Samstag, 25. Oktober 2014

Istanbul, der Oktober ist noch schön.



 Neclas Terrasse, hoch über dem Bosporus

Nein, im Regen bekommt man die Stadt selten zu sehen. Auch brüllende Hitze ist im Oktober eher selten. Das Klima ist dann mediterran und angenehm. Nächste Woche  habe ich einen geliebten Enkel im Gepäck. Wir besuchen Necla, eine schon etwas betagte Freundin, bei der wir hausen können. Jaschas Schulferien in Deutschland kommen da gerade recht. Er ist 16 und will die Welt sehen. Heute kam er in Wien an, in drei Tagen sitzen wir in einer Maschine der Turkish Airlines, die uns nach Istanbul bringen soll. Istanbul ist ein Ort, wo seit Tausenden von Jahren Menschen gelebt haben. Eine Nahtstelle am Bosporus, zwischen Europa und Asien. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten können wir in den drei Tagen zwar abschreiten: das Topkapi, die Hagia Sophia, die Blaue Moschee und den Bazar. Zu sehr viel mehr wird es aber nicht reichen. Vielleicht noch den Dolmabahce Palast sehen, direkt am Meer, mit der wunderschönen Dolmabahce Moschee.



Am Palast haben sich vor Jahren Selma Taylor und Ahmet nach 20 langen Jahren durch Zufall wieder getroffen. Selma, eine griechisch-zyprische Journalistin, deren Namen durch Heirat zu Taylor wurde, und Ahmet, der inzwischen zum Berater des türkischen Außenministers für Zypern geworden war. Sie hatten sich als Teenager in London kennengelernt und durch böse Umstände schnell wieder aus den Augen verloren. Selmas Vorname war damals Kristina. Sie hatten sich unsterblich ineinander verliebt und dann 20 Jahre nichts voneinander gehört. Ahmet war verheiratet, lebte in Ankara und war mit dem Außenminister Ismail Cem befreundet. Als sie sich bei dem Empfang im Dolmabahce wiedersahen, war es um sie geschehen. Sie wurden dann doch noch ein glückliches Paar und könnten heute irgendwo in ihrer zyprischen Heimat leben. Ihre Spur hat sich dort verloren. (wolfgangundsoweiter.blogspot.com  "Ahmet und Kristina")

Dolmabahce Palast und Moschee

Jetzt freue ich mich darauf, Jascha den Palast zeigen zu können, der zu Füßen von Neclas Haus liegt. Wir werden es uns nicht nehmen lassen. Die romantische Liebesgeschichte der beiden muss ich ihm dann auch erzählen. Einen Teppich werden wir nicht mit nach Hause bringen. Istanbul ist kein idealer Platz für einen Kauf. Teppiche können hinreißend sein, aber der Preis ist eine Glücksache. Man verhandelt und fühlt sich dennoch übers Ohr gehauen. Ach ja, das kleine Café, wenn man vom Bazar zum Bosporus hinuntergeht: ich weiß nicht, wie es heißt, aber wir werden es finden und Baklava essen. Dann ist auch der Bahnhof nicht weit, den der deutsche Kaiser Wilhelm als Ausgangsstation für die berühmte Bagdadbahn hat bauen lassen. Er war als Geschenk gedacht und wirkt heute noch seltsam germanisch. Istanbul kann man getrost als Fass ohne Boden bezeichnen, wenn es darum geht, die interessanten Stellen, Orte und Plätze aufzuzählen. Istanbul, wir kommen!



Freitag, 24. Oktober 2014

Die Kaffeetanten sind noch nicht ausgerottet!

