Mittwoch, 5. Dezember 2012

Fernseh-Fernweh-Fernbe-dienung

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich einmal beim Deutschen Fernsehen als freier Reporter gearbeitet. Damals gab es einen Fernsehchef, der sagte: "wie hoch, wie breit, wie tief, muss die Frage lauten, die ein Reporter sich ständig zu stellen hat".  Das ist die Grundinformation. Natürlich gehören dazu auch noch andere Aspekte. Eine Fernsehsendung, egal welcher Art, muss auch unterhaltend sein. Die Realität widerspiegeln, selbst, wenn es sich um Satire oder Science Fiction handelt. Hat das Fernsehen nach der Schwarz-Weiß-Phase also Farbe bekommen? Oder ist es heute farbloser? Eine Antwort darauf würde jeden Rahmen sprengen, denn weltweit sind hunderte von Programmen in jedem Land erreichbar. Die Satelliten machen das möglich.

Fern-Sehen kann so schön sein!

Als das anfing, freute man sich auf die bevorstehende Vielfalt: ganze Sportsendungen live, Wetterbericht für Spanien und die ganze Welt, Themenkanäle für Sport, Medizin, sogenannte History, Sex und Tiere, jedoch noch nicht für Sex mit Tieren. Das könnte noch kommen. Die Herausforderung bestand darin, intelligentes, attraktives und exotisches Fernsehen mit Niveau zu produzieren. Das Gebot, 24 Stunden am Tag zu senden, platzte dazwischen: Kein öffentlich-rechtlicher, schon gar nicht ein privater, Sender kann solche Forderungen befriedigen. Auch das isländische Fernsehen nicht, das bis vor Jahren in der Sommerpause Pause machte, weil es zu teuer war und weil die Menschen lieber die taghelle Sommerzeit genießen wollten.

Inzwischen können wir alles sehen. Das ist das Problem. Religiöse Sendungen: God loves you! Katholisch sein macht gut! Bibelkenntnisse erwünscht! Leider kommt das viel zu schwülstig daher. Der religiös Suchende bekommt Gänsehaut. Tittenkanäle: wer sich daran aufgeilen kann, ist ein armer Tropf. Soap-Süchtige werden voll bedient. Jedenfalls können sie an den fantasierten Erlebnissen anderer teilhaben. Die Privaten schicken Amateurjuristen auf die Matte. Nutzungsgrad: Null. Ansonsten Entertainment, Fun und Action.


Das sieht dann so aus (Beispiel): Pro 7 (das ich nie anschaue): 11.25, How I Met Your Mother. 11.50, How I Met Your Mother. 12.20, Malcolm, Comedyserie, 12.45, Malcolm. 13.15, Scrubs. 13.45, Scrubs. 14.10, Two and a Half Men, 14.40, Two and a Half Men. 15.05, The Big Bang Theory (2mal), How I Met Your Mother (noch 2mal), 17.00, taff (English?), 18.00, Newstime (in English?) 18.10 (2mal), Die Simpsons (der deutsche Titel fällt auf!), 20.15, Hauptprogramm (???) Grey's Anatomy. 20.15, New Girl. How I Met Your Mother, kommt noch 4mal bis der Tag, nach Mitternacht, zu Ende ist. Ähnliche Kanäle, wie Super RTL, oder Kabel 1, lasse ich unbeachtet. Jede Programmzeitschrift gibt darüber Auskunft.

 Zwei Fragen stellen sich: wie sieht es in den Gehirnen dieser Fernsehmacher aus? Wie sieht es in den Gehirnen der entsprechenden Zuschauer aus? Ein spezieller Satiregipfel darüber wäre mehr als notwendig. Oder, haben auch Satiremacher schon die Schere im Kopf? Weil man auch bei diesen Debilkanälen gutes Geld verdient? Hat der Werbezirkus uns dahin gebracht? Jedenfalls haben wir den Kanal voll! Fernbedienung, ja, zum Abschalten.





