Dienstag, 13. Januar 2015

Allah ist groß

Als Kinder in einem christlichen Land, in dem während der Nazizeit 6 Millionen Juden und viele Nichtjuden ermordet wurden, hatten wir keine Vorstellung von Allah, außer, dass er einen Propheten namens Mohammed hatte und uns nichts anging. Also wurde respektlos gereimt:
Allah ist groß,
Allah ist mächtig,
wenn er sich streckt,
3 Meter 60.

Gotteslästerung auf Kosten einer anderen Religion? Was machen wir dann mit dem alten Hut: Negeraufstand ist in Kuba,
Schüsse gellen durch die Nacht.
Auf den Straßen nach Havana
halten Negerweiber Wacht?
Auch das ist diplomatisch unsauber und rassistisch. Das N-Wort wurde eigentlich schon lange ausgerottet. Nicht nur wer dunkelhäutige Freunde hat, muss dies verstehen. Alle, die in den Vereinten Nationen herumsitzen kennen  und anerkennen die Menschenrechtserklärung. In Europa gibt es sogar eine von den Mitgliedsländern des Europarates unterzeichnete Menschenrechtskonvention, die bei Verletzungen Strafen nach sich zieht. Dass Juden genauso behandelt werden wie Nichtjuden oder Muslime, sollte eine steinharte Selbstverständlichkeit sein. Die Würde des Menschen ist da im Spiel. Man macht sich nicht über andere  und deren Glauben lustig. Auch Pegida, die sich über die "Lügenpresse" das Maul zerreißt, und dieses Un-Wort des Jahres 2014 beigesteuert hat, darf zur geballten Ignoranz gezählt werden. Beruhigt euch und schweigt lieber!

Dresden, oder wo Bigeda herumpoltert"

Bleiben die vielen Missverständnisse und das generelle Unwissen auf allen Seiten, die zu Gewalt und Terror führen können. In Paris haben wir es wieder erlebt. Allah und Gott als den gleichen Schöpfer anzusehen, kann für evangelische Christen ein Problem sein, weil der Koran Jesus nicht als Sohn Gottes anerkennt, sondern nur als Propheten. Für viele Katholiken und Nichtkatholiken ist der "Herr-da-oben" auch etwas doppeldeutiges. Die einen glauben an den gütigen, älteren Bartträger, der irgendwo auf Wolken thront, die anderern fürchten seine Strafe, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. In Malaysia gab es 2010 mehrere Anschläge auf christliche Kirchen, weil in einer Bibelausgabe in einer der Landessprachen das Wort für Gott Allah heißt. Das gefiel den Muslims nicht, also mussten 15000 Exemplare der Bibel eingestampft werden. Missverständnis? In der Sure 23 heißt es: "Er ist Gott außer dem es keinen Gott gibt". Unsere christlichen Namensträger, wie Gottfried, Gottlob, Gotthold, Traugott etc. sind wohlgemeinte, ein wenig aus der Mode geratene männliche Namen, wie auch der Islam welche hervorgebracht hat: Abdullah, Abul, Abdallah etc. Liegt hier etwa ein Problem?

Natürlich hat die westliche Welt den nötigen Respekt fehlen lassen. George Dubble-Ju Bush war so einer, der ums Verrecken auch heute noch nicht kapiert hat, was Islam bedeutet. Den Respekt vor anderen Religionen kann man nicht mit Erdöl in Verbindung bringen. Geld ist nicht alles, wenn man reich ist, aber Verachtung, Mißachtung und Unverständnis bedeuten viel, wenn man arm ist. Und Armut darf keine Schande sein. Aber, Majestätsbeleidigungen haben ebenfalls ihre Definition und ihre Umschreibung: Was Götz von Berlichingen sagte, hatte seinen Grund. Wer dem selbsternannten Sonnenkönig, Ludwig, dem 14. seinen Kratzfuß nicht machte, konnte im Elend schmachten.

Oh, my God!

