Donnerstag, 24. Mai 2012

London, Europas China Town. Teil 5





Kaum in London angekommen, leuchten uns die Olympischen Ringe entgegen, die besagen wollen: hier findet ein Großereignis statt. An der U-Bahn wird herumgeflickt, um bei den Spielen die erwarteten Massen würdig transportieren zu können. Schließlich ist der Londoner "Underground" der älteste der Welt. Deshalb fehlen auch meist die bequemen Rolltreppen. Eine olympische Sonderdisziplin ist das Durchwandern der tunnelartigen Gänge. Wer da wieder herauskommt, hat ohnehin meist schon einen persönlichen Rekord aufgestellt.

                                                          Der Schinese an sich

Auch viele Chinesen werden zu den Spielen erwartet. Es hat sich im fernen Osten herumgesprochen, dass die größte chinesische Stadt Europas das Londoner Soho ist. Ein ganzes Viertel, fast ein Ghetto, ist die China Town mit den unzähligen Restaurants und Läden. Touristen und Einheimische lieben es, am Abend dorthin auszugehen und mit den Stäbchen in der Hand die exotischen Speisen zu erfassen und in den Mund zu führen. Dabei ertönt eine betörende Hintergrundmusik, die ans Land des Lächelns erinnert. Ich war schon sehr früh fasziniert von der Eroberung der Welt durch die Chinesen. Erst kommen die Stäbchen, mit den leckeren Speisen. Dann sind es die Menschen. Statistisch verständlich, wie das abläuft: Der Deutsche an sich, über 80 Millionen stark, macht heute gerade etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung aus. In wenigen Jahren werden es noch weit weniger sein. Inder und Chinesen zusammen sind schon über ein Viertel. Das sollten wir manchmal bedenken, wenn wir die Welt belehren wollen und unseren Banken erlauben, diese zu bescheißen.

Mittwoch, 23. Mai 2012

London, der pure Teewahn, Teil 4

Was mir an der ostfriesischen Teezeremonie so gefällt, ist ihre Ungezwungenheit. Man weiß, dass man hauchdünnes Porzellan vorgesetzt bekommt, Kandiszucker mit dem Zuckerzängchen gegriffen werden muss, und wer den Tee mit etwas Rum haben möchte, bekommt ihn. Wie naiv muss man sein, um das Trinken von Tee zeremoniell verarbeiten zu müssen? Ich hatte immer schon Verständnis für exotische Gepflogenheiten, aber Tee ist für mich Tee. Kann ganz gut schmecken, aber Kaffee auch. Die einzige Regel, die ich beachte: Milch in Kaffee: ja, Milch in Tee: nein.

In Großbritannien kommt man mit solcher Einstellung nicht weit. Da ist erst mal das British Museum in London, das unter anderem eine sehr umfassende Japan-Ausstellung zeigt und dabei auch einmal im Monat eine japanische Teezeremonie in einem traditionellen japanischen Teehaus durchführt. Dass man in Japan die Tasse mit beiden Händen hält, weiß jeder. Dass der Tee jedoch unserem Geschmack nicht so entspricht, wissen nur die, die ihn schon getrunken haben. Tee ist eben nicht einfach Tee.

Kommen wir zu den Engländern. English Breakfast Tea, Earl Grey Tea, Green Tea, Dardjeeling sind nur einige Beispiele für das massive Angebot an Tee in diesem teetrinkenden Land. Ist man, wie ich, mit einer Engländerin verheiratet, beginnt das Zeremoniell schon um 7 Uhr morgens und endet vor dem Schlafengehen. Wie selbstverständlich wird von dem jeweils anderen (das bin ich) erwartet, dass er industrielle Mengen an Tee zubereitet, die Milch der ersten Tasse muss natürlich schon drin sein, bevor der Schwarztee drübergegossen wird. Meist handelt es sich um einen Liter Tee oder so, den eine einzige Person in nullkommanix heruntergurgeln kann. Ich versuche manchmal, dies alles zu verstehen. Es gelingt mir nicht, denn ich selbst benötige für eine Tasse Tee ungefähr eine Stunde. Dann muss ich aufs Klo.

                                                             Tee im Orient

                                             Want a cuppa tea? The answer is: YES!

