herausforderung. Deshalb liebe ich Island. Vieles bleibt fremd, aber der Verkauf von Hummersuppe gehört zu den Überraschungen, die man dort unbedingt erleben muss. Aber auch das Schamhaar scheint mir, rein literarsch gesehen, das Aufstoßen eines neuen Fensters in der Fantasiewelt des Krimis. Jetzt und heute.

Schüssel leer 
Was ich vergessen habe, ist die inhaltliche Beschaffenheit meines Schlunzes zu beschreiben, denn Nachahmungen sind erwünscht. Man nehme: 500 Gramm fettreichen Joghurt und gebe darüber die im Handel erhältliche rote Kirschgrütze. Vermische beides ohne Hektik zu einer ansehnlichen Pampe, die dann der Einfachheit halber Schlunz genannt werden darf.









Freitag, 9. Februar 2018

Schmutziger Dunstig. Das war gestern.

Da hat man nun, ohne an etwas zu denken, am Schmutzigen Donnerstag mal einen Schlips angezogen, der schon lange im Kleiderschrank geruht hatte. Als Mann von Welt, wenn man genügend Geburtstage hinter sich hat, besitzt man an die Hundert Schlipse, wovon eigentlich nur gefühlte 20% getragen werden.  Die von Oma, die den heranwachsenden Enkel, der bald zum Manne mutieren wird, als Jungmann sehen möchte. Diesen kann man eine betuliche Note nicht absprechen, zumal in der endlich besuchten Tanzstunde alles Grelle oder zu Geschmacklerische echt verpönt war. Also, eine Silbergraue für glänzende Anlässe, eine nicht allzu Erotische mit leicht anstößigen Kringeln und die mit den neckischen Herzchen, die man vielbedeutend umgebunden hat, wenn man einer Schönen schöne Augen machen wollte.

Die Auswahl 
Gestern, das ist mir bekannt, stand auf Schlips die Todesstrafe. Denn, am Schmutzigen Dunstig machen die Frauen kurzen Prozess mit den Herrenschlipsen. Da wird der korrekt gekleidete Mann, Gatte oder Chef gerne symbolisch entmannt. Vielleicht ist es auch eine verschwörerische Sperrmüllaktion, denn Männer kommen selbst nicht auf die Idee, alte Krawatten zu entsorgen. Mir ist diese rheinische Entmannung noch nie passiert, und, seit gut 50 Jahren, trägt auch der Gentleman vom Rhein gerne den löchrigen Pulli mit der total ausgestiegenen Jeans-Hose, die gekonnt quergeschlitzt, an den Knien ihre Zerschlissenheit zur Schau stellt. Ein Schlips, sozusagen noch als männliches Schmuckstück, ist da undenkbar. Da bei uns also nicht nur die Todesstrafe, sondern auch der Schlips so gut wie abgeschafft sind, müssen wir um den geliebten Brauch des Schlipseabshneidens durch wildgewordene Weiber bangen.


Der Schmutzige Donnerstag kann also weiterhin christlich ausgewertet werden, wenn man vorhat, die anschließende Fastenzeit, fleischlose 40 Tage bis Ostern, in etwa zu respektieren. Tofu kann hier gerne als Fleischersatz einspringen, und vegetarischer Aufschnitt hat schon längst die Lyoner, den Fleischkäs und das Saitenwürstchen ersetzt. Wer damit seine Probleme hat, findet meine uneingeschränkte Sympathie, muss jedoch mit seiner Diät selbst zurechtkommen. Da unser Erlöser eigentlich immer im Magerzustand abgebildet ist, darf vermutet werden, dass ihm selbst die Fastenzeit eher unangenehm gewesen wäre.


Da Ostern unaufhaltbar näher kommt, können sich auch diejenigen Männer (und wenigen Frauen), die  noch Krawatte tragen, wieder freuen. Es handelt sich um ein Doppelfest mit zwei geschlossenen Feiertagen. Da lohnt sich das Herausholen eines Schlipses schon. Er kann zur Feier des Tages durchaus noch beitragen. Schwarze Schlipse hingegen wecken, etwa bei Beerdigungen, nur dunkle Stimmungen. Es wäre da vielleicht besser, ganz auf das Krawattentragen zu verzichten. Doch Frauen mit dem Hang zum männlichen Schmuckstück sollen ihre Schlipse durchaus frei und ungezwungen tragen können. Wir Männer sind da nicht kleinlich. Wir scheinen allerdings mit den Jahren die Lust auf Schlipse verloren zu haben.