Dienstag, 4. Dezember 2012

War alles recht?

fragte sie mich an der Kasse des Supermarktes, nachdem ich meine Sachen eingepackt hatte. Ich kann dann der Absurdität dieser Frage nicht ausweichen und antworte: "Das weiß ich doch erst, wenn ich alles gegessen habe und vielleicht noch am Leben bin". Sie lachte diesmal herzhaft, denn sie hatte meine Bemerkung verstanden. "Einen schönen Tag, wünsche ich Ihnen", warf sie mir noch hinterher. Dann war ich wieder weg. Ist es herzliche Freundlichkeit oder andressiertes Kundenbelabere? Ich weiß es nicht, reagiere jedoch wie ein beleidigtes Huhn. Plastikkonversation ohne Folgen.


In England hat das obligatorische "Merry Christmas" begonnen, das einem oft 10mal am Tag über den Weg läuft. Ich, jedoch, will keine fröhliche Weihnacht, sondern meine Ruhe haben. Ein paar Lieder hören, die man mir aber nicht ins Ohr grölen muss. Wenn Tante Emma (einige kennen sie noch) in ihrer geschäftlich-freundlichen Art "Schönen Tach noch" sagte, war es ein echter Gruß. Im Supermarkt höre ich das nicht heraus. Das schon vor Jahrzehnten eingeführte automatische "Come again" in den USA, das mir wie ein Befehl vorkommt, hat da wohl Pate gestanden. Wehe, du wagst es, einen anderen Laden zu betreten! Man gewöhnt sich an alles, doch ist meine Reaktion nicht die des hochgeehrten Kunden, sondern die des begossenen Pudels.

Warum nicht einfach: Danke (für das Geld und das geduldige Schlangestehen) und Auf Wiedersehen? Wir bekämen dann wieder mehr Vertrauen in die Ehrlichkeit des Angebotes. Frischetheke und so, Gourmetschinken, hausgemachte Zimtsterne, Sauerbraten nach Omas Rezept. Schließlich sehnen wir uns alle nach Glück, aber, bitte nicht, nach einer mit Zusatzstoffen geschönten Überdosis.

Montag, 3. Dezember 2012

Zuhause ist, wenn man wieder baden kann


Das ist jetzt vorbei!

Die Zeit schien nicht zu vergehen. Die Arbeiten zogen sich hin. Der erste Schnee ist gefallen, Bad und Schlafzimmer sind wieder benutzbar. Seit 4 Monaten leben wir im Provisorium, zwar im eigenen Haus, doch unter beengten Verhältnissen. Täglich kamen sie, die Installateure, Maler, Fliesenleger und Elektriker, um das Begonnene endlich zu vollenden. Jetzt fehlen nur noch wenige Teile. Wir haben das  neue Bad, verglichen mit der alten Nasszelle jetzt ein holywoodscher Glitzerpalast, liebevoll eingeweiht. Ja, man kann zu zweit in der Wanne sitzen, ohne sich die Knochen zu verbiegen. Das Schlafzimmer: wie konnten wir 4 Monate lang darauf verzichten? Es ist (fast) vollbracht.

Hier kann wieder geschlafen werden

Es hat wenig Sinn, aus dem Vergangenen Lehren zu ziehen. Die Handwerker verdienen alle die Note "gut". Von Schlamperei war nicht die Rede. Doch hätte alles einige Monate früher beginnen sollen, damit man mit dem Dachgaubenausbau (was für ein schönes Wort!) nicht in den ersten herbstlichen Dauerregen hineinplatzen musste. Die Türen standen allzu oft weit offen, als die Temperaturen schon in den Keller gingen. Meinerseits wurde heftig geschlottert. Am Abend, nach Arbeitsschluss, kam die mühsame Erholung von den Hammerschlägen, Kreissägen und sonstigem Gepoltere. Nur langsam, viel zu langsam, wurde das Haus wieder warm. "Per aspera ad astra" murmelte der Lateiner, wenn er's geschafft hatte.

Jetzt geht es nur noch darum, den richtigen Augenblick zu finden, um eine Flasche Sekt mit zwei Gläsern am "Beckenrand" aufzubauen, sich genüsslich ins heiße Wasser zu lassen und alles Warten und Frösteln offiziell im Badeschaum zu ersticken. Prost, Weihnachten! 

