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Montag, 13. Februar 2012

Indien - die Frauen kommen, weltweit!



Wer hat schon Lust, zwei Stunden mit der Bahn, dann neun Stunden mit dem Flugzeug und dann noch einmal zwei Stunden mit dem Auto unterwegs zu sein, Wartezeiten nicht gerechnet, um  eine Konferenz über Frauen und Technologie zu besuchen? Niemand? Der Weg ging über Frankfurt und Neu Delhi nach Bangalore im Süden Indiens. "The International Women's Conference" wurde in einem Ashram bei Bangalore veranstaltet, einem Rahmen, der zu einer erstaunlichen Dynamik führte, über die zu sprechen sein wird. Cathie hatte eine Einladung erhalten, über Frauen und soziale Medien zu sprechen und an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich ging mit, war wohlwollend geduldet und Teil einer winzigen, aber neugierigen männlichen Minderheit. Diese Konferenz hat meine ohnehin positive Einstellung zum weiblichen Geschlecht gehörig revolutioniert. Die über 500 Frauen, fast alle Führungspersönlichkeiten, kamen aus 55 verschiedenen Ländern, um über den Zustand von Frau und Technologie in allen Variationen zu konferieren. Was können die Erwartungen an ein solches Treffen sein?


                                                     The Art of Living

Doch was ist Indien und was ist ein Ashram? Indien, wie es in unseren europäischen Köpfen herumspukt, ist das Taj Mahal, der Fakir, der Schlangenbeschwörer, das scharfe Essen, die Heimat der Elefanten, schwarzes Haar, dunkle Augen und viel Curry. Natürlich auch Mahatma Gandhi, der gewaltlose Befreier Indiens von der Herrschaft durch die Briten. Ein Führer, den man nicht mit den oft bedeutungslosen Routinepolitikern vergleichen kann und der die Welt verändert hat. Aber auch über vieles andere muss geredet werden, denn Indien ist ein Kontinent mit einer langen und vielfältigen Geschichte. Mit vielen Sprachen und ethnischen Gruppen. Was man da alles erlebt, ist schwer zu beschreiben.

Ein Ashram ist ein Ort, an dem alles möglich ist: geistig-religiöse Begegnung, Yoga, Zusammenleben nach den Regeln der Harmonie. Es gibt winzige und sehr große Ashrams, wie das "The Art of Living", von dem eine Niederlassung, die Zentrale für Europa, im badischen Bad Antogast bei Offenburg, angesiedelt ist. Das riesige Areal beherbergte für drei Tage eine geballte Konzentration von Frauen, die tiefe Eindrücke hinterließen, Eindrücke, die nachhaltig in die Welt hinausgetragen werden. Wir Männer spielten dabei eine untergeordnete Rolle, dabei hatten die Diskussionen zum Ziel, den Frauen in der Gesellschaft den Rücken zu stärken, nicht, die Männer mit feministischen Parolen zu erschrecken.




Der Gründer von "The Art of Living", Sri Sri Ravi Shankar, ein wie ein Gott bewunderter und verehrter Guru, hat diesen Kongress in dem Meditationsgebäude, das einer Lotusblüte nachempfunden ist, eröffnet. Als Nichtregierungsorganisation ist Art of Living in über 150 Ländern vertreten. Beispiel für engagiertes Wirken: als 2004 der alles verwüstende Tsunami durch Asien wütete, halfen 5000 Freiwillige von Art of Living die Auswirkungen zu mildern. Sri Sri Ravi Shankar wurde 2005 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, was das weltweite Wirken dieses Weisen unterstreicht. Außergewöhnliches geschah bei dieser Konferenz: sie begann mit dem Tanz der 500 Teilnehmerinnen, ein Anblick von größtem Reiz, da die meisten Würdenträgerinnen in malerischen Saris und buntgeschmückter Kleidung gekommen waren. "Schaltet alle eure Mobilfone ab" hieß es da gleich zu Beginn. "Wir Frauen können alles, manches sogar besser". In Indien sagt man, das Leben der Frau sei von der Geburt bis zum Grab mit Tränen gefüllt. Das muss sich ändern, sagte die Ministerin für Frauenfragen von Karnataka, dem Bundesstaat, dessen Hauptstadt Bangalore ist. 80% der Arbeit in diesem Land würde von Frauen verrichtet. Heute benötigen wir Frauen mit Berufsleben UND Familienleben, wurde gesagt, und die Korruption, für die Männer zuständig seien, müsse weg. Der Zugang von Frauen zu den Medien wurde bedeutungsvoll unterstrichen durch eine Teilnehmerin aus dem Libanon, die an der Verbreitung von Nachrichten durch Facebook in Ägypten maßgeblich beteiligt war. In Andhra Pradesh (Hauptstadt Hyderabad) hatte eine Frau beobachtet, wie ein Mann auf der Straße seine Frau mit einem Stock schlug. Daraufhin griff sie ein und gründete dann eine Bewegung gegen häusliche Gewalt, die heute überall erfolgreich tätig ist.