Der Brexitbinder 
Es gab auch eine Zeit, da wollte die Schlipsindustrie, dass wir den vorgegebenen Moden folgen. Einmal waren sie breit, und kaum zu binden, dann wurden sie wieder schmal wie ein Strich. Sie konnten dann die Linie zwischen Hemd und Knopfreihe kaum verdecken. Beim Speck ansetzenden Mann ist eine Krawatte notwendig, denn sie lässt die Kilos darunter ein wenig verschwinden. Wie immer man es betrachten mag: für einen Schlips ist in unserer Welt hoffentlich immer noch ein Plätzchen übrig.








Mittwoch, 7. Februar 2018

Donald Trump, mal etwas Neues.

Vor kurzem noch habe ich am amerikanischen Präsidenten kein gutes Haar gelassen. Vielleicht war ich etwas voreilig mit meinem Urteil. Wenn sich einer für den größten hält, läuft man ihm entweder hinterher, oder man verteufelt ihn. Doch jetzt ist die Lobesbrigade für Donald Trump voll im Einsatz. Er, steinreich aber ein Idiot? Mitnichten! Hat er nicht gerade etwas gespendet? Erwähnt, dass er mit den Großen dieser Welt auf Du-und-Du steht? Die englische Königin hat er zwar noch nie aus der Nähe erlebt, aber mit etwas Glück kann das ja noch geschehen.


ch rudere also ein wenig zurück: Man kann ihm nicht ohne weiteres vorwerfen, dass er reich ist und schon garnicht, dass er Präsident ist. Man hat ihn gewählt. Die Gelackmeierten sind diejenigen, denen das passiert ist. Das Fürchterliche daran ist, dass es keinen Schutzmechanismus gegen solche Entwicklungen gibt. Ein Bernd Höcke (ich ergötze mich, ihn so zu nennen, weil er das garnicht mag), nach allem, was er schon verkündet hat, wäre ein solcher Katastrophenfall für unser Land. Schon die Erinnerung an den lauthalsen Faschismus der Dreißigerjahre lässt uns schaudern. Das Internet macht heute diese Nullen ausreichend bekannt.

Der gute Bernd 
Von Trump weiß man nur, dass er inzwischen eine gut bezahlte Truppe von öffentlichen Lobhudlern hat, gegen die man nicht angehen kann, weil sie ihr Geschäft verstehen. Also hört man Töne, die eine standfeste Presse früher im Keim erstickt hätte. Doch die Medien, die übrigens nicht gegen Bestechung jeder Art gefeiht sind, sind schon längst unsicher geworden. Erst abwarten und Fehler machen lassen, scheint die Devise, bevor das volle Rohr zum Einsatz gebracht wird. Was diesen amerikanischen Präsidenten angeht, so gilt auch für ihn, dass nicht vollmundige Parolen den Ausschlag zu geben haben, sondern das Werk, das jeder Zeitgenosse mühelos am Geschehen ablesen kann. Wer das komplizierte Hin-und-Her in der Politik kennt, weiß, wie langsam die Dinge vorankommen. Wenn jedoch unterm Strich eine klare Null entsteht, ist Kritik nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Eine klare Null 
Die nächsten Wahlen dürfen nicht einfach herbeigesehnt werden. Sie müssen andere Ergebnisse erzielen. Das ist das Problem. Vor dem stehen wir und wundern uns, welche Nullitäten heute die Stirn besitzen, anzutreten. Wir sind uns immer noch nicht im Klaren, welchen Schaden das mangelnde Interesse des Wählers in den meisten Fällen anrichtet. Das Wort zum Sonntag, meist auch von der Kanzel herab, war nie eine echte Hilfe. Doch die Einflüsse, denen wir heute ausgesetzt sind, können noch viel fatalere Folgen auslösen, wenn wir nicht unseren gesunden Menschenverstand gebrauchen. Für mich ist die Wahl eines Donald Trump keine normale Sache, sondern immer noch ein globales Unglück, das vermeidbar war.  Wer sein Land wieder groß machen will, hat immer noch nichts kapiert.

