Sonntag, 4. August 2019

Umnachtung. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich bin geistig umnachtet. Das gebe ich zu, bevor es hinter meinem Rücken hörbar geflüstert wird. Oder, nennt man das "geistig ÜBERnachtet"? Die Nacht ist um, oder doch nicht? Nacht ist doch wenn alle Hühner auf der Stange sitzen und keinen Laut mehr von sich geben.
Ein neuer Tag muss also sein, was danach kommt: ein noch unbeschriebenes Blatt. Dann kräht der Hahn, und es geht wieder weiter. Auch für die Hühner, außer, es muss eines in den Topf. Dann gibt es Hühnerbrühe, Geschmacksache.

Die Nacht ist vorbei. Da ist sogar Sonne. Eine Bestätigung dessen, was ist. Auch die Umnachtung bestätigt sich. Worin besteht sie, die Umnachtung? Aus der Fülle der Leere? Wenn Leere füllt, womit dann? Da hat der Zahnarzt es leichter: seine Füllungen kosten zwar Geld, und sie halten nicht ewig, aber ihre Absichten sind bestens.

Leer ist leer. Das können sogar Spatzen von Dächern pfeifen. Obwohl, was Spatzen pfeifen, muss nicht auf eine Kuhhaut gehen. Ihr Pfeifen ist jetzt auch nicht mehr das Gelbe vom Ei. Der Verkehrslärm macht seine eigenen Gesetze. Selbst das Pfeifen im Walde kann heute akustisch hergestellt werden. Und, was heißt hier Wald? Eichenwald? Buchenwald? Blätterwald? Schon blättern wir um und befinden uns woanders. Dem Zahnarzt ist das nicht recht. Er möchte wissen, wohin er seine Rechnungen schicken muss. Sonst holt er sich seine Füllungen wieder zurück. Und eine Füllung kommt dann selten allein.

Also, das mit der Umnachtung könnte stimmen. Irgendwie ein ganz schönes Wort. Herr, es weih---nachtet sehr. Auch wenn es gen Ostern geht, wo die Eier angemalt daherkommen. Weihnacht? Weinacht? Why Nacht? Umweihnachtung??? Am besten, ich werde das mit der Nacht wieder los! Sonst verheddert man sich nächtens womöglich noch. Dann lieber ein wenig übernächtigt, ohne sich sonst noch etwas zu gönnen.


Mittwoch, 30. Januar 2019

Jo Nesbo, Der Sohn.

Da liest man einen guten Krimi von einem Norweger und kriegt mit dem deutschen Rechner nichteinmal den / (=Schrägstrich) über das o von Nesbo (= /) hin. Wenn das kreativ ist, brauche ich einen Besen (zum Fressen). Sind alle Computer so doof? Nun, Rechnern mit Humor bin ich noch nicht begegnet. Das ist wie bei Donald Trump: alles furztrocken. Und, was für ein Glück:

Harry Holes Erster Fall: der Fledermausmann. Harry Holes Zweiter Fall: Kakerlaken. ...... Harry Holes Zehnter Fall: Koma. Bis ich mich da durchgelesen habe, bin ich ein (ganz) alter Mann. Aber lesen hat mich immer schon total absorbiert. Was für ein Wort! Die Sorben waren mal eine sprachliche Minderheit in Deutschland. Gibts die noch? Wenn ja, wo?

Die Sorben: in der Lausitz. Aber, wo ist die Lausitz? Gute Frage. Kommt "absorbieren" von den Sorben? Wohl nicht. Aber, was weiß ich schon? Die Lausitz wird irgendwo um Berlin vermutet. Das könnte stimmen. Sorbisch wird nur noch von wenigen gesprochen.

Wie bin ich auf die Sorben gekommen? Ach, ja, ich hatte nichts besseres zu tun. Sorben haben nichts mit Serben zu tun. Oder doch??? Nun, bislang hat es noch keinen Versuch gegeben, diesen unsäglichen Trump aus dem Weg zu schaffen. Einen Versuch wäre es schon wert. Oder etwa nicht???

Furztrocken haben wir schon gesagt, aber hört das denn noch jemand? Trump loswerden wäre geil. Doch wenn Amerika solches Blondtoupet gerne trägt, warum nicht? Wir in Deutschland hatten immerhin einmal einen Goebbels. Das war viel schreihalsiger  und ebenso humorlos. Und es dauerte, bis der rätselhafte Schöpfer ihn zu sich gerufen hatte. Ein echter Schreihals weniger. Das war, zusammen mit Eisenhower, ein Trostpflaster wie es im Buche steht. Ich meine, General Eisenhower, mit seinen deutschen Ahnen, war das, was uns passieren musste.

Zurück zu Nesbo: warum bin ich von ihm abgekommen? Das mit dem nicht durchstreichbaren O wiegt nicht so schwer. Dafür ist er ein sehr lesbarer Autor, Jo Nesbo. Es musste einmal gesagt werden.

Freitag, 4. Januar 2019

Dann wollen wir wieder....

Das sagte mein Geiglehrer zu mir, als ich etwa 9 war und mit meinem vorsintflutlichen Geigenkasten zu Herrn Hummel geschickt wurde, weil er angeblich Geigunterricht geben wollte. Die Talentlosigkeit, beiderseits, hatte sich schnell herausgestellt, doch bemühten wir uns beide, dem Bildungshunger meiner Mutter einigermaßen gerecht zu werden.

Das ging nicht lange gut. Dann wurde der kindersargähnliche Kasten (in schwarz) wieder zu anderen musikalischen Vorfahren berufen. Er verschwand irgendwo unter dem Dach, wo sich kein Schwein um ihn kümmerte. Von meiner Oma väterlicherseits wurde ich mit Wohlwollen bedacht, denn sie sebst konnte noch nie einen Ton halten, den man als solchen hätte erkennen können. Nicht nach Noten, sodern nach Strich und Faden war bei ihr immer alles Musikalische flott daneben gegangen.