Dienstag, 22. Mai 2012

London, kaum Hundekot auf den Straßen. Teil 3




London lässt dich so schnell nicht los. Wir mussten auf jeden Fall in die Barbican Art Gallery, wo bis zum 12. August eine großartige Ausstellung über das Bauhaus stattfindet. Es sind nicht so sehr die allbekannten Beispiele bauhaus'scher Aktivitäten, die gezeigt werden, sondern eine Unmenge (über 4oo) von Exponaten, die den Umfang und die Reichweite des Bauhauses verdeutlichen, ihre bekannten und weniger bekannten Gesichter, also eine Art Bauhaus-Appetitanreger auf höchstem Niveau. Malerei, Bildhauerei, Keramik, Textilien, Möbel, Grafiken, Produktgestaltung, Theater, Architektur, Film und Fotografie sind vertreten. Die großen Namen: Walter Gropius, der Gründer, Lyonel Feininger, László Moholy-Nagy, Marcel Breuer, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Josef Albers.... Weitere Berühmtheiten können hier nicht aufgezählt werden. Wesentlich ist das, was von der damals weltweit führenden Schule für moderne Kunst und Gestaltung heute übrig geblieben ist: ein immer noch weltweit wirksamer Hort der Anregung und Inspiration. Der Weg von Weimar (1919) über Dessau nach Berlin, wo die Nazis (1933) dem Tun des Bauhauses ein vorläufiges Ende bereiteten, hat sich über den ganzen Globus verbreitet. Die Ausstellung gibt dazu einen schönen Überblick.


Dann, im selben Gebäude etwas höchst Erstaunliches: Song Dong, ein chinesischer Konzept- und Installationskünstler, zeigt eine Installation unter dem Titel: "wu jin qi Yong", 'Waste Not' (Verschwende nicht). Über 10000 Artikel, durch die man sich schlängeln muss. Der Hintergrund: als Song Dongs Vater 2002 starb, fiel seine Mutter in tiefe Depressionen. Seit der Kulturrevolution des Großen Vorsitzenden Mao, 1966 (Jahr, in dem auch Song Dong geboren wurde) galt in China die Devise: alles aufheben, wer weiß, wozu es noch gut ist. Überleben durch sammeln und bewahren. Zhao Xiangyuan, die Mutter, hatte alles beiseite geschafft, was nicht mehr unmittelbar gebraucht wurde, auch kleine Stückchen Seife, oder die Verschlüsse von Plastikfläschchen. Mit dem Tod des Vaters trat die große Leere ein, und Song Dong überlegte, wie er das verzweifelte Horten von Gegenständen künstlerisch nutzbar machen konnte, indem er seiner Mutter die Rolle einer Mit-Künstlerin zuwies. Die Installation ist sehr packend. Sie wurde schon in New York, Peking, Tokio und Südkorea gezeigt. Der pure Anblick
von Müll (denn das ist es letztlich) gibt viel zu denken. Was ich nicht verstehe ist, dass Londoner immer noch behaupten, ihre Stadt sei schmutzig, Deutschland hingegen sauber. Ist das eine optische Täuschung?

                                                                       Deckel.....

London, eine Provinzhauptstadt? Teil 2

Wer durch die Straßen schlendert, kann auch die Londoner Kleinstadt entdecken, doch die große Mode wird dort auch gemacht. In Paris sind die Töne etwas lauter, in London trifft man dagegen leicht Leute, die davon erzählen, wie sie in Australien oder Hongkong oder Singapur auf dem Flughafen herumsaßen, und nach der glücklichen Heimkunft erst mal ins Pub gingen um sich abzuregen.





Cath war eingeladen, zusammen mit einem bekannten Journalisten, Joshua Rozenberg, am Abend einen Vortrag zu halten: Challenges of European Communications. Das fand im CIPR am Russell Square statt. Die interessierten Zuhörer wollten mehr über die Praktiken des öffentlichrechtlichen Fernsehens in Sachen Öffentlichkeitsarbeit wissen. Es ging im einzelnen um im Vereinigten Königreich anstehende Menschenrechtsfälle, die am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verhandelt werden. Oder Habe ich da etwas falsch verstanden? Es war auf jeden Fall unterhaltsam und aufschlussreich. Das CIPR ist nicht etwa das Centre for Integrated Petroleum Research, das es auch gibt, sondern das Chartered Institute of Public Relations, das weltweit operiert und die frohe Botschaft der PR angemessen vertritt.