Montag, 5. Februar 2018

Der Mensch, ein Stück Fleisch?

Ich war außer mir und ließ es auch wissen. Da fällt man im Bad auf den Boden, erinnert sich wenige Sekunden an nichts, hat eine fürsorgliche Frau, die ängstlich nach einer Ambulanz ruft. Wenige Minuten später lande ich auf einem Korridor in einem Krakenhaus und warte. Einige Stunden vergingen schon, bis man mich zu einer Blutabnahme wegtransportierte. Kurz danach fand ich mich wieder im Korridor und wartete. Inzwischen war der Nachmittag angebrochen, das Personal hatte längst Mahlzeit gehabt, und ich lag unbeachtet auf meinem Bett. Statt die Menschen im Korridor (ich war nicht der einzige) auf ein Glas Wasser einzuladen, oder mir zu erklären, dass ein unerklärlicher Notstand ausgebrochen sei, wurde ich systematisch missachtet. Keinerlei Erklärung.


Donald Trump hätte die am Empfang darbenden Hilfskräfte vielleicht zum Einsatz gebracht, jemand abgestellt, um Optimisus zu verbreiten oder das Krankenhaus kurzerhand aufgekauft, um es obdachlosen Migranten anzubieten, aber nein, ich wurde am Nachmittag nocheinmal blutuntersucht, ein vorläufiges Ergebnis, das sich schließlich als harmlos herausstellte, wurde mir gegen 22 Uhr zuteil, kurz bevor ich den Beschluss fassen konnte, einfach aufzustehen, mit meinen Puschen sockenlos den Korridor zu verlassen und nach Hause zu gehen.


Inzwischen konnte ich feststellen, dass mein gesamtes Bargeld aus der Börse geklaut war. Ich hatte die Diebe noch gesehen, war jedoch zu müde und unsicher. Konnte es auch nicht glauben. Wer denkt schon an Diebstahl, wenn er ungefähr 12 Stunden auf Korridoren herumliegt und auf Behandlung wartet. Eigentlich sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt den beiden Verdächtigen eine Falle stellen, um sie zu überführen. Zu viel Mühe für miese kleine Krankenhausdiebe, die nur leugnen können sonst nichts. Ich warne nur. Nie auch nur einen Pfennig unbewacht lassen. Anzeigen machen nur den Ruf eines Krankenhauses schlecht. Neben noch mehr Bürokratie ist nichts zu erwarten.


Irgendetwas ist faul in einem Land, in dem ein Versicherter, der auch noch gesalzene Rechnungen zu begleichen hat, wie ein Stück Fleisch abgestellt wird. Die totale Entmündigung des Menschen sollte seit dem Dritten Reich überwunden sein. Wie mag es da Menschen ergehen, die jede Pflege benötigen. Ich selbst möchte nicht zu den Meckerern gehören, die an allem etwas auszusetzen haben. Gewisse Notstände, wenn sie glaubhaft erläutert werden, können erduldet werden. Aber, wer es sich zu leicht macht, hat keine Rücksicht verdient. Einen Menschen, der nicht leidet, einen ganzen Tag auf Kranenhausgängen herumliegen zu lassen, ist unmenschlich. Und gegen die bekannte, unanastbare Menschenwürde.

Um die ganze Wahrheit zu sagen: das Gleiche passierte mir schon vor Jahren. Das Krankenhaus war dasselbe. Jetzt ist mir der Kragen geplatzt. Zurecht. Auf das Offenburger Krankenhaus werde ich künftighin gerne verzichten, wenn mein Gesundheitszustand dies erlaubt. Solche, die es geheilt verlassen, kann ich nur beglückwünschen.











Dienstag, 30. Januar 2018

Das Schiff

Spätestens am dritten Tag auf hoher See fragt man sich, warum? Die Welt besteht aus Himmel und Wasser, Frühstück und Abendessen. Und etwa 3000 Seetüchtigen, die im Voraus bezahlt haben. Das Schiff ist riesig. Die 3000 verteilen sich gerecht auf den 10-12 Decks. Das Essen an Bord (wo denn sonst?) ist mit langen Märschen verbunden, dafür jedoch meist ganz passabel.