Was unseren christlichen Gott betrifft, so haben wir folgende Rechte:

-wir dürfen an ihn glauben,
-wir müssen es nicht,
-wir dürfen auch annehmen, dass er als alter Herr mit weißem Bart geschlechtslos auf einer Wolke sitzt,
-wir können ihn fürchten, wenn er zornig ist,
-wir dürfen ihn abbilden,
-wir können auch etwas Abstraktes aus ihm machen, oder
-ihn mit dem hochverehrten Mammon gleichsetzen.
Was wir vermeiden sollten, ist, ihn offen zu beleidigen, lächerlich zu machen, herunterzuputzen, mit Dreck zu bewerfen, denn das wirft ein ganz schlechtes Licht auf uns selbst.

Was dürfen wir mit Allah? Wer bestimmt, was wir dürfen? Wer die Sachlage kennt, wird mit Respekt all denen begegnen, die einen Glauben haben. Das sind in unseren orientierungslosen Zeiten nicht mehr sehr viele. Muslime und andere. Wir sollten ihnen mit wohlwollender Achtung begegnen, denn ihre Lage ist ohnehin prekär: westliche Welt und Mentalität. Fremde Sprachen und wenig materielle Sicherheit. Umgeben von sinnlosen Produkten wie Coca Cola, Boulevardpresse, Schweinsburgerking und geringe Wertschätzung. Also, Vorsicht! Wir sind zwar Charlie, aber ohne Zynismus. Wir lachen gerne, aber es dürfen auch gute Witze sein. Wir wollen, verdammtnochmal, uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu denken und zu sagen haben, wenn wir es mit Achtung und Verständnis tun. Wer in einem muslimischen Land schon gelebt hat, sieht da keine Probleme. Nur wer unsicher oder unwissend ist, macht Fehler. Es ist zu hoffen, dass der Pariser Massenprotest in die richtige Richtung geht und zu etwas Positivem führt.










Samstag, 10. Januar 2015

Sind wir Charlie?

Eines ist sicher: was gerade in Frankreich abgegangen ist, berührt die ganze Welt. Die Opfer dieser fanatischen Attacke sind auch in Zukunft nicht nur in Frankreich allein zu befürchten. Das wissen wir ja schon. Religiöse Eiferer gab es schon im Mittelalter, mit den entsprechenden Gegenreaktionen derer, die den gesunden Menschenverstand vertraten. Auch Meinungsfreiheit und Vielfalt wurden damals schon angegriffen und verteidigt. Bei unserer Mobilität und Globalität haben wir jetzt Kenntnis von verwirrend ähnlichen Erscheinungen, die teils grenzübergreifend, teils national gestrickt sind, und über die wir nicht genug wissen. Die Ursachen dieser Gewalt werden, je nach nationalem Bedarf, immer wieder im falschen Lager gesucht.

In den baltischen Ländern und in der Ukraine sind es die russischsprachigen Minderheiten, die für potenzielle Gewalt instrumentalisiert werden können. Herr Putin sorgt gerne dafür. In Großbritannien, das wegen der verlorenen Kolonien schon lange ein Völkergemisch ohnegleichen darstellt, herrscht zwar nicht Friede Freude Eierkuchen, aber, die muslimisch-asiatisch-afrikanisch-exotische Welt identifiziert sich mit dem Land, wird nicht systematisch ausgegrenzt. Man geht nicht nur zum Chinesen, sondern überall hin, wo es etwas zu kaufen, zu essen und zu feiern gibt. Den etwas beknackten Menschen, der im Schlafanzug am Picadilly Square in London herumläuft, habe ich schon vor 50 Jahren gesehen. So, what? In der britischen Gesellschaft, wo Englisch natürlich der Kitt fürs friedliche Nebeneinanderherleben ist, so schlecht es auch gesprochen sein mag, scheint die moderne Welt nicht ständig am Auseinanderbrechen. Aber sie ist unglaublich bunt und auch ein wenig unbritisch geworden.

Deutschland, das seine Wiedervereinigung erst vor kurzem erleben durfte, scheint auf dem Weg zur multikulturellen Zufriedenheit. Man sage jedoch nicht, wir seien eine christlich-jüdische Wertegemeinschaft. Wertegemeinschaft, ja, aber mit mehr Toleranz und weniger Ängsten. Deutschland wird weder wegen der islamfeindlichen Eintagsfliege Pegida, noch wegen der AfD auseinanderfliegen. Die gemeinsamen Bindungen und die mautfreien Autobahnen (auch!) sorgen dafür. Und ein Bundespräsident, der einfach keine Zuspitzungen aufkommen lässt und notwendige Harmonie heraufbeschwört.

