Donnerstag, 31. März 2016

Rabenschwarz wie die Nacht

Warum wir den Raben heranziehen müssen um die Schwärze der Nacht zu beschwören? Es ist eine alte Tradition, einen Schuldigen zu finden für das Üble, für die dunklen Gedanken. Natürlich sind diese schwarzen Vögel manchmal etwas aufdringlich. Die Menschheit weiß auch schon lange, dass der Rabe sehr intelligent ist und vor der Nähe zum Menschen keine Angst zeigt. Auch der Schwarze Rabe in der Wiener Ottakringer Straße ist nur ein Beispiel für die Allgegenwart dieses Vogels. Er lädt dort - wie könnte es anders sein - zum Essen ein. Und der Schwarze Rabe in Berlin ist sogar ein Erlebnisort, wo man lecker isst und in der Toilette im Keller Vogelgezwitscher hört

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Rabenschwarz können nur Gedanken sein, die jeder Mensch einmal hat. Dann steht das Schwarz für etwas, das man nicht aussprechen kann oder mag. Die einen glauben, der Rabe bringe düstere Nachrichten, für die anderen steht er, vor allem, wenn er an einem Tag dreimal am Fenster erscheint, für den Neuanfang. Ein junges Mädchen wähnt sogar, dass ihre Verlobung, drei Tage nach der Rabenerscheinung, diesem Phänomen zuzuschreiben ist.


Ein weißer Rabe steht für den Widerspruch. Nicht alles so schwarz zu sehen, wäre dann angebracht, wenn man etwas Optimismus an den Tag legt. Damit gewinnt man immer. Geht etwas schief, hat man schwarz gesehen. Gelingt etwas, kann der Unglücksrabe getrost davon fliegen.



Mittwoch, 30. März 2016

Besuch der alten Dame - Schöne alte Frau

Alte Damen, auch die von Friedrich Dürrenmatt, haben eine Vergangenheit. Männer auch, aber die ist uninteressant. Von den alten Pariserinnen weiß man, dass sie sich etwas schämen, betagt zu sein. Das Klischee, Frauen seien hübsch, wenn sie (blut)jung und begehrt sind, aber uninteressant im Alter, ist mehr als überholt. Wie sagte Jean Cocteau so schön? Die Jugend kommt erst mit dem Alter. Ich, als Mann, habe immer schon gefühlt, dass Jugend in erster Linie eine Frage der Perspektive ist. Frauen sollten nicht den Fehler begehen, ihre Jugend durch kosmetische Hilfsmittel ad infinitum zu verlängern. Obwohl, wir Männer schätzen es, wenn Frauen ein wenig nachhelfen und auch mit 70 noch etwas hermachen.

ch möchte hier allen Ernstes von der Schönheit alter Frauen sprechen. Eine Frau, die als Mädchen einmal  hinreißend hübsch war, hat zwei Möglichkeiten, in die Altersklasse "betagt" einzutreten: die eine ist, einfach alt zu werden, mit Runzeln an Gesicht und Händen (siehe Abrecht Dürers Mutti, vom Künstler porträtiert), und die einstige Anmut den Bach hinunter gehen lassen. Die andere Möglichkeit ist die, ohne fremde kosmetische Hilfe die Schönheit zu bewahren. Schon als Kind habe ich bemerkt, dass Schönheit altern kann.


Mit 90 darf man so aussehen 
Das anti-ageing Gemurmel der Kosmetikauguren kann getrost vergessen werden. Falten sind Falten. Wer sagt, dass Falten unschön seien, hat sich die gereifte Catherine Deneuve oder unsere Christiane Hörbiger nicht richtig angeschaut. Trotz der gelegentlichen Nachhilfe durch Mittelchen und Korrekturen ist die gealterte Urfassung der Gesichter gut zu erahnen. Das Facelifting, das eine Art bezahlter Verunstaltung ist, wirkt eher unglücklich. Die früher reizvolle Brigitte Bardot mag ein warnendes Beispiel sein. Bei manchen tritt leider der zehrende Lebensweg allzu deutlich zutage. Auch, natürlich, bei Männern.