Ob von diesen 3000, von denen einige recht hinfällig daherkommen, einige bereits verstorben sind? So ein Schiff birgt allerhand Geheimnisse. Wer beim Anlegen dieses Transportmittels zuschaut, entdeckt diskret vorfahrende, neutrale Limousinen, deren Inhalt unsichtbar bleibt. Nun, man muss ja nicht gerade immer auf das Vergängliche unseres Daseins hingewiesen werden. An Bord sterben mag sogar der Herzenswunsch des einen oder anderen (gewesen) sein. Die meisten wollen jedoch genießen.


Für die Passagiere gibt es sogar Sportanlagen, Pools, Unterhaltungszentren wie Kinos, Tanzflächen und sonstiges. Sicher kann man sich auch ein amouröses Abenteuer gönnen, wenn man alleine an Bord ist und die Überzahl an beleibten Körpern und deren Betagtheit keine Schrecken einjagt. Ein besonders eifriger Herr mit silbernem Gehänge um den schönen Hals und ausgesuchten Klamotten schwänzelte auffällig elegant um die Damen herum und führte immer wieder eine neue aufs Parkett. Wie so etwas endet, kann man sich nur schwer vorstellen.


Ein Riesenschiff also, auf dem man sich sowohl leicht finden, wie ebenso leicht verlieren kann. Ich hatte einen netten Herrn in ein Gespräch verwickelt, nachdem ich ihn zum zweitenmal zufällig angetroffen hatte. Dann, nie mehr, obwohl ich des öfteren nach ihm Ausschau hielt. Das Schiff war einfach zu groß. Der Herr für immer verschwunden.


Auch das Meer ist groß. Es scheint endlos. Man starrt in den wolkenverhangenen Himmel. Dann wieder auf die Wasserfläche herab. Ein heimatliches Gefühl kann da nicht aufkommen. Doch eine Woche bedeutet viel Abschied, man hat vergessen, von wo? Kann es sein, dass der Reiz des Meeres darin besteht, sich irgendwo zu befinden, ohne zu wissen, wo? Manche schwärmten vom unendlichen Sternenhimmel. Bei dieser ganzen Seefahrt habe ich keinen einzigen Stern gesehen. Das Universum blieb mir ein Buch mit sieben Siegeln.

Sonntag, 28. Januar 2018

Brigitte, was tust du da?

Lass mich raten: du denkst dir wieder ein Mordopfer aus, oder auch zwei, schreibst einen badischen Krimi und freust dich, wenn jemand deine Spitzenköchin, Katharina Schweitzer, quicklebendig in ihrem Lieblingsort Fautenbach (oder in Köln) beim Spitzenkochen überrascht. Ich habe deinen Bibbeleskäs gerade angefangen, zu lesen. Erwarte also nicht, dass ich den Mörder verrate. Das würde ich nie tun, außerdem kenne ich ihn oder sie noch nicht.


Dass du Brigitte Glaser bist, die badische Autorin, die auch mit Köln herumflirtet, weiß ich schon lange. Schließlich habe ich von dir auch schon die Mordstafel, die Eisbombe und Himmel un ääd gelesen. Kannst du mir erklären, wie ich mich davon abhalten kann, zumal als leidenschaftlicher Badener, ein haltloser Fan von dir zu sein?

Bei dick gewordenen Frauen sagt man: sie ging auf wie eine Dampfnudel

Die meiste Zeit meines vorgerückten Lebens (nein, ich habe Adolf Hitler nie persönlich gesehen, aber seinen blöden Gruß mit dem erhobenen Arm mit kindlichen Augen betrachtet) lebte ich fern von Fautenbach, an dem ich jetzt auf meinem Weg von Achern nach Oberkirch gelegentlich vorbei komme, und zwar in verschiedenen anderen Ländern. Dabei fallen mir ein: Frankreich, die Schweiz, Zypern, Österreich und England. Jetzt wieder im Badischen mit meiner englischen Frau, die sehr wohl verstanden hat, dass es auf dieser Welt keine Badenser, sondern nur Badener gibt. Köln wäre für mich nie infrage gekommen. Auch Düsseldorf nicht. Dort sagt man Badenser.