Das Problem scheint gegenwärtig Frankreich zu sein: die Sinnkrise in diesem Land hat ihre tiefen Gründe. Die Hauptstadt Paris bestimmt immer noch den Gang der Dinge. Und die Dame Le Pen sitzt nur noch in den Startlöchern, um sofort das französische Ego zu bedienen, wenn etwas schiefgeht. Für de Gaulle war es noch l'Algérie francaise. Aber auch die anderen, meist afrikanischen, Exkolonien wurden nicht, wie die britischen, nach und nach in die Freiheit entlassen. Nein, sie mussten sich dem massiven Druck der Frankophonie beugen. Alles ist darauf aufgebaut, eine Art Hoheit über die Ehemaligen aufrecht zu erhalten. Natürlich auch mit etwas humanitärem Einsatz. Und während schon Sarkozy sich gegen aufrührerische, arbeitslose Jugendliche stark machte, folgte die Mehrheit der Franzosen dieser Hetze und wählte ihn. Dabei war die große Angst der Franzosen nicht so sehr die Überfremdung, sondern der befürchtete Zerfall der Nation. Wie oft hörte man bei Konflikten: la France est divisée en deux. Die Medien formulierten es zusammen mit den Politikern. Dass man sich nicht ehrlich um die Eingliederung der "Ausländer" bemüht hat, scheint sich jetzt zu rächen, wo jeder merkt, dass es mit der Wirtschaft nicht so toll bestellt ist, und dass der Schuldenberg wächst, während die Arbeitslosigkeit voranschreitet.

Die Ursache dieser Situation ist nicht der Hass einiger weniger Muslime auf Frankreich - viele lieben das Land und leben gerne dort - sondern die Langsamkeit, mit der notwendige Änderungen herbeigeführt werden. In vielem ist Frankreich wegen des Verharrens in der gloriosen Vergangenheit hinter den Entwicklungen hergehinkt. Zehn Jahre? Zwanzig Jahre? Es gab vielleicht eine Zeit, wo man noch glauben konnte, dass etwas nur gut ist, wenn es aus Frankreich kommt. Vielleicht auch kulturell. Heute kann jeder Analphabet mit Leichtigkeit über den Tellerrand hinausschauen. Da genügt es nicht mehr, nur die nationale Eigenart herauszukehren. Auch Frankreich täte gut daran, sich mehr auf die Minderheiten zuzubewegen. Der Fanatismus im Namen einer schweigenden Mehrheit hat auf keinen Fall eine Überlebenschance, wenn das Zusammenleben ernsthaft und ehrlich praktiziert wird. Das Gewinke mit den Wahlen, die man nur zum Abstrafen der Vorgängerregierung benutzt, ist so eine Erscheinung, die man abschaffen sollte. Nur die Le Pens profitieren davon. Aber, wo sind die Reformen? Vergangenheit ist dazu da, dass man sie aufarbeitet. Das gilt für alle Länder, auch für Frankreich.


Donnerstag, 8. Januar 2015

"Es geht um unser Land"

sagten die deutschen Liberalen bei ihrem Dreikönigstreffen in (wo war das nochmal?). Zu den traditionellen Farben (blau, gelb?) kommt jetzt eine neue hinzu: Magenta = bläulich-grün? Eine Partei, die aus dem Bundestag geflogen ist, macht wieder von sich reden. Sie möchte etwas Glaubwürdigkeit zurück erobern, mehr als 2-3% Wählerstimmen einheimsen und wieder mitmischen. "Es geht um unser Land" steht auf ihrem Plakat (aber natürlich). Das hätte auch von anderen Parteien mit der gleichen Überzeugung ausgesprochen werden können. Angela Merkel hatte damit schon hantiert ("unser Land voranbringen") und es wohl wieder sein lassen, denn wir wissen alle, dass solche Sprüche die Glaubwürdigkeit und damit die Wählbarkeit nicht verbessern.

Was wir nicht benötigen, sind neue Parteien, die das Blaue vom Himmel herunterholen und sich sofort nicht mehr an das erinnern, was sie gerade gesagt haben. Das haben die alten Parteien schon besorgt. "Die Renden sind sischer" hieß es damals. Heute wissen wir, dass sie sicher nicht mehr ausreichen, um Menschen, die 30 bis 40 Jahre malocht haben, vernünftig zu ernähren.