Doch mein Vater hatte einmal behauptet, er sei ebenfalls unmusikalisch und könne auf dem Klavierhocker nur einen Kopfstand machen. Ich besaß schon damals die Klugheit, es nicht auf einen Versuch ankommen zu lassen. Dafür muss er mir heimlich dankbar gewesen sein. Väter sind keine Unmenschen, und Mütter können manchmal das Ungeheuerliche sogar verhindern. So beschränkte sich die Neigung zur Katastrophe bei Papa auf das einmalige "Schaben" von Spätzle in kochendes Wasser: er hatte statt Salz Zucker ins Wasser getan.  Dann durfte er in der Küche nicht mehr tätig sein. Nichteinmal das Abkochen eines normalen Hühnereis wurde ihm mehr gestattet. Das war auch gut so.

Meine eigentliche Karriere als Violinist verlief wie das sogenannte Hornberger Schießen (Lexikon unter "Hornberg"). Ich probierte meine Talente auf anderen Gebieten aus. Zum Beispiel konnte ich mich in jedes Mädchen verlieben, das meines Weges kam. Wenn ich dann der zu erwartenden Abfuhr geschickt ausgewichen war, freute ich mich schon auf die nächste Schönheit. Heute würde man das "Sexismus" nennen. Da kann ich nur lachen.

Wer als Junge sich nur duckt und nicht nach der anderen Seite schielt, der verpasst einiges. Das wahre Glück kommt nicht alleine daher. Eine leicht speckbeladene Hüfte zum Anfassen wirkt da Wunder. Zweisamkeit könnte das genannt werden. Das wahre Glück ist also ein Doppelpack. Friede seiner Asche! Ich meine Herrn Hummel.

Dienstag, 1. Januar 2019

Es geht im Leben so vieles schief, dass

man sich fragen muss, ob überhaupt noch etwas nicht daneben geht. Leni Riefenstahl, die schillernde Fotografin aus der Hitlerzeit, sagte einmal, ich habe wahrscheinlich zu lange gelebt. Dass sie 102 Jahre alt wurde, sei nur so am Rande vermerkt. Ich liebte ihr kluges Gesicht.

Ich habe das Glück, einen besten Freund mit diesem Familiennamen zu haben: Christian und dessen Söhne, Martin und Christoph, und Mutter Christel. Manchmal bringt das Leben Menschen zusammen, und man akzeptiert es einfach. Seine süße Schwester Renate lernte ich bei einem leicht illegalen Besuch in der noch illegaleren DDR kennen. Es war auch möglich, der Deutschen Demokratischen Republik mit der Hauptstadt (Ost???-) Berlin unter Einzahlung einer Gebühr (in Westgeld) einen Besuch abzustatten.

Die deutsche Bürokratie muss damals pausenlos Purzelbäume geschlagen haben. Zum Lachen war es  nicht, vor allem für die sogenannten Bürger der DDR. Immer wieder starben Menschen bei der Flucht aus dem sozialistischen Paradies. Und Bahnhof Friedrichstraße war das Zauberwort, wenn man noch vor Mitternacht nach dem Westen von Berlin kommen wollte. Ja, man musste.

Mein Vetter Peter - er war Student wie ich - wartete immer an der gleichen Stelle am Bahnhof Friedrichstraße. Unsere leicht verschwörerischen Treffen gingen niemals schief, und das erste Bier wurde uns von einer wissenden Kellnerin mit Freuden serviert. Sie kannte den Laden.

Heute sind Jahre verstrichen. Gerade hat das Jahr 2019 begonnen. Walter Ulbricht (wer kennt ihn noch?) ist längst dahingeschieden, die Neujahrsknallerei hielt sich in teuren Grenzen. Unser neuer Hund heißt Trotzki und ist ein süßes Hündchen. Trotzki ist ein Rüde-Baby, sonst hätten wir ihn womöglich Angela Werkel genannt, denn er ist ständig am was Tun.

Wir haben jetzt das Gefühl, dass bei uns nichts mehr schiefgehen kann. Hunde sind der beste Freund des Menschen. Darauf trinken wir die letzten Reste unseres Champagners. Hoffentlich geht nichts daneben!

Dienstag, 2. Oktober 2018

I want to be a better man. Ehrlich?

Darüber hat einer ein Buch geschrieben. Habe ich natürlich nicht gelesen. Als Kind, mit etwa 8, wusste ich, dass ich ein Mann war, oder einmal werden würde. Und dass ich Mädchen für etwas Wertvolles und absolut Besseres hielt. Warum hätte ich das jemals bereuen sollen? Aber, Mann sein heißt noch nicht, ein besserer Mann sein. Sonst gäbe es nicht Schimpfwörter wie "Hallodri" oder "Dreckskerl".

Frauen, vor allem wenn sie älter werden, haben sich hingegen den Nimbus einer gestandenen Heldin zulegen können, wenn es ihnen gelungen war, womöglich mehrere Söhne zu gebären. Mussten diese dann im Krieg ihr Leben lassen, wurde aus der Mutter eine Kriegsmutter, oft sogar eine Kriegerwitwe.

Abgesehen von der Tragik lebten solche Witwen meist unbehelligt, indem sie sich in ihr einsames Schicksal fügten. In Kriegszeiten gibt es nie genug Männer. Nur die mit der Vollglatze oder den Grauschläfen, die durch irgendeine körperliche oder geistige Unzulänglichkeit durch die Maschen des Militärdienstes fallen. "Er hat nie gedient" galt fast als eine Schande, zumal der Krieg in Friedenszeiten nie so richtig als schmutzig angesehen wurde.


Also, ein Männerheld kann schon ein gestandenes Mannsbild sein, ohne Wenn und Aber. Man sagt das meist dann, wenn der Mann bereits über eine Ehrentafel irgendwo verfügt. Die Armen, die still ihr Leben lassen mussten, ohne gefragt zu werden, werden oft kollektif abgespeist. Unsere Gefallenen heißt es dann meist etwas einfach. Ihre Gedenktafeln stehen dann an einem Treppenaufgang oder in einer regengeschützten Ecke.

Als Mann, der als weißer Jahrgang dem militärischen Auswahlverfahren entgangen ist und auch heute noch Uniformen unappetitlich findet, freue ich mich auch im biblischen Alter über meine kriegsscheue Jungfräulichkeit. In Ehren grau geworden zu sein, ohne mit Orden und Tressen behängt, ist auch eine Auszeichnung der stilleren Art. Man braucht es nicht, aber es tut gut.

Freitag, 28. September 2018

Die Engländerin.