Der schöne Duft! Morgens, wenn Oma in die Küche ging, fing es an zu duften. Es musste die große Kaffeekanne sein. Sie heizte die Kanne zunächst mit kochendem Wasser vor. Dann setzte sie ein Porzellanfilter auf. Maß mit Vorbedacht die Portionen ab. Ehrfürchtig und genießerisch häufte sie den Kaffee in den papiernen Behälter und goss das Kochwasser darüber. Langsam sickerte es in die gewärmte Kanne. Oma hatte die Tassen schon gerichtet. Als Kind durfte ich Kaffee zwar riechen,  aber das Trinken war den Erwachsenen vorbehalten. Ich bekam den unbequemen Muckefuck, mit viel Milch und Zucker. Kein Wunder, dass ich erwachsen sein wollte, um endlich das einzige Getränk verkosten zu können, das Oma so schmeckte. Ihre Augen glänzten fröhlich. Sie schien gerüstet für den Tag.

Viele Jahre später stieß ich auf den caffè italiano, den die Italiener Espresso nennen. Auch nicht schlecht, kann jedoch leicht bitterliche Züge annehmen. Das hindert die Bewohner des stiefelähnlichen Landes nicht daran, mit einem guten Schuss Verachtung auf unser teutonisches Getränk herab zu schauen. Da kann man nur erwiedern: so geht es nicht. Espresso ist nicht alles im Leben, und auch die Italos haben ihn ursprünglich von den Osmanen. Verbürgt ist auch, dass Frau Melitta Benz, eine Deutsche, 1908, den Filterkaffee erfunden hat. Eine Pionierin ohne Nobelpreis.

 Nichts gegen Tee!

Hätte ich mich bloß nicht darauf eingelassen, etwas über Kaffee schreiben zu wollen. Ein echtes Wespennest! Nicht wegen Italien, wo es ohnehin nur eine Sorte Kaffee gibt. Stimmt doch, oder? Was mich anmacht, ist ein "büyük Türk kahve, orta": ein großer türkischer, mittelgesüßter Kaffee, in einem Kupferkännchen. Dies hat nichts mit dem in der Moka-Kanne hergestellten Kaffee zu tun, der überwiegend in Frankreich, Spanien, Italien und von Studenten gebrüht wird. Einem Metallbehälter, der im unteren Teil Wasser, im oberen Leere enthält. Wenn der Behälter zugeschraubt ist, das Wasser kocht, dampft es durch ein Metallfilter in den oberen Bereich. Fertig ist der Kaffee. Das Wespennest besteht darin, dass unterschiedliche Kaffeesorten (Arabica, Robusta etc) in den Anbaugebieten in 50 verschiedenen Ländern produziert werden wobei die unterschiedliche Art der Röstung eine
erhebliche, und die unterschiedliche Art der Zubereitung eine ausschlaggebende Rolle spielen.
Ich habe mich entschlossen, nichts über die Kaffee-Pads zu sagen, eine Art moderne Version der Pest, ohne, dass es bisher deshalb zu Todesfällen gekommen wäre. Wer jedoch die Zukunft erforschen möchte, kann mit Kaffee die Orakeltechnik weiter entwickeln. Sie besteht darin, ihn in der Tasse mit 95° heißem Wasser zu übergießen und zu warten, bis der Kaffee getrunken ist. Der sichtbare Kaffeesatz gibt dann genug Stoff für die Interpretation der eigenen Zukunft her.

Wer etwas über Kaffee sagen möchte, außer, dass dieser entweder schmeckt, oder eine ungenießbare
Brühe ist, muss auch die gesundheitlichen Aspekte zu Rate ziehen. Kann ich darauf gut schlafen? Hilft er mir als Antidepressivum? Verbessert er meine Konzentrationsfähigkeit? Oder ist das alles kalter Kaffee? Skandalös ist, dass der Ertrag aus dem Verkauf von Kaffee nur zu knapp 5% an diejenigen geht, die in den Kaffeeplantagen arbeiten müssen. Dafür kann dann in Finnland (=Weltspitze) ein Mensch täglich 3,6 Tassen davon trinken, in Deutschland knapp 2,5 Tassen.