Es hieß auch aus dem Munde einer Kanzlerin, wir, in Deutschland seien eine christlich-jüdische Wertegemeinschaft. Das klammert aus, das schafft ein hahnebüchenes Wir-Gefühl wo es keines gibt, solange wir nicht sehen, dass der muslimische Anteil an unserer Bevölkerung weit höher ist, als der jüdische. Aber, was bedeutet das? Wir brauchen kein neues, auf Rasse und Verallgemeinerung beruhendes Klassensystem. Was "wir" benötigen, ist Ehrlichkeit. Damit kann auch der rechte Schmutz beseitigt werden. Nicht durch Wahlängste und Leugnen der rechten Denkweise. Wer an die vielen schmutzigen Geschäfte denkt, die sich vor unseren Augen abspielen (Waffenhandel, Drogenhandel, Steuerflucht, Bankenbetrug usw.), der glaubt auch nicht mehr an eine Wertegemeinschaft.

Ich habe lange genug in einer überwiegend muslimischen Gesellschaft gelebt, um zu wissen, dass dies nichts mit Fanatismus und schräger Wertegemeinschft zu tun hat. Und in unseren abendländischen Gesellschaften gibt es mehr tägliche Beispiele für muslimische Toleranz als für Fanatismus. Man muss es nur sehen. Dass der muslimische Bevölkerungsanteil weiter wächst und uns allmählich zu überrennen droht, ist Schwachsinn. Die wirklichen Ängste in einer Gesellschaft (Gewalt, Krankheit, Armut, Bürokratie, mangelnde Bildung) haben damit nichts zu tun. Gut integrierte Muslime produzieren in einem "modernen" Gesellschaftssystem auf lange Sicht auch nur 1,4 Kinder pro Frau.

Die Nichtigkeit von Parteiprogrammen ist ebenso offensichtlich (ich rede nichteinmal von kalter Progression, Steuergerechtigkeit, Reichensteuer, etc.) wie das unvermeidliche Entstehen von Mythen und Gerüchten, trotz der totalen Vernetzung mit dem Informationsangebot in unserer demokratischen Welt. Vor ein paar Wochen saß ich zwischen Istanbul und Wien neben einem Juristen aus Baku, der in offizieller Mission unterwegs war. Im Gespräch wurde mir gesagt, dass man in Aserbaidschan davon ausgehe, dass der Anteil an Homosexuellen in der Gesellschaft rapide am Steigen sei, weil die westliche Welt mehr und mehr gleichgeschlechtliche Ehen zulasse. Der Endpunkt dieser Entwicklung wird allen Ernstes in 50 bis 60 Jahren erwartet. Dann wird die gesamte Bevölkerung schwul oder lesbisch sein. Da kann man nur hoffen, dass wir gut aufgestellt sein werden und unsere Renden sischer sind. Ich hoffe, die Liberalen werden wieder in den Bundestag einziehen. Da werden sie vielleicht gebraucht. Um Vorurteile auszuräumen?









Montag, 5. Januar 2015

NSA beißt sich die Zähne aus.

Man hört ja so einiges über die amerikanische Abhör- und Spionagepraxis. Inzwischen ist es jedoch den meisten nicht USlern egal, wieviel Energie aufgewendet wird, um die Welt noch besser auszuhorchen. Wir wissen auch, dass die anderen ebenfalls eifrig mitschnüffeln, sogar unser amatörhafter Juniorschnüffler BND. Den Briten haben wir ohnehin nie getraut. Deren Abhöreinrichtungen in Yorkshire kann man ungestört (von außen) fotografieren.

Ein Apfel ist manchmal nur ein Apfel!

Angeblich verbuttert die Firma, die ihr Hauptquartier nicht weit von Washington hat, in Fort Meade,  über 53 Milliarden $ für das Schnüffeln, wobei der NSA in den USA selbst Grenzen gesetzt sind und diese Zahl wahrscheinlich noch untertrieben ist. US Bürger dürfen nicht so unverschämt ausgehorcht werden wie wir Weltbürger. Was da an Info geklaut wird, ist so gigantisch, dass die Aushorchspezialisten nun ein hausgemachtes Problem haben: sie können den erschlichenen Mist nicht mehr sachgerecht verarbeiten. Um nachzukommen, müssen sie jetzt zusätzliche Millionen, etwa 50, für die Erarbeitung von Lösungen ausgeben. Das Ersticken an diesem erschwindelten Kram wäre wahrscheinlich billiger.