Das wahre Gruseln lernt man jedoch bei einem Besuch im Tower of London, der aus verschiedenen Towers besteht: White Tower, Bloody Tower, Beauchamp Tower, Cradle Tower, und irgendwo sind dann die Kronjuwelen versteckt. Das Gruseln kommt jedoch von den lauthals vorgebrachten Schilderungen eines Yeoman Warders, eines schauspielerisch begabten Wärters, der mit sichtlichem Stolz und bluttriefender Häme die Abschlachtungen des Mittelalters schildert. Kinder sind da eine besondere Zielgruppe. Fasziniert hängen sie an den Lippen des Schilderers vergangener Grausamkeiten, etwa der Köpfung von Anne Boleyn, der zweiten Frau von König Heinrich VIII, die am 2. Mai 1536 des mehrfachen Ehebruches und anderer Delikte angeklagt wurde. Wie der Kopf wegrollte, der von einem französischen Henker mit Erfahrung mit einem Streich vom Körper getrennt wurde. Ihre Schuld hat sie nie zugegeben. Der Menschrechtsgerichtshof in Straßburg hätte dazu sicher ein Wörtchen zu sagen gehabt. London: Zeugen der Vergangenheit und daneben massive Neubauten von unglaublicher Eleganz.

                                                              Tower power?


Montag, 21. Mai 2012

London - kalt und windig, 1. Teil

Als ich zum erstmal nach London kam, sah ich ihn am Piccadily Circus und konnte es nicht glauben. Ein Freund hatte es mir vorausgesagt: in London kannst du jemand sehen, der am hellen Tag im Pyjama über die Straße läuft, und niemand dreht sich nach ihm um. Ich habe mehr als das gesehen: eine alte Frau, total heruntergekommen, offensichtlich verwirrt, die ihren entzündeten nackten Unterleib zur Schau stellte, auf dem Boden sitzend, im Hyde Park, von einem Wust an Zeitungen umgeben. Das ist lange her.

Ich komme gerade aus London zurück, der Hauptstadt eines Landes, dem man ständig den wirtschaftlichen und moralischen Niedergang voraussagt, und, was soll ich sagen? Es gibt in Europa keine verrücktere, dynamischere und lebensfrohere Stadt wie London. Mit 8 Millionen, ich würde sagen, Aus- und Eng-ländern, Europas größte Stadt, wenn man davon absieht, dass Paris und das Ruhrgebiet 10 Millionen zusammenführen, Moskau ein ständig wachsender Moloch ist, und auch Istanbul, eine wahrlich europäisch-orientalische Metropole, wahrscheinlich 17 Millionen Einwohner in ihren Mauern herumirren lässt.


Über das Stadium "Tower Bridge, Buckingham Palace, Trafalgar Square und Soho" bin ich längst hinaus. Anderes ist viel interessanter, etwa das British Museum, das Leben in der U-Bahn, die neue Architektur, oder einfach eine viel beachtete Ausstellung über das Bauhaus oder den Müll. Ein paar Museen müssen schon sein. Die British Library, mit ungeheuren Schätzen an Originalschriften. Man wandert durch die Räume  wie im Traum und sieht, was man nie für möglich gehalten hätte. Das British Museum, ganz in der Nähe unseres Hotels, musste ebenfalls aufgesucht werden. Es ist eine überwältigende Bildungsstätte. Wir besuchten diesmal nur die japanische Ausstellung, allerhand Porzellan, Tuschezeichnungen und Schriften, Skulpturen und Bilder, ein wahres Eintauchen in die japanische Kultur.




In London, so vermutet man, gibt es alles, und von allem das mieseste, aber auch das beste. So ist es eben in einer Weltstadt, die Geschichte und graue Vorzeit mit der Moderne auf atemberaubende Weise verbindet. Die Menschen sind fröhlich und gehören allen Herkünften an, die man sich denken kann. Alle Sprachen werden gesprochen, alles elektronisch Mögliche wird angeboten. Da ist die Königin, zum Beispiel, nur ein amüsanter Klecks auf der Karte des Lebens, nicht das Leben selbst, das sich in den zahllosen Häusern, Straßen und Ecken Londons abspielt.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Eisheilige Einfalt

Sie sind voll da, die berühmten Eisheiligen, obwohl durch die Einführung des gregorianischen Kalenders bei den Bauern einiges durcheinander geraten ist. 1582 wurde dieser Kalender in der katholischen Welt eingeführt, in einigen Regionen jedoch viel später. In Deutschland wird freundschaftlich gestritten, ob es drei, vier oder fünf Eisheilige gibt. Mamertus, das ist sicher, ist ein norddeutscher Eisi. Wir haben also: Mamerz (11. Mai), Pankraz (12.5.), Servatius (13.5.), Bonifaz (14.5.) und die kalte Sophie (15.5.). Der Bauer sagt: "Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz". Und: "Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie dann vorüber ist".