Cathie, die mich vor Jahren in einem Anfall historischer Ver2flung geheiratet haben muss, ist immer noch Engländerin. Ihr Deutsch und Französisch ist über jeden 2fel erhaben, und ihr Russisch geistert in meinem strapazierten Gehirn wie das unglaubwürdige Wabern eines Herbstwindes herum. Putin hätte sein helles Vergnügen damit, wenn er wüsste, was russofone Britinnen alles so loszaubern können.




Doch ein russofoner Russe ist gewöhnlich mit anderen Dingen beschäftigt. Genau wie die Holländer, oder die Badener, die immer dann ausrasten, wenn sie Badenser genannt werden. Einen Württemberger nennt man ja auch nicht einfach nur Schwabe. Wobei die unterschwellig gegnerischen Ethnien zwischen Stuttgart und Karlsruhe/Mannheim ihre Verwandtschaft kaum leugnen können. Doch wer möchte gerne der Vetter von einem Cousin sein?

Auch Adolf Hitler hat seine Finger vom British Empire gelassen. Lieber hat er sie sich anderswo verbrannt. Dem gebürtigen Österreicher gelang schließlich der Zugriff auf das Deutsche Reich, was schon in sprachlicher Hinsicht leichter war, als es mit Estland zu versuchen. Das etwas rollende "R" des Führers hätte ja auch mühelos auf Mussolinis Italo Rambo-Zambo gepasst. Doch die Helden der Geschichte verpassen oft das Wesentliche.


Der drohende Brexit lässt Cath erschauern. Nicht, dass sie die deutsche Bratwurst in Bausch und Bogen ablehnen würde, nein, als mit einem Deutschen verheiratete Britin, der süddeutsches Blut in seinen Adern fließen lässt, muss sie auch für anderes gewappnet sein: Linzertorte, wie Mama sie gemacht hat. Die Badische Dampfnudel, ein gastronomisches Bauwerk von ungeahnten Ausmaßen, oft mit einer aus Dörrobst liebevoll umgebenen Soße von der hinreissenden Art. Leider am Aussterben, wie es scheint.




Es sei denn, die schätzungsweise 150.000 Engländer in unserer geliebten bundesrepublikanischen Schmankerlhochburg beschlössen, bei uns zu verbleiben und - soweit noch unverheiratet - alleinstehende Hobbygermanen zu ehelichen. Dann könnte sich die über 90jährige Monarchin Elisabeth, die Zweite, einen gestrichenen Teil ihrer Wurzeln wieder einverleiben. Mir persönlich reicht jedoch eine einzige Engländerin um glücklich zu sein.


Man muss das Unmögliche wenigstens versuchen.

Seit Tagen ist das Wetter kein Wetter mehr, sondern es ist einfach schön. Auch Cath, meine liebevoll angeheiratete Engländerin, wettermäßig eigentlich am ewig absteigenden Ast nordischen Wetters festgezurrt, findet, dass das Wetter eine Dauereinrichtung geworden ist. Wo bleibt die Entrüstung über unbotmäßiges Geregne? Das Windgeheul? Das Schneegestöber? Der auf seinem Weg dahertrödelnde Möchtegernherbst?


Nur wohlwollende Sprüche scheint es fürs Wetter zu geben. Temperaturen zwischen 27 und 32 Grad, wohlgemerkt, Celsius. An Wollhandschuhe ist nicht zu denken. Wer will denn im Herbst noch nach Italien? Sieh, der Sommer liegt so nah! Wer erst vor kurzem geboren wurde, hat noch nie einen Winter gesehen. Geschweige denn spiegelglattes Eis auf den Straßen.

So ändern sich die Zeiten. Neuerdings werden sogar Videos mit Schneestürmen als Abendunterhaltung angeboten. Dabei werden auch Strommasten gekonnt umgelegt. Vor allem Kinder lieben diese Horrorszenen, bei denen auch schon mal ein schnuckeliger Nikolaus durch die Lüfte fliegt, natürlich unter Zurücklassung der vielen adrett verpackten Geschenke für die Kleinen.


Es weihnachtet auf jeden Fall sehr. Die Geschenkeindustrie produziert ja schon lange Osterhasen, die wie kleine Tannen aussehen. Ein kleiner Griff, und aus dem Hasen wird ein Knecht Ruprecht. Der etwas ältliche Geruch wird sanft übersprüht, und schon duftet der Nikolaus nach Zimtsternen. Welches Kind flattert da nicht mit den Nasenflügelchen.

Mami, ich kann nicht mehr warten. Wann ist endlich Weihnachten? Dass mir keiner auf die Idee kommt, zu meckern, sollte das Schneetreiben anhalten. 10 Jahre hat es nicht mehr so richtig gestürmt.  Werd endlich wieder zum Wetter, Wetter! Wozu haben wir die Gummisachen von der Oma? Aber nein, 30 bis 32 Grad. Bei Männern kommt noch hinzu, dass die Produktion von Spermien sich um 30% vermindert, wenn die Unterwäsche, genauer gesagt, der Slip, zu eng anliegt.

Oder, soll man den Dingen einfach ihren Lauf lassen? Man muss das Unmögliche wenigstens versuchen.


Samstag, 15. September 2018

Eine Brezel, zäh wie Hosenleder...

Was habe ich heute sonst noch alles falsch gemacht? Ich zerre an der Brezel, lade Butter auf mein Gezerre, und nehme die Tasse in die Hand, in der sich mein Kaffee befindet. Sie ist die einzige im ganzen Haus, die ohne Henkel existiert. Dafür ist sie blütenweiß. Völlig unnötig.

Es geht um ein einsames Frühstück. Doch früh ist es nicht mehr. Ich muss meine Pillen nehmen. Cath hat sie mir in das kleine silberne Döschen gelegt, das ich von einer heute 90jährigen türkischen Freundin vor x Jahren geschenkt bekam. Damit ist das Silberdöschen noch lange nicht abgehakt. Ich nahm es zu allen Reisen mit. Es ist die Insel in meinem chaotischen Lebensgewässer.

Das Döschen
Neulich, als ich mein Silberzeug polierte, was für ein Reinigungserlebnis (zum erstenmal!), nahm ich mir auch das Döschen vor. Es ist nicht größer als ein Zweieurostück und glänzt wie nie zuvor. Eigentlich sollte ich mich schämen. Aber, das kann ich jetzt nicht. Vor allem, wenn ich an diesen Trump denke, der durch einen Akt kollektiven Schwachsinnes jetzt ein Land führt, das  es nicht verdient hat.