Sie hieß Luise, war über 70, als ich 18-19 war, und ich empfand eine tiefe Zuneigung zu ihr. Meine Mutter und meine Tante waren mit ihr befreundet. Luise hatte ein schweres Leben hinter sich. Der Mann im Krieg verstorben, der einzige Sohn in Russland gefallen. Sie floh vor den Sowjets aus der  schönen Villa in Erfurt und lebte bei einem Cousin und dessen Frau im Westen. Es ging ihr gut, doch litt sie unter dem Verlust ihrer Männer. In zarter Zurückhaltung wurde ich so etwas wie ein Ersatzsohn. Liebe Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke inbegriffen. Wir wurden enge Seelenverwandte, von allen mit Achtung bedacht. Damals war ich häufig verliebt, wie es sich gehört. Doch Luise hatte in meinem Leben einen eigenen festen Platz. Ihre Schönheit bestand aus einer Menge Falten, die ihren Edelmut nicht verleumden konnten, sowie das gewisse Etwas einer ehemals begehrten Frau. Zu meinem großen Schmerz habe ich nicht nur meine Eltern verloren als ich im Ausland lebte, sondern auch Luise, die mir nach Jahren, scheu wie ein junges Mädchen, noch das Du angeboten hatte.

Heute habe ich das Alter von Luise und hoffe, dass mein Gesicht noch etwas von dem widerspiegelt, was mich als Jüngling vielleicht reizvoll gemacht hat. Ich weiß also Bescheid über die Nuancen der weiblichen Schönheit und verstehe, dass manche Menschen das Talent besitzen, mit den Jahren schöner zu werden.






Sonntag, 27. März 2016

Unerträglich, diese Petry von der AfD.

Gewöhnlich hört oder schaut man sich ein Interview an, und wenn es gut und informativ ist, lässt man auch die Meinungen des Befragten gelten, auch wenn man sie nicht teilt. Tim Sebastian, ein gestandener britischer Journalist der Deutschen Welle, wollte es genau wissen. Er nahm sich Frauke Petry vor, die ihre Mitstreiter auf dem Weg nach oben geschickt (oder ungeschickt?) weggeboxt hat und nun die Bundesvorsitzende der AfD ist. Drittstärkste Partei in Deutschland? Wie kommt das? Das Interesse der Briten ist geweckt. Die Deutsche Welle betreibt zusammen mit der BBC seit 2008 einen englischsprachigen Sender. "Conflict Zone" ist Sebastians Interviewreihe. Hat man nicht vor einem Dreivierteljahrhundert erlebt, dass aus einer wackeligen Weimarer Republik ein faschistischer Staat hervorgegangen ist, der die Welt mit Krieg und Hass überzogen hat? So weit sind wir hier nicht.


"Rechtspopulistisch" hat man damals als Bezeichnung für eine politische Haltung noch nicht benutzt. Nationalsozialistisch war das Schlüsselwort für alles. NSDAP nannte sich die Partei Adolf Hitlers. Die Juden waren das große Thema. Sie seien an allem schuld. Wie kam es, dass die Mehrheit der Deutschen diesen Unsinn und all die anderen Propagandamärchen einfach glaubte? Des Führers intellektueller Unterbau muss sein Werk "Mein Kampf" gewesen sein. Es wurde oft als (Hochzeits)Geschenk) an junge Paare gereicht, die es dann nicht lasen.  So auch meine Eltern, die Mein Kampf unbeachtet ließen.

Ich wollte es genauer wissen und ging in die UB der Uni Freiburg. In der Universitätsbibliothek gab es nur ein Exemplar, das ich im Lesesaal lesen konnte. Ich tat es und habe es nie bereut. Ich kann Mein Kampf nur jedem empfehlen, der die unausgegorenen Ansichten eines Redners, der nicht schreiben kann, überfliegen möchte. Solche Pauschalansichten tauchen  heute wieder auf, wenn man bei PEGIDA und AfD genauer hinhört. Ja, das Boot ist voll, aber wir sitzen mit drin. Menschlichkeit ist schwer zu verkaufen, aber Gemeinplätze werden leicht verstanden. Das ist das Problem.

