Freitag, 9. Februar 2018

Schmutziger Dunstig. Das war gestern.

Da hat man nun, ohne an etwas zu denken, am Schmutzigen Donnerstag mal einen Schlips angezogen, der schon lange im Kleiderschrank geruht hatte. Als Mann von Welt, wenn man genügend Geburtstage hinter sich hat, besitzt man an die Hundert Schlipse, wovon eigentlich nur gefühlte 20% getragen werden.  Die von Oma, die den heranwachsenden Enkel, der bald zum Manne mutieren wird, als Jungmann sehen möchte. Diesen kann man eine betuliche Note nicht absprechen, zumal in der endlich besuchten Tanzstunde alles Grelle oder zu Geschmacklerische echt verpönt war. Also, eine Silbergraue für glänzende Anlässe, eine nicht allzu Erotische mit leicht anstößigen Kringeln und die mit den neckischen Herzchen, die man vielbedeutend umgebunden hat, wenn man einer Schönen schöne Augen machen wollte.

Die Auswahl 
Gestern, das ist mir bekannt, stand auf Schlips die Todesstrafe. Denn, am Schmutzigen Dunstig machen die Frauen kurzen Prozess mit den Herrenschlipsen. Da wird der korrekt gekleidete Mann, Gatte oder Chef gerne symbolisch entmannt. Vielleicht ist es auch eine verschwörerische Sperrmüllaktion, denn Männer kommen selbst nicht auf die Idee, alte Krawatten zu entsorgen. Mir ist diese rheinische Entmannung noch nie passiert, und, seit gut 50 Jahren, trägt auch der Gentleman vom Rhein gerne den löchrigen Pulli mit der total ausgestiegenen Jeans-Hose, die gekonnt quergeschlitzt, an den Knien ihre Zerschlissenheit zur Schau stellt. Ein Schlips, sozusagen noch als männliches Schmuckstück, ist da undenkbar. Da bei uns also nicht nur die Todesstrafe, sondern auch der Schlips so gut wie abgeschafft sind, müssen wir um den geliebten Brauch des Schlipseabshneidens durch wildgewordene Weiber bangen.


Der Schmutzige Donnerstag kann also weiterhin christlich ausgewertet werden, wenn man vorhat, die anschließende Fastenzeit, fleischlose 40 Tage bis Ostern, in etwa zu respektieren. Tofu kann hier gerne als Fleischersatz einspringen, und vegetarischer Aufschnitt hat schon längst die Lyoner, den Fleischkäs und das Saitenwürstchen ersetzt. Wer damit seine Probleme hat, findet meine uneingeschränkte Sympathie, muss jedoch mit seiner Diät selbst zurechtkommen. Da unser Erlöser eigentlich immer im Magerzustand abgebildet ist, darf vermutet werden, dass ihm selbst die Fastenzeit eher unangenehm gewesen wäre.


Da Ostern unaufhaltbar näher kommt, können sich auch diejenigen Männer (und wenigen Frauen), die  noch Krawatte tragen, wieder freuen. Es handelt sich um ein Doppelfest mit zwei geschlossenen Feiertagen. Da lohnt sich das Herausholen eines Schlipses schon. Er kann zur Feier des Tages durchaus noch beitragen. Schwarze Schlipse hingegen wecken, etwa bei Beerdigungen, nur dunkle Stimmungen. Es wäre da vielleicht besser, ganz auf das Krawattentragen zu verzichten. Doch Frauen mit dem Hang zum männlichen Schmuckstück sollen ihre Schlipse durchaus frei und ungezwungen tragen können. Wir Männer sind da nicht kleinlich. Wir scheinen allerdings mit den Jahren die Lust auf Schlipse verloren zu haben.

Der Brexitbinder 
Es gab auch eine Zeit, da wollte die Schlipsindustrie, dass wir den vorgegebenen Moden folgen. Einmal waren sie breit, und kaum zu binden, dann wurden sie wieder schmal wie ein Strich. Sie konnten dann die Linie zwischen Hemd und Knopfreihe kaum verdecken. Beim Speck ansetzenden Mann ist eine Krawatte notwendig, denn sie lässt die Kilos darunter ein wenig verschwinden. Wie immer man es betrachten mag: für einen Schlips ist in unserer Welt hoffentlich immer noch ein Plätzchen übrig.








