Samstag, 9. Dezember 2017

Toilettenflug Manchester - Wien

Die fliegenden Toiletten von Austrian Airlines verdienen,  erwähnt zu werden. Wo soll man da beginnen? Der Bekanntheitsgrad dieser himmelwärts orientierten Kloanlagen ist noch gering. Es war eine Tagereise von Yorkshire nach Wien, obwohl die Bahnreise nach Manchester nur etwa 1 Stunde dauern sollte,  der Flug nach Wien etwa 2 Stunden und die Taxifahrt zum Hotel etwa 40 Minuten. Um das Wichtigste vorwegzunehmen, ja, Cath und ich kamen zum Abendessen im Hotel nh an, hatten nach vielen Jahren ein echtes Wiener Schnitzel von der Tellerrandgröße, denn wir hatten den ganzen Tag nichts gegessen.


Das Unglück begann, als bei 2 Minus, sich eine satte Schneedecke auf unser Auto gelegt hatte und der Taxifahrer sich weigerte, uns zum Flughafen zu bringen. Also wurde unser eigenes Auto freigekratzt, damit wir nach Manchester fahren konnten. Der Dauerparkplatz im Freien wurde gefunden, und der Zirkus zum Einbuchen begann. Eigentlich kennt man die Langsamkeit mit der das geschieht, schon lange. Dass man jedoch von der Gürtelabnahme und anderen Sicherheitsprozeduren bis zum heiß ersehnten Start über 3 Stunden warten musste, war ungewöhnlich.

Es wienachtet sehr 
Und das kam so. Piloten sind meist männlich, meist beherrschen sie neben ihrer Muttersprache auch Englisch, und wenn es um heikle Dinge geht, benehmen sie sich wie normale Menschen. Wir, als Fluggäste, wissen das. Der Pilot ersuchte uns in wienerisch gefärbtem Deutsch und ebenso gefärbtem Englisch um Verständnis für die nicht funktionierende Toilettenanlage, die wir als gerade seßhaft gewordene Fluggäste noch nicht inspiziert hatten. Nach 2 Stunden wuchs jedoch das Interesse an den Kloanlagen, zumal der eine oder andere einen wunderlichen Drang zu den Latrinen verspürt haben mag. Der Pilot versuchte weiterhin, uns bei Laune zu halten, indem er die neuesten Entwicklungen in Sachen Lokus bekannt gab. Der Bordcomputer hatte das Funktionieren der Anlage angezeigt, nicht aber das Vorhandensein von Spülwasser.


Das schnell erstellte Notprogramm erlaubte dann bis höchstens 7 Personen zum Urinieren von Bord gehen zu lassen, natürlich ausgerüstet mit Pass, und Flug- sowie Bordkarte. Also, der gesamte bürokratische Aufwand, der zur Erleichterung manchmal nötig ist. Wieviele das Angebot in Anspruch nahmen, hat wohl nur der Bordcomputer festgehalten. Die Verspätung hatte unter 3 Stunden zu bleiben, damit die Fluglinie keine Kostenerstattungen vornehmen musste. Dunkel war es jedoch schon, als die Maschine unter fürchterlichen Turbulenzen schließlich landete.




Beim Wiener Schnitzel bediente uns ein junger Mann, der sich sofort als Bayer zu erkennen gab, und als Weinkenner. Wir hatten zum Abschluss eines endlosen Reisetages unterhaltende Minuten mit einem Menschen, der auch unser Freund hätte sein können und den wir wohl nie mehr wiedersehen werden.










Donnerstag, 7. Dezember 2017

Woran merkt man es???