Sebastian hat versucht, diese Nuss Petry zu knacken indem er harte Fragen stellte, ohne klare Antworten zu bekommen. Seine neojournalistische Art, nämlich den Befragten häufig zu unterbrechen, wenn die Antworten zu schwafelig ausfallen, war vielleicht nicht das Richtige, aber sie hat etwas zutage gefördert, das unschätzbar ist: Frau Petry ist eine begabte Schwätzerin am Rande des Unsagbaren. Ihr politisches Talent, sollte es existieren, ähnelt einer pubbernden Eintagsfliege, die hoffentlich nicht mehr weit fliegen wird. Hätten die Menschen damals Adolf Hitlers Mein Kampf gelesen, wäre dieser Polemiker mit Charisma auch nicht weit gekommen. Es gibt für einen Politiker nichts schlimmeres als die Verachtung durch die Intellektuellen. Also: Auf in den Kampf! Die Dame Petry hat, so scheint es, ihr Pulver schon verschossen. Politische Führer (Heil Hitler) müssen die Massen überzeugen. Das kann sie nicht. Tut mir leid, sie so nahe an das NS-Gedankengut von einst zu rücken. Sie hat sich im Gespräch mit Sebastian da selbst hinein gemasselt.  Soll ihre Partei doch Fuß fassen. Der Weg durch die Institutionen ist für sie zu weit. Ich vertraue denen mit dem gesunden Menschenverstand. Auch eine Marine Le Pen wird nicht weit kommen. Die Mischung von Gefühl und Verstand stimmt bei denen nicht.


Links? Rechts? Oder beknackt? 


Gut, dass diese Frauke Petry  sich so eindeutig enthüllt hat. Wir werden sie von nun an gerne im Auge behalten.




Samstag, 26. März 2016

Gin&Tonic Festival in Haworth

In unserem Lieblingspub, der Old Hall, ist seit heute der Teufel los. Ostern vor der Tür, und die OLD Hall veranstaltet ein Festival, bei dem 100 verschiedene Ginsorten und etliche Tonics angeboten werden. Selbst Cath hat in ihrem Land so etwas noch nicht erlebt. In weiser Voraussicht ließen wir das Auto zuhause und liefen mit Calum, Cathies Neffen, zum Pub, um unserer Neugier nachzugeben. Bier war dieses Mal also nicht angesagt, sondern das Erraten, welchen Gin man zu welchem Tonic aussuchen möchte.

Der Andrang war enorm. Mir fiel nur ein, dass wir seit ewigen Zeiten Gordon's Gin mit Schweppes tranken, und seit wir den Bombay Sapphire in der blauen Vierkantflasche kannten, keinen  anderen Gin mehr probierten. Jetzt mussten wir vor den 100 Sorten anstehen, bis geübte Gin-Mädchen gegen einen "Token", eine Art Bon, ein großes Glas brachten, das mit dem gewünschten Gin, dem entsprechenden Tonic, Monkey 47  einer Menge Eis und einem Stück Limone oder Zitrone gefüllt war. Die geleerten Tonicfläschchen wurden von den Bedienungen am steinernen Boden hinter der Theke zerschmettert, was einen seltsam aggressiven Lärm verursachte.

Mir gefiel das Etikett Monkey 47, ein Gin, der mir natürlich völlig unbekannt war. Der Zufall hat ihn mir zugeführt. Er schmeckte nicht schlecht. Dann geschah etwas Unerwartetes: ich las in der mitgeführten Broschüre dieses: Monkey 47 SLOE, Germany 29%. Superb Gin, made by macerating Black Forest sloes in spirit for 3 months. Giving a peppery, tangy, complex taste, with a nutty finish. Divine. Ich beginne hinten: "Divine" heißt himmlisch oder göttlich. Ein pfefferiger, scharfer und komplexer Geschmack, mit einem nussigen Abgang.  Also: in Schlehdorn aus dem Schwarzwald drei Monate lang gelagerter Gin. Wir haben uns dann als Schwarzwälder geoutet, Cath und ich, und wurden gefeiert wie die Helden. Dabei hatten wir von der Existenz dieser Schwarzwälderischen Verwendung von Schlehen keine Ahnung.