Sonntag, 2. Dezember 2012

Mein Bauch? - Schnee von gestern

Eigentlich wollte ich aus dem Fenster schauen, als ich heute Morgen aufwachte, doch Cath war schneller. "Schnee", rief sie aufgeregt, und schon flitzte ich ans Fenster: alles war weiß überzuckert. Meine Unterzuckerung rührt jedoch von etwas anderem her. Seit Monaten schaffe ich es nicht, mein Gewicht unter Kontrolle zu bringen. Frühstück: drei Scheiben Brot, dick mit Butter bestrichen. Obendrauf: eine meiner Lieblingsmarmeladen, Himmbeer, Brombeer, Pfirsisch (alles selbst gemacht) und eine volle Ladung Tannenhonig vom Besten.


Mittags wird geschludert: alles, was sich im Kühlschrank befindet, ist gut genug, auf den Teller gehoben zu werden. Sehr schnell stellt sich dann ein schöner Heißhunger ein, für den ich ein großes Stück Kuchen parat habe, oder, gerade jetzt, etwas Weihnachtskonfekt von der Aldi- Lidl- Norma-Penny-Edeka-Rewe-Maschinerie: süß aber geschmacklos. Am Abend, wenn die längst geheiratete Lebensabschnittspartnerin nach Hause kommt, wird richtig gegessen. Dazu, nach Möglichkeit, zunächst ein Gin&Tonic zum Entspannen, dann der gute Rotwein aus dem Dorf.


Leider hatte ich mir angewöhnt, jeden Morgen nach dem Aufstehen auf die elektronische Waage zu stehen, nackt und unschuldig. Das triumphale Gefühl, ein paar Gramm weniger zu wiegen, als am Vortag, ist irgendwann im letzten Sommer gewichen. Mein Gewicht stieg stetig an. Eine gewisse Rundlichkeit machte meinen Bauch zu einer Altherrenkugel, die mir das Treppensteigen erschwert. Also musste eine Lösung her. Ich suchte eine Abmagerungsspezialistin auf, die in Frankreich ihr holdes Unwesen treibt. Mutig wie ich bin (bzw. sein möchte), habe ich bisher alle ihre Instruktionen sklavisch eingehalten. Morgens nur Schwarzbrot und 10 Gramm Butter. Dazu etwas Käse. Nichts Süßes. Kaffee oder Tee in unlimitierter Auflage. Regelmäßig Mittagessen: Ein Stück Fleisch, Massen an Gemüse. Nichts Süßes. Eine dritte Mahlzeit gegen 16 Uhr: Ein widerlich schmeckender Schokoladeriegel und, vielleicht ein Apfel. Das wäre dann die Hauptzufuhr an Zucker. Am Abend: Fisch oder Hühnerfleisch (wovor mir meist ekelt), dazu: Gemüse. Als Ärztin verschrieb sie mir auch Multivitaminhaltiges Zeug, dazu Potassium, sowie die besagten Schokoriegel, die ich in der Apotheke abholen musste. Über allem jedoch schwebt das absolute Alkoholverbot. Ich hätte nie gedacht, dass ich das durchhalten würde. Jetzt kann ich stolz verkünden, dass ich in einer Woche 4 Kilo abgenommen habe. Weitere 4 Kilo sollen folgen.


Ein herrliches Ergebnis für einen energiegeladenen Greis mit Übergewicht, der auch künftighin versuchen wird, ab- statt zuzunehmen. Aber, was mache ich mit dem Jojoeffekt, der sicherlich mit dem Gänsebraten an Weihnachten wieder einsetzen wird?








Mittwoch, 28. November 2012

Supermärkte - zwischen Fallen und Gefallen

Wie oft ärgert man sich. Da gibt es die Lockvogelangebote, solange der Vorrat reicht. Radieschen sind  überall zum Standardlocker geworden: 29 bis 59 Cent, je nach dem. Die Rosen aus Südamerika variieren nicht im Preis. Die magische Zahl für den Blumenschrott aus Lateinamerika ist und bleibt €1.99. Bald kann sich das ändert, entweder nach oben oder nach unten, denn die Nachfrage ist es im Prinzip immer noch, die den Markt regelt.

Könnte auch eine Tomate sein!