Dass man älter wird? Es gibt gesegnete Senioren, die auch noch behaupten, das Toupet des amerikanischen Präsidenten sei nicht echt, und denen die Zahl ihrer Enkel momentan entglitten zu sein scheint. Sie mögen in einem Zustand leichter Benommenheit ihr nicht immer gesegnetes Alter erreicht haben,  ihre Enkel haben es ohnehin nicht gemerkt. Trump gehört tatsächlich zu den wenigen Lebenden, denen man ihre generelle Losigkeit ansieht: Geist-, Geschmack-, Takt- und Lieb-

Trump erfolgreich angelächelt 
Ein richtiger Senior (oder Seniorin) hat sich die sichtbare Würde des Alters irgendwie erkämpft oder verdient. Man muss nicht genau hinschauen, um den Karriereknick, das Hypophysenadenom, die Liebeskatastrophe und andere Schicksalsschläge am faltigen Gesicht abzulesen. Angela Merkel muss da noch warten. Ihr Donald-Trump-Lächeln sprach zwar Bände, doch damals hatte der Jerusalemspezialist noch keine Ahnung von germanischen Hirnwindungen.

Angela, your smile... 
Woran man es merkt? Wenn du dreimal hintereinander über einen nicht sonderlich großen Stein gestolpert oder gar jämmerlich gestürzt bist, hast du nicht nur wochenlang über die Hüfte oder den Po zu klagen, nein, du hast deine Lektion gelernt: vorsichtig treppauf, treppab ist das Mindeste, an das du dich gewöhnen musst. Altersvorsorge? Vielleicht einen Spazierstock? Krücken? Rollstuhl? Die Bewegungsskala scheint von nun an offen wie ein Hühnernest.

Brigitte Bardot, das Lächeln des Front National 
Bei vielen meiner Altersgenossen setzt ein beruhigendes Alterslächeln ein, bar jeden drohenden Untertons. Vergessen wir nicht, dass die englische Königin auch schon 92 ist. Oder bin ich um ein unnötiges Jahr vorausgeeilt? Von Rollstuhl hat man da gottseidank noch nichts gehört. Ich gehe allmählich davon aus, dass die Altersfrage im Wesentlichen ein Problem der Jüngeren ist.

Die Erfindung des Schießpulvers 
Gerne hätte ich gewusst, wie ein Chinese mit dieser Sache umgeht. Doch vielleicht bin ich schon zu alt, um das noch herauszufinden. Jahrhundertelang haben wir von Chinesen als den Erfindern des Schießpulvers gewusst. Dann erfand ein deutscher Mönch namens Bertold Melanchton (=Schwarzerd) das Pulver nocheinmal. Zum Segen aller, die daran sterben wollten. Doch heute wird auch aus allerhand anderen Gründen gestorben. Hohes Alter scheint kein besonderer Grund mehr zu sein. Leute wie dieser Donald Trump werden mit etwas Glück und Geld auch dieses Rätsel noch knacken.




Mittwoch, 6. Dezember 2017

Doktorhut und Stöckelschuh - Bradford University.

Niemand behauptet, das würde nicht zusammenpassen. Im Gegengteil, nachdem ich heute in der schönen englischen Universitätsstadt Bradford die feierliche Überreichung von Dutzenden von Doktortiteln, Ehrendoktoren und Masterdiplomen an Studierende aus der ganzen Welt miterleben durfte, weiß ich, wie sehr die Engländer an der Akademisierung ihres Lebens hängen.


Der Saal war gespickt mit Jungakademikern und deren Familien. Ein wahres Spektakel. Wer den Doktorhut erwartete, hatte einen roten Talar mit viel Gold umhängen, doch die Mehrheit wartete auf die Ehrung für den Mastertitel, ebenfalls mit Doktorhut, dazu ein schwarzer Talar mit gelber Einlage.
Malerischer ging es nicht.