So vieles wäre zu sagen, etwa, wie die Frau als Unternehmerin heute auf allen Gebieten tätig ist. Oder als Ministerin in Südafrika. Eine würdevolle Vertreterin der Politik und Anhängerin von Nelson Mandela. Eine haarlose buddhistische Nonne aus Taiwan, die ihr eigenes Geschlecht infrage stellte, indem sie betonte, das sei unwichtig. Viel Humor auch, neben all dem Ernsthaften, bei einer Schwarzamerikanerin, die den Frauen weltweit Mut machte. "We shall overcome" hob sie an zu singen und tanzte mit ihrem Mikrophon in der Hand. "Spiritualität muss nicht erworben werden. Sie ist in uns", sagte sie: eine zwei Meter große Frau, ein weiblicher Berg, mit leicht blöndlich gefärbtem Haar und männlicher Stimme. Eine Eiche von einer Frau, dazu Bischof der methodistischen Kirche, dazu 81 Jahre jung. Meine Cath wirkte neben Barbara Lewis King wie ein Zwerg. Uns Männern war hier die Rolle des Kameramannes, Tontechnikers und Türstehers zugewiesen. Das war gut so. Die Frau wird in der Gesellschaft von Morgen die Führung übernehmen. Das ist gewiss. Denn der Umgang mit Technologie, mit Management, mit Führungspositionen ist  Frauensache. Männer neigen zu Korruption und Vetternwirtschaft, Frauen erhalten durch Technologie mehr Zeit zum Bewahren menschlicher Werte. "Meine schönen Schwestern" begann die südafrikanische Ministerin ihre Rede. Man stelle sich die Männerwelt vor: "Meine schönen Brüder", mit dunklen Anzügen, Krawatten, Glatzen und schmuddeligen Bärten. Nix tanzen, nix singen, nix Schwestern. Wir Männer werden es nicht leicht haben, wenn mehr Frauen in Schlüsselpositionen drängen. Bald werden wir irgendwo  weibliche Verteidigungsminister haben. Dann ist es vorbei mit dem kostspieligen Herumhantieren mit Waffen. Frauen als Führerinnen in Großbanken? Dann hätten wir weniger zu befürchten. Warum haben wir das nicht schon längst?

Donnerstag, 18. August 2011

Das Sommerloch - eine wahre Katastrophe

Wie gerne esse ich diese kleinen Essiggurken, wenn sie sich so richtig sauer aus dem Glas grapschen lassen. Ja, die Spreewälder Gurken haben einen gewissen Ruhm erreicht, wobei man sagen muss, dass das genusssüchtige Nachbarland so etwas nicht kennt und auch nicht vermisst. Die in Frankreich so genannten "cornichons" sind dagegen kleine, bösartige Andeutungen von Gurken, die das Leben im Sommer nicht mitbestimmen. Man isst sie mit zugekniffenem Auge und fragt sich, wer so etwas Salziges gut findet.