Deshalb diese liebedienerischen Werbeeruptionen vor Weihnachten. Da erklärt sich ein Supermarkt zum "Marktplatz der Frische", preist einen Miniweihnachtsstern für € 1.29 an und wundert sich nicht, wenn dieses Zuchtergebnis nicht bis Weihnachten hält. Marktplatz der Frische eben. Oder Frische Center von Edeka: da haben wir heute Apfellilör mit weihnachtlichen Gewürzen. Ich wusste, ehrlich, nicht, was weihnachtliche Gewürze sind. Werbung, gleich nötige Information über ein zum Verkauf angebotenes Produkt? Oder Wahlkampagne mit Nebelkerzen? Ein anderer bietet "komplette Brille mit Gläsern". 50% auf jedes Brillengals. Frage: gibt es auch komplette Brillen ohne Gläser??? Und, wie kommt es, dass man, einfach so, auf die Hälfte des Preises für ein Brillenglas verzichten kann?
Uns einen Bären aufbinden.

Ich muss heute total vermeckert sein, oder meine Werbeallergie hat wieder zugeschlagen. Wie soll man da mit hehren Gefühlen auf Weihnachten losgehen? Ist das nicht alles schon wieder vorbei, und das Osterfest steht vor der Tür? Werden wir verkackeiert? Seien wir vorsichtig mit den Radieschen. Oft ist nicht drin was nicht drin ist. Wasserbeutel werden auch die Zuchttomaten des tiefen Winters genannt. Rötlich sind sie beide.

Apotheken: lesen was krank macht?

"Lesen, was gesund macht", der eingängige Slogan der Pharmaindustrie, der bei Einfältigen fast religiöse Gefühle weckt. Man könnte die selbstverständlich kostenlose Apothekenrundschau bei dieser Millionenauflage auch ein Massenmanipulationsmittel ersten Ranges nennen.  Wir werden dieses Erzeugnis wohl nie mehr loswerden und müssen damit leben oder sterben.

Platz für eine neue Apotheke?

Gerade verlasse ich eine Apotheke und bin etwas perplex: das freundliche Mädchen (zu jung um eine gestandene Apothekerin zu sein) sagte mir, dass sie eines der Medikamente in der gewünschten Marke nicht habe, aber einen Ersatz. Etwas misstrauisch, weil oft ein teureres Medikament untergejubelt wird, frage ich nach dem Preis. Es soll die genaue Zusammensetzung haben, aber erheblich billiger sein, weil von einem anderen Hersteller. Wem ist das nicht schon passiert? Ich frage noch schüchtern, ob die Nebenwirkungen dieselben seien und mir nicht etwa die Haare ausgingen? Die Anwort war klar und fröhlich. Also benutze ich jetzt eine ähnliche aber auch mir unbekannte Medizin. Ich nehme das hin und sage mir: Nimm, was gesund macht. Meine Krankenkasse zahlt es ja und gibt die Gewinne gerne weiter.

Als ich vor Wochen in meiner alten Heimatstadt eintraf, um alte Schulfreunde zu treffen, ging ich durch die Innenstadt: die beiden Kinos waren verschwunden, statt dessen fiel mir auf, dass eine ganze Reihe Apotheken zu finden waren. Was hat sich da verändert? Nehmen wir mehr von diesem ärztlich verschriebenen Zeug? Brauchen wir es womöglich? Meine Mutter schickte mich immer in die Einhornapotheke, weil da Frau Stiegler bediente. Sie war eine alte Freundin meiner Oma und bediente mich immer mit großer Freundlichkeit. Allerdings war ich an Dorle (oder hieß sie Bärbel?) interessiert. Sie war, wie ich, in der ersten Gymnasialklasse und gleichzeitig das blondbezopfte Töchterlein des Apothekers. Sie war so klein, dass ich ihr Lächeln hinter dem Tresen (bzw. der (Apo)Theke) nur an ihren Kulleraugen ablesen konnte, mit denen sie mich gnädigst anschaute. Den Rest des Gesichtes konnte ich zu meinem Bedauern nur erahnen. Das waren noch Zeiten. Dafür roch es in den Apotheken noch ein wenig nach essigsaurer Tonerde oder nach Vaseline. Jetzt duftet es nach Kosmetika und Bonbons. Da der Apotheker selbst für jedes Exemplar "Rundschau" etwas bezahlen muss, wird dieses Blatt nur auf Verlangen verteilt. Ein Grund mehr, etwas anderes zu lesen.






Dienstag, 27. November 2012

Katholische Kirche - heruntergekommen???