Auch die Unikanzlerin, sowie Vizekanzler, manche Professoren und das Unipersonal gaben sich bunt.  Die Reden und musikalischen Einlagen sorgten für die notwendige Feierlichkeit. Kein Wunder, dass der bekannt hohe Frauenanteil höchst auffällig in zwei Lager zerfiel: die einen machten mit ihrem Fußschmuck wenig Aufhebens, die anderen hingegen fielen durch zierliche Stöckelschuhe auf, sozusagen, das Neueste auf diesem Gebiet. Doch die feierliche Bestallung zum Master of Arts  durch die Universität war der Hauptanlass für die knapp unter 200 Anwärter, die sich jetzt zurecht akademische Würdenträger nennen dürfen.





Cath gehörte zu den älteren Studenten. Ihr Studiengebiet ist die Konfliktbewältigung (Conflict Resolution) über die sie ernsthaft nachgedacht und die sie mit Auszeichnung sehr erfolgreich abgeschlossen hat. Das Zeremoniell dauerte entsprechend lange, dafür findet es nur einmal im akademischen Leben statt.









Sonntag, 3. Dezember 2017

Auf der Insel begraben.

Hier, im fernen Nordengland, fällt mir der Name eines Freundes ein, von dem ich schon sehr lange nichts gehört habe. Mein letzter Anruf, vor etwa 15 Jahren, traf ihn mitten bei der Arbeit. Kurz und herzlich, es gab unendlich viele Anlässe zur Erinnerung. Es wurde viel gelacht und Blödsinn veranstaltet. Freiburg war der Ort, wo wir uns zuletzt sahen. Er war Arzt und auf dem Wege zu einer zweiten Heirat, die ich aus vollem Herzen gutheißen konnte. Seiner ersten ehelichen Bindung konnte ich noch als Trauzeuge beiwohnen. Dann kamen die Jahre, in denen der gelegentliche Gruß hin- und herwanderte. Mehr nicht.

Friesische Karibik??? 
Er in der Nähe von Flensburg, ich an verschiedenen Orten (Paris, Schweiz, Zypern, Straßburg, Wien). Über einen gemeinsamen Freund aus Schleswig-Holstein, hielten wir eine Art lose Kontaktlosigkeit, nur gerade mal wissend, wo der andere steckte und was er tat. Manchmal kann das genügen, total aus dem Auge muss man sich deshalb nicht verlieren. Wie gesagt, unser letztes Telefongespräch traf uns an verschiedenen Orten, er im Norden, ich im Süden. Bald versanken die Abende, wo wir unendlich viel tranken, meist guten Wein, in einer komatischen Erinnerung. Das Klauen von Kirschen im Kaiserstuhl, war damals bei Freiburger Studenten teil ihres akademischen Tuns. Eine schöne Zeit. Und natürlich auch eine Erinnerung.

Die Jahre des Rückzuges aus dem Berufsleben waren wie ein Neubeginn. Man lässt vieles zurück, verabschiedet sich von manchem. Beginnt vielleicht ein neues Leben der Muße und des Reisens. Statt Kirschen, die es in Yorkshire nicht gibt, knackt man süße Äpfel, was als Genuß überaus akzeptabel ist. Freunde verschwinden irgendwie. Von manchen hört man nie mehr etwas. Andere tauchen nach Jahrzehnten wieder auf und verkünden dir mit ihren Falten, wie alt du geworden bist.

Kirsche im Kaiserstuhl 
Mein Freund, der zuletzt noch als Arzt im Norden tätig war, fiel mir plötzlich wieder ein. Sein Name ist unvergesslich: A.J.A. Meine Neugier ließ mich googeln, denn seine Telefonnummer schien mir etwas veraltet. Das Schöne an Google ist, dass man die ganze Welt aufrufen kann, wenn man an etwas interessiert ist. Doch auch der Schock läuft oft über Google. Bei der Suche nach Arfst-J. A. stieß ich sofort auf einen Grabstein. Find A Grave Memorial, hieß es da in einer Sprache, die wirklich nicht notwendig war. Arfst, Du lieber Freund, Du bist im Jahr 2011 von uns gegangen. Niemand hat es mir gesagt. Deine Lieblingsinsel war immer Föhr, ganz oben im Norden Frieslands. Die friesische Karibik, immer etwas unterkühlt.