Mein letzter Blog (torrow bee '' sarbill...) handelte davon. Für normale Sterbliche unverständlich, jedoch leicht zu entschlüsseln, mag er den NSAlern zunächst Rätsel aufgegeben haben. Meine Verschlüsselung ist offensichtlich. Die verschiedenen Entschlüsselungstricks der NSA mögen schon manche Nuss geknackt haben. Bei einigen waren sie bisher jedoch nicht erfolgreich. Ich hoffe, dass sie sich auch bei  "torrow bee " sarbill die Zähnchen ausbeißen. Was Angie Merkel und die anderen mit ihrem Kryptofon tun, weiß man nicht. Auf dem Klo telefonieren? Das mag helfen. Ich vertraue jedoch darauf, dass der NSA bald der Saft ausgeht und Sparmaßnahmen ergriffen werden. Dann kann auch der unbedeutendste Erdenbürger seine Unterhosen fünfmal am Tag wechseln, ohne, dass es jemandem auffällt. Vielleicht bekommen die US-Menschen dann auch einmal ein besseres Gesundheitswesen, das einer Supermacht würdig ist.

Mein Entschlüssler

Nachtrag, und Grund, warum ich den verschlüsselten Blog verfasst habe: heute gegen 13 Uhr Mitteleuropäischer Zeit wurde er ins Netz gestellt. Drei Minuten später (es war bei Washington wohl gerade 7 Uhr morgens), klickte es zum erstenmal: die USA haben sich das Erzeugnis gegriffen. Keiner meiner amerikanischen Freunde und Verwandten studiert Blogs auf Deutsch um 7 Uhr. Es kann also nur die Schnüffelfirma gewesen sein. Soll man stolz darauf sein? Über 50% der Amis lehnen Schnüffelei selbst ab. Warum also? Ach ja, unser aller Sicherheit.

torrow bee '' sarbill xx when mad

S-nag3 ball ysaaq bir when N- over O- w1wwqa W-abton we sann67 dotiiD-en immerhin tqaaop-- we after. sarbill yok den hollard bee, bee? Omni22 ad soft ve butin Mail.ru dog manta ufq. 2to foer ever do bin la den. dic dic? Yok! 3526ben quarl ben sarbill. NSA soll darbit 22 torrow. hub aliiom 22 set barg9 sarbill.

Freitag, 2. Januar 2015

Fähnchenwechsel - eine Spezialität auch in der Politik

Zuerst eilt man zu den Fahnen. Wenn man das überlebt hat, ist man reif für einen Fähnchenwechsel. Der bittere Geschmack der Verachtung kennzeichnet diesen, denn der Wechsler wird seinen eigenen Bekenntnissen untreu, findet aber manchmal sogar hehre Gründe dafür. Bekehrungen könnte man dies nennen. Allerdings nicht, wenn es sich darum handelt, sein leicht zerfetztes Fähnchen in den Wind zu hängen. Verachtung war noch nie ein Grund, eine Karriere nicht neu zu beginnen, vor allem eine politische.

Aber Vorsicht: bei Kritik wird schnell scharf geschossen. Willy Brandt hat nichts in den Wind gehängt. Er blieb seiner Sache treu, was ein katholisches Kampfblatt, als es für die Christdemokraten um die Wähler-Wurst ging, ganz undemokratisch dazu anregte, ihn als Willy Weinbrandt zu bezeichnen. Manche haben eben keine Gürtellinie, wenn's um die Wurst geht. Andere konnten sich aus dem Nazitum unauffällig wegschleichen (Rolf Hochhuth hat's aber gemerkt!) und das Fähnchen unschuldig in Richtung christlicher Demokratie wenden. Beispiele gibt es viele. Kurt Georg Kießinger hatte es da leicht. Er war schon Baden-Württembergs Ministerpräsident, bevor er Bundeskanzler im deutschen Westen wurde und von einer Beate Klarsfeld georfeigt werden musste. Schwerer wurde seine Strafe nicht. Andere sanken auch ehrenvoll ins Grab, obwohl sie als Marinerichter in besetzten Landen noch Todesurteile ausgesprochen hatten, wobei ein Mensch mit oder ohne IQ damals schon sehen konnte, dass der Krieg für Nazideutschland verloren war. Die honorige Integrität des Altnazis war da schon lange durch christdemokratisches Umdenken gesichert. Ach, ja, Filbinger hieß der Kerl. Die vielen anderen Leichen im Keller anderer müssen wir nicht heraufbeschwören.