Es ist allmählich an der Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen: wir haben viele Heilige produziert, Unmengen an Gold, Silber und Land erworben, und - das sei nicht vergessen - auch viel Gutes getan. Inzwischen können wir per Fernsehen auf die ganze Welt blicken, und was sehen wir? Milliarden Menschen, die keine getauften Katholiken sind. Sie glauben etwas anderes und sind überwiegend bettelarm. Reichtümer sind etwas anderes als Altertümer. Die katholische Kirche muss wohl zu den Reichen zählen. Und verknöchert ist sie auch. Ja, fast eine Antiquität?

Lassen wir einmal die unangenehmen Aspekte beiseite: den verarmten Jesus, der hingerichtet wurde, die Ablasshysterie, die viel Geld in kirchliche Kassen spülte, mörderische Päpste, den aufmüpfigen Martin Luther. Die heilige Inquisition nicht vergessen. Die Hexenverbrennungen. Die unglaubliche Verschwiegenheit, die andauert. Das alles hat der Heiligen Kirche schwere Schläge versetzt. Hat sie sich davon erholt? Hat die Welt sich davon erholt? Wurde die viel gepriesene Läuterung der Kirche schon irgendwo registriert?


Tiefe Narben sind geblieben: die Frau, ist sie wirklich gleichberechtigt? Warum kann sie dann nicht Priester(in) werden? Der Schwule (Lesben werden einfach übersehen), der mit seiner Tragik wie ein zu heilender Kranker angesehen wird? Die Geschiedenen, sind sie nicht exkommuniziert, wenn sie sich wieder verheiraten? Der Priester, der sich verliebt und eine heimliche Beziehung hat? Der Kirchenmann, der seine Position missbraucht und kleinen Kindern an die Wäsche geht? Wie meisterhaft das alles heruntergespielt wird. Auch die Gelder (nicht nur die von Mutter Theresa gesammelten) sind ein Geheimnis, das niemand lüften möchte. Das alles schlägt zu Buche. Wie will die Kirche da wieder herauskommen?


Ziehen wir Bilanz: jahrelange Gier, jahrelanges Leugnen, endlose Sturheit, ewiger Missbrauch gutgläubiger und gutmütiger Seelen, Indoktrination, die keine Abweichungen zulässt. Es sieht jetzt so aus, als wäre das Ende der Fahnenstange erreicht. Gott ist kein Erbsenzähler, sondern seine Stellvertreter auf Erden sind es. Das Entstehen des Christentums ist lange her. Schon längst ist alle Moral über Bord, ohne, dass es Ersatz dafür gäbe. Der Zynismus hat wohl gesiegt. Was mir leid tut, sind die Menschen, die immer noch an den Weihnachtsmann glauben.






Sonntag, 25. November 2012

Die Neuen Hebriden - traumhafte Inselwelt im Pazifik

Das letzte Stück des Fluges dauerte nicht mehr so lange. Ich war von Sidney mit der Air Vanuatu aufgebrochen und kann mich nicht mehr erinnern, wie lange der Flug dauerte. Der Flug nach Australien war endlos gewesen, und die Maschine war proppenvoll. Die Ankunft am Bauerfield International Airport fast gemütlich, obwohl ich vor Müdigkeit kaum aus den Augen schauen konnte. Der Flughafen ist der größte von drei Flughäfen, die es in dem Inselstaat gibt. Die Maschine war fast leer, sodass es ein leichtes war, sich die Passagiere nocheinmal anzuschauen, bevor sie mit ihren Gepäckladungen von Bord gingen.

Eine Dame, die in Frankfurt eingestiegen und dann auch in Sidney umgestiegen war, erregte mein Interesse. Sie sprach deutsch und sagte nicht viel. Als sie in Port Vila, der Hauptstadt der Neuen Hebriden, auf ihr Gepäck wartete, kamen einige Leute, die wie die Eingeborenen gekleidet waren, um ihr zu helfen. Ein stattlicher Mann, der einen Anzug trug und laut "Welcom" rief, nahm sie in die Arme und küsste sie. Wie sich herausstellte, war es ihr Mann. Die Frau drehte sich zu mir um und fragte mich nach meinem Hotel. Ich sagte, ich hätte nichts reserviert, und schon saß ich neben dem Empfangskomitee im Minibus, auf dem Weg zu einem Hotel, das mir den Atem verschlug: aus Holz gebaute Hütten mit kleinen Vorgärten, umgeben von einem Wald aus Kokospalmen. Das Hotel Marianne lag direkt am Meer. Genau, wie ich es mir erträumt hatte. Es gehört einer Deutschen, die mit einem Melanesier verheiratet ist.