Samstag, 2. Dezember 2017

Schwarzwald, zwei Jahre ohne dich!

Das zweite Jahr in Yorkshire, auf dem Land, nicht weit von Manchester, der Stadt mit dem Flughafen, die den Männern die Cordhose überlassen hat, ein Kleidungsstück, das der Erzfeind der Jeans zu sein scheint, der Nietenhose. Dieser Ausflug in Hosen scheint mir notwendig, denn es ist wieder sehr kühl geworden, und meine Cordhosen hängen immer noch in unserem Haus im Schwarzwald. Um dem eiskalten Wind hier entgegenzutreten, ziehe ich den kiloschweren Pullover an, unter den ich noch ein wollenes T-Shirt ziehe. Dann denke ich an meinen Schwarzwald.


Dort weiß man: wenn er kommt, dann kommt er, der Winter. Frostnächte, die es im Norden Englands kaum gibt, sind im Schwarzwald an der Tagesordnung. Sie künden sich an, während die Herbstsonne noch freundlich blinzelt. Was ich jedoch an meinem Lieblingswald am meisten schätze, sind die oft etwas verfrüht vollgeschneiten Tannen. Und schnell gibt es wieder einen blauen Himmel.


In Yorkshire gibt sich der Himmel oft bescheiden. Ein verschämtes Grau (verun)ziert ihn allzu oft. Das erschwert es dem Naturliebhaber, sich Hals über Kopf in Wälder und Wiesen zu verlieben. Und Mannheim, um nur eine Großstadt in Süddeutschland zu erwähnen, gilt auch nicht gerade als das Mekka unter den Städten. Dafür liegt es auch genügend weit weg vom Schwarzwald. Das Land, wo einst die berühmten Bronte-Schwestern sich literarisch umtaten, ist halt nicht mit dem Schwarzwald zu vergleichen. Dafür bietet es heideähnliche Landschaften, deren leicht lila schimmernde Auen den Betrachter in nostalgische Erregung versetzen können.


Was mich an den geliebten Schwarzwald denken lässt, ist die hemmungslose Blüte der Pflaumen-Kirsch- und Apfelbäume, die auch unsere Freunde aus Holland und Belgien immer wieder anlockt und bezaubert. Trost für die im Norden Festsitzenden: der allenthalben käufliche Brüsseler Paté, eine schmackhaft hergestellte, streichfähige leberwurstähnliche Masse, mit der ich genussvoll mein Frühstück beginne. Cathie hingegen nimmt dazu täglich aufs Neue deutlichen Abstand.


Ich weiß genau, dass unsere Heimkunft in den Schwarzwald uns sofort die herbe Erinnerung an das Nordische in Erinnerung bringen wird. Dann werden wir uns wieder warm anziehen und dem Nachbarkater Arthur und seinem Freund Norman einen längeren Besuch abstatten.

Arthur 











Freitag, 1. Dezember 2017

Der dreifache Doktor.

Den hatte Cathies Vater. Alle in England ehrenvoll erworben. Warum es drei Doktorate sein mussten, hat sich niemandem erschlossen. Nicht ein einziges Mal benutzte er diese Titel. Als ich beim Südwestfunk in Baden-Baden als freier Fernseh-Reporter begann, war ich von Doktoren umzingelt, die alle auf ihren Chefposten saßen und, außer einem erfahrenen Rundfunkmann, der das nicht nötig hatte, den begehrten Titel trugen. Jemand sagte, wenn du hier etwas werden willst, brauchst du den Titel. Damals wollte ich nichts werden und hatte genug Zeit, um eine Dissertation zu beginnen. Das macht nur Sinn, wenn man diese dann auch beendet. Sie wurde beendet. 120 Seiten. Veröffentlicht und von historischer Bedeutungslosigkeit.