Mittwoch, 7. Februar 2018

Donald Trump, mal etwas Neues.

Vor kurzem noch habe ich am amerikanischen Präsidenten kein gutes Haar gelassen. Vielleicht war ich etwas voreilig mit meinem Urteil. Wenn sich einer für den größten hält, läuft man ihm entweder hinterher, oder man verteufelt ihn. Doch jetzt ist die Lobesbrigade für Donald Trump voll im Einsatz. Er, steinreich aber ein Idiot? Mitnichten! Hat er nicht gerade etwas gespendet? Erwähnt, dass er mit den Großen dieser Welt auf Du-und-Du steht? Die englische Königin hat er zwar noch nie aus der Nähe erlebt, aber mit etwas Glück kann das ja noch geschehen.


ch rudere also ein wenig zurück: Man kann ihm nicht ohne weiteres vorwerfen, dass er reich ist und schon garnicht, dass er Präsident ist. Man hat ihn gewählt. Die Gelackmeierten sind diejenigen, denen das passiert ist. Das Fürchterliche daran ist, dass es keinen Schutzmechanismus gegen solche Entwicklungen gibt. Ein Bernd Höcke (ich ergötze mich, ihn so zu nennen, weil er das garnicht mag), nach allem, was er schon verkündet hat, wäre ein solcher Katastrophenfall für unser Land. Schon die Erinnerung an den lauthalsen Faschismus der Dreißigerjahre lässt uns schaudern. Das Internet macht heute diese Nullen ausreichend bekannt.

Der gute Bernd 
Von Trump weiß man nur, dass er inzwischen eine gut bezahlte Truppe von öffentlichen Lobhudlern hat, gegen die man nicht angehen kann, weil sie ihr Geschäft verstehen. Also hört man Töne, die eine standfeste Presse früher im Keim erstickt hätte. Doch die Medien, die übrigens nicht gegen Bestechung jeder Art gefeiht sind, sind schon längst unsicher geworden. Erst abwarten und Fehler machen lassen, scheint die Devise, bevor das volle Rohr zum Einsatz gebracht wird. Was diesen amerikanischen Präsidenten angeht, so gilt auch für ihn, dass nicht vollmundige Parolen den Ausschlag zu geben haben, sondern das Werk, das jeder Zeitgenosse mühelos am Geschehen ablesen kann. Wer das komplizierte Hin-und-Her in der Politik kennt, weiß, wie langsam die Dinge vorankommen. Wenn jedoch unterm Strich eine klare Null entsteht, ist Kritik nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Eine klare Null 
Die nächsten Wahlen dürfen nicht einfach herbeigesehnt werden. Sie müssen andere Ergebnisse erzielen. Das ist das Problem. Vor dem stehen wir und wundern uns, welche Nullitäten heute die Stirn besitzen, anzutreten. Wir sind uns immer noch nicht im Klaren, welchen Schaden das mangelnde Interesse des Wählers in den meisten Fällen anrichtet. Das Wort zum Sonntag, meist auch von der Kanzel herab, war nie eine echte Hilfe. Doch die Einflüsse, denen wir heute ausgesetzt sind, können noch viel fatalere Folgen auslösen, wenn wir nicht unseren gesunden Menschenverstand gebrauchen. Für mich ist die Wahl eines Donald Trump keine normale Sache, sondern immer noch ein globales Unglück, das vermeidbar war.  Wer sein Land wieder groß machen will, hat immer noch nichts kapiert.

Montag, 5. Februar 2018

Der Mensch, ein Stück Fleisch?

Ich war außer mir und ließ es auch wissen. Da fällt man im Bad auf den Boden, erinnert sich wenige Sekunden an nichts, hat eine fürsorgliche Frau, die ängstlich nach einer Ambulanz ruft. Wenige Minuten später lande ich auf einem Korridor in einem Krakenhaus und warte. Einige Stunden vergingen schon, bis man mich zu einer Blutabnahme wegtransportierte. Kurz danach fand ich mich wieder im Korridor und wartete. Inzwischen war der Nachmittag angebrochen, das Personal hatte längst Mahlzeit gehabt, und ich lag unbeachtet auf meinem Bett. Statt die Menschen im Korridor (ich war nicht der einzige) auf ein Glas Wasser einzuladen, oder mir zu erklären, dass ein unerklärlicher Notstand ausgebrochen sei, wurde ich systematisch missachtet. Keinerlei Erklärung.