Fähnchen im Wind, unpolitisch?




Das Problem ist doch, wie überzeugend so ein Fähnchenwechsel ist. Verrat an den eigenen Prinzipien hat es immer gegeben. Er sollte aber nicht schleichend sein, sondern sich offen von einer eventuellen Bekehrung abgrenzen. Hat Angela Merkel, die Vielgelobte, Helmut Kohl verraten, oder hat sie sich einfach selbst weiter entwickelt, um das zu werden, was sie heute ist? Manchen können wir sogar eine Kehrtwende abnehmen, anderen müssen wir misstrauen, denn die Ziele und Gründe dafür werden nicht offengelegt. Die Linke will an die Macht. Das verstehen alle. Was sie genau will, muss sie noch erläutern, damit wir sie an ihren Früchten erkennen können. Deshalb könnte man Bodo Ramelow, dem neuen thüringischen Ministerpräsidenten erst einmal eine Chance einräumen. Man kann jedenfalls nicht behaupten, er hätte sein Fähnchen gewechselt. Das ist doch schon etwas.





Donnerstag, 1. Januar 2015

Wiener Walzer und Schwarzwälder Kirschtorte

Lange habe ich mir überlegt, was beides verbindet. Vielleicht nichts? Obgleich, Ohrenschmaus und Magenschmaus, liegen sie so weit auseinander? Das jährliche Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist eine Pflicht. Der Strauß-Walzer an der schönen blauen Donau darf niemals fehlen. Er schließt die internatioale Ausstrahlung des Konzerts obligatorisch ab. Fast obligatorisch ist auch das Hineinklatschen in die Pizzicato-Stellen durch das Publikum. Oder ist es eine andere Stelle? Johann Strauß Sohn hat soviele Tänze, Walzer, Polkas, Märsche und Operetten komponiert, dass man gerne die Übersicht verliert. Ganz zu schweigen vom ebenfalls das Konzert abschließenden Radezkymarsch, der allerdings von Johann Strauß Vater stammt. Vom kulturellen Standpunkt aus betrachtet, geht nichts ohne den Wiener Walzer, der selbst beim Tanzwettbewerb "Strictly Come Dancing" die ganze BBC-Gemeinde auf die Beine bringt.


Die Nazis hatten mit den Straußens so ihre Probleme. Die Straußpopularität war im Dritten Reich so überwältigend, dass das Vierteljudentum der Familie als geheime Verschlusssache gehandelt wurde. Fazit einer Spießergesellschaft: wir sind manchmal zu blöd, um eine harmlose Tatsache anzuerkennen. Die Schwarzwälder Kirschtorte hat als solche nie im Zentrum rassenwahnsinniger Überlegungen gestanden. Sie war auch nicht das Ergebnis nationalsozialistischer Schnüffelei. Hat sie deshalb alles so gut überstanden? Man möge mir solche Vergleiche verzeihen. Schließlich ist Neujahr. Da sind musikalische Genüsse ebenso erlaubt wie kulinarische. Den Magen verdorben hat mir allerdings die Ansage im österreichischen Rundfunk, als das Neujahrskonzert zuende war: (auf Englisch) es wurde "proudly presented by Rolex". Da nehme ich lieber noch ein Stück Black Forest Gateau. Eine Rolex benötigt an dazu nicht.


Mittwoch, 31. Dezember 2014

Sprache ist das einzigste wo wir haben.

Deshalb müssen wir damit umgehen, als handele es sich um einen unwiederbringlichen Schatz. Ich glaube nicht mehr an die Echtheit einer Person, wenn sie systematisch umso - umso sagt, statt je - desto. Auch die Wellness bringt es an den Tag. Und das Highlight. Und gerade um die Weihnachtszeit fühlen wir mehr und mehr like fucking stupid idiots. Wir brechen sprachlich aus einem Gehege aus, bedienen uns schlecht verstandener Formeln, die wir mit Hilfe der Medien übernehmen. Unsere Sprache wird jeden Tag primitiver. Alles wird Mega, Super, einmalig. Kälte wird automatisch zur Eiseskälte. Regen zu Starkregen, der Stau zum Superstau. Gut aufgestellt sein ist wichtig und Daslandvoranbringen auch.