Kommen wir zu meinem Freund Carlos: er ist der einzige, der aufgrund seiner Welterfahrung für mich eine Autorität im Kaffeezelebrieren darstellt. Isländische Nationalität, Eltern Lateinamerikanisch-Deutsch, als Pastor gerade aus Frankreich in die Schweiz abgewandert. Ich sehe ihn wie er den Kaffee zubereitet, der dann auch besonders gut schmeckt. Doch ohne ein mildes Lächeln, ob solchen Eifers, geht das nicht, denn er würde ums Verrecken nicht verraten, welchen Kaffee er benutzt, was sein Geheimnis ist. Die Zeremonie ist übrigens Teil des Genusses, ganz wie bei meiner Oma, die allerdings zum Kaffee immer automatisch das Wort "und Kuchen" hinzu gefügt hatte.
Carlos (hallo, wie geht es Dir?), er hat uns noch nicht in Wien besucht, der Stadt, wo alles zusammenkommt: Fast 20 verschiedene Arten des Kaffeemachens, hunderte von Kaffeehäusern, und hochkalibrige Kuchengebilde, die als Kalorienbomben Unheil anrichten. Ein Armenier soll 1685 das erste Kaffeehaus in Wien eröffnet haben. Gleich nach der 2. Belagerung Wiens, die 1683 siegreich zuende ging.

Die Hauptstadt des Kaffees.
Seither besteht der Wiener Kaffee aus viel Zeit zum Sitzen bei einer Zeitung, mit einem Glas Wasser und vielleicht einem Pianisten, der nostalgische Melodien klimpert. Viel schöner als das Social Catering in Seattle (USA), das unter dem Namen "Kaffeeklatsch" auch noch Zimtschnecken anbietet. Amerika ist eben Amerika.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Wiener G'schichten: der helle Wahnsinn!

Das Kampfblatt für intelligente Leser, die alles wissen wollen, nur nicht das Alltägliche, schreibt "heute" (gratis): Fleischesser im Vorteil. Sperma von Veggies (sind) schlechter. Eine Studie der Loma Linda University ergab: 70 Millionen Spermien gegenüber nur 50 Millionen pro Milliliter bei Vegetariern. Schon mal von der Loma Linda Uni gehört? Gestern berichtete "heute": Berlins Supermärkte erhalten Kundentoilette. Und: "Tannen-Dildo" erregt Paris. Sowie: Häftling zwang Zellenkollegen, Leberkäse aus dem Klo zu essen. 16. Oktober 2014: William will, dass Prinz George Linkshänder wird. Und: Himmlisch! Alaba trifft Papst Franziskus in Rom. 14.10.: Politiker (Großbritannien) stolperte über 40 Nacktselfies. Und: Mann ließ sich mit 81 (!) zur Frau umoperieren.

Letzter Schrei: Nacktselfies

Könnte es sein, dass es der Welt so schlecht geht, dass aufmunternde Sagas von beträchtlicher Bedeutungslosigkeit wie ein ersehntes Tiramisu den Alltag versüßen sollen? Kann es sein, dass wir - wenigstens in den Medien - jetzt auf die Abschaffung restlicher Tabus zusteuern? Wir hatten den schwangeren Mann, die Frau mit den drei Brüsten, den Wichser im Flugzeug, der die Maschine notlanden ließ. Muss eigentlich noch vor letzten Tabus halt gemacht werden, oder dürfen wir fröhlich weiter enttabuisieren? Wo wären dann die Grenzen?

Alles Käse?  

Wir könnten natürlich zurück zu den Wurzeln des Journalismus: Informieren, als vornehmste Aufgabe. Eine Hierarchie, irgendwie gestaffelt nach Prioritäten, wäre dann unerlässlich. Doch wer bestimmt, was wichtig ist? Bilden und Erziehen. Wissensvermittlung, das wissen wir von den Erziehern, sogar den Dorfschullehrern, ist ebenso vornehm als Aufgabe. Unterhalten: das braucht der Mensch natürlich auch. Vor allem, damit er lachen kann.  Ist er dann glücklich? Was machen wir dann mit der Trauer, die auch zu unserem Leben gehört? Unterhaltung zum Zeit totschlagen, warum nicht? Nur, was man da täglich vorgesetzt bekommt, macht keinen richtigen Sinn mehr. "Teurer Ehering führt häufiger zu Trennung", sagt eine Studie. Gelesen in diesem Gratisblatt. Da fragt man sich schon, ob es sich dabei noch um Information, Wissen oder Unterhaltung handelt. Kokolores wäre der Begriff, der mir dazu einfällt. Man muss es ja nicht lesen.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Die schöne Polin und der Apfel.