Donald Trump hätte die am Empfang darbenden Hilfskräfte vielleicht zum Einsatz gebracht, jemand abgestellt, um Optimisus zu verbreiten oder das Krankenhaus kurzerhand aufgekauft, um es obdachlosen Migranten anzubieten, aber nein, ich wurde am Nachmittag nocheinmal blutuntersucht, ein vorläufiges Ergebnis, das sich schließlich als harmlos herausstellte, wurde mir gegen 22 Uhr zuteil, kurz bevor ich den Beschluss fassen konnte, einfach aufzustehen, mit meinen Puschen sockenlos den Korridor zu verlassen und nach Hause zu gehen.


Inzwischen konnte ich feststellen, dass mein gesamtes Bargeld aus der Börse geklaut war. Ich hatte die Diebe noch gesehen, war jedoch zu müde und unsicher. Konnte es auch nicht glauben. Wer denkt schon an Diebstahl, wenn er ungefähr 12 Stunden auf Korridoren herumliegt und auf Behandlung wartet. Eigentlich sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt den beiden Verdächtigen eine Falle stellen, um sie zu überführen. Zu viel Mühe für miese kleine Krankenhausdiebe, die nur leugnen können sonst nichts. Ich warne nur. Nie auch nur einen Pfennig unbewacht lassen. Anzeigen machen nur den Ruf eines Krankenhauses schlecht. Neben noch mehr Bürokratie ist nichts zu erwarten.


Irgendetwas ist faul in einem Land, in dem ein Versicherter, der auch noch gesalzene Rechnungen zu begleichen hat, wie ein Stück Fleisch abgestellt wird. Die totale Entmündigung des Menschen sollte seit dem Dritten Reich überwunden sein. Wie mag es da Menschen ergehen, die jede Pflege benötigen. Ich selbst möchte nicht zu den Meckerern gehören, die an allem etwas auszusetzen haben. Gewisse Notstände, wenn sie glaubhaft erläutert werden, können erduldet werden. Aber, wer es sich zu leicht macht, hat keine Rücksicht verdient. Einen Menschen, der nicht leidet, einen ganzen Tag auf Kranenhausgängen herumliegen zu lassen, ist unmenschlich. Und gegen die bekannte, unanastbare Menschenwürde.

Um die ganze Wahrheit zu sagen: das Gleiche passierte mir schon vor Jahren. Das Krankenhaus war dasselbe. Jetzt ist mir der Kragen geplatzt. Zurecht. Auf das Offenburger Krankenhaus werde ich künftighin gerne verzichten, wenn mein Gesundheitszustand dies erlaubt. Solche, die es geheilt verlassen, kann ich nur beglückwünschen.











Dienstag, 30. Januar 2018

Das Schiff

Spätestens am dritten Tag auf hoher See fragt man sich, warum? Die Welt besteht aus Himmel und Wasser, Frühstück und Abendessen. Und etwa 3000 Seetüchtigen, die im Voraus bezahlt haben. Das Schiff ist riesig. Die 3000 verteilen sich gerecht auf den 10-12 Decks. Das Essen an Bord (wo denn sonst?) ist mit langen Märschen verbunden, dafür jedoch meist ganz passabel.


Ob von diesen 3000, von denen einige recht hinfällig daherkommen, einige bereits verstorben sind? So ein Schiff birgt allerhand Geheimnisse. Wer beim Anlegen dieses Transportmittels zuschaut, entdeckt diskret vorfahrende, neutrale Limousinen, deren Inhalt unsichtbar bleibt. Nun, man muss ja nicht gerade immer auf das Vergängliche unseres Daseins hingewiesen werden. An Bord sterben mag sogar der Herzenswunsch des einen oder anderen (gewesen) sein. Die meisten wollen jedoch genießen.


Für die Passagiere gibt es sogar Sportanlagen, Pools, Unterhaltungszentren wie Kinos, Tanzflächen und sonstiges. Sicher kann man sich auch ein amouröses Abenteuer gönnen, wenn man alleine an Bord ist und die Überzahl an beleibten Körpern und deren Betagtheit keine Schrecken einjagt. Ein besonders eifriger Herr mit silbernem Gehänge um den schönen Hals und ausgesuchten Klamotten schwänzelte auffällig elegant um die Damen herum und führte immer wieder eine neue aufs Parkett. Wie so etwas endet, kann man sich nur schwer vorstellen.