Ich mag dein aus dem Badischen entnommenes Hochdeutsch. Und die geschmacklich gekonnte Mischung aus Sex und Feinschmeck. Gerade ist eines unserer kochenden Vorbilder in die ewig singenden Jagdgründe hinübergewechselt. Auch himmlisches Kochen ist nicht verboten, raunt jetzt unser Paul Bocuse und schwingt den Löffel im Jenseits. Gott labe ihn selig. Dass du dich jetzt auf ein Kochduell mit den rechtsrheinischen Kochspitzen einlässt, ist ganz normal, liebe Brigitte. Meine Hochachtung für das Gewerbe ging mir in meiner Zeit in Paris etwas abhanden. Da wird auch nur mit Hühnerbrühe gekocht.


Also, Brigitte, ein gutes Essen, verzehrt mit einem schnuckeligen Mord, kann den Appetit nicht verderben sondern nur anregen. Man lege die Überreste einfach an den Tellerrand und mache ein pietätvolles Gesicht. Ich hoffe, dass du, etwa wie einst unser schreibfreudiger Freund Karl May,  auch weiterhin schriftstellerisch tätig bleibst und dich deiner wachsenden Anhängerschaft erfreust. Jetzt mache ich mich an den Bibbeleskäs, wovon ich jahrelang nichts mehr gehört habe, weil er sich ganz hochnäsig in Quark verwandelt hat. Wenn du willst, liebe Brigitte, erzähle ich dir später, wie mir der Bibbeleskäs geschmeckt hat. Und, warum hast du mir nichts über deinen Ecki-Schmerz erzählt?





Samstag, 27. Januar 2018

Ja, der Herr Doktor!

Es geht mir nicht um den reinen Doktor-Akademiker, den man sich per Doktorarbeit womöglich recht sauer verdienen muss. Es gibt sie zuhauf, diese Arbeiten. Manche drehen sich um das Liebesleben der Ameise, andere um etwas noch viel Wüsteres. Für Akademiker beiden Geschlechts ist der Doktortitel ein wohlgelittener Zierrat am zuweilen unspektakulären Familiennamen.

Patentrezept 
Es geht mir um den Doktor, der für gesundheitliche Probleme zuständig ist und auch nicht leicht zu erwerben. Er kann nicht alles wissen, deshalb ist es wichtig, dass der Patient ihm möglichst alles sagt und der Arzt möglichst viele Fragen stellt. Seine Doktorarbeiten beschränken sich oft auf ein selbst erforschtes Minimum. Etwa: Spätfolgen bei unsachgemäßem Blutaustausch bei Säuglingen. Die praktische Erfahrung kommt dann nach und nach dazu und hat mit dem Thema der oft kurzen Dissertation nicht viel zu tun.

Gesund essen? 
Die Erfahrung ist es, die den Doktor zum Arzt macht. Deshalb können auch ältere Damen mit ihren Hausrezepten gut als Hobbyärztinnen durchgehen. Ihre Erfolge, vor allem, was die Wehwehchen von Kindern betrifft, können sich gerne sehen lassen. Da der Tee in seinen unzähligen Erscheinungsformen ein Allerweltsheilmittel zu sein scheint, hat die Oma mit ihren Patentlösungen oft mehr Erfolg als der diplomierte Doktor.

Tasse Lindenblütentee? 
Bei der Anwendung von Radikalkuren hat schon mancher Doktor seinen guten Ruf verloren. Es sei denn, er kann nach schmerzreichen Prozeduren einen durchschlagenden Erfolg erzielen. Dabei kommt es dem Arzt nicht auf sensationelle Heilungen an, als vielmehr auf folgenloses Wiederherstellen des ursprünglichen Gesundheitsbildes. Der dankbare Blick des Geheilten, der sich auf den bescheiden lächelnden Wohltäter richtet, ist dann nicht zu übersehen.