Manchmal kommen mehrere Dinge zusammen: eine wunderhübsche junge Polin mit Wohnsitzen in Brüssel und in Wien. Einmal in der Woche fliegt die Tierärztin und Tierschützerin hin und her. "Polinnen sind hübsch aber dreckig" schnappte ich als Kind einmal auf, dabei kannte ich keine Polin. Ich dachte damals schon, wie ungerecht jemand sein konnte, der das behauptete. Inzwischen kenne ich mehrere hübsche Polinnen, darunter blitzsaubere. Was über Deutsche oder Österreicher gesagt wird, ist oft auch nicht richtig.


Als sie anfing, über Äpfel zu sprechen, spitzte ich die Ohren. Wie war das? In Polen gibt es immer noch sehr gute Äpfel, aber sie verschwinden allmählich, höre ich sie in bestem Deutsch sagen. Im Supermarkt verkaufen sie Idared, Elstar, Pink Lady oder Granny Smith. Da hake ich ein: bei uns ist es nicht anders. Die Apfelmisere hat ganz EU-Europa erreicht. Nur gelegentlich gibt es einen Apfel, der dem altgewohnten Geschmack nahe kommt und nicht der letzte Dreck ist. Man muss nicht laut klagen, doch der herrlich duftende Apfel aus meiner Jugendzeit ist verschwunden. Wir waren uns schnell einig, dass der Normierfimmel der EU die europäische Apfelkultur zerstört hat. Goldparmäne, Jakob Löbel, Gravensteiner, Rheinischer Bohnapfel, Schafsnase und und und, wo seid ihr geblieben? Heute ist der Apfel saftig, knackig, süß und meist rotbackig. Aber totlangweilig. Vorteil(?): die Würmer sind auch ausgerottet. Aber die musste man ja nicht mitessen.


Was in der Qualität gleich geblieben ist, sind nationale Zankäpfel, wie Elsaß-Lothringen und Südtirol es waren. Doch Berg Karabach, Hongkong, der Gazastreifen oder die Ostukraine, um nur einige zu nennen, sind auch nicht von Pappe. Wo ist da der Zusammenhang? Es ist wohl leichter, einen nationalen Zankapfel zu beseitigen, als die guten alten Apfelsorten wieder anzupflanzen.

Rabenschwarze Gedanken, mit Himmelblau durchsetzt.

Wen hat es nicht schon gepackt, wenn der Herbst seine Schwingen ausbreitet, wie letzte Nacht, als ich die Fenster schließen musste, weil ein Gussregen an ihnen rüttelte? Düstere Gedanken stellen sich ein. Was wird der Winter bringen, von denen wir schon einige glücklich überstanden haben? Es wird schon alles gut gehen, mag man denken. Dennoch, in einem Flugblatt von 1650 steht der hoffnungsfrohe Spruch: "Freund Hein läßt sich abwenden nit mit Gewalt, mit Güt, mit Treu und Bitt". Auch Matthias Claudius widmet Gevatter Hein, 1775, im Wandsbecker Boten schöne Zeilen, und ein anderer tat es, an dem ich jetzt fast täglich vorbeigehe: Seine Statue steht am Judenplatz in Wien. Gotthold Ephraim Lessing. Mit diesem Dichter der Aufklärung will ich die trüben Gedanken an Gevatter Hein wieder verlassen. Obwohl, man sollte ihnen nicht systematisch ausweichen, denn der Mann mit der Sense versucht immer wieder, Unheil anzurichten. Manchmal mit Erfolg. Der Herbst des Lebens muss aber nicht nass und kalt werden, er kann auch einen goldenen Schimmer über schütteres Haar legen. Hauptsache, die Ölheizung funktioniert.