Ein Riesenschiff also, auf dem man sich sowohl leicht finden, wie ebenso leicht verlieren kann. Ich hatte einen netten Herrn in ein Gespräch verwickelt, nachdem ich ihn zum zweitenmal zufällig angetroffen hatte. Dann, nie mehr, obwohl ich des öfteren nach ihm Ausschau hielt. Das Schiff war einfach zu groß. Der Herr für immer verschwunden.


Auch das Meer ist groß. Es scheint endlos. Man starrt in den wolkenverhangenen Himmel. Dann wieder auf die Wasserfläche herab. Ein heimatliches Gefühl kann da nicht aufkommen. Doch eine Woche bedeutet viel Abschied, man hat vergessen, von wo? Kann es sein, dass der Reiz des Meeres darin besteht, sich irgendwo zu befinden, ohne zu wissen, wo? Manche schwärmten vom unendlichen Sternenhimmel. Bei dieser ganzen Seefahrt habe ich keinen einzigen Stern gesehen. Das Universum blieb mir ein Buch mit sieben Siegeln.

Sonntag, 28. Januar 2018

Brigitte, was tust du da?

Lass mich raten: du denkst dir wieder ein Mordopfer aus, oder auch zwei, schreibst einen badischen Krimi und freust dich, wenn jemand deine Spitzenköchin, Katharina Schweitzer, quicklebendig in ihrem Lieblingsort Fautenbach (oder in Köln) beim Spitzenkochen überrascht. Ich habe deinen Bibbeleskäs gerade angefangen, zu lesen. Erwarte also nicht, dass ich den Mörder verrate. Das würde ich nie tun, außerdem kenne ich ihn oder sie noch nicht.


Dass du Brigitte Glaser bist, die badische Autorin, die auch mit Köln herumflirtet, weiß ich schon lange. Schließlich habe ich von dir auch schon die Mordstafel, die Eisbombe und Himmel un ääd gelesen. Kannst du mir erklären, wie ich mich davon abhalten kann, zumal als leidenschaftlicher Badener, ein haltloser Fan von dir zu sein?

Bei dick gewordenen Frauen sagt man: sie ging auf wie eine Dampfnudel

Die meiste Zeit meines vorgerückten Lebens (nein, ich habe Adolf Hitler nie persönlich gesehen, aber seinen blöden Gruß mit dem erhobenen Arm mit kindlichen Augen betrachtet) lebte ich fern von Fautenbach, an dem ich jetzt auf meinem Weg von Achern nach Oberkirch gelegentlich vorbei komme, und zwar in verschiedenen anderen Ländern. Dabei fallen mir ein: Frankreich, die Schweiz, Zypern, Österreich und England. Jetzt wieder im Badischen mit meiner englischen Frau, die sehr wohl verstanden hat, dass es auf dieser Welt keine Badenser, sondern nur Badener gibt. Köln wäre für mich nie infrage gekommen. Auch Düsseldorf nicht. Dort sagt man Badenser.


Ich mag dein aus dem Badischen entnommenes Hochdeutsch. Und die geschmacklich gekonnte Mischung aus Sex und Feinschmeck. Gerade ist eines unserer kochenden Vorbilder in die ewig singenden Jagdgründe hinübergewechselt. Auch himmlisches Kochen ist nicht verboten, raunt jetzt unser Paul Bocuse und schwingt den Löffel im Jenseits. Gott labe ihn selig. Dass du dich jetzt auf ein Kochduell mit den rechtsrheinischen Kochspitzen einlässt, ist ganz normal, liebe Brigitte. Meine Hochachtung für das Gewerbe ging mir in meiner Zeit in Paris etwas abhanden. Da wird auch nur mit Hühnerbrühe gekocht.