Auch unser "Abgang" aus der Old Hall, an diesem Karfreitagabend, nach drei G&Ts, fiel etwas  nussig aus. Leicht fröstelnd wanderten wir die Sun Street entlang bis wir zuhause angekommen waren. Dann genehmigten wir uns noch einen.


  

Freitag, 25. März 2016

Tun Muslime genug auf ihrer Seite?

Die erste und wichtigste Frage ist natürlich, was tun wir, Franzosen, Deutsche, Belgier, Briten und die anderen Europäer, um dem Terrorismus durch den IS entgegen zu treten?  Schnelle Antwort: nicht genug. Wir müssen akzeptieren, dass Muslime in unseren Ländern besser integriert werden. Dazu gehört die Merkelsche Willkommenskultur, mit der manche Länder, Deutschland eingeschlossen, zunehmend Probleme haben. Aber auch Hilfe für die Eingliederung und das Verständnis für religiöse Gefühle, die uns weitgehend fremd sind. Materielle, sprachliche und berufliche Hilfe, die vor allem die Heranwachsenden  von der Straße holt.


Die Bildung von Ghettos ist eine der Gefahren, gegen die wir angehen können. Die Aussichtslosigkeit von Jugendlichen, deren Familien nicht genügend integriert sind, ist in manchen Wohnvierteln mehr als greifbar. Der Weg zur Kleinkriminalität ist da oft nicht weit. Von da in den Dschihadismus und in das gewaltbetonte Verbrechen ist so gut wie vorgeprägt. Nur wenige sind es, bei denen Testosteron und verzweifelter Tatendrang das Fass zum Überlaufen bringen. Dschihadismus ist nichts anderes als militanter Angriff auf die nicht muslimische Welt, wobei friedvolle Muslime ebenso hart bekämpft werden.

Natürlich muss man sich fragen, was die friedfertigen Muslime tun können, um selbst gegen das drohende Verbrechen anzugehen. Wenn Frauen und Männer eines gewissen Alters in ghettoähnlichen Häusern das Erlernen der Gastsprachen verweigern, oder Glaubensprinzipien vertreten, die im Gastland keinen Platz haben, ist der Einfluss auf die Heranwachsenden fatal.  Eltern sollten auf jeden Fall die Weitsicht und den Mut haben, die Sicherheitskräfte zu kontaktieren, wenn sie fühlen, dass ihre Kinder zum Außenseitertum neigen. Jugendliche, die nach Syrien reisen, sind für jedes normale Leben bereits verloren. Da müssen Muslime wie Nichtmuslime zusammenarbeiten, trotz Verständigungsschwierigkeiten, Familiensolidarität und Glaubensgegensätze.


Auch schwarze Christen, Hindus, Sikhs, Buddhisten und bestimmte Minderheiten erleben Zurücksetzung und Ungerechtigkeit. Warum werden sie nicht zu Bombenwerfern? Manche muslimische Eltern müssen sich schon selbst fragen (lassen), was sie falsch machen. Man merkt doch, wenn in einer Familie etwas schief läuft.  

Karfreitag, der Tag der Klappern und Ratschen

Hier in Yorkshire beginnt der Good Friday mit grellem Sonnenschein. Das ist nicht nur vorösterlich, sondern eine besondere Gunst des ansonsten sehr heidnischen Wettergottes. Christen wie Nichtchristen freuen sich, solange dieses Wetter anhält. In vielen Ländern der Welt ist der Karfreitag ein Trauertag und offizieller Feiertag. Besonders für die Protestanten. Für die Katholiken in Deutschland wird, im Prinzip, streng gefastet. Die Kirchenglocken werden durch langweilige Holzratschen ersetzt, und die schon die ganze Woche im Radio zu hörende Karfreitagsmusik nimmt einen noch klagenderen Ton an. Oh Haupt voll Blut und Wunden.