Hermann

Was wollte ich eigentlich? Ich wollte das hohe Lied der Freundschaft singen. Kann ich das jetzt noch, nach dieser melancholischen Einleitung? Ich kann. Und muss. Denn, nicht alles soll ungesagt bleiben. Eine Freundschaft kann fast ein ganzes Leben ausfüllen. Wir haben viel zusammen geraucht. Du die deinen, ich die meinen. Der Wein kam aber oft aus der gleichen Flasche. Wir konnten auch herzlich zusammen lachen. Und lachen können wir immer noch. Das mit dem Wein und den Zigaretten hat sich etwas beruhigt. Wir sehen uns nicht mehr so oft, haben aber die Erinnerungen, die ungetrübt die unsrigen bleiben. Was ich an dir neidlos bewundere, lieber Hermann, ist dein Wissen, die Liebenswürdigkeit, die Gebildetheit und das sagenhafte Gedächtnis, das ich selbst nie hatte. Deine Christl malt und singt. Von Talent muss gesprochen werden und von harmonischer Zweisamkeit im Haus am Berg. Auf meiner eigenen Seite kam auch noch etwas hinzu: spätes Glück, aber Glück mit Cath.
Und Christl

Jetzt muss oft das Telefon die Brücke schlagen, vom Stephansdom zum Bodensee. Das Telefon tut dies gerne wie mir scheint. Eine Freundschaft kann leicht auch einschlafen. Dann kann man nur gute Nacht wünschen. Unsere ist über alle Entfernungen lebendig geblieben. Das ist tägliche Freude und Erinnerung. Dafür bin ich dankbar, und ich möchte es wenigstens einmal im Leben hinausposaunt haben. Dann kann der Alltag wieder eintreten, mit seiner herbstlichen Färbung, mit den kleinen und großen Gedanken. Mit der Angst, dass einmal alles zuende geht. Na, und? Hauptsache, wir fürchten uns nicht. Was bleibt, ist eine Hoffnung auf Besseres. Auch der Winter wird seine Schrecken wieder verlieren. Dann treten wir in die ersten Sonnestrahlen und fühlen die Wärme auf unserer Haut. Bis dahin müssen wir mit unserer Ölheizung zurecht kommen. Noch Fragen, Gevatter Hein?






Dienstag, 21. Oktober 2014

Concerto For Piano and Orchestra in F Major

It happens to me twice a year: I listen to George Gershwin's Concerto in F and get, I don't know what, nostalgic, sad, the blues? Some indistinct yearning overcomes me when I hear Gershwin and am at home, on my own. And when the sky is half blue, half dark. Autumn, the blues one gets when things seem to come to an end. The remote siren of a factory hoots. No, I can't hear the birds. They are too far away from my window. Only some wind howls around the corner. There will be rain in a minute. The year was a good one, so far. More such years to come? I feel that the end is near.


Claude Debussy, who can upset me a lot, also has music that makes me daydream. Can transport me far away. But I still can't describe my longing, my hunger for sadness. I can dream of a deserted corner of a pub, in the North of Paris. Levallois, perhaps, where I lived on my own. Or in London's spooky North, rain and darkness included. What is it? Debussy's Après-midi d'un faune agitates me as well. I feel loneliness creeping into me and sitting there. Remote beaches embedded in misty sunshine. But it is Gershwin who makes me a mixture of high emotions and deep sadness.


When he composed his Concerto in F in 1925, imagine, he seemed heavily influenced by jazz. There is also reminiscence of blues and several references to ragtime. The Rapsody in Blue is a bit older, not much. Similar, maybe romantic, feelings hit me in early Spring, when the snow has gone and it is still cold outside. I then have to be alone, sit in the early sun and listen to Gershwin, whereby Summertime, rather, is the melody that carries me away. Is anything wrong with me? Or is it normal? My grateful thanks go to this genius. May he gently rotate in his grave when somebody tells him that a totally unmusical bloke like me adores him madly.