Döschen von innen
Der ist sicher stolz auf seinen Erfolg. Dabei hat er wohl noch nie eine frische Brezel gegessen, dieser Hallodri. Die besten gab es früher auf dem Bahnsteig des Mannheimer Bahnhofes. Diese Brezel-Ehrung war schon lange fällig. Kinder trugen sie früher wie eine Trophäe in der Hand und bissen hinein, als hätten sie drei Wochen lang nichts zu essen bekommen.

Das Hohelied der Laugenbrezel mit Salz, oder der Salzbrezel mit Lauge ist vielleicht noch nicht gesungen. Woran kann das liegen? Weil  die Brezel heute auch nicht mehr das ist, was sie einmal war? Auch das Leder meiner alten Krachledernen, auf die ich immer so stolz war (nocheinmal herzlichen Dank, liebe Mutter), ist brüchig geworden. Es gehörte ein lederner Hosenträger dazu, auf dessen Brustverziehrung ein elfenbeinener Hirsch mit Geweih prangte.

Andererseits war ich immer sicher, dass eine Laugenbrezel ein gewisses Maß  an Zähigkeit aufweisen muss, denn von knusprigen Brezeln habe ich noch nie etwas gehört. Die Neujahrsbrezel ist dagegen eine mütterliche Sonderfertigung, ohne Lauge. Sie kann riesengroß sein (nicht die Mutter, Du Trottel!) und wird gewöhnlich genussvoll in den Kaffee getunkt. Was für ein Vergnügen!*

*aus politischen Gründen wird hier auf eine Abbildung der Brezel verzichtet.


Dienstag, 28. August 2018

Die (alte) Sau ergraut. Mit Würstchen oder Fisch.

Es gibt sicher Franzosen, die noch heute von der foix gras schwärmen wie in alten Zeiten. Die Gänseleber ist jedoch (leider) sowas von aus der Mode gekommen. Im Geiste sitze ich immer noch in meinem Lieblingsgasthof, entweder im Pariser Norden, oder in der Wantzenau bei Straßburg, bei Madame Schaeffer, um die harmlos ausschauende Gänseleberpastete zu essen. Schon der Duft....

Foix gras hieß es damals, bevor man uns wegen der Stopfung der armen Gänse diese Delikatesse madig machte. Gut, die Tiere mussten leiden. Doch mit einem halben Liter elsässischem Weißwein als Begleitung verwarf man jede Art von Feinfühligkeit. Es konnte entweder ein Muscat oder ein Gewürz(traminer) sein. Man bekam himmlische Anwandlungen.

Gänseleber. Was sonst.
Was in alten Zeiten eine Selbstverständlichkeit war, hat der gastronomischen Verpönung Platz gemacht. Bedauert man das nicht manchmal, ein wenig? Auch wenn das Gesicht schuldbewusste Signale auszusenden hatte, haben die Geschmacksnerven gejubelt und der Magen Lobpreisungen angestimmt. Die Mischung von schlechtem Gewissen und Hochgefühl in der Bauchgegend war jedem bekannt.

Dann kam auch das Hackebeilchen für die Gänseleber. Wer schiebt sich diese jetzt heimlich rein? Man könnte vor Neid platzen. Für mich musste immer noch eine hauchdünne Schicht Himbeerkonfitüre auf die hauchdünne Weißbrotschnitte. Dann strahlte ich jeden an, der es haben wollte. Dabei ist mein Thema das Sauerkraut.

Meine Mutter kochte es ab Januar mit Apfelstücken. Dann war es weniger sauer. Überhaupt hat das Sauerkraut erstaunliche Anpassungen durchgemacht: Das Klassische, mit Saitenwürstchen und Kartoffelpürree war eine Sache. Das in einem elsässischen Dorf von zwei kochenden Freunden zubereitete Choucroute aux trois Poissons, das mit den drei Fischsorten, konnte als durchaus essbar durchgehen. Für den Neuling kam es wie eine Köstlichkeit daher. Sauerkraut mit Fisch!


Freitag, 24. August 2018

Die erste Feige im Garten.

Normalerweise ist es so, dass in einem deutschen Garten Feigen, und dazu noch reife, nicht wie Sand am Meer gedeihen. Als Student in Freiburg im Breisgau, bewunderte ich immer den Feigenbusch in einem Vorgarten. In der Nähe des Bahnhofs. Total exotisch. Ob die Besitzer wussten, um was es sich da handelte? Das war vor 50 Jahren.

Gewöhnlich fuhr man als Tourist in wärmere Gefilde, um das Glück zu haben Feigen anzutreffen. Ich muss einmal ein Feigenbäumchen aus Südfrankreich als Zierpflanze mitgebracht haben. Unbeachtet bekam es regelmäßig seine Portion Wasser mit, wenn gegossen wurde. Plötzlich war das Bäumchen zwei Meter hoch und trug Früchte.


Im Übrigen waren es nicht so sehr die Feigen, die der sonnenerpichte Germane zu sehen wünschte, vor allem für das obligatorische Foto, sondern die Palme, das Standardsymbol für den Süden. Die Palme thronte dann für immer in den vergilbten Alben von Oppa und Omma. Nicht jeder hatte damals schon das Glück, unter Palmen wandeln zu können, und der doofe Trump litt damals noch unter der Schmach, noch nicht geboren zu sein.

So hat alles sein Gutes. Als am Anfang ihrer erbärmlichen Existenz die unsägliche BILD-Zeitung titelte: Wird Elisabeth Königin von Europa? kaufte ich dieses Blatt, aus reiner Neugier und las die trotteligen fünf Zeilen auf der ersten Seite. Ich habe dieses Käse-Ding nur dreimal in meinem Leben gekauft. Damals kostete es noch 10 Pfennige. Mit diesem bescheidenen Betrag hat die BILD sich in die Geldbeutel der arbeitenden Bevölkerung eingeschlichen.