Also, Brigitte, ein gutes Essen, verzehrt mit einem schnuckeligen Mord, kann den Appetit nicht verderben sondern nur anregen. Man lege die Überreste einfach an den Tellerrand und mache ein pietätvolles Gesicht. Ich hoffe, dass du, etwa wie einst unser schreibfreudiger Freund Karl May,  auch weiterhin schriftstellerisch tätig bleibst und dich deiner wachsenden Anhängerschaft erfreust. Jetzt mache ich mich an den Bibbeleskäs, wovon ich jahrelang nichts mehr gehört habe, weil er sich ganz hochnäsig in Quark verwandelt hat. Wenn du willst, liebe Brigitte, erzähle ich dir später, wie mir der Bibbeleskäs geschmeckt hat. Und, warum hast du mir nichts über deinen Ecki-Schmerz erzählt?





Samstag, 27. Januar 2018

Ja, der Herr Doktor!

Es geht mir nicht um den reinen Doktor-Akademiker, den man sich per Doktorarbeit womöglich recht sauer verdienen muss. Es gibt sie zuhauf, diese Arbeiten. Manche drehen sich um das Liebesleben der Ameise, andere um etwas noch viel Wüsteres. Für Akademiker beiden Geschlechts ist der Doktortitel ein wohlgelittener Zierrat am zuweilen unspektakulären Familiennamen.

Patentrezept 
Es geht mir um den Doktor, der für gesundheitliche Probleme zuständig ist und auch nicht leicht zu erwerben. Er kann nicht alles wissen, deshalb ist es wichtig, dass der Patient ihm möglichst alles sagt und der Arzt möglichst viele Fragen stellt. Seine Doktorarbeiten beschränken sich oft auf ein selbst erforschtes Minimum. Etwa: Spätfolgen bei unsachgemäßem Blutaustausch bei Säuglingen. Die praktische Erfahrung kommt dann nach und nach dazu und hat mit dem Thema der oft kurzen Dissertation nicht viel zu tun.

Gesund essen? 
Die Erfahrung ist es, die den Doktor zum Arzt macht. Deshalb können auch ältere Damen mit ihren Hausrezepten gut als Hobbyärztinnen durchgehen. Ihre Erfolge, vor allem, was die Wehwehchen von Kindern betrifft, können sich gerne sehen lassen. Da der Tee in seinen unzähligen Erscheinungsformen ein Allerweltsheilmittel zu sein scheint, hat die Oma mit ihren Patentlösungen oft mehr Erfolg als der diplomierte Doktor.

Tasse Lindenblütentee? 
Bei der Anwendung von Radikalkuren hat schon mancher Doktor seinen guten Ruf verloren. Es sei denn, er kann nach schmerzreichen Prozeduren einen durchschlagenden Erfolg erzielen. Dabei kommt es dem Arzt nicht auf sensationelle Heilungen an, als vielmehr auf folgenloses Wiederherstellen des ursprünglichen Gesundheitsbildes. Der dankbare Blick des Geheilten, der sich auf den bescheiden lächelnden Wohltäter richtet, ist dann nicht zu übersehen.

Gesundheitssymbol 
Wo auch gestandene Ärzte kaum etwas zu sagen haben, ist die oft uneingestandene Selbstheilung des Patienten. Meine Mama hatte den Dreh heraus. Wenn der Kleine krank war, wurde er ins Bett gesteckt. Er schlief lange und tief. Dann wachte er gesund wieder auf. In vielen Fällen funktionierte das, und Arznei blieb unangerührt am Bett stehen. Man sprach dann gerne von einem Wunder. Ein schöner Beruf ist das, wenn man die Kräfte der Natur zu seinen Komplizen machen kann. Es lebe der Doktor, wobei rein statistisch die Frau Doktor zuerst zu nennen wäre.







Freitag, 26. Januar 2018

Wer über Jahre hinweg gebloggt

dem fällt dann auf, dass ihm nichts mehr einfällt. Einfältig also? Nun, die grauen Zellen werden nicht grauer, und auch nicht schlauer, höchstens, auf die Dauer, etwas mau-er. Hat nichts mit Trump und Mexiko zu tun. Obwohl, wer bedenkt, dass von diesem geltungssüchtigen Krösus immer wieder Reaktionen ausgehen, der schaut gelegentlich doch hin, in der Hoffnung, etwas Neues zu entdecken. Wenn da nichts mehr kommt, ist der Ofen aus. Ist er aber nicht.