Sonntag, 19. Oktober 2014

Ehrlich ist blöd!

Wenn einer sich als schwul outet, hat er den Schritt in die Ehrlichkeit vollzogen. Ein Kind, das sagt: Mama ich habe Hunger, ist der Ehrlichkeit noch sehr nahe. Aber, wie sieht es sonst aus? Hersteller, Supermärkte und Kaufhäuser, Banken und Versicherungen? Politiker? Wie oft ärgern wir uns über einen Politiker, der trotz schlechter Prognosen behauptet: wir sind gut aufgestellt. Zweckoptimismus oder Lüge? Was machen wir mit dem sieghaftseinwollenden Grinsen, wenn erklärt wird, dass zwar Schwierigkeiten bestehen, aber viel investiert wurde, um die Lage in den Griff zu bekommen? Verdammtnochmal, warum ist die Ehrlichkeit aus unseren Köpfen entwichen? Persönliche Interessen sind eigentlich nur noch auf Sex, Mammon, und Kriegsspiele zu reduzieren. Oder, irre ich mich?


Als ich zwei Jahre in einem Land in Europa wohnte, in dem man sich darauf spezialisiert hatte, finanzkräftigen Kunden das Geld heraus zu locken, ging es nur um Steuerbetrug und Profitgier. Wahrscheinlich gibt es schmeichelndere Worte dafür: Sei nicht blöd und umgehe einfach den Fiskus! Oder, Gewinnmaximierung ist angesagt. In der Politik wird für Steuergerechtigkeit geworben und vor allem auch verhindert, dass große Einkommen "fair" versteuert werden. ich entdeckte in jenem Land, dass der Lidschlag von Menschen zunahm, wenn von Geld die Rede war. Das hat sich heute verallgemeinert. Je höher der Betrag, desto (und nicht umso!) heftiger gehen die Augenlider auf und ab. Das lässt sich nachprüfen.

Die Philosophie ist: wer am Straßenrand sitzt und bettelt, mag zwar ehrlich sein, aber er hat nichts und ist blöd. Jemand, der freiwillig großzügig ist, wird vielleicht bewundert, aber ebenfalls für blöd gehalten. Freiwillig etwas bezahlen? Nur wenn die rechtliche Lage eindeutig ist und mit Prozess gedroht wird. Und dann kann man es immer noch darauf ankommen lassen.  Fluggesellschaften tun das, wenn sie bezahlen müssen. Die Eisenbahn tut es, und der Supermarkt schwafelt davon, wie er die Kunden liebt. In Wirklichkeit wird man schnell vor die Tür gesetzt, wenn man an der Kasse dem Tempo der Kassiererin nicht folgen kann. Danke schön. Besuchen sie und bald wieder!

Man hat immer größere Lust, abzuwählen, zu verweigern, unfreundlich zu antworten, zu sabotieren und aus Trotz das Unerwartete zu tun. Die Welt ist dabei, sich zu verändern. Dabei müssen wir uns verändern, sonst geht die Verarschung fröhlich weiter.


Samstag, 18. Oktober 2014

Don't be f...stupid - we like it!

The little boy I was, growing up in the South of Germany, was quite surprised to hear a man speak "Hochdeutsch" and coming from a big city called Hamburg. He had a lisp and his tongue slightly slipped out of his mouth when saying words like Straße (street) or Spiel (game). For me it sounded very posh, a sort of upper class language, only very fine adults would speak, except my mum or my aunt. I understood, that my beloved parents were no real authorities, linguistically spoken. Then, out in the street, with some of my friends, I came across words I never heard at home and, sometimes, did not even understand. When I used them at home, my dad laughed and my mother looked serious and asked, where do you learn such words? I  would, however, never have given away the name of a pal, knowing that the use of such swear-words was sort of highly illegal. Only Martin Luther, who apparently created modern German was allowed to use words like fart, shag and others.