Gestern war es dann soweit: une véritable hollandaise, dieser Blitz(eis)besuch des neuen französischen Präsidenten bei der Eisheiligen Angela in Berlin. Frostiges Händeschütteln. Blitzeinschlag, zuvor, in Hollandes Maschine auf dem Weg von Paris nach Berlin. Doch die Kälte zeigte sich nicht allein im deutschen Osten, ganz Frankreich lag unter einem Tief, als Nicolas Sarkozy (den Namen dürfen wir jetzt wieder vergessen) den Elysée-Palast für immer verließ. Die Fahrt im offenen Ökoauto hat den neuen Präsidenten richtig nass gemacht. Zweimal musste er den Anzug wechseln. Hollande ist also ganz anders gestrickt als Sarko. Wird er Schwierigkeiten haben, sich an das rauhe Berliner Klima zu gewöhnen?

Da jedoch nichts so heiß gegessen wird, wie gekocht, können wir hoffen, dass schnell wieder wärmere Tage in die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich treten. Schließlich haben sich Mitterrand und Kohl friedlich an den Händen gehalten, obwohl sie zwei verschiedenen politischen Lagern angehörten. Giscard und Helmut Schmidt sollen sich sogar im Dunkeln geküsst haben (hierfür bitte ich um Entschuldigung. Der Gedanke ist zuuuu schön!). Also, Angela, streng' dich an! Sei ein bisschen herzlich zu Francois. Er braucht deine Zuneigung, und du benötigst gelegentlich einen warmen Händedruck. Die Zeit der Eisheiligen ist nun vorüber.

Dienstag, 15. Mai 2012

Kartoffelsalat, aber badisch!






Welche Kartoffel nimmt man? Festkochend sollte sie schon sein. Dann beginnt der Stress für all jene, die sich für Kartoffelsalat mit Radieschen und Gurken, mit Speck, den Mediterranen oder Siebenbürgener oder den nach Omas Art entscheiden. Auch der KS mit Tintenfisch scheint eine Option zu sein. Zum Schwäbischen komme ich noch.

Zunächst meine Geschichte: am badischen Schwarzwaldrand, nicht weit von Offenburg, war ich zu einem Geburtstagsessen in ein populäres Gasthaus eingeladen, zusammen mit etwa 30 anderen Gästen. Das Essen war denkbar einfach: Spanferkel mit Kartoffelsalat. Einfach köstlich. Ich hatte meine Dosis Ferkel bereits einverleibt, als ich mich entschloss, mich nur noch dem Kartoffelsalat zu widmen. Es gab davon Unmengen, und das war gut so, denn die Gäste "hauten rein", als hätten sie eine wahre Delikatesse vor sich. Und eine Delikatesse war dieser Kartoffelsalat, der sich als urbadisch herausstellte. Im Trubel der Geschehnisse war es mir nicht möglich, das Rezept zu erfragen. Ich musste auf eine andere Gelegenheit warten.

Inzwischen hatte ich alle Arten von KS durchgeprüft. Meist empfand ich eine fast religiöse Abneigung gegen die saloppe Art, mit der man mit der Kartoffel umging. Vor allem Mayonnaise, igittigitt! Andererseits muss ich gestehen, dass so manch einer eigentlich ganz genießbar war. Doch seit ich den badischen KS selbst inszeniere und mich an die Ahs und Ohs meiner oft ausländischen Gäste (damit sind auch Norddeutsche gemeint) gewöhnt habe, weiß ich, dass es nur diesen einen gibt. Das erwies sich bei der Feier der Hochzeit meiner Tochter als Rettung, denn das Wetter war so herrlich und die etwa 130 Gäste erwiesen sich als so hungrig, dass alle logistischen und gastronomischen Vorkehrungen sich womöglich als unzureichend herausstellen mussten.