Im Vereinigten Königreich bereiten sich viele Paare auf ihre Hochzeit am Ostersamstag vor, denn dann kann man es wieder so richtig krachen lassen. Von gleichgeschlechtlichen Trauungen war bisher noch nicht die Rede. Auch die Angst vor den ohnehin überlasteten Straßen scheint groß. Die Einkäufe der letzten Tage zeigen dies und die Abreisen für Kurzaufenthalte in die Osterferien. Staus, Staus, Staus, traffic jams.



Am Nachmittag holen wir Calum ab, das ehemalige Neffelchen von Cath kommt am Bahnhof von Haworth an. Neffelchen war er mit 10. Jetzt, mit 20, ist er ein hünenartiger, mit üppigem Haupthaar und Bart ausgestatteter Mann, den wir ein paar Tage verwöhnen wollen. Seine als Kind mit seinem Vater erarbeitete Wanderlust hat er sicher gut weiter entwickelt, sodass ich mit dem schlimmsten rechnen muss: schönes Wetter, Verschwörung zwischen Tante und Neffe, mit dem Ziel, mich in Bergstiefeln über das Yorkshire Moor zu jagen. Vielleicht hat sein Bewegungsdrang mit den Jahren auch etwas nachgelassen.




In den Nachrichten spielt das christliche Ostern kaum eine Rolle. Hier geht es um die Attentate von Brüssel und Paris,  die letzten Bestrafungen in Sachen sexueller Überschreitungen (auch ein Dauerthema), und um das Brexitvorhaben, das Großbritannien eventuell aus der EU verabschiedet. Ob die Königin nun dafür oder dagegen ist, wissen wir alle nicht. Hauptsache, unser Entenbraten missrät nicht. Für den badischen Kartoffelsalat kann ich meine Hand ins Feuer legen. Frohe Ostern.

  

Donnerstag, 24. März 2016

Damit scherzt man nicht: Gründonnerstag

Die Karwoche zerfällt in mehrere Teile: Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersamstag, O'sonntag undsoweiter. Am heutigen G'tag habe ich mir vorgenommen, zu putzen. Keine Angst, Osterputz fällt mir nicht im Schlaf ein. Obwohl das kühle Wetter, hier in Yorkshire, schon einen gewissen Tatendrang nahelegt.



Also hole ich einen Eimer, Bürste und Lappen und schaue mir die Küchen-Außenseite an, die durch eine Doppelglastüre hinauf (5 Stufen) in den österlich sein wollenden Garten führt. Der Winter und einige seiner Vorgänger haben die untere Seite der eigentlich weißen Türrahmen mit einem zarten aber hartnäckigen grünlichen Schleier überzogen. Diesen will ich bekämpfen.


Vor-Ostern in der Sun Street 
Es ist 8 Uhr morgens. Kühl wie sich noch alles anfühlt, den Bademantel an, mache ich mich an die Arbeit. Dabei denke ich an die Gründonnerstagseinkäufe, die auch ein Yorkshirer, am besten mit der Gemahlin zusammen tätigen muss. Es werden Gäste erwartet, und das Haus ist innen im Großen und Ganzen so gut wie sauber. Aber der Küchenzettel ist noch nicht gemacht. Entenbrust und Stutzerln sind angesagt. Stutzerln heißen in Österreich die Hähnchen- oder Hühnchenschenkel. Cath und ich haben aus drei Jahren Wien das Wort Stutzerln mit nach England gebracht. Sie sind mir bereits in einem Bauernladen aufgefallen.



Nun, ich gehe ans Putzen und Scheuern, um den grünen Belag von den Türen zu entfernen. Dabei überkommt mich die bekannte Ostermüdigkeit. Die Türrahmen sind wieder weiß. Ich habe meinen guten Willen gezeigt. Jetzt kann der Gründonnerstag woanders grünen. Dabei fällt mir auch der Leidensweg Jesu ein. Das sitzt tief in uns. Ich sende ihm einen flüchtigen Gedanken und freue mich, wenn das alles wieder vorbei ist. Jetzt kommt die Sonne heraus und Cath schläft noch ein wenig.

Mittwoch, 23. März 2016

Easter in Yorkshire - Lambs go crazy.