Ofen aus? 
Doch die Mitteilungsindustrie läuft auf Hochtouren. Hat da nicht einer zum ersten Mal auf einem Planeten Zwillinge gezeugt? Ein echtes Novum. Oder in der Antarktis eine Eisdiele eröffnet? Schon Franz Josef Strauss, ein widerliches Urgestein aus Bayern, der es nicht schaffte, die Bundesrepublik auszulöschen, oder gar Bundeskanzler zu werden, schwärmte davon, in der Antarktis Kühlschränke anzubieten. Ob Fake-News oder nicht, viele Bundesbürger mussten sich das damals anhören. Heute stören solche Geschichten niemanden mehr.

Landläufige Einfalt? 
Die landläufige Einfalt glaubt bis zu 30% jeden Unsinn. Wenn er noch wissenschaftlich untermauert ist, sind es schon 60%. Das reicht für eine Mehrheit. Die AfD, die einen Bekanntheitsgrad von schätzungsweise 75% erreicht hat, missversteht das schon als Wahlergebnis und freut sich auf ihr gefühltes Führungspotenzial. Dabei haben wir noch immer nichts von einem Politprogramm gehört, das den Bürger (das sind wir!) liebevoll in künftige Unternehmungen einbettet. Eine Mehrheit, die lediglich eine gefühlte ist, ist das Wasser nicht wert, in dem sie hin- und hergeschwenkt wird.  Habe ich mich bezüglich der AfD genügend unklar ausgedrückt? Was sie will, ist doch, das Rentenalter zu erhöhen. Wie finden wir das?

Renten - Alter? 
Den armen Schwulen gönnen sie oft ihr schmerzlich erkämpftes Privatleben nicht. Doch bleiben sie tolerant gegenüber den verquasten Erinnerungen der Dreißigerjahre. Nostalgie als geschichtliches Erbrechen. Dabei ist schon der elektronische Anblick eines "Bernd" Höcke schlimm genug. Doch, die Verschmutzung des Internet ist noch nicht soweit vorgedrungen, dass eine, wenn auch, bescheidene Selbstreinigung stattfinden könnte. Es muss darauf gewartet werden.

Selbstreinigung? 

Warum eigentlich nicht? 
Seit 2010 blogge ich fast jeden Tag. Über Albernes, Ernstes, Eingebildetes und Wirkliches. Das Internet hilft, weltweite Meinungen zu bilden, die entsprechend immer differenzierter werden, wobei der eigentliche Radikalismus überhaupt nicht verschwindet. Das zu akzeptieren führt zu einem neuen Verständnis von Toleranz. Lassen wir uns das nicht nehmen. Der neue/alte Patriotismus ist nur eine milde Form des Erbrechens. Er riecht übel, wird aber immer wieder ältlich mit den Jahren und unappetitlich. Die Rechte, die sich selbst für rechtens hält, ist das Abgestandene an der Geschichte. Seine eigene Welt zu lieben, kann jedoch kein Patriotismus sein. Es ist eine jener Schwächen, auf die wir nicht verzichten können.









Montag, 22. Januar 2018

Bauchtanz ist auch Tanz.

Wovon träumen arabische Jünglinge? In einer schummrigen Bar im Orient - es darf ruhig am Bosporus sein - sitzen sie. Vielleicht haben sie einen Orangensaft bestellt. Sie rauchen, als stünde die Welt kurz vor dem Untergang. Die Musik stimmt das Publikum schon ein auf das, was kommen wird. Die Wüste ist es nicht. Nein, es ist eher eine ganz Hübsche. Sie zeigt einen leicht gewölbten Bauch, der in zuckenden Bewegungen rythmischer arabischer Musik die Sehnsüchte der Männer beschwört. Der Bauchtanz ist eine weibliche Verlockung der erotischen Art, die oft nur unter kräftigem finanziellem Einsatz Wirklichkeit wird.

Arabische Wüste 
Es ist arabische Musik im Angesicht der unendlichen Wüste. So muss man sich die liebende Sensucht eines Jungmannes vorstellen. Ein weibliches Gegenstück dazu scheint es nicht zu geben. Oder doch? Vielleicht, wenn die gute Mutter nicht nur auf ihre Linzertorte im Backofen wartet, sondern auch auf  das Lob der gefräßigen Männer (Vater und Söhne), wenn sie ausgehungert nach Hause kommen. Musik und Wüste lassen alles offen für die Träume der Menschheit. Niko Dostal hat mit seinem Sehnsuchtslied Heimatland aus "Monika" den Nagel auf den Kopf getroffen. Youtube hilft weiter, sozusagen, als Komplize des Internet. Anhören tut gut. "Heimat, dir gehört mein Sehnen". Doch mein Bollenhut ist auch nicht zu verachten.