Die Russen versuchen jetzt, das weitere Eindringen von Anglizismen zu verhindern, indem sie sich der eigenen Sprache entsinnen wollen. Das kann nur schiefgehen, denn reine Propaganda bzw. Lüge ist schon längst wieder die Währung in der bezahlt wird. Ob auf Englisch oder Russisch: wo ist der Unterschied? Es ist zu spät. Jahrelang haben sich die Sprachmacher, etwa in Frankreich, bemüht, den franglenglischen Tsunami aufzuhalten. Ja, man war sogar stolz darauf, Englisch so auszusprechen, wenn überhaupt, als würde man Erbrochenes weitergeben. Sehr patriotisch, aber auch hilf- und hoffnungslos, denn eine Fremdsprache ist keine Waffe, sondern ein nützliches Werkzeug, das, wenn überhaupt, nur gekonnt genutzt werden sollte.

Die Internationalisierung der Sprachen unter dem dominanten Gebrabbel des Englischen, vor allem im Internet, ergibt einen undefinierbaren Brei. Dabei gehen die Qualitäten einer jeden Sprache verloren: Genauigkeit, historisch Gewachsenes, Poetisches, Kreativität. Liebgewordene Begriffe des täglichen Lebens verstauben und werden nicht mehr ersetzt. Deshalb kauft man sich ein action ticket, fährt den verschneiten Berg hinauf und kommt als free ryder wieder herunter, nicht, ohne sich vorher eine action cam umgeschnallt zu haben, mit der man auch Selfies machen kann, oder shelfies, die dann ins Regal gestellt werden. Soll das noch Sinn machen?

Gebrabbel

Nichts gegen Englisch. Wer es beherrscht, findet eine sehr schöne, praktische Sprache, die sich hervorragend für Schlagzeilen eignet, aber auch für Wahnsinnshumor und hintergründige Literatur. Doch nur, wer in diesem Kulturkreis aufgewachsen ist, kann die Sprache "handeln", die anderen machen sich immer wieder zu kleinen Idioten, die gerne möchten aber nicht können. Deshalb kann man trotzdem das eine oder andere Wort übernehmen, denn sprachlicher Purismus ist auch dämlich. Sorry, sagen jetzt viele auf Deutsch: Entschuldigung scheint ihnen zu lang, und time is money. Tut mir leid.

Escalator breakdown. Nein, das habe ich in deutschen Landen noch nicht gehört. Wie würde man das nennen? Rolltreppenpanne, Rollikaputti, Geht nicht mehr? Wir haben die Wahl. Nur, es ist wie in einer richtigen Demokratie: wir müssen entscheiden, und zwar für das kleinere Übel. Dann finden wir uns in dieser Entscheidung wieder: wir sind dann wieder gut aufgestellt und bringen etwas voran. Vielleicht, unsere eigene Identität, die sich an Wörtern wie "Masterplan, "chek-in-time" oder Twin City Liner (das Boot zwischen Wien und Bratislava) nicht festmachen lässt.


Ich habe, selbst für schwere Fälle, noch keine Lösung gefunden. Wenn ich vor dem Computer sitze (sorry, ich meinte Rechner) fällt mir so manches ein. Und ich sage mir, don't be fucking stupid, say it in German. Scheißdrauf.

Samstag, 27. Dezember 2014

Weihnachten - der Griff ins Leere.

Es ist nicht die übliche Madigmache, die mich mal wieder gepackt hat. Schöne Erinnerungen an Lieder, Stimmungen, Gerüche, köstliche Genüsse. Sie kehren trotz allem regelmäßig wieder. Das Gefühl der Gehobenheit, das Fest für Kinder, dunkle Geborgenheit, Vater, Mutter, Großeltern haben Zeit, sind in einem Zustand freiwilliger Friedfertigkeit. Nüsse, Lebkuchen, Zimtsterne. Das genügt eigentlich zum kleinen Glück.