Was hatte ich auf den Neuen Hebriden zu tun, einer pazifischen Inselgruppe, die von 1906 bis 1980 ein  britisch-französisches Kondominium waren, das schließlich in die Unabhängigkeit entlassen wurde, und den Namen Vanuatu annahm? Ich hatte als Knabe so meine Tagträume. Die Südsee hatte immer schon einen eigenartigen Zauber auf mich ausgeübt. Ich hatte Bücher gelesen über das Leben der Eingeborenen, mich mit fremden Sprachen befasst, darunter Bislama, der Sprache, die neben Englisch und Französisch auf Vanuatu Amtssprache ist. Aber neben ein paar Ausdrücken, die ich in einer Broschüre eines Missionars gefunden hatte, war natürlich nichts hängen geblieben. Jetzt war ich wie jeder Bewohner von Port Vila, den Insektenbissen ausgesetzt, wenn ich fasziniert die Bougainvilleas und die Hibiskussträuche bewunderte. Bevor ich in meinem einfachen Zimmer in einen tiefen Schlaf verfalle, höre noch die jungen Melanesier am Strand. Sie scheinen Stöcke aneinander zu schlagen und im Rhythmus dieser Schläge zu tanzen. Sie singen und lachen. Ich höre noch Wortfetzen, die ich nur mühsam verstehe: "Evri man mo woman i bon fri" (Jeder Mann und Frau sind geboren frei). Daraus erahnt man das englische Vokabular, das neben viel Französisch, von den Eingeborenen übernommen wurde (Vanuatu Pidgin English). Der Duft von Meer streicht mir in die Nase. Ich nehme nichts mehr wahr.


Als ich erwache - ich muss zehn Stunden geschlafen haben - klingelt es an der Tür. Ich taumle die Treppe hinunter und stehe vor einem deutschen Briefträger. Dann brauche ich noch ein paar Minuten, bis ich mir sicher bin: ich habe von der Südsee geträumt. Die Frage, was ich auf den Neuen Hebriden zu tun hatte, muss nun nicht beantwortet werden.


















Freitag, 23. November 2012

Frauen: das Ende des Mannes?


Ich will es nicht leugnen: ich gehöre zu den Männern, die sich bodenlos verlieben können. Als junger Mann, man trug elegante Hemden, und sorgte dafür, dass die Fingernägel sauber waren, stand der Sex keineswegs im Vordergrund. Sie war so hinreißend schön. Ihre Augen, tief blau, waren unbeschreiblich. Man schaute hinein und vergaß die Mathe-Arbeit am nächsten Morgen. Leichtes Stottern verriet, dass man seinen Verstand nicht ganz unter Kontrolle hatte. Sie hieß Christa und hatte dicke Beine. Als ich das entdeckt hatte, brach ich mein ohnehin wackeliges Verhältnis ab. Wie blöd von mir! Sie war sehr klein. Bei unseren Spaziergängen riss ich Blumen aus den Vorgärten und legte sie ihr zu Füßen. Dann, plötzlich, fand ich ihre Beine unmöglich. Dabei war sie ein wunderschönes Mädchen, ich hingegen ein wahrscheinlich pickeliger, schlacksiger Jüngling mit Stachelbeerbeinen und kindlichen Lachanfällen.

Von meinem Vater, und den Großmüttern, hatte ich diese Ehrfurcht vor dem weiblichen Geschlecht, die mir seltsamerweise geblieben ist. Dabei habe ich auch die dunkle Seite kennengelernt: gerne unterhielt ich mich mit den Mädchen auf dem Pariser Strich, genauer, in der Rue d'Amsterdam. Sie waren besonders vollbusig, fast elegant und jung. Ich bin nie mit einer "hinaufgegangen", aber meine etwas journalistische Neugier, gepaart mit männlicher Unschuld, schien bei den Mädchen gut anzukommen. Missionare und Leute mit Helfersyndrom waren da nicht gefragt. Eher der mittellose Knabe, der nichts wollte, sich aber für die Frauenwelt interessierte.