 Aus Schwarzwald Ortenau. Gruß an Ronny.
Das Mädchen aus dem Schwarzwald landet ungeliebt in einer Großstadt und sehnt sich nach der Heimat, wo die wahre Liebe auf sie wartet. Vom träumenden Mann nimmt man an, dass er irgendwann die Kurve kriegt und die Richtige im Arm halten darf. Da klaffen aber noch gegenteilige Welten auseinander, von denen man hofft, dass bald die richtige Mitte gefunden wird. Es muss nicht das erspähte dritte Geschlecht sein. Doch bloßes Träumen genügt nicht, man sollte auch darüber sprechen können.

Da fehlen die Geldscheine


Auch der Bauchtanz ist nur ein Tanz. Arabische Jünglinge, wenn sie etwa Schubert lieben, können auch anders zu ihren Träumen gelangen. Ein gesenkter Blick ist dabei immer gut. Schwarze Augenbrauen und pfiffige Sandalen an den Füßen sind auch nicht zu verachten. Auch Lächeln hat immer weitergeholfen. Beim Veitstanz (auch ein Tanz) ist brennender Schmerz das auslösende Element. Da hilft meist nichts mehr. Der Rat: Den Tanz erst beenden, und dann sich wieder beruhigen. Totentanz: Auch ein noch so würdevoller Totentanz taugt nichts. Man überlässt ihn gerne den anderen.

Sonntag, 21. Januar 2018

Wenn du denkst, du denkst, dann ....

Manchmal sollte denken verboten sein. Man denkt sich so vieles aus, und sollte nicht. Ein Attentat auf Adolf Hitler. Das hat es gegeben, doch der Verdächtigte wurde selbst hingerichtet. Meine Mutter erzählte mir, wie ein Freund des Hauses in unseren Garten kam und aufgeregt gerufen hatte: Heute hat es ein Attentat auf den Führer gegeben, doch der Führer ist nur am Arm leicht verletzt. Welch historische Bedeutung hätte ein solches Attentat erlangen können. Doch es kam anders. Meine schwerkatholische Oma hätte sogar in Gedanken ein Attentat auf den Führer verübt, wenn dies möglich gewesen wäre.

Es hat nicht geklappt! 
An Donald Trump möchte ich erst gar nicht denken. Dabei gab es US-Präsidenten, die glaubwürdiger zum Wahlerfolg kamen als er und trozdem ermordet wurden. Abraham Lincoln, 1865, John F Kennedy, 1963. Reine Attentatsversuche an US-Präsidenten gab es, ich glaube, 15. Das hat mit dem deutschen Reinheitsgebot für Bier nichts zu tun, obwohl die ganze Welt es uns gerne madig gemacht hätte. Sie (die US-Präsidenten) kamen fast alle mal in Attentatsgefahr, wobei man sich fragen muss, ob in diesem Land eine echte Demokratiewerdung überhaupt stattgefunden hat. Bei genauem Hinsehen, wollte man einfach einen demokratisch gewählten Vertreter des Volkes beseitigen. Und von diesem Land hat das nazigequälte Deutschland Demokratie gelernt, wobei die deutsche demokratische Republik-Osthälfte damals außen vor geblieben ist.


Ich denke jetzt nicht, dass wir in Deutschland/Europa bessere Menschen sind. Es muss etwas anderes sein. Haben wir nicht fast alle Wölfe, die meist über Polen zu uns kamen, erlegt? Darin liegt, wenn man so will, unsere Kultur der Grausamkeit. Oder ist unser Denken ein anderes? Was hat Martin Luther als Reformator mit seinen 95 Thesen für einen Aufruhr gemacht. Die ganze damalige Welt hat er auf den Kopf gestellt. Viele dachten, ein neues Zeitalter sei angebrochen. Dann starb er ganz unerwartet auf seinem Weg nach seiner Heimatstadt Eisleben, 62 Jahre alt. Hier sterbe ich. Ich kann nicht anders. 