Zurück zu den Feigen. Als solche ist sie keineswegs so sexy wie der Pfirsich. Eine schallende OhrFeige hat bei weitem nicht den Sexappeal eines reichlich mit Sahne durchsetzten Feigenkompotts.
Und ein Feigenschnapps wartet noch immer darauf, erfunden zu werden. Ein echter Alkoholiker schreckt davor natürlich zurück. Es muss nicht sein°.

°Ich erfahre soeben, dass es den Feigenschnaps GIBT. Danke, Sieglinde! Und, dass man Schnaps mit einem P schreibt, nicht mit zwei. Und, dass es auch Feigenlikör gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.

  

Dienstag, 7. August 2018

Ein Staatsmann, was sonst.

Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler, wäre im Dezember 100 Jahre alt geworden. Ein Bundeskanzler, auf den man stolz sein kann. Ich hab in seinem Buch gelesen. Eine Freude, etwas Intelligentes zu lesen. Wenn ich mir andere ehemalige Bundeskanzler vornehme, bleibt eigentlich nur noch Ludwig Erhardt, auf dessen Grab ich ein paar Nelken legen würde.


Donald Trump möchte in die Geschichte eingehen? Oder ist es die liebe alte "Gechichde" unseres Helmuts? Das klingt nicht sehr aufregend. Da alle nationalen Geschichten irgendwie schon besudelt sind, fragt man sich, was man da noch aus dem Hut zaubern kann? Geschichte mit einem neuen Kick? Fußballweltmeisterschaft, gepaart mit einer Rekordproduktion an Downuts? Igittigitt. Dann lieber einen ungeahnten Ansturm auf die Beichtstühle am Osterfreitag.

Staatsfrau mit Sternenkranz?

Obwohl, Staatsmänner nutzen die religiöse Geneigtheit von Gläubigen, um gelegentlich Verwirrung zu stiften. Wie man da wieder herauskommt, bleibt ein Rätsel. Staatsmännern gelingt es nicht immer, als solche zu Buche zu schlagen, sonst würden Premierministerinnen wie Theresa May wie weibliche Phoenixe dahergeflogen kommen, ohne zu viel Asche hinter sich zu lassen.


Da fällt mir Perikles ein, oder auch Demostenes. Echte Staatsmänner, die nichts mehr beweisen müssen, weil sie erfolgreich im Reich der Toten herumschwirren und in unsere Geschichte eingegangen sind. Ein Donald Trump ist dagegen ein unwissender Anfänger mit Sextanerbläschen. Da darf man sich nicht wundern. Doch, wer weiß, vielleicht mutiert er noch zum Staatsmännchen?

Samstag, 4. August 2018

Das WETTER

Das schönste aller Wetter ist das, worüber man nicht reden muss. Es darf auch ein unerwarteter sanfter Schneefall sein. Viele jedoch zerreißen sich täglich die Mäuler darüber, warum dieses Scheißwetter nicht endlich besser wird. Eine Warnung vorweg: Wetter wird nicht besser oder schechter, es bleibt was es ist: das Wetter. Sollte es wirklich gut genug sein, wird dann vorsichtig hinausgegangen.


Bei einem gewissen Alter, wenn die meisten Stürme des Lebens unverrichteter Dinge vorbeigezogen sind, wird das Wetter zu einem mitfühlenden Freund, der gelegentlich auch mit freundlichem Nieselregen darauf aufmerksam macht, dass man den Schirm zuhause hat liegen lassen. Dann muss Mama den nassen Kopf von Opa mit einem Handtuch abtupfen, während Frauen auch bei Regen und Schnee meist eine modische Kopfbedeckung tragen. Die bekommt man jeden Frühling neu von der Hutmacherin, eine Berufsvariante, die nicht ausstirbt, auf den Kopf.

Männer hingegen teilen sich in zwei Blöcke auf: die Hutverachter und die Träger(die meisten bestehen aus Filzdeckeln habe ich mir sagen lassen). Die Hüte natürlich, als echt männlicher Kopfputz. Rübezahl ist einer der berüchtigteren Hutträger, und der Papst belässt es meist (eigentlich immer) bei einem putzigen weißen Kepi, das nicht einmal bei Stürmen vom päpstlichen Kopfe gefegt wird, was aber auch andere Gründe haben kann. Bei gläubigen Juden darf auch mal eine Haarspange benutzt werden, sofern es sich nicht um einen orthodoxen Kahlkopf handelt.


Als ich von meiner zweimonatigen Mitbruderschaft in einer nichtschlagenden Studentenverbindung in Heidelberg die Schnauze voll hatte, wurde ich mit Nachdruck (Strafe muss sein) aufgefordert, mein zugegebenermaßen hübsches Verbindungsmützchen wieder abzugeben, obwohl ich es wahrscheinlich bezahlt hatte. Das Liedchen, das wir damals mit Imbrunst und keineswegs nüchtern gesungen haben (manche hatten auch das Gröhlen ganz gut drauf) hieß: Liebchen weißt warum die Brust mir schmückt ein weißblauweißes Band? Weißblauweiß, der wahren Liebe einzig wahres Unterpfand. 


Blauweißblau 
Verbindungsdeutsch klang immer schon etwas hohl. Vor allem die frisch vom mütterlichen Haus entlassenen Jünglinge haben dies unter dem Einfluss eines ungewohnten Gläschen Weins, fröhlich nachgeplappert. Einmal durfte ich erleben - so etwas ist absolut unbezahlbar - wie eine besorgte Mutter in eine Vorlesung kam und unter dem Gelächter der Komilitonen, sich ihren Sohnemann griff und aus dem Hörsaal schleppte. Mit allergrößter Sicherheit ist aus diesem Hoffnungsträger noch etwas ganz Ordentliches geworden. Mit anderen Worten: es hängt nicht immer alles am Wetter. Und Wetterfahnen haben ihre eigne Art zu hängen.








Montag, 23. Juli 2018

Elefanten säufzen.

Wonach kann man sich mit 80 noch sehnen? Als ich ein kleiner Junge war dachte ich, ich könnte nicht "gut" genug sein, um einmal eine Frau zu kriegen. Doch dieses Problem wurde früh gelöst. Ich verliebte mich etwa hundertmal. Mein Kreislauf war dabei oft auf Hochtouren.  Und manchmal sprach er zu mir: das ist sie nicht. Also verliebte ich mich wieder neu. Daran ist nichts auszusetzen.