This is what I imagine. Easter eggs as well, maybe.  Less cars on the roads. Never! But lovely sheep and gorgeous cows. Beautiful horses. Human beings will come to see us. Half vegetarian, half meat eaters. We will easily cope with that.


Life in politics will come to a rest. So will we. Easter menus will consist of duck with potato salad*. Salmon with a wonderful salad, nicely composed with garden herbs such as parseley, dill, sage and chives. Bumpkin oil coming as an extra to make the dressing divine. Did I get carried away again? Well, Easter is Easter. Is one not allowed to daydream?


* This is a speciality I brought from the South of Germany. I have been praised and honoured for it. Considering that there are at least 20 different ways of manufacturing potato salad, my method is the best one. The potatoes come normally from Cyprus, North or South. The recipe can be obtained.


Montag, 21. März 2016

What to do?

There was the moon. Bright as ever. And the girl, God knows why. Werewolves like that. They loose their self respect  and look for a good bite. Would one care?               
        
             



Don't worry. It's over.



Zentralfriedhof Wien - alles austeigen!

Gestorben wird immer. Das Handwerk der Bestattung ist krisenfest. Auch in mageren Zeiten. Die Zerstörung Pforzheims (Deutschland) brachte ein Massengrab und viele Einzelgräber für geschätzte 20000 Tote, die am 23. Februar 1945 ihr Leben ließen. Solche Katastrophen geschahen und geschehen überall in der Welt. Am Hl. Abend, kurz bevor das Weihnachtsfest beginnt, fahren bei Einbruch der Dunkelheit viele Pforzheimer Überlebende hinauf zum Friedhof um der Umgekommenen zu gedenken. Eine rührende und aufwühlende Tradition seit 1945.


Heute ist es fast ein Privileg, nach einem schönen langen Leben unbehelligt abzuleben. Dann heißt es Abschied nehmen. Für viele Wiener ist es der Zentralfriedhof auf dem man zu liegen kommt. Er liegt nicht sehr zentral. Bis zu 1 Stunde Anfahrt mit der U-Bahn oder der Straßenbahn, wenn man um jemand trauert. Einmal im  Jahr muss man schon hin. Man kann auch mit dem Auto in den Friedhof fahren.



Dort gibt es sogar ein Friedhofsmuseum, das berühmte Verblichene bei ihrem Heimgang zeigt. Der Friedhof gehört zu den schönsten und größten Beerdigungsarealen Europas.  Nur der Hamburger Friedhof soll größer sein. Der Wiener Witz lautet: Der Zentralfriedhof ist nur halb so groß wie Zürich, aber doppelt so lustig. Wer in Wien lebt, muss einmal dort gewesen sein. Nicht unbedingt wegen Falco.
Es gibt Ehrengräber und Gräber von eher Ehrsüchtigen. Man kann das schon an der Aufmachung erkennen. Pomp ist oft, was bleibt. Nach drei Jahren Leben im vitalen Wien, machten wir uns auf, den Ort des Todes zu besuchen. Dann zogen wir weg. Einige von den bekannten Toten hatte ich gekannt, wenn auch nur kurz: Bruno Kreisky,  Fred Sinowatz, Thomas Klestil, Otto von Habsburg und Josef Klaus.


Dieser Nicolic war ein Autofan. 
Am besten erinnere ich mich an den quadratischen Klotz von Arnold Schoenberg. Das Musikerviertel beherbergt viele berühmte Künstler. Wien, die Stadt der Musik, ist voller toter Prominenter. Beethoven fällt mir ein und Mahler, die Straußens und Schubert. Hugo Wolf und Franz von Suppé. Mozart blieb wohl außen vor, denn schließlich ist der Zentralfriedhof nur 100 Jahre alt. Doch ein Standbild von ihm darf auch hier nicht fehlen. Denkmäler sind Grabmäler und umgekehrt. Deshalb ist es nicht so wichtig, ob nur an einen Großen erinnert wird oder ob er hier auch selbst seine ewige Ruhe gefunden hat. Der Wiener Zentralfriedhof ist auf alle Fälle ein unerlässlicher Teil eines Wienbesuches.