Kurz vor dem großen Ereignis fuhr der liebende Vater (das bin ich) in ein Dorf in der Nähe von Lahr, um eine Kartoffelsalatspezialistin aufzusuchen. Sie sagte zu, am Vortag einen badischen Kartoffelsalat vorzubereiten für 130 Personen. Die Hochzeit war damit gerettet, obwohl wegen vieler anderer Leckereien für manchen Gast noch ein paar Portionen zum mit Nachhausenehmen übrig waren. Natürlich musste ich aus der Künstlerin das Rezept geradezu herauspressen. Hier ist es:

Am Vortag: ausreichende Menge festkochender Kartoffeln (sie können auch aus Zypern stammen!) abkochen, abschrecken, schälen und in Scheiben schneiden. Wenn die Kartoffeln noch warm sind, eine kalte Fleischbrühe drübergießen und das Ganze 30 Minuten ziehen lassen. Bei kalten Kartoffeln empfiehlt sich eine warme Fleischbrühe. Dann einen kräftigen Essig (nicht zu viel, bitte!) hinzufügen, sowie eine satte Menge frischgeschnittener Petersilie. Dann einfach mit etwas Pfeffer abschmecken und ein gutes Salatöl verwenden (kein Olivenöl). Es kann auch Dill hinzukommen, oder Liebstöckel und Salatrauke. Badisch bedeutet jedoch: keine Zwiebeln, weil dann der KS eine leicht schwäbische Note erhält. Der KS kann sofort oder am Tag nach der Herstellung genossen werden. Wer allerdings diesen glänzenden, schleimigen, triefenden nach Weißgottwas schmeckenden Kartoffelsalat bevorzugt, dem ist nicht zu helfen.

Montag, 14. Mai 2012

Bin ich attraktiv?

Ich kann es nicht glauben: erst werde ich im Facebook angemacht. Möchtest du mein "friend" sein? Es sind meist Freunde, die ich schon seit Jahren kenne und denen ich freundschaftlich verbunden bin. Jetzt wollen sie es schriftlich haben. Mit Profil und so. Trotzdem widerstrebt es mir, dem Facebook Dinge anzuvertrauen, die normalerweise Vertrauensbeweise für Freunde sind. Wenn ich jahrelang den Kontakt mit Freunden habe einschlafen lassen, dann deshalb, weil sie unerreichbar weit weg leben oder Partner(innen) haben, die mir die Haare zu Berge steigen lassen.





Mit der telefonischen "flatrate", der preisgünstigen Art, in 20 Länder zu telefonieren, kann ich vieles tun, was mir das Facebook verbietet. Ich kann auf dem Klo sitzen und mit meiner Schwester in Amerika plauschen. Sie muss ja nicht wissen, was ich so treibe. Und mein Profil hat sie schon seit sie meine Schwester ist. Telefonieren hat noch einen anderen Vorzug: Man ruft selten jemanden an, um zu sagen, "Hallo, I like this and I like that". Das Facebook vermittelt auch nicht so richtig die Stimme eines Menschen, oder dessen Stimmung. Es bleibt Oberfächengebrabbel. Das Telefon ist persönlich. Wer es erfunden hat, müsste heute noch täglich geehrt werden. Statt dessen, nähern wir uns der Milliarde Facebooknutzer. Die Masse bringt's. Aber, was bringt sie eigentlich? Wenn ich meine Einsamkeit elektronisch zukleben möchte, lege ich mir ein neues Dutzend facebook friends zu. Dann bin ich immer noch einsam. Wenn ich aber ein Telefon habe, lasse ich es hin und wieder klingeln. Es kann also sein, dass ich als Telefonierer nicht attraktiv genug bin, um mein volles Profil ins Facebook zu hängen. Ich scheiß drauf.

Sonntag, 13. Mai 2012

Mütterlein, Mütterlein

Könntest du doch immer bei mir sein. Ich bin Sohn. Schon mein ganzes Leben lang. Meine Schwester kann ein Lied davon singen. Eine Mutter haben wir nicht mehr, aber sie hat nie aufgehört, uns zu fehlen. Ich hatte eine Tante, eigentlich eine entfernte Verwandte. Sie war etwas korpulent, unverheiratet, eine weitläufige Cousine meiner Mama. Wenn Johanna zu uns kam, rastete sie aus: sie war dann nur für mich da. Ich konnte ihre Freude sehen, wenn sie mit mir sprach. Ich wurde das Kind, das sie nie hatte. Ich spürte, dass ich auch ihr Kind hätte sein können. Bedingungslose Mutterschaft. Leider wurde sie als junge Frau von einem Bus überfahren und verschwand somit für immer aus unseren Leben.