Diese hier ist von Christl Schneider-Götz 
Jetzt sehne ich mich nach Ruhe. Aber nicht nur. So ein fliegender Engel, oder gar einen Elefanten zum Säufzen zu bringen, das sind auch Leistungen, denen man nicht aus dem Weg gehen sollte. Den Engel ziehe ich zurück. Mir hat seine Geschlechtlichkeit nie so richtig gepasst. Da kann einer fliegen, sich mit seinen weißen Schwingen in die Lüfte erheben, auch noch lautlos, und dann soll man darüber hinwegsehen, wie über eine nicht stattgefundene Bauchlandung? Nein. Und nochmals nein.


Also, die Geschlechtlichkeit der Engel mag ja Vorteile haben. Als Kind darf man darüber stundenlang nachdenken. Engelflattern. Warum nicht? Dennoch wäre mir nie eingefallen, dass Engel auch schwanger werden könnten. Das passt nicht ins Konzept. Ein säufzender Elefant schon eher. Da kann man wohlwollend mitsäufzen.

Und auch ein wenig mittrampeln, denn ein Elefant ist ein Trampeltier. Er mag das. Bei Karotten wäre ich jedoch etwas vorsichtig. So große Karotten, ich weiß nicht. Dann lieber ein Kübel frisches Gras. Haben Karotten auch Würmer? Das würde mir die Sache verekeln. Neulich kam mir einer aus einem angebissenen Apfel entgegengekrochen. Weißlich, fett, sich krümmend wie ein Wurm. Ich musste mich schütteln.

Elefant? Wurm? Goebbels? 
Wer mit 80 noch alle seine Zähne besitzt - und ich sage: alle - der kann getrost jeden Apfel von der Seite her annagen. Ich war mein Leben lang ein Apfelnager. Ein lausiges Apfelbäumchen steht in unserem Garten. 18 Jungäpfel hängen jetzt daran. Geblüht hat es wie wahnsinnig. Jetzt müssen wir noch die heftigen Sommergewitter überstehen, dann werden wir sehen, wieviele Äpfel noch hängen werden. Der Elefant säufzt fast unhörbar.


Donnerstag, 19. Juli 2018

Ich bin ein weiblicher Edelstein.

Das höre ich gerade im Radio. Ich dachte, diese Art von Marienverehrung hätte schon längst wegen mangelnder Nachhaltigkeit das Zeitliche gesegnet. Ein Edelstein muss nicht weiblich sein. Und, Maria muss auch nicht immer ihren Mantel ausbreiten, wenn fromme Sänger ihre Stimme erheben.

Wenn ich mich recht erinnere, wurde die lupenreine Dame vor allem während der Maiandachten (im Monat Mai natürlich) verehrt. Dabei wurde ihr reines Herz und ihr von den gefalteten Händen herunterhängender Rosenkranz meist von älteren Verehrerinnen bejubelt. Ein süßer Knabe hing lässig auf ihrem Arm. Dass er herunterfallen könnte, wurde offensichtlich nicht angenommen. Der Künstler schaffte es meistens ganz souverän, dem Knaben einen überirdischen Glanz zu verleihen.

Magnificent Dawn French
War es Furcht, Neid, Bewunderung, wenn ich als Knabe in der Kirche vielleicht etwas zu neugierig den kleinen Jesus anstarrte, wohl auch um von ihm Absolution für meine kindlichen Vergehen zu erlangen? Wie konnte man als Kleinkind schon ein solches Ansehen bekommen, wenn man im Leben noch nicht viel getan hat oder hat tun können?

Fragen über Fragen bestürmten mich, vor allem, wenn ich versuchte, ein endloses Lied mitzusingen, dessen Text mir wie ein spanisches Dorf vorkam: Oh, Christ hie merk, den Glauben stärk und schau dies Werk. Was darin ist, Herr Jesu Christ Du selber bist.  Das wäre für einen freundlichen Chorknaben ja noch gerade durchgegangen. Doch, was dann kam, jagte mir immer poetische Schauer über den Rücken: Ave, Jesu, wahres Manhu, dich Jesu süß ich ewig grüß, oh Jesu süß.


Dich Jesu süß... 
Ich weiß nicht, was es war: Unbotmäßigkeit, künstlerischer Instinkt, oder einfach Verachtung für einen, der alles versuchte, fromme Weiber auf Trab zu bringen? Als Kind kann man unvernünftig streng sein mit dichterischem Blödsinn, der in Kirchen gesungen wird. Man kann nur hoffen, dass eine Erneuerungswelle solchem Tun für immer den Garaus gemacht hat.

Dienstag, 10. Juli 2018

Soll das Liebe sein???

Gut, es ist reichlich unverfroren, mit über 80 noch etwas über die Liebe sagen zu wollen. Dennoch darf angenommen werden, dass man als Kind/junger Mensch/verliebter Schnösel irgendetwas davon mitbekommen hat. Meine jugendlichen Verliebtheiten will ich mal nicht hervorheben, obwohl es mich jedesmal ganz schön aufgewühlt hat. Denkt sie gelegentlich auch an mich? Bin ich ihr schnuppe? Hat sie einen anderen? Muss ich mich mit dem herumbalgen, um von ihr geliebt zu werden? Und wenn sie sagt, ich röche aus dem Mund oder an meinen "Schweißfüßen"? Nicht auszudenken.

Die Kinder meiner Oma 
Das gesunde Selbstvertrauen kann so leicht flöten gehen, und für immer wegbleiben. Oma sagte mir mal, ich sähe gut aus, und die Mädchen würden nur so auf mich fliegen. Das kam mir frivol vor. Es ist eigentlich nichts geflogen. Ich war wohl zu schüchtern oder nicht frech genug. Natürlich hat mir Oma einen großen Gefallen getan, aber als Junge muss man selbst schauen wo's langgeht. Sonst wird man von diesen kichernden Rotznasen nur ausgelacht. Als Junge hat man es auch nicht immer leicht.

Ich in jungen Jahren, mit Cath 
Dann verliebt man sich doch irgendwie und kann es nicht mehr leugnen. Sogar die kleine Schwester hat es bemerkt und mit ihren Freundinnen hörbar darüber getuschelt. Das ist ärgerlich, zumal man irgendwann auch anfängt, darüber nachzudenken, was Liebe eigentlich ist. Kleine Schwestern reden  nur albernes Zeug. Liebe ist, wenn man sich tief in die Augen schaut. Mindestens 90 Sekunden lang, habe ich einmal gehört. Sie hieß Rosa, und ihre Augen waren schön. Als wir uns das letzte Mal sahen, schaute sie mich ganz lange und tief an.