Anders verhält es sich mit der Essiggurke. Vor allem zur Sauregurkenzeit, wo daheimgebliebene Redakteure am Verzweifeln sind. Sie schmeckt immer sauer. Und nichts passiert. Die Merkel ist im Urlaub. Der Westerwelle abgetaucht. Die Schlagzeilen verkommen zu Hilferufen. "Haben wir dieses Wetter verdient?" "Hat sie ihn auf den Mund geküsst?" "Wieso sterben nach Mitternacht die meisten Zugvögel?" Daran sehen wir, dass eine Zeit angebrochen ist, die hoffentlich bald wieder vorüber geht. Auch Gaddhafi und Assad scheinen schlapp zu machen, und vom Kernkraftunfall in Japan hat man schon lange nichts mehr gehört. Ein Glück, dass die bundesdeutsche Kickerei wieder begonnen hat. Wenigstens ein paar erfreuliche Ergebnisse können da erwähnt werden.

Brauchen wir die tägliche Droge "Nachrichten" wirklich so dringend? Ich habe irgendwo eine Tafel gelesen. Darauf stand in klaren Lettern: "Heute, am 30. August 1991 ist hier absolut nicht geschehen". Moment mal, wenn wir historische Ereignisse ("hier hat Napoleon auf seinem Feldzug gegen Russland übernachtet") festhalten, geht uns auch vieles schief. Bedeutsame Ereignisse sind in goldenen Lettern festgehalten, und welcher Hahn kräht heute noch danach? Leider geht meine Hand zu jeder vollen Stunde ans Radio, um die Nachrichten abzuhören. Dann kommt nichts, und das Wetter lässt sich kinderleicht durch einen Blick aus dem Fenster erschließen. Vor allem Sonnenschein im Sommerloch.


Jetzt habe ich mir vorgenommen, auf alle Drogen zu verzichten, wenigstens für die Sauregurkenzeit. Ich hole mir frische Brötchen zum Frühstück, streiche zu viel Butter darauf, decke diese mit einem vollen Löffel Tannenhonig zu, nehme einen Schluck starken Kaffee und lasse spanische Guitarrenmusik an mein Ohr dringen. Hoffentlich halte ich das durch, bis wieder etwas passiert, was die Medien wie geifernde Hunde durch ihre Lefzen ziehen lassen. Man merkt es den Nachrichtenmachern an, wenn sie zufrieden sind. Und das sind sie nur, wenn etwas passiert. Also, bleibt alle im Urlaub. Nur so kann die Welt beruhigt werden. Entschleunigung ist angesagt. Hier und heute.


Donnerstag, 5. Mai 2011

Ich sage es immer wieder

Es heißt: je - desto, je - desto, je - desto, je - desto. Umso öfters das falsch gemacht wird, umso wilder werde ich, weil, ich habe es satt, mit Leuten zu tun zu haben (Fernsehen, Rundfunk, Akademiker, Sprechblasenproduzenten etc.), die ihre eigene Muttersprache nicht einmal mehr ignorieren. Denn, "je - desto" wurde mit der Muttermilch aufgenommen. Auch Muttermilch sollte heute, hocherhitzt, wie sie ist, länger haltbar sein. "Je - desto" wird allmählich zum Markenzeichen für überdurchschnittliche Intelligenz.

Sonntag, 10. April 2011

Sich breiter aufstellen,

und das Land voranbringen. Damit ist eigentlich alles gesagt. Die einen wollen mehr Themen aufgreifen, um was zu tun? Die anderen wollen für das Land nur Gutes, aber wie? Die Antworten kann man sich selbst geben. Schnürsenkel im Supermarkt sind jetzt zu Premiumschnürsenkeln geworden, etwas teurer vielleicht. Auch erfährt man, dass es Bio-Mineralwasser gibt,  etwas teurer, natürlich. Werden wir hier nicht ein wenig für dumm verkauft? Auch als Wähler gehen wir inzwischen Shoppen. Aus der Verpackung geht nicht mehr hervor, was drin ist. "Wir sorgen für Sicherheit und Stabilität", heißt es auf Wahlplakaten. Im Laden können wir verdächtiges Zeug in der Hand kreisen lassen, abwägen und wieder zurück ins Regal verfrachten.  Und feststellen, dass die Böhnchen nur noch 400 Gramm wiegen, bei gleichem Preis wie vorher, als man noch selbstverständlich 500 Gramm angeboten bekam. Wie wäre es denn mit 463 Gramm, zum Preis für 2 Artikel, beim Kauf von drei, vorausgesetzt, dass man noch eine Jugendzeitschrift für drei Monate abonniert? Was aber machen wir mit unseren Politikern? Haben die nicht gänzlich ihren Kredit verloren?