Dann kam die Zeit, wo Bewerbungen nötig waren. Stolz setzte ich meinen Doktor darunter. Bis mir das zuviel wurde. Mein Stolz sagte mir dann, es kann auch ohne gehen. Ging auch. Wenn sie deine Papiere sehen, fragt dann schon mal der eine oder andere: sind sie Arzt? Mein Nein klang immer etwas entsetzt, denn wenn ich mir vorstellte, ich sei Arzt, kam ich ins Schwitzen. Ich und Arzt, wo ich schon Schwierigkeiten habe, meine eigene Leber zu orten und von Krankheiten keine Ahnung habe.

Dr. T.? 
Bei Donald Trump wäre ein Doktortitel allerdings eine ganz nützliche Sache gewesen. Man hätte in ihm den Akademiker erkannt. Dr. Trump selbst hätte sich wahrscheinlich diese Mühe nicht gemacht. Mein damaliger Wunsch-Doktor-Vater wollte, dass ich mindestens 4 Jahre für diesen Aufwand ansetze. Ich hatte diese Zeit nicht und schaffte es mit 2 Jahren. Ein Kinderspiel war es nicht. Mein Freund Michael V. hatte vor Jahren eine Studie unternommen, um zu zeigen, wie leicht man mit Geld an einen Doktortitel kommen konnte. Die Vereinigten Staaten waren auf diesem Gebiet Spezialisten. Ich wäre erschüttert, wenn uns Donnie da nicht zugegriffen hätte. Doch er war schon immer zu reich, und sein Verhältnis zur Wahrheit würde ohnehin durch solche Fragen nicht berührt werden.

Dr. von und zu G.? 
Doch, im Ernst, solche akademische Titel können durch eine Spende, etwa an eine kirchliche Einrichtung, erworben werden. In den USA soll der "billigste" Dr. h.c. für 39 Dollar erhältlich sein. Auch einen satten Professor kann man sich einkaufen. Ärgerlich ist allerdings, dass auch Minister , die zurücktreten mussten, und sonstige Promis sich mit diesem Schabernak schmücken, während die echten, akademischen Titelträger jahrelang schuften, lesen und schreiben, und das Ganze (in Deutschland) auch noch beurteilen lassen mussten. Und, ich glaube mich zu erinnern, in 200facher Ausfertigung mussten die Dissertationen für die Unibibliotheken zur Verfügung gestellt werden. Also: Das Liebesleben der westlichen Twitterameise im 2. Jahr des Klimakteriums. Wie finde ich das? Akademisch.







Donnerstag, 30. November 2017

Das Geschäft mit dem Geschäft.

Auf der türkischen Seite von Zypern, der immer noch und ewig geteilten Insel im Mittelmeer, befindet sich ein Ruinengelände mit den Überresten einer römischen Siedlung: Salamis.  Von Erdbeben zerstört, ein paar Kilometer östlich von Famagusta, teilweise vom Meer überspült. Ein faszinierender Ort, denn die Spuren der Geschichte sind nur etwas verwischt. Jahrhundertelang war die Stadt vom Sand bedeckt, sodass allzu heftige Plünderungen nicht stattfinden konnten.

Die Ruinen von Salamis 
Salamis ist als ein Juwel bekannt, das unter anderem die Reste einer kollektiven, sagen wir mal, Herrentoilette beinhaltet, was man an den kreisrund angeordneten Sitzflächen für Geschäftemacher erkennen kann. Die alten Römer pflegten sich kollektiv zu erleichtern. Während sie sich fröhlich miteinander unterhielten, machten sie gleichzeitig ihre Geschäfte. Business as usual, auf Lateinisch. Heute hat das Wort Geschäft nichts mehr Anrüchiges, obwohl manche sich durchaus schämen könnten, für ihr Tun.