Jetzt weiß ich, dass Liebe etwas damit zu tun hat, wie lange man sich anschaut, miteinander redet, und - auch schweigen kann. Das kann ich mit 80 noch, doch wenn etwas gesagt sein muss, muss es gesagt sein. Und wer lange schaut, weiß, warum. Um aber ganz ehrlich zu sein: Liebende verraten sich leicht. Es ist ihnen auch egal. Nur das Geben wird gesehen, nicht das Nehmen. Und manchmal geschieht es heimlich. Das kann man dann Heimlichkeiten nennen, oder auch nicht.




Montag, 9. Juli 2018

Wer bin ich? Frei nach Robert Lembke.

Der Fragemeister vom deutschen Fernsehen hat mit seiner Fragerei bis zu 10 Millionen Zuschauer vor den Schirm geholt. Welches Schweinderl wollen s' haben wurde der Rategast gefragt, der mit einer Handbewegung etwas Typisches über sich anzudeuten hatte. Die Schweinderln waren Keramiksparschweine, in die der Gast oder auch Robert Lembke jedesmal ein Fünfmarkstück werfen musste, wenn, ja, wenn.....

Welches Schweinderl wollen's denn? 
Es fällt mir nicht mehr ein, so lange ist das her. Die reizende Marianne Koch gehörte zu dem Rateteam. Wegen ihr habe ich damals keine dieser Sendungen ausgelassen. Sie war(en) einfach süß.   Die Sendung und die Koch. Jetzt muss ich mich fragen, ob sie als etwas älteres Mädchen auch noch an ihr gutes Aussehen erinnert. Natürlicht tut sie das. Keine Angst, Marianne, ich bin kein Fiesling. Nachdem ich Dich ergogelt habe,  weiß ich, dass Du immer noch schön bist. Das darf so bleiben.

Von meiner kleinen Enkelin gemalt. 
Von mir kann ich da wenig sagen. Ich war nie eine (männliche) Schönheit und habe bis jetzt gut damit gelebt. Es gab reichlich Mädchen, die meine inneren Werte geschätzt haben. Schon lange gibt es eine Frau in meinem Leben, die regelmäßig versucht, mich glücklich zu machen. Was gibt es Schöneres? Und sie macht mich glücklich, auch mit der gelegentlichen Eiskrem nach dem Essen.


Das Schweinderl, das die Amerikaner gerade haben, würde ich nicht ums Verrecken wollen. Da ist nichts Leckeres dran. Ist Frauen gegenüber auch nicht gerade edel. Ein Schweinderl, das unserem Kulturkreis und Geschmackszirkel nicht entgegenkommt. Robert Lembke, Marianne Koch, schon. Trump: igittigit!

Montag, 2. Juli 2018

He is toxic. Toxic is he!

Well, all I can say is that he is toxic. Isn't he toxic? I can't see him without getting emotional, even my wife finds him toxic. Imagine, you make it all up. In this case, blue becomes red and white looks like pink. Being a bit lunatic has its charm. It allows you to laugh. But being toxic means you destroy things. Let's assume you are the president of some country. Lucky you. But how did you get there? Is there anyone behind you? Is it all about money? Or bananas? Lucky bananas.

Must be difficult to have enough dosh to buy love. Then to buy it. So, why fiddle when you can acquire it at a reasonable prize? But don't try to be intelligent. Be toxic and you will see. Is that your imagination, or did you make it up? At this stage - sorry for being so late - I must admit that I also tried to be toxic. It doesn't seem to work. Tell me what makes it so sexy to be so toxic?  I want to be a president. First of a small country, say Sierra Leone. Instead of getting reelected in Sierra Leone (no country really deserves me), I would rather try a bigger one. India, China, Russia or America.

But don't think they all want to be great again. They have a great history behind themselves. You have to be very toxic to try Russia or America and to hope for reelection. So why not try something slighty better? Get elected by morons or billionaires? At least do they know what they do. America shouldn't be the exception. Toxic bananas? From Sweden? Make sure you understand what I mean. I do not always. So, Mister President, what are our plans? Going toxic, going bananas? America might not like it. So, no more poison. Shut up and eat your cabbage! Moron!

Fliegen wo ich hinschaue.

Ich hatte internationale Posten, erst in Paris, dann in Straßburg. Irgendwann ereilt dich dann die Rente oder etwas vornehmer: die Pangsionierung. Auch das ist schon lange her. Jetzt habe ich mich auf Fliegenfang spezialisiert. Weiß denn jemand, wieviele Fliegensorten es gibt? Von Schmeißfliegen habe ich noch nichtmal gesprochen. Das ist diese schillernde, oft ins Bäuliche oder Grünliche gehende Abart, die etwas glänzt, sich gerne auf nackte Butter oder Marmelade setzt und ihre Fasettenaugen überall hat, sodass sie geflüchtet ist, sobald auch nur der Anflug von Gefahr besteht.

Wie gesagt, ich bin in Rente und kann mich heute den wirklichen Problemen zuwenden. Neben der hundsgemeinen Schmeißfliege gibt es noch jede Menge andere Fliegen, zum Beispiel, die süße kleine  Androfilis soundso, deren Namen man sich fast schämt, zu nennen. Alles Zweiflügler und Sechsbeiner. Sie versuchen, harmlos auszusehen. Aber sie sind ein Pain in the neck. Und diese summenden Geräusche, eklig und unerträglich.

Ich sitze in meinem Wintergarten. Die Jalousie ist runtergelassen. Sie hindert die Sonne am Hereinscheinen. Eigentlich alles erträglich, wenn dieses Summen nicht wäre. Ich wandere mit der Fliegenklatsche auf und ab. Erfolglos. Mein Zorn auf die Brummer an der zu hohen Decke - ist mehr als echt. Warum hilft mir keiner.