Politik und Wirtschaft sind ein ungleiches Paar. Die einen zocken, die anderen zocken ab. Wie sehen wir, was in diesen Packungen drin ist? Wir haben nur die Qual der Wahl. Alle paar Jahre. Dann wird um die Regierungsfähigkeit geschachert. Dann kommen die Haushaltszwänge. Dann will der eine oder andere sich profilieren. Meist mit Halbwissen. Solange keiner kompetent protestiert, geht das durch. Nur keine Fehler zugeben, obwohl es ehrlicher wäre und obwohl irren eigentlich menschlich ist. Insgesamt dürfen wir feststellen, dass immer mehr Geld, und damit Macht, in die Hände von immer weniger Menschen und Einrichtungen geht. Die große Masse, das sind wir, wird für dumm verkauft. Unser Gewicht verändert sich: die Politik sucht nur noch nach Wegen, die Finanzlasten zu bewältigen, die Wirtschaft nach legitimen, manchmal auch illegalen Mitteln, den Profit zu maximieren. Hier hat die "Masse" so gut wie keine Wahl: können wir weniger autofahren, nur weil die Spritpreise steigen? Etwa, weniger Strom verbrauchen? Warum müssen wir uns anstrengen, während die anderen es sich leicht machen? Stuttgart 21, warum? Der Ausstieg aus dem Ausstieg, warum?

Was unsere Gesundheit betrifft, so spielt die Pharmaindustrie mit uns Fußball. Die Krankenkassen geben den kläglichen Skandal der überhöhten Preise einfach weiter. Die dienende Funktion der Pillenhersteller hat sich in eine Abzocke verwandelt. Wir haben für ihren Umsatz gerade zu stehen, sie nicht für unsere Gesundheit. Kommen wir zur inflationären Sprache, die dies alles verständlich machen soll: unsere Politik ist Premium, bis dann ein Wahldebakel entstand, das alle befürchtet, aber keiner wahr haben wollte. Dann wird eine künstliche Wende herbeigezaubert. Kann es nicht sein, dass der Wähler keine andere Wahl mehr hat, als die Packung genauer anzuschauen, das eine oder andere Stinkpaket wieder ins Regal zu schieben und alles was als Premium, Delikatesse oder Spitzenqualität deklariert wird, misstrauisch zu verwerfen: Vielleicht sollte sich die Politik wirklich etwas breiter aufstellen und die Wirtschaft versuchen, das Land voran zu bringen. Wenn man mit den Wählern etwas ehrlicher umgehen würde, könnten sie sich vielleicht eher eine Meinung bilden. Schlagworte sind allmählich ein rotes Tuch geworden, für all diejenigen, die versuchen, durchzublicken. Ach, haltet uns doch nicht für blöd!

Dienstag, 5. April 2011

Wir lieben Lebensmittel auch

aber muss es sein, dass, kurz vor der Spargelsaison, ein Kilo deutscher Spargel für sage und schreibe 24,80 € angeboten wird? Bin zwar kein Hartz4empfänger, fühle mich dennoch verkackeiert ob solcher Kaltblütigkeit. Äpfel, die üblichen EU genormten Sorten (gibt es keine Gravensteiner, Jakob Löbel, Renetten und ähnliche Sorten mehr?): Preis: stolze 1,99€, während das Bauernlädle fast um die Ecke regionale Äpfel für 60 Cent anbietet. Fast 4 DM, um in alten Kategorien zu denken. Über 49 DM für Spargel? Da muss der Bürger doch laut aufschreien. Profitgier ist hier wohl das richtige Wort. Die Nachfrage sollte das Angebot regeln, nicht umgekehrt! Mein Kommentar: Ihr liebt Lebensmittel? Dann behaltet sie!