Damit das Geschäft nicht allzusehr zum Himmel stank, sorgte eine mit frischem Wasser versehene, unterirdische Rinne dafür, dass die restlichen Geschäfte weggespült wurden. Wenn also Donald Trump, oder andere namhafte Geschäftemacher sich die Hände waschen, kann davon ausgegangen werden, dass es wieder Transaktionen größeren Ausmaßes gegeben hat. Wenn der Kleine sich von seinem Töpfchen erhebt, mit dem triumphalen Spruch: Mama, ich habe fertig, darf das nicht unterschätzt werden. Es ist nichts anderes als der Beginn einer erfolgreichen Geschäftemacherei.


Der Trumptower in New York erscheint also plötzlich im neuen Licht. Ein äußeres Zeichen für wichtige Geschäfte. Andere sind da etwas diskreter. Man merkt es kaum, wenn sie etwas in die Welt setzen. Doch, manchmal riecht man es schon kilometerweit. Werden deshalb über Weihnachten die Geschäfte geschlossen bleiben?

Mittwoch, 29. November 2017

Das Umdenken - wie geht das?

Eine meiner ersten Erfahrungen im Leben war, dass ich das Pferd für den Mann der Kuh hielt. Auf dem Land, oft bei armen Bauern, konnte man Gespanne mit Wagen (Heuwagen?, Strohwagen?, Leiterwagen?) beobachten, die von einer Kuh und einem Pferd gezogen wurden. Ich fand das ganz familiär, geradezu harmonisch. Als Kind zieht man so seine Parallelen, und wer nicht alles mühsam und neugierig erfragt, bleibt lange auf seinen Irrtümern sitzen.

Ihr Mann sitzt in der Kneipe 
Als meine Oma einmal wütend ausrief, "dieser Hitler ist ein Teufel", da glaubte ich, den Hitler zu kennen, aber nicht den Teufel. Beiden war ich noch nie begegnet. Aber, von da an wusste ich, dass dieser große Führer kein großer Führer war. Ich behielt für mich, was Oma gesagt hatte, und was ich vom Führer zu halten hatte. Einmal hörte ich den Führer im Radio sprechen, nein, er brüllte nur. Da glaubte ich zu wissen, dass man brüllen muss, wenn man sich durchsetzen wollte. Viel viel später hatte ich mal einen Chef, den ich fast verehrte, weil er - wenn auch manchmal mit bedrohlichem Unterton - nie schrie, sondern ganz leise sprach. Ich musste wieder einmal umdenken.

Er hat gerne gebrüllt 
Als Knabe verehrte ich von Anfang an alles was weiblich war. Großmütter, Mama, Tante und sonstige Frauen waren für mich höchste Autoritäten. Wenn Hitler, oder viel später, Konrad Adenauer oder der Papst eine Frau gewesen wäre, hätte sich die Welt anders gedreht. Ein Umdenken wäre für mich nicht nötig gewesen. Ich hatte immer eine halbe Weiblichkeit in meinem Kopf und fühlte mich damit wohl.
Halbe Weiblichkeit im Kopf 
Dass mit der Männlichkeit etwas nicht stimmte, erkannte ich schon ganz früh, denn außer meinem Vater, wenn er mir den Kleinen Lord vorlas, habe ich nie einen Mann weinen sehen, geschweige denn, schluchzen. Das Ganze muss irgendwie einen sexuellen Hintergrund gehabt haben. Ein Mann weint nicht, hieß es. Ich konnte zusammen mit Papa (und der kleinen Schwester) hemmungslos aufheulen, bis das Umdenken einsetzte. Mama hat fast nie geweint, nur in Trauerfällen.

Ein weinendes und ein lachendes Auge 
Da wusste ich längst, dass es ein weinendes und ein lachendes Auge gab. Ich bemühte mich dann oft, beide Seiten zu verstehen und nicht nur zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Wenn ich an die umtriebige AfD denke, oder an sonstige Fanatiker, von denen es plötzlich immer und überall mehr zu geben scheint, versuche ich, die Unterseite dieses Geschwürs zu betrachten. Erkenntnisse, die zum Umdenken anregen, gibt es da nicht. Das ist alles unappetitlich und ekelhaft. Doch jetzt haben wir international die Erkenntnis gewonnen, dass Ekel Ekel ist, und dass wir nicht alleine sind, wenn wir das Gute wollen. Das ist doch was? Umdenken kann nicht schaden.