In der Küche experimentiere ich gerade: ein Schälchen mit Spülmittel, gemischt mit etwas Essig. Ich verspreche mir viel davon, muss aber warten. Keine der fliegenden Nervtöter(innen) lässt sich blicken. Sind sie mit höherer Intelligenz ausgestattet? Kluger Fliegenschiss? Oder so? Mein aufrührischer Geist verlangt von mir, diesen Krieg zu beenden. Doch das Summen geht weiter. Werde ich meinen Fliegenhass besänftigen können?


Ich zähle jetzt fünf Quälgeister in meinem Wintergarten. Das sind fünf zu viel. Wie kann ich sie ausrotten? Sobald du mit der Klatsche kommst, sind sie weg. Das gerade gefundene Geheimrezept mit dem Spüli und dem Essig bleibt wirkungslos. Das kann ich bezeugen. Ich habe den Verdacht, dass es von diesen Summschwestern Myriaden gibt. Mehr als Menschen. Müssen wir damit leben?

Samstag, 23. Juni 2018

Bitte, lasst mich nicht allein!

Weiß noch jemand wie man sich fühlte, im Luftschutzkeller? Als Kind wurde ich hinuntergetragen, wenn es mir nicht gelang, rechtzeitig mein Köfferchen zu fassen und hinter Mama herzulaufen. Eine doppelte Metalltür mit gläsernem Bullauge gab einen winzigen Blick in die nächste Sektion frei. Im Keller konnte man das Licht anschalten, wenn man beide Türen hinter sich hatte. Die Türen waren mit Gummi abgedichtet, sodass keine Luft durchkam.

Es war Krieg. Der Feind flog jede Nacht über unsere Häuser. Man konnte die Maschinen am Himmel sehen, wenn ein Scheinwerfer der Flugabwehr das Flugzeug eingefangen hatte. Die FLAK, Flugabwehrkanone, traf einmal einen Flieger im Lichtkegel des Scheinwerfers. Meine Mutter platzte vor Entsetzen, als sie herausfand, dass ich nicht wie alle anderen im Luftschutzkeller saß, sondern nächtens alleine auf der Straße stand und fasziniert den Luftkampf beobachtete. Sie packte mich und schleppte mich zu den anderen.


Ganz vergessen kann man das nie, obwohl wir schon lange nichts mehr von Luftschutzkellern gehört haben. Auch, dass es überall von Spionen nur so wimmelte. PST-der Feind hört mit. Das hatte man uns - nicht ganz zu Unrecht - eingebläut. Auf großen Plakaten war dies überall zu lesen. Schwarz auf Weiß. Ein Spionenmonster blickte finster hernieder. Für mich der PST-Mann, ein echter Widerling.


Es gab damals keine jungen Männer, die nicht Soldaten, oder, wie unser Nachbar Eugen, behindert waren. Eugen war um die zwanzig und konnte nicht sprechen. Alle liebten ihn. Seine Lippen liefen blau an, wenn er husten musste. In der Nacht wurde er von zwei Typen (SS?) abgeholt. Nur die Mutter wusste davon. Sie wusste Bescheid. Eine Woche später hieß es, er sei an Herzversagen gestorben. Es stand vorgedruckt auf einer Postkarte. Unterschrift: unleserlich. Teuflisch war nicht die richtige Bezeichnung für diesen Mord.


Die Postkarte wurde allen gezeigt. Das war wohl nicht verboten. Ich erinnere mich an die wütende Mutter, deren Schmerz jeder sehen konnte. Sie war nicht in der NSDAP, der Nazipartei. Es gab damals viele Menschen, die in keiner Partei waren. Warum auch. Und selbst Parteimitglieder hatten oft Angst. Meine kindliche Todesangst wurde durch die vielen Fliegerangriffe verursacht, die es gegen Kriegsende gab. Fast jede Nacht. Millionen von Menschen mussten damals ihr Leben lassen, überall. Schon deshalb ist mir dieser Trump nicht ganz geheuer. Vielleicht ist er aber nur eine Vogelscheuche.



Donnerstag, 21. Juni 2018

Der frühe Wurm hat einen Vogel.

Oder so ähnlich. Doch nicht nur der frühe Vogel fängt ihn. Vögel sind auch manchmal spät dran. Wer verzeiht ihnen dann? Zu spät? Würmer müssen auch eine Art zu überleben haben. Vogel und Wurm. Passt irgendwie zusammen. Bei Vögeln vermutet man Spatzenhirn. Bei Würmern garnichts. Und bei Kirschen: Würmer.

Wo ist der Vogel? 
Was für einen schönen mittelgroßen Kirschbaum haben wir. Letztes Jahr waren wir in England, also keine Kirschen. Dieses Jahr hängt der Baum voller Kirschen, aber an den winzigen runden Löchern erkennt man leicht den würmlichen Kirschenbewohner. Muss das sein? Nur jede dritte Kirsche scheint von Maden befallen zu sein. Eklig genug, um nicht blind in eine Kirsche beißen zu können.


Früher gab es so etwas nicht. Ja, Äpfel, Pflaumen, aber Kirschen? Oder hat mein Erinnerungsvermögen wieder einmal für mich selektioniert? Ich erinnere mich nur an Kirschen, die mit geschlossenen Augen verzehrt werden konnten. Und bei Kirschplotzer wurden nicht einmal Fragen gestellt. Platznehmen und Plotzer essen. Das wars.

Die Kirsche soll von den Römern nach Europa gebracht worden sein. Das können wir glauben. Sie haben uns ja auch den Römertopf besorgt. Welche Hausfrau könnte ohne ihn leben? Karl der Große, der wegen seiner Körpergröße der Große hieß, soll die Kirsche in Sachsen heimisch gemacht haben. Wohl dem, der daran glaubt. Vielleicht sogar die fast ungenießbare Sauerkirsche, deren Verwendung heute überall gesichert ist.

Kirschspeise 
Wenn es also stimmt, dass der frühe Vogel den Wurm fängt und ihn auch noch genießt, warum gibt es dann nicht mehr Vögel? Wurmvögel, Sturmvögel statt Singvögel? Wer gut zu Vögeln ist (um das grausige Wortspiel endlich zu spielen), der darf auch noch andere Talente sein Eigen nennen. Vogelfreunde sind teilweise in Interessengruppen zusammengefasst. Wenn da der Wurm drin ist, lasst uns ganz schnell an Donald Trump denken. Da ist der Wurm schon gut vorangekommen. Und lange drin.