Gesundheitssymbol 
Wo auch gestandene Ärzte kaum etwas zu sagen haben, ist die oft uneingestandene Selbstheilung des Patienten. Meine Mama hatte den Dreh heraus. Wenn der Kleine krank war, wurde er ins Bett gesteckt. Er schlief lange und tief. Dann wachte er gesund wieder auf. In vielen Fällen funktionierte das, und Arznei blieb unangerührt am Bett stehen. Man sprach dann gerne von einem Wunder. Ein schöner Beruf ist das, wenn man die Kräfte der Natur zu seinen Komplizen machen kann. Es lebe der Doktor, wobei rein statistisch die Frau Doktor zuerst zu nennen wäre.







Freitag, 26. Januar 2018

Wer über Jahre hinweg gebloggt

dem fällt dann auf, dass ihm nichts mehr einfällt. Einfältig also? Nun, die grauen Zellen werden nicht grauer, und auch nicht schlauer, höchstens, auf die Dauer, etwas mau-er. Hat nichts mit Trump und Mexiko zu tun. Obwohl, wer bedenkt, dass von diesem geltungssüchtigen Krösus immer wieder Reaktionen ausgehen, der schaut gelegentlich doch hin, in der Hoffnung, etwas Neues zu entdecken. Wenn da nichts mehr kommt, ist der Ofen aus. Ist er aber nicht.

Ofen aus? 
Doch die Mitteilungsindustrie läuft auf Hochtouren. Hat da nicht einer zum ersten Mal auf einem Planeten Zwillinge gezeugt? Ein echtes Novum. Oder in der Antarktis eine Eisdiele eröffnet? Schon Franz Josef Strauss, ein widerliches Urgestein aus Bayern, der es nicht schaffte, die Bundesrepublik auszulöschen, oder gar Bundeskanzler zu werden, schwärmte davon, in der Antarktis Kühlschränke anzubieten. Ob Fake-News oder nicht, viele Bundesbürger mussten sich das damals anhören. Heute stören solche Geschichten niemanden mehr.

Landläufige Einfalt? 
Die landläufige Einfalt glaubt bis zu 30% jeden Unsinn. Wenn er noch wissenschaftlich untermauert ist, sind es schon 60%. Das reicht für eine Mehrheit. Die AfD, die einen Bekanntheitsgrad von schätzungsweise 75% erreicht hat, missversteht das schon als Wahlergebnis und freut sich auf ihr gefühltes Führungspotenzial. Dabei haben wir noch immer nichts von einem Politprogramm gehört, das den Bürger (das sind wir!) liebevoll in künftige Unternehmungen einbettet. Eine Mehrheit, die lediglich eine gefühlte ist, ist das Wasser nicht wert, in dem sie hin- und hergeschwenkt wird.  Habe ich mich bezüglich der AfD genügend unklar ausgedrückt? Was sie will, ist doch, das Rentenalter zu erhöhen. Wie finden wir das?

Renten - Alter? 
Den armen Schwulen gönnen sie oft ihr schmerzlich erkämpftes Privatleben nicht. Doch bleiben sie tolerant gegenüber den verquasten Erinnerungen der Dreißigerjahre. Nostalgie als geschichtliches Erbrechen. Dabei ist schon der elektronische Anblick eines "Bernd" Höcke schlimm genug. Doch, die Verschmutzung des Internet ist noch nicht soweit vorgedrungen, dass eine, wenn auch, bescheidene Selbstreinigung stattfinden könnte. Es muss darauf gewartet werden.

Selbstreinigung? 

Warum eigentlich nicht? 
Seit 2010 blogge ich fast jeden Tag. Über Albernes, Ernstes, Eingebildetes und Wirkliches. Das Internet hilft, weltweite Meinungen zu bilden, die entsprechend immer differenzierter werden, wobei der eigentliche Radikalismus überhaupt nicht verschwindet. Das zu akzeptieren führt zu einem neuen Verständnis von Toleranz. Lassen wir uns das nicht nehmen. Der neue/alte Patriotismus ist nur eine milde Form des Erbrechens. Er riecht übel, wird aber immer wieder ältlich mit den Jahren und unappetitlich. Die Rechte, die sich selbst für rechtens hält, ist das Abgestandene an der Geschichte. Seine eigene Welt zu lieben, kann jedoch kein Patriotismus sein. Es ist eine jener Schwächen, auf die wir nicht verzichten können.