Natürlich haben wir Männer die Entstehung des Feminismus mit Sorge betrachtet. Das schnelle Urteil: alte Lesbe! Wir Männer brauchen ja viel Zeit, solche Dinge zu verstehen und zu verarbeiten. Der Feminismus hat viele von uns in eine ewige Krise gestürzt: das liebe Hausmütterchen hat herausgefunden, was es kann und was es wert ist. Die dooferen unter uns Männern haben es zu spüren bekommen. Kann man heute also von einer neuen Kultur des Umgangs der Geschlechter miteinander sprechen? In manchen Kreisen spricht man schon vom Untergang des Mannes. In den USA scheinen jetzt mehr Frauen berufstätig als Männer. Mehr Frauen als Männer beenden ihr Universitätsstudium. Frauen mit Führungsanspruch. Männer am Ende? Wohin soll das führen?

Und der Sex? Da soll es Frauen geben, die es schamlos vor der Kamera treiben, weil Sex für sie überhaupt keine Bedeutung mehr hat. Männer, aufgepasst! Wie ich die Lage einschätze, sind wir immer noch an gutem Sex interessiert. Wie wäre es, wenn wir eine neue Romantik einleiteten? Kerzenlicht und Poesie? Das schön vorbereitete Abendessen, mit der klassischen Musik? Der schnelle Wagen, der männliche Potenz vortäuschen soll? Auf jeden Fall muss der Mann von heute intelligent und einfühlend sein, sich um seine Fingernägel kümmern und einfach die Qualitäten besitzen, die eine Frau schätzt: Geist, Humor, ein bisschen Geld, Geschmack und einen guten Schuss Erotik.












Dienstag, 20. November 2012

Wien, bist du immer noch so schön?

Einmal, das muss 1997 gewesen sein, sah ich sie alle, die (fast) 30 Staats- und Regierungschefs, die sich zu einem Gipfel des Europarates im Austria Center in Wien zusammengefunden hatten. Helmut Kohl, Boris Jelzin, Francois Mitterrand, Vaclav Havel und all die anderen. Nur John Major, der Brite, hatte anderes zu tun. Friedensreich Hundertwasser hatte aus diesem Anlass eine Sonder-Briefmarke gestiftet, und in Schloss Schönbrunn hat es ein Gala-Essen gegeben. Ich hatte damals viel zu tun und dachte nicht daran, mir Wien anzuschauen, das mir etwas herausgeputzt vorkam. Ein Bildband als Geschenk durfte ich mit nach Hause nehmen. Das war mein letzter Besuch in Wien.

Keine Sachertorte.

Inzwischen kann man lesen, dass Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität überhaupt ist. Eine Einrichtung, die sich "Mercer" nennt und jählich einen Überblick über die Lebensqualität in Städten herausgibt (Quality of Living), hat für 2011 die österreichische Hauptstadt Wien zur Nummer Eins gemacht. Oper, Wurst und Schnitzel wurden da genannt, aber auch die hervorragende Infrastruktur. Zu den ersten 10 gehören auch Zürich, München, Düsseldorf und Frankfurt. Bei D und F habe ich erhebliche Bedenken. Bei Wien lässt man es sich gerne gefallen, obwohl solche Rangspiele eher ins Reich der Fantasie gehören. Ob die Tourismusindustrie dahinter steckt? Ich kann und will es nicht glauben. Und Paris, die Vielgepriesene? Wo bleibt Rio de Janeiro? Und was ist mit Remscheid-Küppelstein???
Wien, wir kommen!

Im Januar wird es für uns ernst: da ziehen wir um, nach dem schönen Wien. Die Nagelprobe steht also bevor. Noch im Dezember wollen wir uns nach einer Bleibe umsehen. Der Spagat zwischen Zentrumsnähe und Gartengürtel muss uns gelingen, sonst werden wir unsere Niederlassung dort wohl bald bereuen. Vorweihnachtliches Wien: bitte, warte auf uns, sei nett zu uns, und finde uns eine Wohnung mit Lebensqualität. Dann werden wir der Mercer-Gruppierung einen Brief schreiben und Wien, das einstige Bollwerk gegen die Osmanen und Paradies für Kaffeetrinker, sowie Hochburg der Opernsängerei, unsere Heimat auf Zeit nennen. Sachertorten leben hoch!