Die Gedanken sind frei, wird gesungen. Deshalb kann sich Herr Trump leicht etwas ausdenken, das er nicht für sich behalten muss. Dass er der größte ist. Dass er Amerika großmachen wird. Dass es Drecksländer gibt, die anders denken als er. Dass Frauen zum Betatschen sind. Dass er sich um nichts kümmern muss. Dass das Präsidentenamt wie eine Feder am eigenen Hut prangt, bis einer kommt um sie ihm wieder wegzunehmen. Donnie, Donnie, wir werden uns noch wundern, denke ich.






Samstag, 20. Januar 2018

Drei Sterne für Mama. Auch für Bocuse.

Was Paul Bocuse nicht konnte, war das geniale Bruzeln von jeweils 4 badischen Dampfnudeln in der gusseisernen, ovalen Gänsepfanne, das kleine Jungs (und Mädchen) in die obersten Lagen gastronomischen Glücks hinaufhob. Er hätte Lyon als Ort seines Schaffens aufgeben müssen und seine Restaurants im Badischen, sagen wir, zwischen Rastatt und Bretten angesiedelt. Für seine weltweite Berühmtheit hätten dann die Esser selbst gesorgt.


Leider ist der begnadete Kochlöffelschwinger jetzt mit 91 Jahren verstorben, wobei mehr als ein lobendes Wort angebracht ist. Immerhin war er einer der wenigen Dreisterneköche, die wohl nie um ihre Michelin-Auszeichnung zittern mussten. Auch meine von mir angebetete Mama, die neben der Dampfnudel noch allerhand andere Spezialitäten auf der Pfanne hatte, hätte nichts zu befürchten gehabt. Ihre Rouladen haben kleinen Feinschmeckern wie mir die Augen verdreht, der beigestellte Kartoffelbrei war göttlich (jawoll!), die Soße himmlisch und das Gemüse, was immer es war, herrlich. Gegen Muttern konnte kein Dreisternekoch ankämpfen.

In Vanillesoße 
Nun gab und gibt es neben Bocuse zum Glück auch Kochmeister beiden Geschlechts, die menschliche Geschmacksnerven freudig erzittern lassen. Erhebt man sich dann vom Tisch, zufrieden lächelnd, stellen sich dankbare Gefühle ein. Es sind nicht die kameragewohnten Schaum- und Sahneschläger, die das kulinarische Rennen machen, sondern diejenigen, denen man die Liebe des Kochens ansieht, auch wenn sie keine Diplome haben. So musste ich neulich in England eine mittelalterliche Köchin in einem Zufallsgasthaus darauf aufmerksam machen, dass ihre Suppe die allerbeste war, die ich jemals gegessen hatte.


Das Vokabular für solche Köstlichkeiten reicht nicht aus. Samten, mit vielfältigem und garnicht festzulegendem Kräutergeschmack, gewürzt, aber wie? Einfach saugut, ohne der Suppe nähertreten zu wollen. Wer ein ehrlich-zufriedenes Gesicht hervorzaubern kann, hat eigentlich schon alles gesagt. Oder, andererseits, soll es in Paris, ganz in der Nähe des Arc de Triomphe, einen Dreisternetempel geben, den ein englischer Restaurantkritiker des Guardian in einem langen Artikel zur Schnecke gemacht hat. Nicht nur der Koch, sondern auch das gesamte Personal, soll da auf den eigenen Lorbeeren sitzen. Die Qualität des Essens und des Sevice scheint da unter aller Kanone zu sein. Gott, behüte uns vor solchen Reinfällen, die ja auch noch ganz schön an den Beutel gehen.

Nach tausend Dampfnudeln. 
Ich muss gestehen, dass eine Dampfnudel allein sättigend sein kann, vor allem, wenn das im eigenen Saft gekochte Dörrobst dazu kommt und die Dampfnudel einen ganzen Teller abdeckt. Bei einer mir wohlgesonnenen Tante namens Ida, die sich selbst in einer Art Dampfnudelrausch befunden haben muss, erstellte ich einen kindlichen Rekord: Ich mampfte sechs Dampfnudeln, konnte mich kaum mehr bewegen und legte danach eine längere Dampfnudelpause ein.