Dienstag, 28. November 2017

Um Lei Tung, oder Mao Tse Tung?

Ich weiß nicht, wie betagt dieser Kalauer schon ist, doch ein echter Kalauer lebt von den schamlosen Wiederholungen, die ihn in der Erinnerung halten. Um Lei Tung ist Chinesisch und bedeutet: Klare Antworten gibt es nicht. Ich höre im Radio Deut-Schland-Funk ein Interview mit einem Bundesminister für Landwirtschaft von der CSU, der jetzt auch noch kommissarischer Minister  für Verkehr ist, hat es auf seine Kappe genommen, der Verlängerung des Giftmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre zuzustimmen. Angeblich seien weitere "Verbesserungen" geplant. Warum müssen fachlich völlig unbedarfte Politiker zu allem ihren Senf geben?

Umleitung, zu Fuss 
Eine gut instruierte Journalistin vom DLF hat heute Morgen versucht, eine Reihe von Fragen zu stellen und Antworten von dem zu erhalten, der seine Glyphosat-Entscheidung so keck auf seine Kappe genommen hatte. Obwohl, es macht wenig Sinn, auf das alles überhaupt einzugehen. Mein Fazit: Wenn einer nicht antworten kann und/oder will (so ist es oft), wird Blödsinn geredet, nur nichts Verbindliches gesagt. Wozu haben wir dann Fachressorts mit Fachministern? Sind wir alle so dumm, dass Politiker uns mit ihrem puren Geschwafel abspeisen können?

Wir ahnen alle, dass die Konzerne mit uns und der Welt Fussball spielen. Es scheint hoffnungslos, von autorisierten Stellen in kritischen Fragen (Monsanto und so) noch klare Antworten zu erhalten. Wird die Autoindustrie von den von uns gewählten Vertretern zu den notwendigen Maßnahmen gezwungen werden oder nicht? Keine Antwort. Stecken sie alle so tief in der Korruption, dass sie nicht können, wie sie sollten? Keine Antwort.


Verschleiern, Vernebeln, Um Lei Tung: wir speisen Euch mit Kinkerlitzchen ab. Macht euch keine Sorgen. Das Wirtschaftswachstum hat weltweit zugenommen, wie nie zuvor. Vielleicht geht das schon auf die Kappe Chinas? In England wird fieberhaft an einem Hochzeitsevent gearbeitet. In der königlichen Familie, in die bald eine Halbschwarze einheiraten wird. Das ist doch was. Da können wieder wunderschöne Erinnerungstassen verkauft werden. Und wir lernen die Farbe der Socken einer neuen Prinzessinnenanwärterin kennen. Die Medien, statt diesen Quatsch völlig zu ignorieren, überschlagen sich dann wieder. Für unsere machtsüchtigen Politmenschen wieder etwas Um Lei Tung. Lasst uns geduldig darauf warten, dass die Enkelin von Mao Tse Tung als künftige Braut des Enkels (?) von Boris Becker in Erscheinung tritt.

Prinz Harry und Meghan Markle, die Amerikanerin


Wenn die Wut über all das nachgelassen hat, können wir uns wieder den Alltagsfragen stellen: Wann wird das Wetter wieder besser? Wann lässt die Kälte nach? Wann findet sie endlich statt, diese Hochzeit des Sammeltassen verkaufenden royalen Zirkels, dem es nur darum geht, für wenige Tage im medialen Mittelpunkt zu stehen? Schnell wurde entschieden: im Mai 2018. Meghan will Engländerin werden, denn eine Amerikanerin passt nicht so recht ins Bild. Frage an den Minister von der CSU, mit der Bitte um eine klare Antwort: Ist sie nicht süß, unsere Braut?