Naughty boy?

Then I started to learn languages and was immediately fascinated by the dark side of it. In Spanish it was a quote from Hemingway's For whom the Bell tolls: "Io cago en la leche de mi madre" (I shit into my mother's milk). What an insult I thought, when I had understood what it meant. In Latin, at an earlier stage, I learned that "carpe diem" meant "enjoy your day" and then, the teacher added frivolously: noctemque, meaning "and the night". For a little boy that was difficult to understand. But I knew that this was meant to be naughty. French, I must have been older than 16, was a real challenge, because the French seemed to have a natural access to swear-words. I therefore limit myself to one standard phrase every boy would know by heart without understanding: "Voulez-vous coucher avec moi?" And "Putain!" (prostitute) is just the equivalent of "Scheisse" in German. One gets easily used to it. 

Naughty boy!

The English language seemed for me a rather posh expression of the sort of language they taught in Oxford. Both the Queen and, to some extend, Maggie Thatcher, practised this sort of unnatural, slightly stilted version of what I heard later in India: "I like rice with curry" said a friend with a rather peculiar rolling of his eyes. So, English for me is a language with many facets, all of which seem interesting but class related, somehow. The exception to that, I can accept, is of course American English which is for me a sort of a  in-mouth-hot-potato-rolling exercise. Quite easy to understand for Latin-Americans. But, lets come to the more vulgar side of the language: there was a film, where the "heroes" used the f-word every 20 seconds. Disgusting. Swear-word inflation is inflation in the worst sense. Diarrhoea of words.
Bloody hell, an angel!

On the other hand, a language without the occasional use of a dirty word sounds artificial and boring. A speaker should be able to handle a complete range of words, the art being to use them in the right sense, the right moment, with the right audience. What a f... idea that is! Abso-f...-lutely great! Right?




Donnerstag, 16. Oktober 2014

Alice in Yonderland - Learn English with Dr. Lepp.

I know that children can be cruel and unfair if it comes to describe their teachers. In particular, if they had to suffer from their teaching methods. On the other hand, kids are capable of turning a blind eye on the crankiness of some educators when they love them, however inefficient they may be. Whom we never forget, is the first teacher we may have fallen in love with. Many of them, however, if they were boring, sank into oblivion as soon as one has got rid of the school. Anyway, there were moments in the lives of most schoolchildren, where a school was more an instrument of torture than anything else. For me, as a little boy in a German school, whose parents had just moved from a big city to a smaller town, the new school turned out to be a bit of a challenge.  Our French teacher was close to retirement. His French was weird. My grandmother's French was perfect. I had to suffer a lot since French seemed to me rather a punishment. The Latin teacher was a sort of a linguistic bureaucrat, both teachers were easy to forget after having moved on to another school three years later.

What is more difficult to ever forget, is our then teacher of English, Doctor Lepp. He had a mad glint in his eyes, and was dressed like a caricature of an elderly gentleman. He would never call you by your name and all we did during the three years was reading pages over pages of Lewis Carroll's fairy tale Alice in Wonderland. Phrase by phrase this oeuvre had to be translated, day by day. There was no possibility to discuss the usefulness of this. The novel begins - if I remember well - with Alice falling through a rabbit hole into a strange world and having all sorts of adventures. At some stage, the Cat says so rightly: We're all mad here. And Alice herself was mad too. Quote: Let me see: four times five is twelve, and four times six is thirteen and four times seven is --- oh, dear! I shall never get to twenty at that rate. Some call this the best example of literary nonsense, others, for instance Migraine researchers, even suggest that the author himself was actually a Migraineur. No wonder that this version of headaches got the name of AWS which stands for Alice in Wonderland Syndrom. 