Ist heute von einer Mutter mit fünf Kindern die Rede, neigt man dazu, die monatlichen Ausgaben hochzurechnen, die Unverantwortlichkeit in Rechnung zu stellen. Der Vater wird lediglich als der rücksichtslose Erzeuger empfunden. Dass eine Mutter, spätestens nach dem zweiten Kind, einfach noch mehr Kinder haben möchte, zeugt für mich allerdings von einer wundervollen Überdosis an Liebeskapazität. Eine Mutter, die 5 Kinder liebt, liebt anders. Nicht der künftige Universitätsprofessor wird in den einzigen Sohn hineingeträumt, oder das erfolgreiche Model in die Tochter, nein, man möchte, dass die Kinder ihren Weg selbst gehen, was immer dabei auch herauskommt. Echte Rabenmütter sind wohl selten. Deshalb bin ich dafür, dass Söhne, wenn sie mal erwachsen sind, den Muttertag nicht als eine Pflichtübung empfinden, sondern eine Aufforderung, wenn es geht, zum permanenten Feiern der eigenen Mutter (Töchter natürlich inbegriffen). Wahrscheinlich erinnert man sich später nur noch selten an die vielen Opfer, die eine Mama im Leben gebracht hat. Manchmal gibt es auch Frauen, denen es nicht vergönnt ist, ihre Mutterliebe zu entfalten. Auch an sie soll der Muttertag erinnern. Es gibt noch schönes auf dieser Wellt.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Und plötzlich war alles anders

Der Untergang des Abendlandes wurde uns von einem Oswald Spengler vorausgesagt. Was aber ist mit dem Morgenland? Die Sonne hat uns schwarzgebrannt? Nein, auch Spengler meinte es nicht so. Als er sein Buch veröffentlichte, ging zwar die Titanic unter (1912), dennoch meinte er eher den Auf- und Niedergang der Kulturen, als ein endgültiges Absacken unserer Zivilisation. Ein beredtes Missverständnis also, dem wir nachgehen wollen.




Im Leben eines jeden Menschen gibt es die Aufs und Abs. Ist man jung, denkt man vielleicht: hallo, hier komme ich. Meine Zeit ist angebrochen. Schön, wenn das Wasser, das allmählich in den Wein geschüttet wird, nicht alles überschwemmt. Erkenntnisse helfen da weiter: nein, ich bin nicht der Größte. Nein, ich bin nicht allmächtig. Es gibt auch, vor allem im Abendland, die Möglichkeit, sich persönlich dem Allmächtigen hinzuwenden und das Grobe am menschlichen Geschehen vertrauensvoll in seine Hände zu legen. Eiskalt älter werden, das wäre die Devise.

Dann kommen wieder die Zweifel. Welches Geschlecht hat Gott eigentlich? Muss ich an ihn glauben? Wer kann beweisen, dass es ihn NICHT gibt? Spielt Geld eine Rolle? Wenn ich reich bin, kann ich mir alles erlauben? Auch den Kulturkassandras auf die Nase zu scheißen? Kassandras unken, werden jedoch nicht angehört. Oder doch? Machen Reichtum, Macht und Wissen nicht eigentlich bescheiden? Was mache ich dann mit meinem Porsche Carrera? Woher kommt die Güte, die ich in meinem Herzen spüre? Müsste ich nicht viel mehr tun, um ein gutes
Mitglied unserer abendländischen Gesellschaft zu werden?




Wenn ich einsam in der Wüste lebe, kann ich denken und sagen was ich will. Ich werde nicht zum Lügner und auch nicht zum Dieb. Mörder? Gibt es in der Einsamkeit nicht. Aber die Mörder sind unter uns (in der Gesellschaft), wie wir wissen, und wir müssen uns bemühen, den Lauf der Dinge zu verstehen. Aber wie? Zur Zeit lernen wir viel von östlichen Kulturen. Das kann nicht schaden. Erweiterung des Horizonts nach allen Seiten. Es hat wohl wenig Sinn, auf den Untergang des Abendlandes zu warten. Abendland ist immer und überall.