Nachtrag: mich hat mal wieder die Wut gepackt.







Montag, 27. November 2017

Es gibt solche Tage.

Über das Wetter muss nichts gesagt werden, außer, dass es wahrscheinlich nicht regnet. Das Reifengematsche auf nassen Straßen verrät sich gewöhnlich selbst. Ich weigere mich heute entschieden, aus dem Fenster zu blicken. Das Anwerfen meines Rechners schaffe ich gerade noch. Dann straffe ich meinen Bademantel und hoffe, dass wenigstens der Kaffee sich von selbst macht.


Cath muss gleich irgendwohin. Ich habe ihr Ziel vergessen. Oxenhope? Hebden Bridge? Heute lasse ich mich gehen. Das Radio hat schon so viel Unsinn über den Brexit erzählt, die tägliche Dosis an Zweifeln und Selbstzweifeln eben. Wir Verbraucher, Kunden, Leser, Seher (fern- und schwarz-) und an-etwas-glauben-Wollende können uns an nichts mehr halten. Selbst unsere Erinnerungen kommen uns vor wie geklonte Schatten aus dem Reich des Vergessens.

Geklonte Schatten? 
Wo sind die Kanzeln geblieben, von denen noch vor 50 Jahren vorwurfsvoll heruntergepoltert wurde, was wir tun und lassen sollen? Marilyn Monroe konnte noch unbehelligt mit dem Hintern wackeln, (honni soit qui mal y pensait). Das war ferne Traumwelt, die sich jeder unzufriedene Ehemann leisten konnte. Sex war zwar so gut wie verboten, doch Liebemachen von vorn, hinten, nackt oder in Plastik gehüllt, ging allemal. Das Hin- und Wegschauen wurde geübt, bis wir genug hatten. Dann war auch diese Aufregung ausgelebt.


Die Legitimität erfasste die allgemeine Medizin. Man konnte schon über fast alles reden. Barnard hat das erste Herz verpflanzt. Dein Mann, das unbekannte Wesen (Oskar Kolle) gab Einblick in das männliche Befinden. Die Frau wurde unter dem Schleierchen des wissenschaftlichen Bemühens ebenfalls durchleuchtet. Dass zu viele Schlaftabletten impotent machten, wurde damals ebenso herausgefunden, wie die relative Nutzlosigkeit des Lebertrans. Das Sexsymbol der Fünfzigerjahre sagte einmal: gib einem Mädchen die richtigen Schuhe, und sie erobert die Welt.


Mona Lisa von Da Vinci ganz unschuldig? 
Wie komme ich auf Lebertran? Dieses Gesöff hat Teile meiner Kindheit zerstört. Ich denke, ich wäre auch ohne Lebertran ein hübscher Mann geworden. Jetzt ist alles zu spät, geht es mir durch den Kopf. Marilyn Monroe hatte Arthur Miller geheiratet, ein Missgriff, den sie bereute, sonst hätte sie sich nicht ihr glamouröses Leben genommen. Hat sie auch Lebertran einmehmen müssen? Hat Mona Lisa? Als der Konsum von Lebertran zurückging,  schmeckte er plötzlich kindgerecht, ja, fast lecker. Heute ist das Quälwort unserer Kindheit obsolet geworden. Wie schön!

Es gibt solche Tage, da fällt uns nichts Vernünftiges ein. Der Regen prasselt jetzt hörbar gegen die Scheiben. Vielleicht ist das ein Trost. Der Lebertran unserer frühen Tage war eine kindliche Demütigung. Sogar der Löffel stank noch nach dem Abwaschen. Hätte doch Donnie Trump davon genippt. Er wüsste dann wenigstens wie es ist. Es gibt halt solche Tage, da kann man auch ungestraft Lebertan zu sich nehmen...