Needless to say, that after Dr. Lepp, who's madness was obvious, I had a beautiful lady teacher who had studied English in Great Britain. She was friendly, intelligent and - for a young boy - an ideal object to fall in love with. Although we had Fräulein Dahl only for a short while as a teacher, we learned proper English in record time. I forgot most of this still popular fairy tale and never found the energy to reread it. Nowadays, one can easily download Alice in Wonderland without falling through a rabbit hole. And Dr. Lepp's own sufferings as a Migraine patient must be over by now.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Hauptstadt Berlin - einige müssen sich schämen

Als es darum ging, die Hauptstadt für ein vereinigtes Deutschland zu finden, bot sich das befreite Berlin selbstverständlich an. Dass es überhaupt Diskussionen geben musste über das Für und Wider, empört mich heute noch. Da gab es Spießer, Egoisten, Provinzler und Lokalmatadoren, denen Bonn als "neue" Hauptstadt recht gewesen wäre. Historische Instinktlosigkeit musste man das nennen. Nur weil sich einer in der Rheingegend um Bonn ein Häuschen erworben hatte, wollte er den Hauch der Geschichte an sich vorbeiwehen lassen. Man stelle sich vor, die Abstimmung im Bonner Bundestag hätte gegen Berlin entschieden, wir wären diese Schande nie mehr los geworden.


Der Aufstand gegen das sozialistische Regime der DDR, der 17. Juni 1953, die jahrelange Unterdrückung der Freiheit, vor allem der Meinungs- und Reisefreiheit, das Unrecht an Millionen Menschen, die das alles nicht verursacht hatten, all das schien plötzlich vergessen. Eine kleinliche Abstimmung im Parlament, wo sonst wie selbstverständlich Demokratie geübt wurde, hätte das Projekt "Hauptstadt Berlin" zu Fall bringen können. Schon der Gedanke, einige Ministerien und Ämter in Bonn zu lassen, sah wie ein mieser Kompromiss aus. Unverfroren dazu.

Jahrelang wurden Fensterreden gehalten, die deutsche Teilung beklagt, so getan, als würde eines Tages die ersehnte Wiedervereinigung ganz von selbst kommen. Wer hat noch daran geglaubt? Als Süddeutscher, mit einer Tante und einigen Freunden in Berlin, hat mich das alles traurig gestimmt. Solch kleinkarierte Haltungen haben mir das Vertrauen in die Politik genommen. Zum Glück dachte der von mir nicht besonders verehrte Helmut Kohl ebenfalls sehr süddeutsch und historisch. Die Gründung des Deutschen Reiches, die nicht unbedingt im Spiegelsaal von Versailles hätte durchgeführt werden müssen, hat uns den Hass der Franzosen eingebracht, ein Preis, der - wenn man an die Folgen denkt - viel zu hoch war. Aber, die bis 1870 dahindämmernden deutschen Kleinstaaten, hatten es schließlich geschafft. Und der Bonner Bundestag hätte dies fast zunichte gemacht. So geschichtslos darf man in der Politik nicht sein.

Bahnhof Friedrichstraße: Blick in den Osten
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", sagte damals dieser spitzbärtige Handlanger der Sowjetunion. Alle (im Westen), die es konnten, machten das unerträglich komische Sächsich Walter Ulbrichts nach. Oft war ich in Ostberlin, aber auch einmal in Sachsen, und litt mit den Eingesperrten.
Als mich die Schlaflosigkeit in einem New Yorker Hotel vor den Fernseher trieb - es war der 9. November 1989 - glaubte ich es kaum: "The Berlin Wall is open" hieß es da. Ich rief sofort in Berlin an, konnte jedoch niemand erreichen. Und als ich einen Freund aus Frankreich beim Frühstück traf, war es allen klar, denn wir sprachen deutsch: hier sitzt ein Deutscher. Menschen, die ich nicht kannte, gingen auf mich zu und umarmten mich. Die Welt stand kopf. Mein Dank geht deshalb heute an all die Kleingläubigen, die damals nicht wollten, dass unser vielgeliebtes Berlin wieder Hauptstadt des geeinten Landes wird.

Und der Sonderzug nach Pankow ist längst abgefahren, gell, Honni!