Doch seit Jahren schon muss alles glänzen. Warum müssen Gold und Silber alles überzuckern? Warum beginnt die Scheiße schon im August? Die Programmierung auf etwas, das es nicht mehr gibt? Schon bevor die große Bilanz gezogen ist, erfahren wir, dass der Umsatz nicht ganz den Erwartungn entspricht. Wessen Schuld ist das? Haben wir unsere Pflicht nicht erfüllt? Nein, haben wir nicht.

Die Tage ums Fest haben uns in 4 verschiedenen Ländern gesehen. Deutschland, wo wir erfuhren, dass Cathies Vater plötzlich verstorben ist. Mausens liebevoll gebackenes Dinkelgebäck sollte uns nach Wien begleiten, wo wir feiern wollten. Stattdessen kämpften wir verzweifelt um Flüge nach England, um von Cathies Vater Abschied nehmen zu können. Bleiernes Merry Christmas-Geplärre kam uns auch dort entgegen. Ein stürmisches Dauergegieße, dazu. Ahnungslose Konsumenten wünschten immer wieder dasselbe: Frohe Weihnachten. Dann kam die Erkältung. Sie traf Cath und mich gleichzeitig. In verschiedenen Betten versuchten wir, sie zu beheben. Bleiern und schleppend überstanden wir alles. Der Schmerz über den Tod von Lewis konnte nicht mehr wirken. Er lenkte nur noch ab vom Rest. Vom Regen, von Weihnachten, von vielen seltenen Begegnungen, die wie im Rausch vorübergingen.


Das Vereinigte Königreich hat vor allem damit zu tun, vor dem Fernseher Sünden der Vergangenheit aufzuarbeiten. Der ehemalige Bürgermeister von Scarborough war auch ein Schwein und wurde, wie so viele andere, jahrelang rücksichtsvoll gedeckt. Jetzt schämt man sich und ist empört. Kinderschänder, so muss man vermuten, eine ganze Nation. Ein anderer mißbrauchte seine eigenen Söhne, tötete und zerstückelte sie. Das gruselige Pendant zum idyllischen Singsang der Möchtergernstille des Festes.

Dann, beim Zwischenstopp auf dem Rückweg nach Wien, freundliche Angebote: Tulpenzwiebeln aus Amsterdam. Dazu, weihnachtliche Käseauswahl zum Mitnehmen. Dann: Landung am Heiligen Abend in Wien. Unglaublich, das Wetter, plötzlich. Strahlend blauer Himmel. Doch der Koffer ging in Amsterdam verloren. Scheißdrauf. Das ist eine Kleinigkeit. Die steckt man weg, genau wie die letzten Schlangen in den Supermärkten. Ach ja, einige Bettler sind noch zu sehen. Dann legen wir das Gepäck ungeöffnet auf den Boden. Auch die Post. Legen uns hin und genießen die plötzliche Stille. Was ist eigentlich mit Weihnachten geschehen? Ist es schon vorbei? Das Gebäck von Maus, liebevoll gebacken, ist immer noch da, wo es vergessen wurde. Jetzt tröstet es uns. Spendet Hoffnung, dass von nun an alle unsere Weihnachten so unkommerziell verlaufen mögen.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Lewis, why did you do this?


You know how much we love you. Your wonderful wife, your lovely children, Cathie, Richard and Rob, all the others. And then you left us without saying a word. We all had so many plans, you being always in the centre, somehow. Everything looked so fine, when - was it last September? - we were all gathered in Yorkshire to celebrate Johnny's and Claire's wedding.
Husband, father, Grandfather: you were everything for us. And then came the shock: Lewis Burton who liked a spiritual laugh, because he understood everything, just moved on without giving any notice. To say farewell to him, the church had to be changed rapidly three times because it seemed too small for all those who wanted to be there. When the final curtain closed, we knew that we had lost him for ever.
Now, we don't know whether we should be really happy, that he could leave us without obvious pains, without having to worry too much about us, just with his glass of whiskey in his hand, or whether we should allow us to cry over the loss. Sun Street in Haworth now looks empty. We lost a loving father and friend who was so strong and seemed so unbreakable. Now, we want to be glad over his unique way of going and at the same time we are so endlessly sad. What is, however, a final curtain for a man like Lewis? We will always see him and not the curtain. Remember him with love and loving respect.

Cath and her Dad